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Lernaufgaben & LösungsvorschlägeFallbeispiel Emma*Pflege von Menschen mitErkrankungen der Haut54Tim SchureSchwitzen auftritt. Außerhalb eines akuten Schubs ist zumeisteine trockene Haut mit Schuppenbildung zu beobachten. In derakuten Phase verändert sich das Hautbild und erscheint nunmit Rötungen, Schwellungen und nässenden Hautarealen inden zuvor benannten Gebieten. Durch den immensen Juckreizsind in der Regel auch deutliche Kratzspuren sichtbar.LERNAUFGABE 2Setzen Sie sich mit der Pflegediagnose „Hautschädigung“auseinander und legen Sie anhand der bestimmenden Merkmale undbeeinflussenden Faktoren dar, warum diese Pflegediagnose auf Emmazutrifft. Überlegen Sie sich, welche Maßnahmen Sie als Pflegefachkraftergreifen können, um Emma zu helfen.Die NANDA-I-Pflegediagnose „Beeinträchtigte Integrität derHaut“ beschreibt in ihren bestimmenden Merkmalen und beeinflussenden Faktoren die Situation der Haut von Menschenmit Neurodermitis. Neurodermitis hat einen chronischen Verlauf. Besonders in akuten Schüben erhöht sich für Emma dasRisiko, dass ihre Haut der Funktion als Schutzbarriere nichtnachkommen kann. Daher trifft das bestimmende Merkmalder beeinträchtigten Hautbarriere in diesem Fall zu.LERNAUFGABE 1Georg Thieme Verlag, Stuttgart · I care Pflege · 2020Lesen Sie das Fallbeispiel von Emma (erneut). Emma hatstarken Juckreiz und kratzt sich ständig. Die Ärztin vermutet eineNeurodermitis. Informieren Sie sich über Ursachen, Auslöser undSymptome einer Neurodermitis.Neurodermitis (Synonyme: atopisches Ekzem, atopische Dermatitis) wird definiert als chronisch rezidivierende, nicht ansteckende Entzündung der Haut. Der Auslöser der Hauterkrankung ist eine Fehlfunktion des Immunsystems. Eine genetischeDisposition innerhalb der Familie erhöht die Wahrscheinlichkeit des Auftretens der Erkrankung beim Kind. Reize aus derUmwelt können den Ausbruch eines sogenannten Schubs auslösen. Welche Umweltreize individuell relevant als Auslösereines Schubs sind, variiert je nach Disposition, Lebens- undEssgewohnheiten (z. B. Kuhmilch, Nüsse, Nahrungszusätze),Infektionen, Umweltbelastungen (z. B. Abgase, Schimmelpilze)sowie Klima- und Wettereinflüssen. Auch psychische Faktoren(Stresssituationen in Schule, Arbeit oder Familie) können einenSchub auslösen. Weiterhin wird angenommen, dass ein frühesAbstillen Einfluss auf die Entwicklung der Neurodermitis haben kann.Das klinische Bild äußert sich je nach Alter des Menschenunterschiedlich. Bei Säuglingen ist vor allem der sogenannteMilchschorf auf der Kopfhaut, an Wangen, Ohren, Stirn oder amHals ein erstes Zeichen von Neurodermitis. Im späteren Verlaufzeigen sich die Hautentzündungen als Ekzem in den Kniekehlen und Ellenbeugen sowie an den Hand-, und Fußgelenken (alles im Kleinkindalter). Hautentzündungen im Gesicht, im Halsund Brustbereich, am Schultergürtel, auf den Handrücken, inden Gelenkbeugen und eingerissene Mundwinkel treten imJugend- und Erwachsenenalter auf. Neben den sichtbaren Veränderungen der Haut erleben Betroffene ihre Hauterkrankungmit einem quälenden Juckreiz, der verstärkt nachts und beimDen Eltern von betroffenen Kindern oder Kindern mit erhöhtem Risiko für eine Neurodermitis sollten in Beratungsgesprächen Tipps zur Körperpflege und zur Ernährung an die Handgegeben werden. Wie in der Pflegediagnose benannt, ist eineAufgabe der Haut, nämlich die der Schutzfunktion, herabgesetzt. Daher spricht man von „herabgesetzter Integrität derHaut“. Mit der Beratung von Eltern und Kind sollen Kompetenzen zum Hautschutz und zur Hautpflege gestärkt und entwickelt werden. Damit können Allergierisiken und die Gefahreiner Superinfektion vermieden werden.Für Eltern und Pflegefachkräfte orientiert sich das Aufgabenfeld in der Versorgung des Kindes am aktuellen Hautzustand.Je nach Vorhandensein eines akuten Schubs werden bestimmtePflegemaßnahmen zum Schutz oder zur Behandlung der Hautvorgenommen:Die natürliche Hautbarriere zu erhalten und die Angriffsfläche für Keime und Allergene zu minimieren ist das Ziel derMaßnahmen außerhalb eines akuten Schubs. Präventiv ist beiSäuglingen mit erhöhtem Risiko für eine atopischen Dermatitis eine kontinuierliche Hautpflege empfohlen. Gut geeignete Maßnahmen sind insbesondere, fette Salben auf die trockenen Hautareale aufzutragen und Öl-in-Wasser-Emulsionenauf Gebiete anzuwenden, die weniger trocken sind. Das Kindzu Baden ist weniger belastend für die Haut, als das Waschenmit einem Waschlappen. Nach dem Baden sollte die Haut eingecremt werden. Im Alltag sollten Eltern möglichst auf Hautpflegemittel ohne Konservierungs- und Farbstoffe und ohneParfüme zurückgreifen. Es ist wichtig, die Reaktion des Kindesauf neue Pflegeprodukte zu beobachten.Stillen ist die optimale Allergieprophylaxe im Neugeborenen- und Säuglingsalter. Nahrungsmittel-Eiweiße können beider Entstehung der atopischen Dermatitis eine Rolle spielen.Allergologisch relevante Allergene, z. B. Kuhmilch, Hühnerei,Soja, Nüsse, Waschmittel usw. sollten gemieden werden. Die*Fallbeispiel fiktiv, Namen frei erfunden

Lernaufgaben & LösungsvorschlägeFallbeispiel Emma*präventive Einschränkung von Nahrungsmittelbestandteilenist umstritten. Eltern wird empfohlen, neue Lebensmittel nureinzeln in die Ernährung einzubinden, um etwaige allergischeReaktionen zuordnen und gegebenenfalls darauf reagieren zukönnen. Konsequentes Meiden wird nur bei einer nachgewiesenen Allergie auf das jeweilige Nahrungsmittel empfohlen.Im akuten Schub gilt es, den oftmals quälenden Juckreiz zuunterbrechen. Nichtmedikamentös ist oftmals Kälte ein probates Mittel, um Jucken und Kratzen zu verhindern. Schwarzteezubereitungen wirken antiphlogistisch und ebenfalls juckreizmindernd. Da das in vielen Fällen allein nicht ausreicht, kann,nach ärztlicher Anordnung, auch auf kortisonhaltige Salbenund juckreizmindernde Präparate (z. B. Polidocanol-Creme)zurückgegriffen werden. Diese eignen sich allerdings nur zurAkut-, nicht zur Langzeittherapie, da das Auftreten von unerwünschten Wirkungen sonst zu hoch wäre. Gerade bei Säuglingen und Kleinkindern ist der permanente Juckreiz eine hoheBelastung – auch für die Eltern. Daher ist es aus professionellpflegerischer Sicht wichtig, ihnen die verschiedenen Optionenzur Linderung des Kratzens und Juckens aufzuzeigen und Verständnis für die Situation der Familie zu haben.LERNAUFGABE 3Emma hat Rötungen und trockene Haut, besonders an denBeugen der Arme und Beine. Nennen Sie typische Stellen, abhängigvom Lebensalter, an denen ein Ekzem auftreten kann. Wie zeigt sichdas klinische Bild eines Ekzems?Georg Thieme Verlag, Stuttgart · I care Pflege · 2020Ekzemerkrankungen sind häufig. Sie sind nicht infektiös undnicht kontagiös. Unterschieden werden können sie nach akuten und chronischen Erscheinungsbildern. Akute Geschehenwerden als Dermatitis, chronische als Ekzem bezeichnet. Jenach Auftreten und Sensibilisierungsgrad, Kontakthäufigkeitund Lokalisation unterscheiden sie sich in ihrer Ausprägung.Ekzeme allgemein können an sämtlichen Stellen der Haut auftreten. Je nach genauer klinischer Diagnose sind manche Stellen häufiger als andere betroffen. Auch in der Ausprägung, alsoim klinischen Bild zeigen sich große Unterschiede, von Schuppenbildung bis hin zu Einrissen in der Haut.Im Fall der Neurodermitis lässt sich die Lokalisation häufig wiefolgt feststellen: Bei Säuglingen ist es vor allem der sogenannteMilchschorf auf der Kopfhaut, an Wangen, Ohren, Stirn oderam Hals, der ein erstes Zeichen von Neurodermitis signalisiert.Im späteren Verlauf zeigen sich bei Kleinkindern die Hautentzündungen in den Kniekehlen, den Ellenbeugen sowie anden Hand-, und Fußgelenken. Hautentzündungen im Gesicht,im Hals- und Brustbereich, am Schultergürtel, auf den Handrücken, in den Gelenkbeugen und eingerissene Mundwinkeltreten im Jugend- und Erwachsenenalter auf.LERNAUFGABE 4Emma soll eine Kombination aus topischer und systemischerTherapie erhalten. Klären Sie die Begriffe und informieren Sie sichüber die unterschiedlichen Therapieansätze.Pflege von Menschen mitErkrankungen der Haut54Topische Therapie meint die lokale Anwendung von Salbenoder anderen Präparaten auf veränderte Hautareale. Damit entfaltet der Wirkstoff nur dort sein Potential, wo er es auch soll.Bei der systemischen Therapie werden Arzneimittel über dasBlut- oder Lymphsystem verabreicht und entfalten im Kreislaufihre Wirkung. Somit können unerwünschte Wirkungen auchim gesamten Kreislauf zum Tragen kommen.Zu beachten ist, dass Arzneimittel bei Kindern ihre Wirkungoft anders, z. B. verstärkt entfalten, da der Medikamentenstoffwechsel von der Organ- und Stoffwechselentwicklung abhängt.Für Säuglinge wurde nachgewiesen, dass topisch angewendeteMedikamente auch eine systemische Wirkung entfalten können.Ob dies auch für Kleinkinder wie Emma gilt, ist noch unklar.LERNAUFGABE 5Gestalten Sie ein Beratungsgespräch für Emma und ihre Mutterzur Hautpflege und zur Verminderung des Juckreizes. Was wären ihreinhaltlichen Schwerpunkte und wie können Sie diese Emma und ihrerMutter altersentsprechend vermitteln?Der Rahmen für das Beratungsgespräch muss aus professionellpflegerischer Perspektive an den geäußerten Bedürfnissen derMutter und des Kindes und den wahrgenommenen Bedarfenorientiert sein. Im Fallbeispiel werden 2 unterschiedliche Problematiken/Fragestellungen geschildert:Zum einen die akute Situation, die geprägt ist von Juckreiz,Schlaflosigkeit und Überforderung. Dies sind für Pflegende undEltern oft wichtige Themen, die in strukturierten Gesprächenbeantwortet werden sollten. Zum anderen hat die Mutter Fragen zur Salbe, die aber von ärztlicher Seite besprochen werdenmüssen und nicht mehr in das Aufgabenspektrum der Pflegefachkraft hineinspielen.Die Pflegekraft sollte nun gemeinsam mit Emma und ihrerMutter überlegen, welche Probleme es gerade am dringlichstenzu lösen gilt. Es ist anzunehmen, dass mit einem verringertenJuckreiz auch eine Entspannung bei Mutter und Kind eintritt.Pflegende können explizit nichtmedikamentöse Maßnahmenempfehlen und anleiten. Kälte und Entspannungsmaßnahmenkönnen in der Akutsituation helfen. Inhalt des Gesprächs kannauch die richtige Anwendung der kortisonhaltigen Salbe sein.Hierbei ist insbesondere der Hautschutz für die Mutter vonRelevanz. Perspektivisch lässt sich auch erarbeiten, in welchenSituationen die Neurodermitis ausbricht – ob es z. B. Stresssituationen gab, die für Emma und ihre Mama besonders aufregend waren und die damit in Verbindung mit dem akutenSchub stehen könnten.Das Gespräch sollte in einer entspannten Atmosphäre undohne Zeitdruck stattfinden. Sowohl die zu Beratenden alsauch die Beratungsgebenden, also die Pflegeden selbst, solltengut aufnahmefähig und wenig abgelenkt sein. Für die Durchführung eines geplanten Beratungsgesprächs muss also überangemessene Bedingungen bezüglich Zeit und Raum für dieanwesenden Personen nachgedacht werden. Die Pflegefachkraft sollte überlegen, wie sie ausdrücklich auch Emma undnicht nur deren Mama in das Gespräch einbinden und die Themen möglichst kind- und entwicklungsgerecht erklären kann.*Fallbeispiel fiktiv, Namen frei erfunden

Lernaufgaben & LösungsvorschlägeFallbeispiel Emma*Der Beratungstermin selbst orientiert sich an den 5 Schrittenim Beratungsprozess:1. Beratungsbedarf und Ressourcen erfassen2. Beratungsziele gemeinsam festlegen3. Beratungsmaßnahmen erarbeiten und festlegen4. Umsetzung der Beratungsmaßnahmen5. Evaluation der erfolgten MaßnahmenDer Prozess kann pflegewissenschaftlich durch die Anwendungvon relevanten Pflegediagnosen gestützt werden. Dabei istjedoch zu beachten, dass viele Beratungssuchende über wenigVorwissen verfügen und die Sprache angemessen sein muss.LERNAUFGABE 6Ist eine familiäre Vorgeschichte zur Neurodermitis bekannt,werden präventiv Maßnahmen empfohlen. Differenzieren Sie Formender Prävention und überlegen Sie, welche im Fall von Emma zutrifft.Im Sinne von Präventionsmedizin geht es darum zu erkennen,welche intraindividuellen Risikofaktoren des Menschen vorherrschen, um gesundheitsförderliches Verhalten zu unterstützen. Dabei wird in Primär-, Sekundär-, und Tertiärprävention unterschieden. Primärprävention meint den Erhalt vonGesundheit und der Vermeidung von Krankheit. Zielgruppedieser Form von Prävention sind alle gesunden Menschen.Sekundärprävention richtet sich an Menschen, die eine Erkrankung haben. Hier sollen Folgeproblematiken vermiedenund Gesundung ermöglicht werden. Dies kann gelingen, indemdiese möglichen Folgeerkrankungen so früh wie möglich festgestellt werden. Ein gutes Beispiel sind die Neugeborenenscreenings oder Vorsorgeuntersuchungen beim Hausarzt.Georg Thieme Verlag, Stuttgart · I care Pflege · 2020Tertiärprävention soll denjenigen Menschen Unterstützungbieten, die bereits an einer chronisch manifesten Erkrankungleiden. Ziel ist es, den aktuellen Gesundheitszustand zumindest zu erhalten, wenn eine Heilung ausgeschlossen ist.Neben den beschriebenen Präventionsarten gibt es weitere Ansätze, das gesundheitsförderliche Verhalten von Menschen zubeeinflussen. Man unterscheidet dann zwischen Verhaltens-,und Verhältnisprävention. Verhaltensprävention bezieht sichunmittelbar auf den einzelnen Menschen und sein Verhaltenund Bewusstsein zur Gesundheitsförderung. Dies kann zumBeispiel gefördert werden, in dem sich der einzelne Menschgesund ernährt, ausreichend bewegt und aufs rauchen verzichtet. Auch die Verhältnisse, in denen Gesundheitsförderungstattfindet, können beeinflusst werden. Dies betrifft zum Beispiel die Arbeits- und Wohnverhältnisse in denen wir leben,aber auch der Zugang zu Bildung und das Einkommen, das wirhaben.Die Situation von Emma ist nicht einfach zuzuordnen. Einerseits sind Maßnahmen zur Gesundheitserhaltung im sekundären Präventionsbereich zu finden. Folgeerkrankungen(wie Hautinfektionen) sollen vermieden werden und die Hautsoll sich regenerieren. Da sich der Hautzustand in Folge derAdoleszenz noch umstellen kann, ist eine Heilung nicht ausgeschlossen. Präventive Maßnahmen bei Emma können sichaber auch der Tertiärprävention zuordnen lassen, da es sichPflege von Menschen mitErkrankungen der Haut54bei Neurodermitis um eine chronische Erkrankung handelt, dieim schlechtesten Fall ein Leben lang bleibt und nicht geheiltwerden kann. In diesem Fall geht es darum, tertiärpräventiv zuhandeln, also z. B. Komplikationen während akuter Schübe zuvermeiden.Verhaltensprävention würde in Emmas Fall z. B. bedeuten, mitihr Tricks zu üben, die sie anwenden kann, wenn die Haut starkjuckt, um das Aufkratzen der Haut zu vermeiden. Verhältnisprävention würde bei einer Neurodermitis zum Beispiel bedeuten, bei nachgewiesenen Allergien (!) allergenarme Wohnverhältnisse zu schaffen (v. a. im Schlafzimmer der betroffenenPerson). Das würde z. B. bedeuten, sich bei einer nachgewiesenAllergie auf Tierhaare keine behaarten Haustiere anzuschaffen.WEITERE LERNAUFGABEN UND LÖSUNGS VORSCHLÄGELERNAUFGABE 7Welche Umstellungen der Ernährung im Säuglingsalter werdenempfohlen, um der Entwicklung der erblich bedingten Neurodermitisentgegenzuwirken?Neben der Hautpflege spielt die Ernährung eine wesentlicheRolle zur Vermeidung akuter Krankheitsphasen sowie derEntwicklung von Allergien, im Zusammenhang mit einer vorhandenen Neurodermitis. Den Säugling in den ersten vier bissechs Lebensmonaten zu Stillen gilt als beste Allergieprophylaxe. Falls das nicht möglich sein sollte, wird die Nahrungsgabemit Hypoallergener-Nahrung (HA) empfohlen. Stillt die Mutteroder füttert sie das Kind mit Beikost, wird empfohlen auf potentiell allergieauslösende Nahrungsbestandteile zu verzichten(zum Beispiel Kuhmilch, Hühnerei, Soja, Nüsse, Fisch) oder sichzumindest sensibel darin zu verhalten, neue, potentiell allergieauslösende Nahrungsbestandteile in die Ernährung aufzunehmen. Pauschalverzichte hingegen sind nicht geeignet. ImZweifelsfall sollte die Ernährung mit dem Kinderarzt und einerErnährungsfachkraft abgesprochen werden.Zucker als allergieauslösender Faktor hingegen ist umstritten.Neben den Empfehlungen zur Ernährung sollten Familien mitvorhandenem Allergierisiko für das Kind auch auf eine möglichst allergiearme Umgebung achten und zum Beispiel explizitden Kontakt mit Schimmelpilzen meiden. Allerdings ist dieserFakt in der Wissenschaft umstritten. Neuere Studien zeigen,dass ein frühzeitiger Kontakt mit möglichen Allergenen durchaus auch präventiv auf die Entstehung von Allergien wirkenkann.LERNAUFGABE 8Bei Emma wurde eine Neurodermitis diagnostiziert. WelcheBedeutung hatte die Diagnose vermutlich für die Eltern?Im Fall ist zunächst eine große Unsicherheit auf Seiten derMutter erkennbar. Tatsächlich ist für viele Eltern von Kindern*Fallbeispiel fiktiv, Namen frei erfunden

Lernaufgaben & LösungsvorschlägeFallbeispiel Emma*mit Neurodermitis zunächst die Ungewissheit und die Frage„Was hat mein Kind?“ belastend. Die Veränderung der Haut,eventuell sogar verbunden mit Blutungen aufgrund des stetigquälenden Juckreizes, sowie die Schmerzsituation beim Kindsind dabei enorme Belastungsfaktoren für die gesamte Familie.Mit der Diagnose selbst und dem Beginn der Therapie verändertsich die Belastungssituation Stück für Stück. Je mehr Strategiendie Eltern an die Hand bekommen, um den Zustand der Hautzu verbessern und den Juckreiz zu lindern, desto sicherer sindsie im Umgang mit der Krankheit. Mit wachsender Kompetenzim Umgang können auch weiterführende Fragen, wie die nachmöglichen Ursachen und Präventionsmaßnahmen therapeutisch und pflegerisch erörtert werden. Wichtig ist für Eltern,dass sie das Gefühl bekommen aktiv an der Gestaltung desTherapieplans mitwirken zu können. Eine intensive Betreuungin der Akutsituation empfiehlt sich, da stabile Familienverhältnisse enorm wichtig sind – insbesondere für die Eltern-KindBindung. Der Erfolg einer gelungenen Krisenintervention zeigtsich auch im Fallbeispiel. Nach erfolgter Diagnose und erstensystemischen und lokalen Therapiemaßnahmen können Mutter und Tochter wieder durchschlafen. Mit der Entspannungwächst auch die Fähigkeit und die Möglichkeit von EmmasMutter, sich weiterführenden Fragen zur Therapie zu stellen.LERNAUFGABE 9Emma ist jetzt 4 Jahre alt. Bestimmen Sie die aktuellen Entwicklungsaufgaben für Emma nach der Theorie von Jean Piaget.Georg Thieme Verlag, Stuttgart · I care Pflege · 2020Die Theorien verschiedener Entwicklungspsychologen helfenuns im Pflegealltag zu verstehen, was Patienten in ihrer aktuellen Entwicklungsstufe verstehen (können) und was ihre„Aufgaben“ entsprechend des Lebensalters und der erwähntenEntwicklungsstufe sind. Jean Piagets Theorie der kognitivenEntwicklung legte den Grundstein zur Analyse der kindlichenReifung und Entwicklung. Piaget nahm an, dass das Kind geistig und körperlich aktiv ist und sich seine Umwelt „erobert“.Kind und Umwelt sind somit im stetigen Austausch, was diefortschreitende Entwicklung ermöglicht.Piaget hält in seiner Theorie vier Stadien fest: das sensumotorische Stadium (Geburt bis 2 Jahre) das voroperatorische Stadium (2 bis 7 Jahre) das konkret-operatorische Stadium (7 bis 12 Jahre) das formal-operatorische Stadium (12 Jahre und älter)Emma ist vier Jahre alt und befindet sich damit im zweiten,dem voroperatorischen Stadium. Dieses ist gekennzeichnetdurch eine enorme Phantasie der Kinder. Dingen und Gegenständen werden Eigenschaften zugewiesen, die (in Form oderFunktion) ähnliche Gegenstände haben. Beispielsweise kanneine Banane oder ein Stock auch eine Pistole symbolisieren.Aus diesem Grund spricht man in dieser Phase von der symbolischen Repräsentation. Die große Herausforderung fürdas soziale Umfeld, insbesondere die Eltern in dieser Phase istder ausgeprägte Egozentrismus in diesem Alter. Dies wird vonPiaget als normaler Prozess beschrieben, in dem die Kinder erstnoch lernen müssen, die Perspektiven von anderen Menscheneinzunehmen.Pflege von Menschen mitErkrankungen der Haut54Für Pflegende bedeutet dieses Wissen um den Entwicklungsstand, dass nicht davon ausgegangen werden kann, dass Kinderdie Perspektive der Pflegenden einnehmen können. Erklärungen dazu, weshalb Maßnahmen notwendig sind, sollten sichan der Lebenswelt der Kinder orientieren und somit möglichstbildhaft und vergleichend sein.LERNAUFGABE 10Emma hat Neurodermitis. Inwiefern kann die Neurodermitisals chronische Erkrankung Einfluss auf die Entwicklung von Emmanehmen?Kinder sind bereits in frühen Entwicklungsphasen in der Lage,gesund von krank zu unterscheiden – zumindest, wenn äußerlich sichtbar. Im Laufe der kognitiven Entwicklung des Kindeskommt stetig mehr Wissen über den Körper, die einzelnen Bestandteile und deren Funktionen hinzu. Kindern wird dabeinach und nach bewusst, dass akute Symptome (z. B. Schmerzen) oft als Folge einer Erkrankung oder Verletzung auftreten.Im Falle des akuten Neurodermitis-Schubs ist bei Emma demnach davon auszugehen, dass sie die akuten Symptome wieSchmerzen und Juckreiz als Folge einer Erkrankung verstehenkann. Auch Krankenhausaufenthalte und das regelmäßige Eincremen mit verschiedenen Salben wird sie im Laufe ihrer Kindheit als Folge der chronischen Erkrankung verstehen.Je nachdem, wie die Allergietests (Antikörper- und Prick-Test)ausfallen, werden ggf. auch Einschränkungen im Genuss vonNahrungsmitteln und die Meidung weiterer Allergene (z. B.Pollen bei nachgewiesener Pollenallergie) auf Emma zukommen.Neurodermitis kann sehr unterschiedlich verlaufen. Je nachdem, wie stark der Juckreiz Emmas Leben prägt, können Narben als Folge vom Kratzen entstehen. Wenn Emma in der Pubertät ist, entwickelt sie mehr und mehr ein eigenes Körperbildund muss lernen sich so zu akzeptieren, wie sie ist. Je stärkerdie Narben auf ihrer Haut ausgeprägt sind, desto schwierigerwird die Akzeptanz von sich selbst. Es bleibt abzuwarten, inwiefern sich der verändernde Hormonhaushalt von Emma aufdie Neurodermitis auswirkt. Nicht selten verschwindet dieErkrankung im Zusammenhang mit der körperlichen Veränderung in dieser Lebensphase.LERNAUFGABE 11Emma erhält eine kortisonhaltige Salbe und ein systemischwirksames Kortison-Präparat. Informieren Sie sich über die zentralenNebenwirkungen von Kortison.Emma bekommt Kortisol sowohl systemisch als auch topischverabreicht. Die Ausprägung der unerwünschten Wirkungenvariiert bei beiden Therapieverfahren und hängt ab von derStärke des Medikaments, und von der Lokalisation, Art undDauer der Anwendung.*Fallbeispiel fiktiv, Namen frei erfunden

Lernaufgaben & LösungsvorschlägeFallbeispiel Emma*In der dauerhaften Anwendung, insbesondere von Kortisonauf topischem Weg, entstehen häufig Hautverdünnungen,Pigmentstörungen oder Haarwurzelentzündungen. Auftretenkönnen auch, insbesondere bei kontinuierlicher Anwendung,sogenannte Steroidabhängigkeiten, bei denen, unmittelbarnach dem Absetzen des Medikaments die Hautveränderungenwieder aufflammen.Eine fehlerhafte Anwendung von kortisonhaltigen Medikamenten kann Einfluss auf den Hormonhaushalt des Patientenhaben. Die Folge daraus können Wachstumsverzögerungen,Veränderungen der Knochendichte und eine fortschreitendeLeberinsuffizienz sein. Da Säuglinge und Kleinkinder anfälligerfür unerwünschte Wirkungen sind, wird eine längere Anwendung nicht empfohlen.LERNAUFGABE 12Differenzieren Sie „Compliance“ und „Adhärenz“. Inwiefern hatdas Wissen um die unerwünschten Wirkungsweisen Einfluss auf dieEinstellung zur Therapie?Differenzierung Compliance & AdhärenzCompliance meint: „Therapietreue“ und kann somit synonymverwendet werden für die Folgsamkeit der Patienten zu denMaßnahmen, die von medizinischer und pflegerischer Seiteangewiesen werden. Eine gute Compliance entspricht demnach dem konsequenten Befolgen von Ratschlägen und ist inder Praxis schwer zu erreichen. Setzen Patienten Maßnahmennicht um, werden sie oftmals als „non-compliant“ definiert.Die Ursachen für das Nichtbefolgen von Ratschlägen werdenhäufig außer Acht gelassen. In der heutigen Perspektive derpartnerschaftlichen Therapiebeziehung zwischen Arzt bzw.Pflegenden und dem Patienten gilt diese Perspektive als veraltet.Georg Thieme Verlag, Stuttgart · I care Pflege · 2020Zeitgemäßer ist es von Adhärenz zu sprechen. Als Adhärenzbezeichnet man in der Medizin die Einhaltung der gemeinsamvon Patient und Arzt/Pflegendem gesetzten Therapieziele imRahmen des Behandlungsprozesses. Im Vordergrund dieserPerspektive steht die gelungene Patientenedukation. Erkranktesollen hierbei befähigt werden, ihre Situation zu verstehen undPflege von Menschen mitErkrankungen der Haut54selbstbestimmt weiterleben zu können, trotz etwaiger Einschränkungen. Eine Patientenedukation gelingt, indem sichPflegende auf die Situation und Lebenswelt der Patienten einlassen. Empathie ist notwendig, um „in den Schuhen des Anderen laufen zu können“. Gelingt dies, ist es möglich, die Motivation zur Therapie aufzubauen und beizubehalten. Ein guteAdhärenz nutzt sowohl dem Patienten selbst (guter Krankheitsverlauf), als auch der Gesellschaft, da bei stetiger Therapieweniger Kosten für Krankenhausaufenthalte und Medikamentenverschreibungen entstehen.LERNAUFGABE 13Inwiefern haben Sie als Pflegefachfrau/Pflegefachmann Einflussauf Compliance bzw. Adhärenz?Eine gute Beziehung zwischen Pflegenden und Patienten entsteht häufig durch einen stetigen gegenseitigen Informationsaustausch. Einerseits sollte die Pflegefachkraft Informationendazu einholen, wie es den zu Pflegenden mit der Umsetzungneuer oder alter Maßnahmen geht. Was gelingt gut und warum? Was wird nicht umgesetzt und was können die hinderlichen Faktoren sein? Was braucht es auf Seiten des Patienten,um Maßnahmen doch umzusetzen? Auf der anderen Seitesind Pflegefachkräfte dazu angehalten den Patienten alle Informationen zukommen zu lassen, die diese benötigen. Oftmalsist das Fehlen eben jener Informationen der Hinderungsgrund, weshalb Ratschläge nicht umgesetzt werden. Pflegendebrauchen Fachkompetenzen und aktuelles Pflegefachwissen,welches auf fundierten wissenschaftlichen Fakten beruht (Evidence-Based-Nursing). Die Fähigkeit, sich in die Situation desGegenübers hineinzuversetzen, wird als Empathie beschriebenund bildet eine zweite, zentrale Kompetenz von Pflegendenin der Beziehung zu den Patienten. Wird verstanden, „wo derMensch steht“, können gemeinsam angemessene Maßnahmenzur Erreichung therapeutischer und pflegerischer Ziele vereinbart werden. Die Kompetenzen liegen hier in der Kommunikation der Pflegenden: Erfassung des Pflegebedarfs, gemeinsame Zielformulierung und das Aushandeln der Ziele in einempassenden Setting.QUELLENLernaufgabe 1 Wächter C, Hrsg. Fallbuch Kind: Vernetzt denken – Pflege verstehen. München: Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH; 2009 (S. 75)Hoehl M, Kullick P, Hrsg. Gesundheits- und Kinderkrankenpflege. 5. Aufl. Stuttgart: Thieme; 2019 (S. 552)Pinquart M, Hrsg. Wenn Kinder und Jugendliche körperlich chronisch krank sind: Psychische und soziale Entwicklung, Prävention,Intervention. Berlin: Springer; 2013 (S. 11)Lernaufgabe 2 Herdmann HT, Kamitsuru S, Hrsg. NANDA-I-Pflegediagnosen: Definitionen und Klassifikation 2018–2020. Kassel: RECOM; 2019(S. 453)Fischer von Weikersthal G. Prävention bei Veranlagung zu atopischer Dermatitis: Tägliche Hautpflege von Anfang an unterstütztgesunde Hautreifung. Kinderkrankenschwester 2015. 5: 173Hoehl M, Kullick P, Hrsg. Gesundheits- und Kinderkrankenpflege. 5. Aufl. Stuttgart: Thieme; 2019 (S. 554)Wächter C, Hrsg. Fallbuch Kind: Vernetzt denken – Pflege verstehen. München: Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH; 2009 (S. 69)*Fallbeispiel fiktiv, Namen frei erfunden

Lernaufgabe 3 Speer CP, Gahr M, Dötzsch J, Hrsg. (2019): Pädiatrie. 5. Aufl. Berlin: Springer; 2019 (S. 786)Lernaufgabe 4 derma.plus. Topische und systemische Therapie. Im Internet: https://derma.plus/definition/topisch-systemisch/; Stand: 27.03.2020Wimmer S, Rascher W. Problematik der Arzneimitteltherapie in der Pädiatrie. Kinderkrankenschwester 2016. 1: 7Lernaufgabe 5 Hoehl M, Kullick P, Hrsg. Gesundheits- und Kinderkrankenpflege. 5. Aufl. Stuttgart: Thieme; 2019 (S. 199 ff.)Herdmann HT, Kamitsuru S, Hrsg. NANDA-I-Pflegediagnosen: Definitionen und Klassifikation 2018–2020. Kassel: RECOM; 2019(S. 310)Lernaufgabe 6 Bundesministerium für Gesundheit. Begriffe A-Z. Prävention (12.12.2019). Im Internet: e/begriffe-von-a-z/p/praevention.html; Stand: 24.03.2020Deutsche Gesellschaft für Nährstoffmedizin und Prävention (DGNP). Definition der Präventionsmedizin (2018). Im Internet: raeventionsmedizin.html; Stand: 24.03.2020Lernaufgabe 7 Allergieinformationsdienst. Neurodermitis: Vorbeugung (09.11.2018). Im Internet: https://www.allergieinformationsdienst.de/ krankheitsbilder/neurodermitis/praevention.html; Stand: 24.03.2020Fischer von Weikersthal G. Prävention bei Veranlagung zu atopischer Dermatitis: Tägliche Hautpflege von Anfang an unterstütztgesunde Hautreifung. Kinderkrankenschwester 2015. 5: 174Wächter C, Hrsg. Fallbuch Kind: Vernetzt denken – Pflege verstehen. München: Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH; 2009 (S. 70)Lernaufgabe 8 Uphoff R. Delegation von Pflegemaßnahmen an die Eltern – Was geht? Kinderkrankenschwester (2017). 4: 125 ff.Pinquart M, Hrsg. Wenn Kinder und Jugendliche körperlich chronisch krank sind: Psychische und soziale Entwicklung, Prävention,Intervention. Berlin: Springer; 2013 (S. 42)H oehl M, Kullick P, Hrsg. Gesundheits- und Kinderkrankenpflege. 5. Aufl. Stuttgart: Thieme; 2019 (S. 191)Lernaufgabe 9 Siegler R, DeLoache J, Eisenberg N. Entwicklungspsychologie im Kindes- und Jugendalter. München: Urban & Fischer Verlag/ElsevierGmbH; 2005 (S. 181)Lernaufgabe 10 Pinquart M, Hrsg. Wenn Kinder und Jugendliche körperlich chronisch krank sind: Psychische und soziale Entwicklung, Prävention,Intervention. Berlin: Springer; 2013 (S. 23 f.)Lernaufgabe 11 Eucerin.de. Was ist Cortison und wie wirkt es bei Neurodermitis-Beschwerden? (2020). Im Internet: https://www.eucerin.de/ neurodermitis-und-cortison; Stand: 24.02.2020Hunziker T, Schmidli J. Kortikosteroide zur lokalen Anwendung auf der Haut. Im Internet: https://www.infomed.ch/pk template.php?pkid 635; Stand: 24.03.2

Adoleszenz noch umstellen kann, ist eine Heilung nicht aus-geschlossen. Präventive Maßnahmen bei Emma können sich aber auch der Tertiärprävention zuordnen lassen, da es sich LERNAUFGABE 6 Ist eine familiäre Vorgeschichte zur Neurodermitis bekannt, werden