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8.Infobrief desProjekts „MobileJugendarbeit imEuropavier tel“November 2020Liebe Förderinnen, liebe Förderer,liebe Leserinnen, liebe Leser,einige Zeit ist vergangen seit unserem letzten Infobrief und vielfältige Neuerungen haben sich ergeben oder stehen noch an: Coronaund die entsprechenden Infektionsschutzmaßnahmen beschäftigen uns im Alltag sehr, kreative Ideen für Begegnungen und Begleitungen in dieser Gesundheits- und Sozialkrise wurden erprobtund werden weiterentwickelt. Hierzu zählen neue Formen derEinzelhilfe (S. 3), Freizeiten (S. 5), neue (digitale) Begegnungsformate (S. 4 und S. 7) und der Versuch, jungen ausgegrenztenMenschen die Chance zu ermöglichen, den Hauptschulabschlusszu erreichen (S. 8). Im Europaviertel sind wir auf der Suche nacheinem Ersatz für unseren Wohnwagen, der altersbedingt denkommenden Winter nicht überstanden hätte (S. 6). Besondersfreuen wir uns über die Veröffentlichung des Abschlussberichtsder Projektjahre 2018/2019, der Ihnen in einer Kurz- und einerLangversion auf den Internetseiten der Mobilen Jugendarbeit sowie der Stadtbibliothek zur Verfügung steht (S. 2).Ein großes Thema sind die Ereignisse in der Nacht vom 20. aufden 21. Juni 2020: Die Ausschreitungen haben unsere Stadt tief erschüttert und national wie international Aufmerksamkeit erregt.Auch das Team der Mobilen Jugendarbeit (MJA) im Europaviertelwurde bei der medialen und fachlichen Aufarbeitung angefragt.Der Stuttgarter Gemeinderat hat innerhalb kürzester Zeit fünfneue Stellen für eine MJA in der Innenstadt bewilligt. Da es vielfältige Schnittstellen zwischen Europaviertel und Innenstadt gibt,haben die Träger der Mobilen Jugendarbeit in Abstimmung mitder Stadtbibliothek entschieden, dass die neuen Mitarbeitendenzukünftig mit dem bisherigen Team Europaviertel das GroßteamMJA Innenstadt / Europaviertel bilden.Die zu behandelnden Themen und die sozialarbeiterische Arbeitsweise überschneiden sich stark: Umgang mit gewalttätigenKonflikten und die Bearbeitung der Ursachen, Schaffung von Begegnungsräumen sowie eine soziale Stadtentwicklung werden unsauch in der Stuttgarter Innenstadt vor vielfältige Herausforderungen stellen, denen wir in enger Zusammenarbeit mit den ansässigen Kulturinstitutionen begegnen wollen (S. 9).Wir hoffen, Ihnen mit diesem achten Infobrief interessante Einblicke in unsere Arbeit zu ermöglichen und wünschen Ihnen vielSpaß beim lesen.Das Team der Mobilen Jugendarbeit Europaviertel.

Veröffentlichung desAbschlussberichts derProjektjahre 2018/20191500 Teilnehmende an unseren Projekten, 50 junge Menschen, die intensive Unterstützung erhalten haben. Eine„deutliche Entspannung der Situation“im Europaviertel und eine breite Akzeptanz unseres aufsuchenden Ansatzes beiüber 100 neu aufgebauten Netzwerkund Kooperationspartnern. Schon diesekleine Auswahl an Ergebnissen aus demAbschlussbericht der Projektjahre 2018und 2019 zeigt, wie vielfältig und intensiv die vergangenen zwei Jahre für unswaren. Für uns entscheidend: Wir sindangekommen im Europaviertel und wirdürfen bleiben. Durch die großzügigeFörderung der Stadt Stuttgart und desLandes Baden-Württemberg ist unsereArbeit im Europaviertel bis Ende 2023gesichert.Prof. Dr. Thomas Meyer hat die Ergebnisse der wissenschaftlichen Begleitungim Abschlussbericht veröffentlicht, dieser wird zeitnah über die Internetseitender Mobilen Jugendarbeit und der Stadtbibliothek verfügbar sein. Wir bedankenuns für die gute Zusammenarbeit unddie kritische Reflexion unseres Handelns. Für die aktuelle Projektphase haben wir erneut eine wissenschaftlicheBegleitung angeregt. Die Fragen „Wiearbeiten wir?“ und „Wie wirken wir?“scheinen ausreichend beantwortet, daher liegt der Schwerpunkt der begleitenden Forschung künftig auf den Chancen und dem innovativen Potential dermultiprofessionellen Zusammenarbeitvon Jugendsozialarbeit und kulturellerJugendbildung. Gemeinsam mit SusanneKrüger, ehemals Professorin für Bibliothekspädagogik an der Hochschuleder Medien, wurde ein Forschungsdesign erarbeitet, das unsere neueund zukunftsweisende kooperativeArbeitsweise genauer untersuchensoll.Gerne hätten wir die Ergebnisse in einerVeranstaltung mit Ihnen diskutiert, jedoch gelten auch hier die Einschränkungen, die das Jahr 2020 mit sich gebrachthat. Selbstverständlich stehen wir fürFragen, Rückmeldungen und Anregungen jederzeit zur Verfügung.1.500Teilnehmende anmehr als 90 Aktionen undProjekten50jungeMenschen inintensiverEinzelhilfe100 neueNetzwerk- undKooperationspartner*innen2

Praktische Einblicke in unsere Arbeit„Lea, kann ich alle Briefe bei dir lassen?Ich kann sonst nicht schlafen.“Seit längerer Zeit begleiten wir einen jungenMann, der vor vier Jahren ohne seine Familienach Deutschland geflohen ist. Er verbrachteviel Zeit bei uns am Wohnwagen und nahm anFreizeitangeboten teil, bis er irgendwann nacheinem Einzeltermin fragte. Wir machten mitihm einen Termin in der Stadtbibliothek aus. Erkam mit drei Rucksäcken voller Briefe der vergangenen vier Jahre. Er berichtete, dass er keine Vertrauensperson habe, die all diese Dingeverstehe. Er schlafe seit einem Jahr nicht mehrrichtig, da er so viele offene Baustellen habe.Wir verbrachten drei Tage damit, die Briefe zusortieren. Drohende Obdachlosigkeit und hoheSchulden waren nur ein Teil der zu bearbeitenden Themen.Unterdessen arbeitete er so viel, wie er konnte,um seine Schulden zu tilgen. Weil ihm ein guterSchulabschluss fehlt, wurde er zu Beginn derPandemie entlassen. Die Unkenntnis über seineMeldepflicht führte zu versäumten Fristen beimJobCenter und bei Gerichtsterminen bezüglichseiner Schulden. Die Überforderung sorgte dafür, dass er sich zurückzog und große Angsthatte, mit Behörden in Verbindung zu treten.Durch viele Telefonate während des Lockdowns und die Begleitung und Vorbereitungseiner Termine bei den Institutionen schafft eres mittlerweile, viele Dinge selbst zu erledigenund für seine Fehler, aber auch für seine Rechte einzustehen. Wir sprechen immer noch oftüber die für uns „Kleinigkeiten des Alltags“,die ihm nie jemand erklärt hat: dass man seinenWohnsitz ummelden muss und für einen Facharzt eine Überweisung benötigt, wie man einenBriefumschlag richtig beschriftet oder dass esnormal ist, ein Bett zu besitzen. Mit Unterstützung der Mobilen Jugendarbeit wurde für ihnein stabiles Netz an Ansprechpartner*innen geschaffen, z. B. die zentrale Schuldnerberatung,ein Ansprechpartner beim JobCenter und vieleweitere.Diese ehrlichen und positiven Begegnungensind Grundlage für die Hilfe zur Selbsthilfeder jungen Menschen in Stuttgart, oft brauchtes dafür anfangs nur eine Übersetzungsfunktion zwischen den verschiedenen Welten. Diesekann die Mobile Jugendarbeit Stuttgart erfüllen.Wir halfen dem jungen Mann auch, in eine neueWohnung zu ziehen, dort hat er inzwischen sozialen Anschluss in einem Fußballverein gefunden. Momentan holt er seinen Schulabschlussnach und hat das Ziel, eine Ausbildung als Frisör zu finden. Wenn seine Schulden endgültigabbezahlt sind, ist einer seiner Träume ein alterMercedes-Benz.„Ich dachte mit der Bankkarte bekommeich Geld umsonst. Ich hatte doch nichts.“3

Wie bereits im letzten Infobrief angekündigt, haben wir unser Online-Repertoire ausgebaut. Um auch weiterhin präsent zu sein, verlagerten wir viele Angebote in den digitalen Raum. So wurde z. B. aus unserer 2018 zum ersten Maldurchgeführten Hip-Hop-Woche in diesem Jahr „edYo!cation online“. Gemeinsam mit den Künstlerinnen und Künstlern entwickelten wir passende Workshopformate für das Internet. Die Ergebnisse können Sie sich auf dem YouTubeKanal „Stadtbibliothek Stuttgart“ ansehen.DigitalePräsenzUm auch dem Thema Bildungsgerechtigkeit Rechnung zu tragen, besonders in dieser schwierigen Zeit mit temporärenSchulschließungen und nicht einheitlich gut funktionierendem Homeschooling, hat die Junge Bibliothek eine Ideensammlung für Schüler*innen „#WirBleibenZuhause“ erstellt, die beim Lernen unterstützen soll, aber auch Freizeittipps gegen Langeweile gibt. Zu finden ist die Zusammenstellung auf der Website der Stadtbibliothek.Ausschnitt aus dem GraffitiTutorial von „Gute Wolke“4

„Anna, ich habe noch nieirgendwo anders geschlafenals zu Hause.“In den Sommerferien 2020 haben wirgleich zweimal mit jeweils sechs Jugendlichen mehrere Tage im Schwarzwaldverbracht. Gemeinsam erkundeten wirdie Natur, waren im Titisee schwimmen(inkl. Riesenrutsche) und haben traditionelle Käs‘spätzle gegessen.Auch wenn uns die Corona-Regeln begleiteten, brachte der TapetenwechselAufregung und Spannung in den seitAusbruch der Pandemie stark eingeschränkten Alltag der jungen Menschen. Die entspannte Atmosphäre imRahmen dieser Freizeit bot uns außerdem die Möglichkeit, mit ihnen insGespräch zu kommen und sie z. B. fürdie Sinnhaftigkeit der Einhaltung vonInfektionsschutzmaßnahmen zu sensibilisieren.Trotz der aktuell sehr schwierigen Lagekonnten wir den jungen Menschen er-möglichen, neue Erfahrungen zu machen, u. a. bei einer Barfußwanderungdurch einen Fluss und einer gemeinsamen Kletterpartie im Hochseilgarten. Die Frage „Was hat dir am bestengefallen?“ wurde durchweg mit „Alles!Es war alles geil.“ beantwortet. Und begeistert waren nicht nur die Jugendlichen. Uns haben auch Rückmeldungender Eltern erreicht, die zutiefst dankbarsind, dass ihre Kinder eine Gelegenheitfür tolle Erlebnisse bekamen.Dies ist keine Selbstverständlichkeitund nicht nur deshalb sind Freizeitenfür uns sehr wichtig, um intensive Beziehungen zu den jungen Menschenaufbauen zu können. Durch die gemeinsam verbrachte Zeit und die Erlebnisse wächst eine Gruppe zusammenund eine Vertrauensbasis wird errichtet.Wir werden als verlässliche Ansprechpartner*innen erlebt und die jungenMenschen wenden sich dadurch mitvielerlei Themen an uns.Gemeinsam – mit Abstand –Neues entdecken: Freizeitenin der Mobilen Jugendarbeit5

„Das ist sowas wie mein Zuhause.“Absehbar und dennoch sehr betrüblich: Im September wurde unserWohnwagen von der Karle RecyclingGmbH abgeholt und entsorgt. Nachzwei Jahren im Dauereinsatz und derdamit verbundenen Abnutzung wurde deutlich, dass der Wohnwagen denkommenden Winter im Europaviertelnicht überstanden hätte. Wassereintritt an diversen Stellen durch Löcherin Wänden, Decke und Boden, damitverbunden Schimmel und Fäule sowieder Einzug mehrerer Ameisenkolonien waren neben den Einschränkungen durch den Infektionsschutz ausschlaggebend für diesen Schritt. DasKNAUS-Model war immerhin schondreißig Jahre alt. Aus dem „Symboldes guten Miteinanders“ ist nun eineBaustelle geworden die weder unseren, noch den Bedarfen unserer Adressat*innen gerecht werden kann.Diverse Gespräche und die Fragen derjungen Menschen sowie weiterer Personen aus dem Europaviertel zeigenuns deutlich, dass wir zeitnah eine Alternative für die Begegnung benötigen.Um dem kommenden Winter auch Infektionsschutz-konform zu begegnen,planen wir den Bau einer Anlaufstellein Form einer Holzterrasse und einesgroßen Pavillons. Langfristig stelltdies natürlich keine ausreichende undzufriedenstellende Möglichkeit dar.In Zeiten des „Stoßbetriebs“ in denvergangenen zwei Wintern besuchten uns manchmal mehr als 40 jungeMenschen am Tag, bis zu 20 hieltensich gleichzeitig im Wohnwagen auf,tanzten, lachten, sangen und trommelten. Dieser Bedarf nach einem „Raum“wird nun in allen Gesprächen deutlich:„Wo sollen wir denn jetzt hin?“, „Aberwir brauchen den Wohnwagen!“, „Icherinnere mich an den letzten Winter.Jeden Tag im Wohnwagen, das war sogeil.“Wir hoffen auf die baldige Umsetzungeines Tiny Houses an der Stadtbibliothek, das uns zum ersten Mal die Möglichkeit geben wird, in „echten“ Räumen zu arbeiten. Gemeinsam mit demAmt für Liegenschaften, einem Architekturbüro und weiteren städtischenÄmtern arbeiten wir mit Hochdruckan der Umsetzung und hoffen, bereitsim nächsten Infobrief Neuigkeiten vermelden zu können.6

Jungen Menschen eine Stimme geben und Ungehörtes hörbar machen: Gemeinsam mit ausdrucksreich e. V. schaffen wir im Kooperationsprojekt vox711 eine Plattform, auf der Audiobotschaften, Videos, Fotos und Texte die Lebensrealitäten junger Menschen sichtbarund nachvollziehbar machen.Ziel ist es, mit den Mitteln und Methoden der kulturellen Bildungund der Jugendsozialarbeit die Jugendlichen (wieder) in die Stadtgesellschaft einzubinden, ihre Perspektiven, Wünsche und Ideen zugänglich zu machen und darüber Diskussionen anzuregen. Vorarbeitwurde bereits geleistet: Im Podcast-Projekt „Wie haben wir das allesgeschafft?“ erzählt ein junger Mann von seiner Flucht aus dem Irak,seiner Ankunft in Deutschland, seinem Traum von Freiheit und Sicherheit, aber auch von den Schwierigkeiten, von Gewalt, Gangsternund Drogen. Gemeinsam begeben wir uns in den Podcast-Folgen aufdie Suche nach einem „Heilmittel“. Auf Basis dieser Erzählungen haben wir mit Peer Oscar Musinowski vom Schauspiel Stuttgart unddem Kameramann Timon Dangel einen Kurzfilm konzipiert.Alle im Projekt entwickelten Ergebnisse werden auf einer Websitezur Verfügung gestellt. Sie wirdAnfang Dezember online sein. DieURL finden Sie dann auf unseremInstagram-Account @mja europaviertel.„Das ist schon für mich eine Medizin, weil ich habe gesehen: Da ist ein Mensch,der sich um mich kümmert.“ Zitat aus einer Podcast-Folge zum Thema „Heilmittel für Gewalt“vox711: Jungen Menschen eine Stimme geben7

In unserer täglichen Praxis im Projekt Mobile Jugendarbeit im Europaviertel beschäftigt uns dieSchwierigkeit vieler unserer Adressat*innen, einenSchulabschluss zu erreichen.Mit „DEIN Weg zum Schulabschluss“ setzenwir an der eigentlichen Motivation jungerMenschen an: Sie wollen einen Schulabschluss erreichen.Sie fallen aus dem „normalen“ Schulsystem herausund landen in Maßnahmen bzw. Sonderformen,um ihren Schulabschluss nachzuholen. Auch indiesen Systemen scheitern jedoch nicht Wenige.Entweder sind die Maßnahmen „zu sehr Schule“(Anwesenheitspflicht, Pünktlichkeit, Stress mit denLehrer*innen usw.) oder „zu sehr Sozialpädagogik“ (z. B. über Probleme reden „müssen“, „mehrals Unterricht“, Gruppenaktionen). Diese Projektesind darüber hinaus ein „Sammelbecken“ für jungebenachteiligte Menschen und fördern teilweise diehinderlichen Strukturen.Mit uns können sie sich auf die Schulfremdenprüfung vorbereiten und erhalten die notwendigeUnterstützung. Außerdem versuchen wir, die beschriebenen hinderlichen Faktoren weitestgehendabzubauen, um den Erfolg zu ermöglichen. Wirbieten einen offenen, eigens für sie gestaltetenLernraum in der Bibliothek, in dem sie verlässlicheAnsprechpartner*innen und individuelle Nachhilfe finden, die Möglichkeit, mit zeitgemäßen Lernplattformen eigenständig oder unter Anleitung anihrem Bedarf zu arbeiten, sowohl alleine als auchin Gruppen zu lernen und das Versprechen, nichthinausgeschmissen zu werden, da die Teilnahmestets freiwillig ist.Im September werden solche Maßnahmen zumeistbegonnen und oft kurz vor Weihnachten wiederabgebrochen – freiwillig oder durch Rauswurf. Umdie Abschlussprüfung dennoch absolvieren zu können, bräuchten die Jugendlichen sehr kurzfristigein alternatives Angebot, das es in dieser Form abernicht gibt. Sie müssen warten, melden sich im folgenden September erneut zu einer Maßnahme an– und der Ablauf beginnt von vorne.Wir kennen einige junge Menschen, die auf dieseWeise seit über drei Jahren versuchen, einen Schulabschluss zu erlangen.Hinzu kommt die räumliche Verortung im Europaviertel, welches einen attraktiven, von den jungenMenschen selbst gewählten Freizeitort darstellt.Der Zugang erfolgt über bestehende (sozialarbeiterische) Kontakte, Flyer und andere Formen derWerbung in einschlägigen Institutionen sowie inInstagram. Zusätzlich vertrauen wir auf die Mundpropaganda.Um dieses Projekt umsetzen zu können, sind wiraktuell auf der Suche nach finanzieller Unterstützung. Wir freuen uns deshalb über jeglichen Hinweis und Tipp.DEIN Weg zum Schulabschluss8

Gewalt und Aggression im öffentlichen Raum, Aufeinandertreffen unterschiedlicher Personen und sozialer Gruppen, Zugangsgerechtigkeit zu Bildung und Kultur, Kooperationen mit unterschiedlichsten Akteur*innen, kommerzielle Freizeiträume und die Frage, wie städtischer Raum für alle möglich und attraktiv seinkann: Diese Beschreibung der Thematiken des Europaviertels könnten wir imgleichen Wortlaut auf die Stuttgarter Innenstadt übertragen. Die Erfahrungen,die im Europaviertel und speziell auf dem Mailänder Platz gesammelt wurden,können wir nun mit Hilfe der fünf neuen Kolleg*innen in den größeren Rahmen„Innenstadt“ übertragen, anpassen und gemeinsam neue Ideen entwickeln. Wirarbeiten in enger Kooperation, helfen uns gegenseitig und bieten zukünftig in derStadt mehrere Anlaufpunkte für junge Menschen.Zunächst werden wir einen Schwerpunkt auf Streetwork in der Innenstadt legen. Wir möchten junge Menschen kennenlernen und verstehen, was sie bewegt,welche Bedarfe, Wünsche und Bedürfnisse sie haben. Gleichzeitig lernen wir dieInnenstadt aus einer sozialarbeiterischen Perspektive kennen: Wo sind (pädagogische) Chancen? Welche Funktionen erfüllt der öffentliche Raum? Wo sindRisiken? Welche Akteur*innen spielen eine wichtige Rolle? Wo und wie könnenwir Einfluss auf die Ausgestaltung der Innenstadt nehmen, um unseren Teil zurEntwicklung einer demokratischen und lebenswerten Innenstadt für alle Menschen zu leisten?Eng vernetzt agieren wir dabei mit anderen sozialen Einrichtungen, zivilgesellschaftlichen Initiativen und der Jugendhilfeplanung des Jugendamtes. Hier sindwir aktuell ebenfalls auf der Suche nach geeigneten Räumlichkeiten im „CityRing“. Wenn Sie mehr über die Mobile Jugendarbeit Innenstadt erfahren möchten, können Sie uns auf Instagram und Twitter (@mja innenstadt) folgen sowiegerne jederzeit persönlich Kontakt zu uns aufnehmen.Aus 4 mach 9 – neue Kolleg*innen für neue Herausforderungen9

Der baldige Winter wird geprägt sein von der anhaltenden COVID-19-Pandemieund den damit verbundenen Herausforderungen für unsere Arbeit und unsere Adressat*innen. Unsere Anlaufstelle im Europaviertel, die individuelle Unterstützungund Streetwork werden wir so lange aufrechterhalten, wie es unter Einhaltung derVerordnungen möglich ist. Zusätzlich werden wir unsere digitale Präsenz weiterausbauen. Ebenso entscheidend wird es jedoch sein, weiterhin im machbaren Rahmen Freizeitaktivitäten anzubieten, da insbesondere junge Menschen unter fehlendem Angebot und damit verbundener Langeweile leiden. Ausflüge zu lokalen Zielen, Übernachtungen mit festen Gruppen, gemeinsame Spaziergänge etc. – es gilt,kreative Ideen zu finden, die die notwendigen Hygiene- und Schutzmaßnahmenerfüllen und gleichzeitig Spaß machen.Wir wünschen Ihnen einen schönen Herbst. Bleiben Sie gesund.Das Projekt „Mobile Jugendarbeit im Europaviertel“ ist ein Gemeinschaftsprojekt der Mobilen Jugendarbeit Stuttgart und der Stadtbibliothek Stuttgart.Sie haben weitere Fragen zum Projekt oder möchten mit uns in Kontakt treten?Wenden Sie sich gerne an Simon Fregin,unsere Projektleitung vor Ort:Mail: [email protected]: 0151 40 65 47 63

die ihm nie jemand erklärt hat: dass man seinen Wohnsitz ummelden muss und für einen Fach-arzt eine Überweisung benötigt, wie man einen Briefumschlag richtig beschriftet oder dass es normal ist, ein Bett zu besitzen. Mit Unterstüt-zung der Mobilen Jugendarbeit wur