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Open Data sorgt für Aufbruchstimmung bei derDigitalisierung im TourismusErgebnisse des 3. Round Table Open Data mit Ausblick und Empfehlungen fürdie Nutzung der Chancen einer offenen Dateninfrastruktur im TourismusAutoren: Prof. Dr. Guido Sommer, Sandra Anger (Hochschule Kempten), Martin Soutschek, Dominik Huber, PhD (Outdooractive GmbH), 26.02.2020Schlagworte: Open Data, Digitalisierung, Tourismus, Dateninfrastruktur, Leadership, Datenstandards, Schnittstellen“Es herrscht Aufbruchstimmung und es bestätigte sich der Eindruck, dass dieRelevanz von Open Data in der Tourismusbranche angekommen ist”, so das Fazitvon Prof. Dr. Guido Sommer von der Hochschule Kempten, selbst Impulsgeber des3. Round Table Open Data, der am 24.01.2020 in Treuchtlingen ausgerichtet wurde.Großes Interesse am 3. Round Table Open Data (Quelle: Tourism Camp / the visual travelguide)Bereits zum dritten Mal fand im Vorfeld des Tourismuscamps ein Round Table Open Datastatt. Das gemeinsam von Tourismuszukunft1 und Outdooractive2 vor zwei Jahreneingeführte Format hat das Ziel, den Austausch von Erfahrungen im Umgang mit OpenData zwischen den verschiedenen Stakeholdern im Tourismus zu fördern und über aktuelleEntwicklungen bei laufenden Initiativen zu informieren.

Der koordinierte Aufbau einer offenen digitalen Dateninfrastruktur für dieTourismusbranche und die damit zusammenhängende Leadership-Verantwortung derbeteiligten Akteure wurden bereits beim ersten von der Hochschule Kempten mitUnterstützung von Outdooractive organisierten Think Tank zu Open Data im Tourismus3 am26. September 2017 als zentrale Herausforderungen für die Tourismusbranche identifiziertund in einem White Paper Open Data im Tourismus (2018)4 mit zentralenHandlungsempfehlungen zur Nutzung der Chancen von Open Data im Tourismusdokumentiert.Nachdem beim 1. Round Table Open Data (2018)5 in Berchtesgaden noch nicht klarerkennbar war, wie die Vision einer vernetzten offenen digitalen Dateninfrastruktur imTourismus konkret umgesetzt werden kann und noch viel über Ideen, rechtliche Aspekte,den Bedarf strukturierter Daten, sowie Bedenken und Risiken im Zusammenhang mit derNutzung offener Daten diskutiert wurde, konnten beim 2. Round Table Open Data (2019)6in St.Peter-Ording im Folgejahr bereits erste Erfahrungen aus der Praxis präsentiert werden.In diesem Jahr wurde der 3. Round Table Open Data (2020) von Tourismuszukunft inZusammenarbeit mit neusta destination solutions, dem neuen Gold Sponsor für dasTourismuscamp 2020, organisiert. Die Vortragenden gaben einen Überblick über denaktuellen Stand laufender Initiativen und den Fortschritt im Umgang mit Open Data bei derOrganisation, Erfassung, Aktualisierung, Bereitstellung und Nutzung strukturierter Daten.Die insgesamt 5 Impulsvorträge, die beim 3. Round Table Open Data Anwendungsfälleund Beispiele für den Einsatz von Open Data in der Praxis präsentierten, werden imFolgenden kurz zusammengefasst. Im Anschluss geht der Bericht auf aktuelleHerausforderungen der Digitalisierung beim Thema Open Data im Tourismus ein undkommentiert am Ende in einem zusammenfassenden Fazit, welche Voraussetzungenwichtig sind, damit die Vision für den gemeinsame Aufbau einer offenen digitalenDateninfrastruktur im Tourismus erfolgreich umgesetzt werden kann.1. Open Data Germany - Status quo des Projekts (Richard Hunkel, DZT)Richard Hunkel von der Deutschen Zentrale für Tourismus (DZT) stellte den aktuellen Standund das weitere Vorgehen im Open Data Germany Projekt vor, das gemeinsam mit denLandesmarketingorganisationen (LMOs) und den Magic Cities, einem Marketingverbund dergrößten deutschen Städte, umgesetzt wird. Die DZT übernimmt dabei eine Vorreiterrolle imDatenmanagement für den Deutschlandtourismus und hat es sich zum Ziel gesetzt, einengemeinsamen touristischen Content-Hub für Deutschland aufzubauen. Erreicht werdensoll dieses Ziel auf Grundlage einer Graphdatenbank, die durch Ihre flexiblenNetzwerkstrukturen beliebig erweitert werden kann und daher für dynamische Datenmodelle1vgl. https://www.tourismuszukunft.de/2vgl. https://corporate.outdooractive.com/3vgl. https://www.youtube.com/watch?v JqDx8H8yb8U4vgl. a-im-TourismusDE-Final.pdf5vgl. ractive-open-data-im-tourismus-tourismuscamp/6vgl. ata-beim-roundtable/2 / 18

und die Erstellung semantischer Verknüpfungen zwischen unterschiedlichen Objektenbesonders geeignet ist. Bis Anfang April 2020 ist die Erstellung eines Lastenheftes geplant,das neben einer Machbarkeitsstudie für die Umsetzung eines Knowledge-Graphen auchkonkrete Anforderungen im Hinblick auf Funktionsumfang, Betrieb, Rollenmodell,Qualitätssicherung und einen Zeitplan zur Umsetzung fordert. Im Anschluss soll mit denbeteiligten Partnern eine Abstimmung über die Realisierung einer zentralen Graphdatenbankfür Deutschland erfolgen. Die DZT hat eine eigene Webseite zum Thema Open Data imTourismus7 eingerichtet, auf der weitere Informationen über das Projekt zu finden sind undAntworten für häufig gestellte Fragen zu Open Data gesammelt werden.Richard Hunkel, DZT präsentiert das Open Data Projekt der DZT (Quelle: Tourism Camp / the visual travelguide)„Open Data ist ein zentraler Lösungsansatz für den technologischen und kommerziellenWandel, der die globale Tourismusindustrie prägt” kommentierte Richard Hunkel in seinerPräsentation. Er verwendete das Bild eines Baumes, dessen Wurzeln, Stamm und Zweige dieZusammenhänge zwischen der Digitalisierung von Destinationen, Open Data und denresultierenden Anwendungen und Mehrwerten bildhaft darstellen. Neue Produkte undServices für Gäste und Einheimische entstehen nach seiner Einschätzung auf Grundlage7vgl. https://open-data-germany.org/3 / 18

offener Daten, für deren Bereitstellung zunächst eine Reihe von Voraussetzungen auforganisatorischer, struktureller, technischer, und personeller Ebene erfüllt sein müssen.Präsentationsfolie zum Ökosystem Open Data im Tourismus mit dem Bild eines Baumes (Richard Hunkel, DZT)Die DZT unterscheidet prinzipiell drei Arten von touristischen Daten:1. Redaktionelle Daten mit Lizenzrechten, z.B. Beschreibungen und Bilder2. Statische Daten, z.B. Adress-Stammdaten von Points of Interest (POIs)3. Dynamische Daten, z.B. Parkplatzbelegungen als EchtzeitdatenDa die meisten Daten für eine Basis-Dateninfrastruktur im Tourismus wenig sensibel und nichtpersonenbezogen sind, sollte einer Bereitstellung unter einer offenen Datenlizenzgrundsätzlich nichts im Wege stehen. Das im Rahmen des Projekts vorgesehene Rechte- undLizenzmanagement wird unterschiedliche Lizenzmodelle unterstützen, damit die Daten füreine möglichst vollständige und flächendeckende Aggregation nicht unbedingt unter einerCC0-Lizenz8, bereitgestellt werden müssen. Bei der CC0-Lizenz können Daten ohneRücksprache für beliebige Zwecken kopiert, veröffentlicht oder auf andere Weise verwendetwerden können. Bedenken, dass zum Beispiel Fotos oder Texte ohne Nennung der Quelle imOriginal verändert und potenziell im Marketing oder für unangemessene politische Zweckemißbraucht werden könnten, schrecken potenzielle Bereitsteller von offenen Daten häufignoch von der Verwendung einer CC0-Lizenz und dem Open Data Gedanken ab.Gelingt das geplante Vorhaben der DZT, wird sich die Nutzung touristischer Informationenaus Deutschland in unterschiedlichen Anwendungen deutlich vereinfachen, da auf dieaggregierten Daten dann zentral am Content Hub der DZT zugegriffen werden kann und diesenicht mehr einzeln aus den LMOs oder DMOs eingesammelt werden müssen. Das Prinzip hatsich im Bereich Geodaten in Deutschland schon seit vielen Jahren bewährt. Hier stellt dasBundesamt für Kartographie und Geodäsie (BKG) eine standardisierte Auswahl von8vgl. -domain/cc0/4 / 18

Geobasisdaten zur Verfügung, die aus den 16 Bundesländern aggregiert werden.Dienstleistern ersparen sich seither den Aufwand, jeweils einzelne Verträge mit denBundesländern abzuschließen und darüber hinaus noch unterschiedliche Schnittstellen undFormate anzubinden, um einen Gesamtdatensatz nutzen zu können. Ein entscheidenderUnterschied zum Ansatz der DZT ist allerdings, dass für die Nutzung der Geobasisdatenbisher Lizenzkosten fällig werden, was die Nutzung der Daten für viele Anwender starkeinschränkt und dazu geführt hat, dass im Tourismus heute häufig eher lizenzkostenfreieGeodaten aus dem OpenStreetMap Projekt verwendet werden und die Relevanz der von denöffentlichen Verwaltungen hoheitlich bereitgestellten Geodaten sinkt.2. ThüCAT - die erste graphbasierte Datenbank im Deutschland-Tourismus(Detlef Klinge, Thüringer Tourismus GmbH)In seiner Zusammenfassung der bisherigen Aktivitäten für den Aufbau der Thüringer ContentArchitektur Tourismus (ThüCAT) stellte Detlef Klinge, Leiter des KompetenzzentrumsTourismus 4.0 der Thüringer Tourismus GmbH (TTG), die seiner Aussage nach erstegraphbasierte Datenbank im Deutschland-Tourismus als zentrale Datendrehscheibe für denTourismus in Thüringen vor. Über die ThüCAT sollen alle touristisch relevanten Daten desBundeslandes aggregiert, aufbereitet und für unterschiedliche Anwendungen als offene Datenbereitgestellt werden. Neben technischen Schnittstellen und Tools zur Datenverwaltung stelltThüCAT auch einen WebsiteBaukasten zur Verfügung, mit dem Inhalte der ThüCAT einfachin externe Webseiten integriert werden können.Folie mit Konzeptübersicht für Dateneinspielung und Datennutzung der ThüCAT (Detlef Klinge, TTG)Zur Koordinierung der Verantwortung und Zusammenarbeit auf allen Ebenen bei derErstellung und Aktualisierung von Inhalten für die ThüCAT wurde eine Organisationsstrukturentwickelt, die mit den beteiligten Partnern und dem Thüringer Ministerium für Wirtschaft,Wissenschaft und digitale Gesellschaft abgestimmt wurde. Da der Aufbau einer digitalen5 / 18

Architektur für den Thüringen Tourismus bereits in der Tourismusstrategie Thüringen 2025festgelegt war und von der Politik auch finanziell unterstützt wird, konnte die Umsetzung inder Pilotregion Thüringer Wald nach Plan erfolgen.Bis Januar 2020 wurden die erforderlichen Datenstrukturen auf Basis des de facto StandardsSchema.org fertiggestellt. Hierbei war besonders die Zuordnung einzelner Kategorien und dieErarbeitung neuer touristisch relevanter Kategorien von Bedeutung, die bisher nicht beiSchema.org vorhanden sind. Als Ergebnis wurde die TTG Domain Specification entwickelt,die als Diskussionsgrundlage zur Standardisierung auch für die DZT-Initiative bereitgestelltwerden soll. Mit Unterstützung eines Domain Specification Editors können weitere touristischeKlassen bei Bedarf einfach ergänzt und in der Folge für alle Plattformen zur Verfügung gestelltwerden. Es ist allerdings zu berücksichtigen, dass jede Erweiterung, die nicht gesehenist,zuInteroperabilitätsproblemen führen kann. Die Verwendung der hinzugefügten Informationendurch andere Nutzer ist in der Folge erst dann möglich oder effektiv, wenn auch dort dieentsprechenden Erweiterungen umgesetzt werden. Damit die in der ThüCAT aufbereitetenDaten direkt in den Knowledge Graph der DZT übernommen werden können, wird einAbgleich der Datenstrukturen und Kategorien durchgeführt.Der von Google geprägte Begriff Knowledge Graph steht für eine Art Wissensdatenbank,bei der unterschiedlich strukturierte Informationen thematisch miteinander verknüpft unddadurch in eine Beziehung mit einer Bedeutung gebracht werden können. EineRundwanderung am Lutherweg (Datentyp: Tour, Kategorie: Wanderung) kann beispielsweisemit der Wartburg (Datentyp: POI, Kategorie: Burg) verknüpft werden. Findet auf der Burgruineam 5. und 6. Dezember 2020 ein Historischer Weihnachtsmarkt (Datentyp: Veranstaltung:Kategorie: Historischer Markt) statt, der von der Wartburg Stiftung (Datentyp: Organisation,Kategorie: Stiftung) organisiert wird, entstehen weitere Verknüpfungen mit einer bestimmtenBedeutung, aus denen sich Wissen ableiten lässt. Damit die Bedeutung von allengleichermaßen verstanden und interpretiert werden kann, braucht es ähnlich wie bei einerSprache ein standardisiertes Vokabular (Schema). Im Fall des Knowledge Graphen der DZTist dafür Schema.org mit den geplanten Tourism Domain Specification Erweiterungenvorgesehen, um die Besonderheiten des Tourismus (z.B. Touren) in dem Vokabular zuberücksichtigen. Die netzwerkartige Struktur der Verknüpfungen zwischen den verschiedenenObjekten des so entstehenden Knowledge Graphen kann einfach und dynamisch erweitertwerden und lässt sich mit semantischen Web Technologien maschinell verarbeiten. UnterBerücksichtigung des standardisierten Vokabulars können dann intelligente Anwendungenentwickelt werden die Bedeutungszusammenhänge der Wissensdatenbank verstehen undunter Einsatz von Verfahren der künstlichen Intelligenz passende Empfehlungen für Gästegenerieren, zum Beispiel ein sprachgestützter Assistenzdienst. Als Ergebnis könnte die Frageeines Gastes nach einem Tipp für das erste Wochenende im Dezember 2020 mit dem Hinweisauf den Historischen Weihnachtsmarkt beantwortet werden, bei der auch direkt dieWanderung zur Wartburg mit ergänzenden Informationen empfohlen wird.Detlef Klinge betonte, dass für die initiale Aufbereitung der touristischen Inhalte nach derfestgelegten Spezifikation und Struktur zwar ein erheblicher redaktioneller Aufwand zu leistenist, da praktisch jedes Objekt überarbeitet und gegebenenfalls mit weiteren Objekten verknüpftwerden muss, dieser Aufwand sich aber schon alleine deswegen lohnt, da die Datenqualitätdadurch deutlich verbessert wird. Die Zuweisung einer standardisierten Kategorie oder die6 / 18

Übernahme von Öffnungszeiten in Form von Fließtext in ein strukturiertes Datenmodell mitfestgelegten Zeiträumen, Regeln und Ausnahmen sind Beispiele für die Aufgaben derverantwortlichen Redakteure. Das im Aufbau befindliche System übernimmt für ein Objektdann im Hintergrund die automatische Zuordnung einer ausgewählten touristischen Kategoriezu den bei Schema.org vorhandenen und am besten passenden Typen, Eigenschaften undWerten. Um eine doppelte Erfassung von Daten zu vermeiden unterstützt das SystemRedakteure bei der Dateneingabe bereits durch Such- und Filterfunktionen, mit denen bereitsim System vorhandene Inhalte einfach gefunden werden können. Detlef Klinge gab in seinerPräsentation auch einen ersten Einblick in die Eingabemasken und Oberflächen, mit denendie ThüCAT aufgebaut wird. Er zeigte am Beispiel der Wartburg, wie bereits bei derDateneingabe geprüft wird, ob es für ein erstelltes Objekt in den Datenbanken von Geonamesoder bei Google Places entsprechende Einträge gibt, die in der realen Welt dasselbe Objektbeschreiben. Gibt es den entsprechenden Eintrag, kann so über die Speicherung einesIdentifikators eine Verknüpfung aufgebaut werden, die dem Linked Open Data Ansatz folgtund das Objekt mit anderen Inhalten im Web vernetzt. Sofern die Lizenzen der Datenquellenund Schnittstellen es erlauben, können durch die Verlinkungen der Daten dann fehlendeInformationen ergänzt oder korrigiert werden. Allerdings kann dieser Prozess noch nichtvollautomatisiert ablaufen, da häufig unklar ist, welche Angaben korrekt und aktuell sind oderwelche Bilder beispielsweise eine bessere Qualität aufweisen.Bei dem vom 22.-23. Juni 2019 ausgerichteten ThüCAThon9, einer Hackathon Veranstaltung,bei der Entwicklerteams mit bereitgestellten Daten und Schnittstellen eigene Anwendungenentwickeln konnten, wurden erste positive Erfahrungen im Zusammenhang mit der Nutzungdes sich im Aufbau befindlichen Systems und der Dateninfrastruktur gesammelt. Dabeimachte Detlef Klinge die für Ihn überraschende Beobachtung, dass dabei vor allemAnwendungen entstanden, die strukturierte Daten in die Content Architektur einspielen, zumBeispiel Fotos von Gästen oder den Öffnungsstatus von Restaurants, sowie Anwendungen,die bereits auf Webseiten vorhandene Informationen automatisiert in die ThüCAT übertragenkönnen.3. Open.Destination.One (Stefan Huber, hubermediaHadžimuratović, neusta destination solutions GmbH)GmbH/AdiStefan Huber, Geschäftsführer der hubermedia GmbH, stellte gemeinsam mit AdiHadžimuratović, Geschäftsführer der neusta destination solutions GmbH, die Open DataPlattform Open.Destination.One10 für den Tourismus vor. Die Open-Data-Plattform verfügtbisher über etwa 57.000 Datenobjekte, die aus unterschiedlichen Quellen aggregiert werdenund unter einer der kommerziell nutzbaren Creative Commons Lizenzen veröffentlicht sind.Nach einer kostenfreien Registrierung können die verfügbaren Daten mittels eines Open DataFinder durchsucht werden. Über ebenfalls kostenlos bereitgestellte Widgets(Minianwendungen) ist auch eine Einbindung der Daten in externe Webseiten möglich. Dieverfügbaren Daten können im Schema.org-Format, dem DACH-KG-Standard und demproprietären destination.one-Format abgerufen werden. Die direkte Eingabe oder Anbindungweiterer Daten über Schnittstellen ist vorgesehen und erfolgt kostenlos unter der Bedingung,9vgl. 4/thueringens-erster-hackathon-im-tourismus/10vgl. https://open.destination.one/7 / 18

dass die Daten unter einer der kommerziell nutzbaren Open Data Lizenzen bereitgestelltwerden.Nachdem Outdooractive den Zugriff auf alle mit einer Open Data Lizenz ausgezeichnetenInhalte der Outdooractive Plattform über das Open Data Portal opentourism.net11 bereits imSeptember 201812 ermöglicht hatte, stehen nun zusätzlich mit Open.Destination.One und demfür März 2020 neu angekündigten Portal open! dataCycle.Cloud13 (ein Verbundprojekt vonferatel media technologies AG, pixelpoint multimedia werbe GmbH und dataCycle GmbH)gleich mehrere, von kommerziellen technischen Dienstleistern betriebene Open DataPlattformen bereit, um den einfachen Zugriff auf offene Daten im Tourismus zu ermöglichen.Nach Einschätzung der Dienstleister stellen diese Plattformen keine Konkurrenz zu dengeplanten Datenplattformen der Landestourismusorganisationen und dem KnowledgeGraphen der DZT für Gesamtdeutschland dar. Sie sind vielmehr als zusätzliche Angebote fürbereits aus unterschiedlichen Quellen gesammelte offene Daten zu verstehen und stellenaggregierte Inhalte in verschiedenen Formaten und Schnittstellen zur einfachen Nutzung undErzielung zusätzlicher Reichweite bereit. Welche Relevanz diese Open Data Portale für denDatenzugriff und Datenaustausch in der Branche am Ende wirklich erreichen können, wirdsich im Zuge der zukünftigen Entwicklungen noch zeigen.4. BayernCloud im Tourismus (Guido Sommer, HS Kempten)Prof. Dr. Guido Sommer von der Hochschule Kempten informierte über den aktuellen Standdes im Mai 2018 gestarteten Projekts BayernCloud im Tourismus14. Das von ihm und seinemTeam der Hochschule Kempten koordinierte Vorhaben wird von den Partnern Fortiss GmbH,Outdooractive GmbH, hubermedia GmbH, Allgäu GmbH und der BAYERN TOURISMUSMarketing GmbH als Partner begleitet und vom Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft,Landesentwicklung und Energie unterstützt. Ziel des noch bis Juni 2021 laufendenanwendungsorientieren Forschungsprojekts ist die Entwicklung einer Referenzarchitekturfür eine offene digitale Dateninfrastruktur, über die alle relevanten Daten für eine Auswahltouristischer Anwendungsfälle in der Pilotregion Allgäu unter einer Open Data Lizenz mit einertechnischen Plattform bereitgestellt werden sollen.11vgl. http://opentourism.net12vgl. tdooractive/13vgl. https://open.datacycle.cloud/14vgl. https://bayerncloud.digital/tourismus/8 / 18

Konzeptskizze und Partner im Projekt BayernCloud im Tourismus (Quelle: Hochschule Kempten - University ofApplied Sciences, Prof. Dr. Guido Sommer)Guido Sommer sieht die Anfang 2020 von der Politik angekündigte Unterstützung für dieÜberführung des Forschungsvorhabens in den produktiven Betrieb vor allem als großen Erfolgim Hinblick auf die umfangreichen Leadership-Herausforderungen, mit denen das Projekt vonBeginn an konfrontiert war. Mit der Verstetigung des Projekts ist das klare Ziel verbunden, diedigitale Transformation der Tourismusbranche in Bayern zu fördern und konkreten Nutzen fürdie verschiedenen touristischen Stakeholder der Branche und in der Folge natürlich aucherlebbare Vorteile für die Gäste und Bürger in Bayern zu schaffen. Zukünftig soll dieBayernCloud von der BAYERN TOURISMUS Marketing GmbH gesteuert werden und abOktober 2020 ist eine Ausschreibung für einen technischen Dienstleister zur operativenUmsetzung der BayernCloud im Tourismus geplant.Vor dem Hintergrund der im Projekt gewonnenen Erfahrungen forderte Guido Sommerbessere und vor allem offene Daten, da diese eine wesentliche Voraussetzung für neueServices und spürbare Mehrwerte im Tourismus darstellen. Hierfür sind besonders Mobilitätsund Geodaten von großer Relevanz, die bisher in Bayern allerdings nicht im notwendigenUmfang als offene Daten bereitstehen. Der Bedarf für Open Data im Tourismus geht weit enswürdigkeiten,Übernachtungsmöglichkeiten und Veranstaltungshinweisen hinaus und erfordert einvernetztes und koordiniertes Vorgehen, damit für die notwendige digitale Dateninfrastrukturim Tourismus auch Basisdaten und dynamische Datenströme aus anderen Fachbereichen,wie zum Beispiel Mobilität, Geodaten, Wetter, Umwelt oder Einzelhandel einfach integriert,kombiniert und flexibel genutzt werden können.9 / 18

5. Destinationsdaten beim ADAC (Christian Berndt, ADAC e.V. / KonstantinAndreas Feustel, WIIF GmbH)Gemeinsam mit Andreas Feustel von der WIIF GmbH informierte Christian Berndt, Leiter fürTouristische Informationsbeschaffung beim ADAC über die Bedeutung offener Daten vonTourismusdestinationen für die Umsetzung einer neuen ADAC Trips App, die im Mai 2020auf den Markt kommen soll. Über ein für alle Nutzer geplantes Angebot hinaus soll die AppADAC Mitgliedern spezielle Mehrwertdienste anbieten. Relevante Inhalte werden mitUnterstützung von KI-Verfahren personalisiert an den Interessen der Nutzer orientiertausgespielt. Im Rahmen des Open Data Round Table wurden einige Funktionen der Appvorgestellt. Neben den vom ADAC recherchierten und redaktionell aufbereiteten Inhaltenstellen offene Daten der Destinationen bei entsprechender Qualität eine sinnvolle Ergänzungdar, um Nutzern der App Inspirationen für Urlaubsziele und touristische Angebote aus denDestinationen zu bieten. In der Umsetzung stellte sich allerdings heraus, dass bisher kaumflächendeckende offen Daten und Schnittstellen für eine regelmäßige Aktualisierung derInformationen im Tourismus verfügbar sind. Der ADAC hat sich daher klar dazu entschlossen,die benötigten Daten in der erforderlichen Qualität über Schnittstellen von Partnerneinzubinden und zu lizenzieren, wie beispielsweise Tourenempfehlungen von Outdooractive.“Wir freuen uns über Open Data - aber wenn es keine offenen Daten gibt, nehmen wir auchClosed Data - wir können jedenfalls nicht auf Open Data warten” brachte es Christian Berndtam Ende der Präsentation klar auf den Punkt.Anwendungsbeispiel: Gründung eines gemeinnützigenDigitalisierung der Regeln für die Nutzung der NaturVereinszurEin weiteres Anwendungsbeispiel für Open Data im Tourismus, das nicht beim Round TableOpen Data vorgestellt wurde, aber hier ergänzend aufgeführt werden soll, ist die von BTETourismus- und Regionalberatung und Outdooractive im Rahmen der ITB für den 5. März2020 angekündigte Gründung eines gemeinnützigen Vereins zur Digitalisierung der Regelnfür die Nutzung der Natur15. Ziel des Vereins ist es, die Akteure im Outdoor-Tourismus cherei,Sport,Grundstückseigentümern, Wissenschaft, Verlagen, Internetplattformen, DMO s und lokaleVerwaltungen zu vernetzen und gemeinsame Lösungen für verschiedene Herausforderungenim Zusammenhang mit einer nachhaltigen Nutzung der Natur im Tourismus zu erarbeiten.Dazu sollen unter anderem alle relevanten Daten zu Schutzgebieten recherchiert, digitalerfasst und unter einer Open Data Lizenz bereitgestellt werden. Darüber hinaus gilt es,Prozesse für die Aktualisierung der Daten und deren Qualitätssicherung zu etablieren. AufGrundlage der entstehenden offenen Datenbasis sollen dann zum Beispiel Informationen zuBetretungsverboten, Regeln zur eingeschränkten Nutzung für Mountainbiker oderHintergründe zu sensiblen Ökosystemen einfach für alle Arten von Anwendungen digitalbereitstehen, um über nachhaltiges Verhalten zu informieren, zu sensibilisieren und Aspektefür eine naturfreundliche Besucherlenkung umzusetzen. Es gibt also viele Themen, bei denensich die Branche noch auf Standards einigen muss um die relevanten Daten im Sinne einervernetzten offenen Dateninfrastruktur zusammenführen zu können.15vgl. ierung-der-regelnfuer-die-nutzung-der-natur/10 / 18

Weitere Rückblicke zum Round Table Open DataDie folgenden Beiträge bieten ergänzende Rückblicke mit Zusammenfassungen, Eindrückenund Einschätzungen zu den Ergebnissen des 3. Round Table Open Data: Livereportage vom Round Table zum Thema Open Data (Wakelet)16(Günter Exel, Tourismuszukunft) Digitalisierung im Deutschland-Tourismus: Round Table Open Data beimTourismuscamp 202017(Dr. Andrea Möller, dwif-Consulting GmbH) Auf der Suche nach Anwendungsfällen zu Linked Open Data18(Prof. Dr. Eric Horster, Fachhochschule Westküste)Ausblick auf Herausforderungen der Digitalisierung beim Aufbau einer offenendigitalen Dateninfrastruktur im TourismusDie zunehmende Relevanz des Themas Open Data ist im Kontext der digitalenTransformation der Tourismusbranche klar erkennbar und zeigt sich zum Beispiel auch an derlaufenden Diskussion über die zukünftige Rolle touristischer Organisationen in einer Welt, inder Google & Co einen immer stärkeren Einfluss auf das gesellschaftliche Leben nehmen. Esist dabei ein Zufall, dass die lange etablierten Abkürzungen DMO und LMO weiterhinverwendet werden können, obwohl sich mit dem Wandel von Marketing Organisationen zuManagement Organisationen die Visionen, Ziele und Strategien auf Destinations- undLandesebene verändern und dies in der Folge natürlich auch neue Aufgabengebiete und neueAnforderungen an die Qualifikationen und die Mitarbeiter in den unterschiedlichenOrganisationseinheiten zur Folge hat. Führungsfähigkeiten und ein technischesGrundverständnis, wie digitale Technologien Prozesse verändern und verbessern könnensind beste Voraussetzungen, um die anstehenden Herausforderungen zu meistern. Die Frageeiner Teilnehmerin des Round Table Open Data, ob für LMOs und DMOs der Fokus imMarketing zukünftig neben der gezielten Ansprache von Gäste-Zielgruppen nicht vor allemauch in der Vermarktung aktueller und qualitativ hochwertiger Destinations-Daten an dieZielgruppe reichweitenstarker Kommunikationskanäle, technischer Plattformen und Start-upsliegen sollte, ist mehr als berechtigt und ein wertvoller Denkanstoß. Ein gut koordiniertesgemeinsames Datenmanagement wird jedenfalls von vielen als zentrale Aufgabe fürzukunftsorientierte DMOs gesehen. In dem Zusammenhang wurde die Bedeutung offenerDatenlizenzen und die Notwendigkeit gemeinsamer Standards für Datenmodelle undSchnittstellen in der Branche erkannt. Beide Themen sollen in der DACH-Region nun weitervorangetrieben werden und den Aufbau einer gemeinsamen offenen Dateninfrastrukturunterstützen.16vgl. c9e8a95063317vgl. -data-round-table-2020.html18vgl. ach-anwendungsfaellen-zu-linked-open-data/11 / 18

Die von Tourismuszukunft initiierte DACH-KG19 war bisher ein wichtiger Treiber undImpulsgeber, um das Bewusstsein für Open Data in der Tourismusbranche imdeutschsprachigen Raum zu etablieren. Die ausgewählte Gruppe der darin informellorganisierten Teilnehmer hat damit einen wesentlichen Beitrag zur Aufbruchstimmunggeleistet. Um Open Data jetzt auch in der Praxis erfolgreich in der Tourismusbrancheumsetzen zu können, zeigt sich nun allerdings klar der Bedarf für einen offenen undkoordinierten Standardisierungsprozess, bei dem alle Stakeholder eingebunden werdensollten. Florian Bauhuber, Geschäftsführer von Tourismuszukunft, kündigte daher an, dasssich die bisher exklusive DACH-KG Gruppe nun auch für weitere Organisationen undtechnische Dienstleister öffnen möchte. Die aktuelle Planung sieht die Überführung derDACH-KG in eine Open Data Tourism Alliance (ODTA)20 vor, die in einer institutionalisiertenOrganisationsstruktur eventuell als Verein gegründet werden soll. Ein zentrales Ziel der neuenOrganisation wird die Standardisierung semantischer Datenmodelle für touristischeInformationen auf Basis des Schema.org-Standards21 sein. Dazu sollen für bisher im Standardfehlende oder im Detail nicht ausreichend berücksichtigte Themen sogenannte “TourismDomain Specifications” definiert und über die vom Semantic Technology Institute (STI)22 inInnsbruck betriebene Plattform Semantify23 bereitgestellt werden.Für viele wichtige Aspekte des Tourismus gibt es bei Schema.org bisher leider noch keinepassenden Lösungen. Wie können zum Beispiel die Vorteile von Gästekarten, Informationenzu geöffneten Skipisten oder Wegsperrungen auf Rad- und Wanderwegen, barrierefreieAngebote im Tourismus oder Betretungsverbote und Regeln in Schutzgebieten in einemsinnvollen Detailgrad einheitlich berücksichtigt werden? Ein in der Tourismusbrancheabgestimmter Konsens für die Anforderungen an Datenstrukturen, die dem Bedarfunterschiedlicher Anwendungen gerecht werden können, wäre ein großer und wichtiger ersterSchritt, um Erweiterungen für bestehende de facto Standards, wie zum Beispiel Schema.org,mehr Relevanz zu geben.Es ist unbe

Präsentationsfolie zum Ökosystem Open Data im Tourismus mit dem Bild eines Baumes (Richard Hunkel, DZT) Die DZT unterscheidet prinzipiell drei Arten von touristischen Daten: 1. Redaktionelle Daten mit Lizenzrechten, z.B. Beschreibungen und Bilder 2. Statische Daten, z.B. Adress-Sta