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In Kooperation mitinfoDas Magazin epause:Teamevent gewinnensprechstunde:Grippe – sich selbst und andere schützenpraxisorganisation: Neue Wege im ieren

Roman Sigaev - Fotolia.comINHALTrezeption4 Telefonstress vermeidenDie wichtigsten Tipps fürprofessionelles TelefonierensprechstundeIns fünfte Jahr8 Sicher geht vorSo schützen Sie sich und anderevor VirusinfektionenpraxisorganisationSeit vier Jahrengibt es info praxisteam bereitsund genau so lange unterstützenAOK und BARMERGEK dieses inDeutschland einmalige Projekt: Eine Zeitschrift fürdas Praxisteam, das die Veränderungen im Berufsbild in dieser Zeitkompetent begleitet hat. Am deutlichsten vielleicht sichtbar im Untertitel: Aus dem „Magazin für die Arzthelferin“ wurde das „Magazin fürmedizinische Fachangestellte“.»Viele Kooperationsformenhaben sich im harten Praxisalltag gut bewährt«In der Zwischenzeit hat sich viel verändert, auch im Verhältnis zwischenHausarztpraxen und Krankenkassen.Noch vor ein paar Jahren war diesesVerhältnis mit dem Begriff „Feindbild“gut umschrieben, weil jede Seite deranderen die Schuld für überbordendeBürokratie und wenig effizienteBehandlungsabläufe gab. Mit denDisease Management Programmenkam Bewegung in die Landschaft. Seitdem wurde in Studien und Pilotprojekten schon eine ganze Reihe vonverschiedenen Kooperationsformengetestet, von denen sich viele im harten Praxisalltag gut bewährt haben.Dazu gehört zumBeispiel die telefonische Betreuungchronisch krankerPatienten als einUnterstützungsinstrument für dieTherapie durch dieHausarztpraxis. Oder individuelle Pläneum die häusliche Versorgung von Patienten sicherzustellen und so unnötigeKrankenhausaufenthalte zu vermeiden.Neben den erforderlichen Sozialleistungen werden hier immer auch diemedizinischen Leistungen erfasst. Einige innovative Beispiele aus laufendenProjekten stellen wir Ihnen auf den Seiten 12 und 13 in dieser Ausgabe vor.Und natürlich interessiert uns Ihre Meinung: Welche Erfahrungen haben Siepersönlich mit „Case Management“ –der individuellen Betreuung von Risikopatienten – gemacht?Wir möchten jedenfalls unseren Beitrag dazu leisten, die Kooperationzwischen Krankenkassen und Arztpraxen weiter zu verbessern. Deshalbunterstützen wir info praxisteamauch im fünften Jahr. Ihnen wünschen wir ein gutes und erfolgreichesJahr 2011.10 Patientendoku COPDWas Sie bei der DMP-Dokumentation beachten sollten12 Hand in HandDie Zukunft der Versorgung ist invielen Projekten schon Realitätkaffeepause14 Kurz und fündigVermischtes für dasPraxisteam15 PreisrätselMitmachen und gewinnenimpressumHerausgeber:MED.KOMM in Kooperation mit dem AOKBundesverband und der BARMER GEKVerlagSpringer Medizin, Urban & Vogel GmbHAschauer Straße 30, D-81549 MünchenTel.: 089 – 203043-1362Redaktion:Dr. Monika von Berg (Chefredakteurin, v.i.S.d.P.)Dr. Reinhard Merz (Redaktionsleitung)Anschrift wie Verlag,[email protected]: Michael Kempf – Fotolia.comDruck:Stürtz GmbH, Alfred-Nobel-Str. 33, 97080 WürzburgZeitschriftwird als Beilage in derverschickt.Dr. Christian GrafBARMER GEKEvert-Jan van LenteAOK Bundesverbandinfo praxisteam 6·2010 3

air – Fotolia.comProfessionell telefonierenHeißer Draht?Moderne Patientenkommunikation ist ohne Telefon kaummehr vorstellbar. Dennoch heißt es vorsichtig sein mitsensiblen Patientendaten – sonst kann der heiße Drahtschnell zum flammenden Inferno werden. Wir gebenTipps für das Telefonieren im Praxisalltag.Wenn Sie Beratung für ein Problem mit der Praxis-EDV brauchen, wollen Sie die natürlich sofort,freundlich und kompetent. Keine Frage,schließlich ist die Praxis ja zahlenderKunde. Doch umgekehrt hat noch längstnicht jede Praxis realisiert, dass auchPatienten Kunden sind – und gernesofort, freundlich und kompetent beraten werden wollen. Da kommt schnellUnzufriedenheit auf, wenn man nur inder Warteschleife hängt oder hektischauf später vertröstet wird.Doch nicht jedes Thema ist telefongeeignet. Besondere Vorsicht ist etwa dann4info praxisteam 6·2010geboten, wenn es um medizinischeDaten geht. Natürlich können Laborbefunde so am schnellsten mitgeteilt werden, und der Patient muss dazu nichtextra in die Praxis kommen. Das ist vorallem sinnvoll, wenn das Ergebnis fürden Patienten positiv ist und er mit Sorge darauf wartet. Ein kurzer Anruf kanneine belastende Wartezeit verkürzen.„Sobald uns das Ergebnis Ihrer Untersuchung vorliegt, informieren wir Sieumgehend telefonisch“ zeigt einemPatienten, dass die Praxis gut organisiertist und dass man sich dort adäquat umseine Belange kümmert.Es gibt aber auch einen Haken: Die Reaktion eines Patienten ist für Arzt und Teammitunter schwer einschätzbar. Ergebnisse oder Befunde, die schwerwiegendeFolgen für den Patienten haben können,sollten deshalb nie telefonisch mitgeteilt werden. Ist der Anruf aber angekündigt, sollte er auch erfolgen. Dem Patienten kann dann mitgeteilt werden,dass der Befund eingetroffen, es aberzweckmäßig sei, ihn in der Sprechstunde zu erläutern. Dann ist ein kurzfristigeingeräumter Termin notwendig.Und auch bei positiven Nachrichtensollten Sie besser nachfragen, ob derPatient das Gesagte auch richtig verstanden hat, wie ein Beispiel zeigt, dasdie Ärzte-Zeitung jüngst veröffentlichthat: Ein junger Mann ließ einen HIV-Testmachen und als das Labor die Ergebnisse übermittelt hatte, rief ihn der Arztsofort an und teilte ihm das gute Ergebnis mit: „negativ“. Am Telefon war nichtzu erkennen, dass der junge Mann dasgenau falsch verstanden hatte. „Negativ“bedeutete für ihn, dass das Ergebnis imwörtlichen Sinn negativ ist. Er schlossdaraus, dass er HIV-infiziert war undunternahm einen Suizid-Versuch. GebenSie einem Patienten deshalb bei jederInformation Zeit, zu reagieren und eventuell nachzufragen.Viel unkritischer ist das Medium Telefonan anderer Stelle, zum Beispiel zur Therapie- und Verlaufskontrolle. Ein paarinteressante Beispiele dazu finden Sie imBeitrag auf den Seiten 12 und 13 in dieser Ausgabe.Zeit und OrtAber auch dabei muss geklärt werden –und am besten in der Praxis-EDV hinterlegt –, wann die Patienten am besten fürGespräche mit medizinischem Inhalt zusprechen sind. Wer etwa im Büro gut zuerreichen ist, kann dort vielleicht nichtungestört über Befunde oder Symptomereden, ohne dass es gleich die ganze Firma weiß. Vergewissern Sie sich deshalbam Anfang eines Gesprächs immer, dassSie mit dem richtigen Gesprächspartnerverbunden sind, und dass es ihm auchgerade möglich ist, über seinen Fall zu

rezeptionsprechen. Passt das nicht, können Sieeinen geeigneten Termin für einen Rückruf mit ihm vereinbaren. Und generellgilt: Was an medizinisch relevanten Fakten am Telefon besprochen wird, mussschriftlich festgehalten werden.Zum Thema Datenschutz schreibt dieBundesärztekammer: „Nutzt die Praxisdie sogenannte Internet-Telefonie(Voice-over-IP), so ist darauf zu achten,dass keine Daten von Patienten weitergegeben werden, da die Gespräche inder Regel derzeit nicht abhörsicher sind.Die „Internet-Telefonie“ kann daher nichtals Eratz für die herkömmliche telefonische Kommunikation dienen. Undnatürlich ist Datenschutz nicht nur eintechnisches, sondern auch ein organisatorisches Thema. Die Schweigepflichtvon Arzt und Team gilt auch bei Telefongesprächen, und Sie müssen bei allenpatientenbezogenen Informationenunbedingt dafür sorgen, dass keineanderen Patienten im Wartezimmer oderin einem Behandlungsraum mithörenkönnen.RezepthotlineViele Praxen haben gute Erfahrungenmit einer Rezeptnummer gemacht. Brauchen Patienten lediglich ein Rezept fürein von der Praxis verordnetes Dauermedikament oder eine Überweisung zumFacharzt, können sie das unter einereigens dafür eingerichteten Nummermachen, bei der rund um die Uhr eineBandansage etwa mit folgendem Inhalt Yuri Arcurs – Fotolia.comIn Zeiten, in denen Sie vor allem telefonieren, kann ein Headset für deutlichentspannteres Arbeiten sorgen.läuft: „Bitte sprechen Sie Ihren Namenund Vornamen sowie die benötigtenMedikamente (nur Dauermedikamente!)und Überweisungen deutlich auf dasBand. Am darauf folgenden Werktag liegen die Formulare für Sie zur Abholungbereit, wenn ein gültiger Behandlungsausweis vorgelegt und die Praxisgebührentrichtet wurde.“Telefon-ChecklisteEin schlechtes Telefongesprächdauert genauso lange wie eingutes. Deshalb sollten Sie die wichtigsten Grundregeln für erfolgreiches Telefonieren immer parathaben:-Das richtige UmfeldSorgen Sie dafür, dass die Rahmenbedingungen stimmen.Ausgehende Anrufe legen Sie inein ruhiges Zeitfenster. Bei eingehenden Gesprächen beendenSie Ihre aktuelle Tätigkeit undkonzentrieren sich, bevor Siezum Hörer greifen.-Aktiv zuhörenSignalisieren Sie Ihrem Gegenüber, dass Sie ihm aufmerksamfolgen. Dazu eignen sich kleineakustische Signale, etwa einzustimmendes „Ja“.-Das Gespräch lenkenDurch Fragen können Sie jedesGespräch lenken. Mit „geschlossenen“ Fragen, die der Patientmit einem Ja oder Nein beantworten kann, kommen Sieschneller zum Ziel.-WeiterverbindenWenn Sie eine Frage nichtbeantworten können, verbinden Sie weiter: „Das beantwortet Ihnen gerne meine Kollegin.Ich stelle Sie durch.“ Informieren Sie die Kollegin dann direktüber den Namen und dasAnliegen des Anrufers.-ZurückrufenWenn ein Weiterverbindengerade nicht möglich ist, fragen Sie den Patienten, wannund wo Sie zurückrufen können. Halten Sie vereinbarte Termine unbedingt ein.-GesprächsnotizenIm hektischen Alltag könnenDinge schnell einmal vergessenwerden. Halten Sie deshalbThema und Vereinbarungschriftlich fest.Ausgehende AnrufeDass Patienten wichtige Termine auchmal vergessen ist klar. Es sei denn, siewerden vorher daran erinnert. Viele Praxen bieten deshalb einen sogenanntenRecall-Service an. Nur wenn ein Patienteine Erklärung unterschreibt, dass erdamit einverstanden ist, an sinnvolleund notwendige Behandlungen undTermine erinnert zu werden, sind solcheausgehenden Anrufe erlaubt. VermerkenSie das dann in der EDV, bei den meistenPraxisprogrammen ist diese Möglichkeitschon integriert.Recall-Klassiker sind DMP-Patienten,aber auch Hinweise auf Vorsorgeuntersuchungen oder Impfungen könnendurchaus Sinn machen. Beginnen Sie einsolches Gespräch immer damit, dass Siesich und die Praxis kurz vorstellen(„Guten Tag, hier ist Karin Müller vonIhrer Hausarztpraxis Dr. Mayer“) undkommen Sie dann direkt auf den Anlasszu sprechen: „Wir hatten bei IhremBesuch im Mai versprochen, Sie an dieAuffrischung Ihrer Grippeimpfung zuerinnern. Jetzt ist es soweit.“ Danachkönnen Sie dem Patienten anbieten,sofort einen Termin zu vereinbaren odersich in den nächsten Tagen noch einmalzu melden. Beenden sollten Sie dasGespräch auf jeden Fall nicht mit einemeinfachen „Auf Wiedersehen“. Fassen Siestattdessen noch einmal das Ergebniszusammen, etwa: „Dann bis zum nächsten Dienstag um 15.30 Uhr.“ Vom Aufbausollte jedes Telefonat so ähnlich aussehen und aus Gesprächseinstieg, Problemanalyse, Problembeseitigung, Problemlösung und Gesprächsabschlussbestehen. Dazu gibt es einen eigenenBeitrag in der Ausgabe 4/2007, Download unter www.info-praxisteam.de. info praxisteam 6·2010 5

Gutes Licht – wichtig an jedem ArbeitsplatzImmer mehr Medizinische Fachangestellte bilden sich zum Fachwirt fürambulante medizinische Versorgungweiter. In vielen Bundesländernhaben die ersten MFA berufsbegleitend diese Ausbildung abgeschlossen. Damit können sie zum Beispiel inGemeinschaftspraxen oder Praxisgemeinschaften Führungs- oder Fachfunktionen im Praxisteam übernehmen und so den Arzt entlasten.Soweit die Theorie. Doch wie sieht diePraxis aus? Was bringt diese Aufstiegsfortbildung tatsächlich? Eineausgiebige Reportage lesen Sie ineiner der nächsten Ausgaben voninfo praxisteam. Jason Stitt– Fotolia.comAuch Büffeln gehört dazu: Die ersten MFA haben die Ausbildung zurFachwirtin erfolgreich absolviert. diego cervo - Fotolia.comAusbildung zurFachwirtinGerade jetzt, wo die Tage extrem kurzsind, rückt die künstliche Beleuchtung inden Vordergrund. Ob im Büro oder zuhause in Küche und Arbeitszimmer – optimale Lichtverhältnisse können dazu beitragen, Unfälle zu vermeiden. Darauf weisendie Berufsgenossenschaften hin. Denngute Beleuchtung trägt dazu bei, dieAugen zu schonen, vorzeitiger Ermüdungvorzubeugen und die Aufmerksamkeit zuerhalten. Dabei sollte die Beleuchtungauf die jeweilige Arbeit abgestimmt werden.Die richtige Beleuchtung hängt von mehreren Faktoren ab. Optimal ist ausreichendes Tageslicht an allen Arbeitsplätzen. Ist dies nicht möglich, sollten dieLichtverhältnisse mittels künstlicherLichtquellen verbessert werden. EineArbeitsstätte gilt als gut beleuchtetwenn: alle Arbeitsbereiche ausreichendbeleuchtet sind die Helligkeitsverteilung in den Räumen ausgewogen ist störende Blendung und Schatten vermieden werden Lampen mit einer geeigneten Lichtfarbe und guter Farbwiedergabe verwendet werden.Fit durch Praxis-YogaEine neue Dehnübungfür zwischendurchEine Praxis-Yoga Übung, die sich vorallem für die kalten Wintermonate empfiehlt. Wenn Sie frieren und Ihr Energiehaushalt im Keller ist, wirkt diese Posewärmend und belebend. Es ist darüberhinaus eine kräftigende Haltung für dieHalswirbelsäule, Nackenmuskulatur undBauchorgane.RuhephaseMoNi am StartIm November ist das „Modell Niedersachsen“ (MoNi) gestartet. Es sollHausärzte bei den Patientenbesuchen entlasten. Im Rahmen des Projektes schicken Hausärzte ihre MFAmit konkreten Aufgaben auf Hausbesuch. Dabei können sie Gesundheitsberatungen machen, Blutdruck undBlutzucker messen oder Medikamente nach Verordnung verabreichen. In den zwei ModellregionenVechta und Schneverdingen sind insgesamt acht Hausarztpraxen an demTest beteiligt.6info praxisteam 6·2010Worauf kommt es an? Fußrücken auf Hilfsmittel und Spanndrücken, dadurch die Beine – insbesondere die Innenseiten – anhebenund strecken Gesäß nicht anspannen, locker lassen Hände drücken gegen Hinterkopf, derHinterkopf drückt in die Hände Nacken lang lassen Ellenbogen anhebenAnspannung aufbauen20 - 30 Sekunden2 - 3 WiederholungenMehr zu Praxis-Yoga unter:www.gesunde-yogapausen.deVolle Pose

rezeption / sprechstundeDie Disease Management Programme(DMPs) haben zu positiven Entwicklungen bei den medizinischen Werten derPatienten und zu deutlichen Verbesserungen im Bereich der Prozessqualitätgeführt. Diese positiven Ergebnisse sindim aktuell erschienenen „VersorgungsReport 2011“ des WissenschaftlichenInstituts der AOK (WIdO) dargestellt.Die DMPs haben demnach „der Versorgungssteuerung nachhaltig Schub verliehen“, betont WIdO-Geschäftsführer Jürgen Klauber. Mit sechs Millionen Teilnehmern sind die zur Verbesserung derBetreuung chronisch Kranker seit 2003schrittweise eingeführten strukturiertenBehandlungsprogramme der gesetzlichen Krankenkassen inzwischen einfester Bestandteil der Versorgung. So istnahezu jeder zweite Diabetiker inDeutschland in ein DMP eingeschrieben.Klauber weiter: „Die Ergebnisse derBegleitforschung zur gesetzlichen Evaluation deuten darauf hin, dass Diabetiker,die an einem DMP teilnehmen, eine längere Lebenserwartung gegenüber Nichtteilnehmern haben. DiabetesbedingteFolgeerkrankungen gehen bei DMP-Teilnehmern zurück. Die Patienten fühlensich besser versorgt und informiert. Sieverhalten sich .deWas ist eigentlich . Epidemiologie?Die Epidemiologie ist die Wissenschaftvon der Entstehung, Verbreitung undBekämpfung von Krankheiten. Epidemiologische Studien dienen dazu,Maßnahmen zur Gesundheitsförderung zu planen oder die Verteilungvon Krankheiten oder Risikofaktorenzu vergleichen. Zur Geschichteschreibt Wikipedia: „Die Epidemiolo-gie im eigentlichen Sinn begann 1854,als Dr. John Snow einen Cholera-Ausbruch im Londoner Soho-Bezirkbekämpfte. Er erkannte aufgrundeiner Kartierung der Erkrankungsfälle,dass eine öffentliche Wasserfassungdie Infektionsquelle war und ließ denverschmutzten Brunnen sperren. DerAusbruch wurde gestoppt.“Weltweit zuviel Armut wegen KrankheitDie Weltgesundheitsorganisation (WHO)schlägt Alarm: Jedes Jahr würden mehrals 100 Millionen Menschen in die Armutgetrieben, weil sie über keine Krankenversicherung verfügen und für Behandlungskosten beim Arzt oder im Krankenhaus selber aufkommen müssen, heißt esim Weltgesundheitsbericht 2010 derWHO, der Ende November in Berlin vorgestellt wurde.Das Problem der Verarmung infolge vonKrankheit betreffe bei weitem nicht nurdie Menschen in Entwicklungsländern,heißt es in dem rund 100 Seiten langenBericht. Auch Industriestaaten hättenzunehmend damit zu kämpfen, dass ihreBevölkerung in die Armutsfalle tappe,weil Gesundheitsleistungen sofort beiErbringung bezahlt werden müssten.In den USA etwa würden Privatleute häufig in eine Überschuldung geraten, weilihr Geld für Behandlungskosten nicht reiche. Auch in Griechenland, Portugal,Polen und Ungarn würden viele Menschen finanzielle Härten erleiden, weil siefür ihre medizinische Versorgung selberaufkommen müssen.Aus der Ärzte Zeitung Eduard Härkönen - Fotolia.comVersorgungsreport 2011 belegt Qualitätder Disease Management ProgrammeWinter--Blues adeMedizinische Fachangestellte sind doppelt gefährdet, im Winter in trübe Stimmung zu verfallen. Sie sind zum einenselbst vom Lichtmangel betroffen, zumanderen haben sie unter Umständentagtäglich mit depressiven Patienten inder Praxis zu tun, was zusätzlich belasten kann. Mit einer gesunden PortionSelbstmotivation lässt sich dieser Trendbekämpfen.Vor der Selbstmotivation steht allerdings eine kritische Analyse. Führen dieUmstände in der Praxis zu den drohenden depressiven Phasen, oderhaben diese ihren Ursprung vielleichteher im persönlichen Umfeld? Wichtigist es, sich der Wahrheit zu stellen undnichts zu beschönigen. Selbstmotivation kann dann mit einem kraftverleihenden Monolog vor dem Spiegelbeginnen. Hier kann man zum Beispiellaut und deutlich zu sich sagen: „Esgeht mir im Augenblick nicht gut undich weiß, dass es nichts bringt, anderendie Schuld dafür zuzuweisen. Es gibtnur einen, der etwas an meiner Situation ändern kann und das bin ich.“Werden Sie aktiv! Hilfreich ist zum Beispiel viel Bewegung im Freien. WennSie mit Aktivität gegen Ihre schlechteLaune angehen, findet auch die depressive Stimmung manches Patientenkeine Angriffsfläche mehr. Vielleichtgeht es ja sogar noch weiter und diegute Stimmung kann als Funke aufPatienten mit „Winter-Blues“ überspringen. Einen Versuch ist das auf jeden Fallwert.Theresia Wölkerinfo praxisteam 6·2010 7

bilderstoeckchen – Fotolia.comVirusinfektionen – so schützen Sie sich und andereSicher geht vorIm letzten Winter hielt die Schweinegrippe das Land in Atem.Dass dann alles doch nicht so schlimm kam, hat auch mit derrichtigen Prävention zu tun. Und viele der damals umgesetztenMaßnahmen sind auf andere Virusinfektionen übertragbar.Das H1N1-Virus, auch bekannt alsSchweinegrippe-Virus, ist spätestens seit diesem Herbst Geschichte. Esordnet sich – wie Infektionen mit anderen Grippevirusstämmen auch – der saisonalen Grippe unter, deren Erreger alljährlich für gesteigerte Patientenzahlenin der Praxis sorgen. Da die echte Grippebei Patienten gerne mit den sogenanntengrippalen Infekten verwechselt wird –deutlich harmloser verlaufende Infektionen mit anderen Viren – haben wir diewichtigsten Unterscheidungsmerkmalein der Tabelle auf Seite 9 noch einmalzusammengefasst.Die „echte“ Grippe wird durch Influenzaviren ausgelöst. Sie existieren weltweit,und Jahr für Jahr sind nach Schätzungender WHO 10 bis 20 Prozent der Weltbevölkerung betroffen. Das Virus dringtüber die Schleimhaut der Atemwege,8info praxisteam 6·2010des Munds und der Augen in den Körperein und wird durch Tröpfcheninfektionübertragen. Jede infizierte Person gibtbeim Niesen, Sprechen und Atmen solche Tröpfchen in die Luft ab. Besondersfies verbreiten sich die Viren in Tröpfchen, wenn sie schon in der Luft trocknen. Dann können sie als sogenannteAerosole über Kilometer transportiertwerden. Nach Ansicht vieler Expertenbegünstigt die trockene Luft beheizterRäume diese Aerosolbildung – sicherWEBTIPPDaten zur aktuellen InfluenzaWelle finden Sie beim RobertKoch-Institut influenza.rki.de undauf der Web-Site der „European Influenza illance/EISN/mit ein Grund für das Auftreten vonGrippewellen im Winter.Die meisten Grippepatienten erholensich nach etwa fünf Tagen, bei einigenPatienten kann es aber auch zwei undmehr Wochen dauern, bis Symptomewie schnelle Ermüdbarkeit wieder verschwinden. Komplikationen treten eherbei Patienten mit Grundkrankheiten auf(chronische Herz- und Lungenkrankheiten, Diabetes mellitus), oft in Formeiner Lungenentzündung.Viruserkrankungen wie die Influenza lassen sich – mit wenigen Ausnahmen – nursymptomatisch behandeln. Dabei werden Beschwerden wie Kopfschmerzenoder Fieber gelindert, ohne die Krankheitserreger selbst abzutöten. Diese Aufgabe übernimmt das Immunsystemselbst. Entsprechend ist die Grippe vorallem für solche Menschen eine Gefahr,deren Immunsystem geschwächt ist. DasGefährliche an der Influenza sind deshalb oft nicht die Grippeviren selbst,sondern bakterielle Infektionen, diedann leichter in den geschwächten Kör-

sprechstundeOrganisatorischesUm die Virusverbreitung in der Praxis zuverhindern, kann man Patienten mitInfluenzaverdacht von den anderentrennen. Zu den organisatorischen Maßnahmen kann eine „Fiebersprechstunde“am Nachmittag gehören, während dieVersorgung der anderen Patienten aufden Vormittag beschränkt ist. Wo möglich können auch separate Behandlungsräume für unangemeldete Notfall-Patienten hilfreich sein. Natürlich müssendie Patienten über einen Aushang aufveränderte Abläufe hingewiesen werden, auch Ausdrucke mit Verhaltensregeln im Erkrankungsfall und für die Pflege von Angehörigen sollten ausreichendzur Verfügung stehen. Die Möglichkeitzur hygienischen Händedesinfektion vorBetreten des Wartezimmers rundet dieorganisatorischen Möglichkeiten ab.Beim direkten Kontakt mit infiziertenPatienten bieten Einwegschutzhandschuhe, langärmelige Einwegkittel undMund-Nasenschutz-Masken einengewissen Schutz – mehr oder weniger.Nach direktem Patientenkontakt, Kontakt mit erregerhaltigem Material oderkontaminierten Gegenständen und nachAblegen der Schutzhandschuhe imBehandlungszimmer muss eine hygienische Händedesinfektion erfolgen.Auch Geräte wie Stethoskope müssennach Gebrauch bzw. vor Anwendung beieinem anderen Patienten desinfiziertwerden; ebenso Handkontaktflächenwie Liege, Handwaschbecken, Türgriffenach jedem Patientenkontakt. Als MFAsollten Sie mit dafür sorgen, dass genügend Mund-Nasenschutz-Masken zurVerfügung stehen – insbesondere fürPatienten mit Infektionsverdacht. Auchdem erhöhten Bedarf an Desinfektionsmitteln muss Rechnung getragen werden. Für all diese Verbrauchsmaterialienhat es sich bewährt, den Bedarf für etwaacht Wochen vorzuhalten.Die Killer-Wellen Wikimedia Commonsper eindringen können. Man spricht vonSekundärinfektionen.Eine Impfung kann dafür sorgen, dassdie spätere Immunantwort auf den Erreger sehr viel schneller ist als ohne Impfung. Die in Deutschland verwendetenImpfstoffe sind Tot- beziehungsweiseSpaltimpfstoffe ohne lebende Viren. EineImpfempfehlung gilt vor allem für Risikopatienten (alte Menschen, Personenmit geschwächtem Immunsystem,Schwangere, chronisch Kranke), Mitarbeiter im Gesundheitswesen und Personen, die häufig mit Kranken in Kontaktkommen. Die Impfrate liegt in Deutschland bei allen Risikogruppen unter 50Prozent – zu wenig für einen passivenSchutz. Nur wer selbst geimpft ist, kanndaher von einem zuverlässigen Schutzausgehen. Da Influenza-Viren enormwandlungsfähig sind, ist in der Regeleine jährliche Auffrischung der Immunisierung nötig. Besonders für Kleinkinderund für ältere Menschen kann zusätzlicheine Impfung gegen Pneumokokkensinnvoll sein. Diese Bakterien sind häufigVerursacher von Sekundärinfektionen.Nicht alle Grippewellen mit weltweiter Verbreitung verliefen so vergleichsweise glimpflich wie dieH1N1-Pandemie im Winter2009/2010. Weltweite Ausbrüchemit vielen Todesopfern gab es u. a.1889, 1918 (Spanische Grippe),1957 (Asiatische Grippe), 1968(Hongkong-Grippe) und 1977 (Russische Grippe). So schätzt die Fachzeitschrift Bulletin of the History ofMedicine die Zahl der Todesopferder Spanischen Grippe 1918 aufknapp 50 Millionen. Auch der Asiatischen Grippe und der HongkongGrippe fielen demnach jeweilsmehr als eine Million Menschenzum Opfer. Das Bild zeigt Polizistenin Seattle, die während der Pandemie 1918 eine Ausgangssperreüberwachen.HilfreichesSehr hilfreich sind in diesem Fall – wiefür viele andere Gelegenheiten auch –Handwaschplätze mit einem Spenderfür Flüssigseife und Desinfektionsmittel,die ohne Handkontakt bedienbar sind,dazu Einmalhandtücher und Abwurfbehälter. Alle Teammitglieder sollten nichtnur geschult, sondern auch selbst gegendie saisonale Influenza geimpft sein.Sobald bei einer MFA Symptome einerInfluenza auftreten, darf sie keine Patienten mehr versorgen. Die KVen undÄrztekammern haben für den eventuellen Fall einer Influenza-PandemieVerhaltensregeln publiziert, Link unterwww.info-praxisteam.de KennzeichenErkältungEchte GrippeErkrankungsbeginnlangsame Verschlechterungabrupte VerschlechterungKopfschmerzendumpf bis leichtstark bis bohrendSchnupfenNiesen, laufende NaseteilweiseFiebermeist geringoft hohes Fieber bis 41 CGliederschmerzengeringstarke Gelenk- und MuskelschmerzenHustenHustenreiz, unterschiedlichstarkAusgeprägter trockener Husten, schmerzhaft, meist ohne SchleimHalsschmerzenHalskratzen, Heiserkeitstark, mit keit, Schwächegefühl und Kreislaufbeschwerden bis zu drei WochenErkrankungsdauereinige Tage7–14 Tage, anfänglich oft ohne erkennbareBesserunginfo praxisteam 6·2010 9

Lars Koch – fotolia.comDokumentation im DMP COPDLuft nach obenDie Auswertungen zum Disease Management Programm COPD belegen die hoheVersorgungsqualität. Sie zeigen aber auch, dass es gerade beim Selbstmanagementder Patienten noch Luft nach oben gibt.Die Informationen und die Beratungim Rahmen des DMP COPD helfenden Patienten, besser mit ihrer Erkrankungumzugehen. Wer das sagt? Die Patientenselbst, wie eine repräsentative AOK-Studiezeigt. Dort gaben 87 Prozent der Befragtenan, ihre Erkrankung seit der Teilnahme amProgramm besser unter Kontrolle zuhaben. Einen wichtigen Beitrag dazu kanndie Patientendokumentation leisten –wenn der Patient die Punkte auch versteht.RaucherDieses Pflichtfeld dokumentiert, ob derPatient Raucher ist – bei COPD ein besonders wichtiges Thema. Neben dem Zigaretten rauchen, ist hier auch das Pfeifenund Zigarren rauchen zu erfassen. DerRaucherstatus sollte bei jedem Patienten10info praxisteam 6 ·2010bei jeder Konsultation erfragt werden. Esist der aktuell rauchende Patient, unabhängig von seiner Raucheranamnesegemeint. Rückmeldungen von Patientenzeigen, dass hier das Merkmal „Raucher“angegeben wird, obwohl der Patient mittlerweile Nichtraucher ist. Die DMP-Evaluation zeigt, dass die Empfehlung zumTabakverzicht viele Patienten tatsächlichWEBTIPPWeitere Informationen zudiesem Thema finden Sie ogramm“sowie in der Rubrik „DiseaseManagement Programme“ unterwww.aok-gesundheitspartner.dedazu bringt, mit dem Rauchen aufzuhören. Der Anteil der COPD-Patienten, diebeim Start in das Programm noch gerauchthatten, nahm im Verlauf von zweieinhalbJahren um 27 Prozent ab.KörpergewichtDas Körpergewicht spielt eine wichtigeRolle für die COPD. Gerade Untergewichtkann den Verlauf der Erkrankung negativbeeinflussen. Sehr dünne Patienten sindweniger kräftig, häufig nur eingeschränktbelastbar und anfällig für Infekte. Aberbesonders die Vermeidung von Erkältungen und anderen Infektionen steht beieiner COPD mit an oberster Stelle. Sollteder Patient also untergewichtig sein, ist zuempfehlen, durch eine ausgewogeneErnährung eine Gewichtszunahme zuerreichen.

praxisorganisationSchulungenNur mit gut motivierten Patienten liefert die Spirometrie verlässliche Ergebnisse.Aktueller FEV1-WertDer FEV1-Wert sollte alle sechs bis 12Monate erhoben werden. Um gleich bleibende Qualität und vergleichbare Ergebnisse des Lungenfunktionstestes zugewährleisten, sind Motivation und richtige Mitarbeit des Patienten besonderswichtig. Eine ruhige Atmosphäre, möglichst abgeschirmt vom normalen Praxisablauf, helfen dem Patienten zu entspannen. Lockere, passende Kleidung ist notwendig, damit der Patient kräftig einatmenkann und nur beim aufrecht Sitzen kanndas Lungenvolumen voll genutzt werden.Mit einer Nasenklemme vermeiden Sie,dass während der Testphase Atemluft entweicht.Vor der Messung sollten vermieden werden: Rauchen (24 Stunden), Alkohol (4Stunden), körperliche Belastung (30 Minuten), schwere Mahlzeit (4 Stunden), Kurzzeitbronchodilatator (4 Stunden) undLangzeitbronchodilatator (12 Stunden).Auch wenn es utopisch klingt, einen Raucher dazu zu bringen, 24 Stunden vor demTest die letzte Zigarette zu rauchen: Sieweisen ihn darauf hin.MedikamenteHier ist zu jeder Wirkstoffgruppe eine Angabe erforderlich. Die Angaben „bei Bedarf“und „Dauermedikation“ sind gemeinsammöglich. Bei der Angabe „keine“ wird – womöglich – zusätzlich eine Angabe „Kontraindikation“ gemacht, wenn die Nicht-Ver-ordnung auf eine Kontraindikation gegendie Gabe der entsprechenden Wirkstoffgruppe zurückzuführen ist.Patienten sollten die Wirkungsweise ihrerMedikamente kennen. Anticholinergikaund Beta-2-Symathomimetika sind Bronchodilatatoren – Wirkstoffe, die die Atemwege erweitern und so der Verengung derBronchien entgegenwirken. Sie reduzierendie Luftnot und sorgen für eine bessereBelastbarkeit. Inhalative Glukokortikoidewirken gegen die chronische Entzündungder Bronchialschleimhaut. Sie helfen nurbei einem Teil der Patienten, die Wirksamkeit wird in der Regel zunächst mit einemBehandlungsversuch getestet.InhalationstechniküberprüftWichtig ist die korrekte Anwendung derSprays. Das Programm sieht deshalb vor,dass die Inhalationstechnik der Patienten nach einer initialen Einweisung injedem Dokumentationszeitraum überprüft wird. Bei einer Patientenbefragungaus dem Jahr 2009 gaben 73 Prozent derPatienten an, das

AOK und BARMER GEK dieses in Deutschland ein-malige Projekt: Eine Zeitschrift für das Praxisteam, das die Verände-rungen im Berufsbild in dieser Zeit kompetent begleitet hat. Am deut-lichsten vielleicht sichtbar im Unter-titel: Aus dem „Magazin für die Arzt-helfer