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LEIHARBEIT KURZ UND BÜNDIGTipps & Informationen fürLeiharbeiterInnenwww.leiharbeiter.atSOZAK ABC-Fibel-Leiharbeiter.indd 102.06.20 08:55

IMPRESSUMDieses Produkt wurde als Projektarbeit im Rahmender SOZAK-Ausbildung des 69. Lehrgangs 2019/20 erstellt.Projektteam und AutorInnen:Michaela WeisgramJutta NeulingerJohannes EbnerThomas NimmervollDanke an die Projektunterstützung von:ProjektauftraggeberIn: PRO-GE Branchenbüro ArbeitskräfteüberlassungFachliche/r BetreuerIn: Thomas Grammelhofer - PRO-GEMara Markovic - PRO-GEMelissa Huber – ÖGB-VerlagLehrgangsbetreuung: Georg Sever - ArbeiterkammerHerausgeber: Sozialakademie der Bundesarbeitskammer (SOZAK),Theresianumgasse 16-18, 1040 Wien.Medieninhaber: Verlag des ÖGB GmbH, Johann-Böhm-Platz 1, 1020 Wien,[email protected], www.oegbverlag.at.Kreation, Gestaltung, Herstellung: Verlag des ÖGB GmbH.Titelbild: PRO-GE Fotos: Adobe Stock / Michael (S. 6),ermetico (S. 10), Julydfg (S. 12), Mihail (S. 18),Ljupco Smokovski (S. 20), New Africa (S. 22),Aleksandar Kosev (S. 26), Ronny Manthei (S. 27),pressmaster (S. 28), cunaplus (S. 30)1. Auflage Juni 2020SOZAK ABC-Fibel-Leiharbeiter.indd 202.06.20 08:55

Wer oder was:Arbeitsverhinderung:Arbeitgeber 6ArbeitnehmerIn 6Arbeiterkammer (AK) 6Betriebsrat 7Betriebsvereinbarung 7Gewerkschaften 7Kollektivvertrag 8Leasing/LeiharbeiterIn/ZeitarbeiterIn 8Überlasser (Arbeitskräfteüberlasser/Leiharbeitsfirma) 9Arbeitsunfall 18Arztbesuch 19Krankenstand 19Kur/Gesundheitsvorsorge Aktiv/Reha 19Meldepflicht 19Freizeit/Urlaub:Sonderfreizeit 20Urlaub 21Rund um Kind und Familie:Rund um die Arbeitszeit:Mehrarbeit 10Pause 10Probezeit 11Ruhezeit 11Schichtarbeit 11Sonntags-/Feiertagsarbeit 11Stehzeit 11Zeitausgleich 11Elternteilzeit 23Karenz 23Mutterschutz 24Pflegefreistellung 24Schwangerschaftsmeldung 25Schutz am Arbeitsplatz:Arbeitsinspektorat 26Persönliche Schutzausrüstung (PSA) 26Rund ums Geld:Unterwegs für die Firma:AbfertigungAbfertigung NEU 12Abfertigung ALT 12Arbeitsvertrag (Dienstvertrag) 13Dienstzettel 13Einstufung/Lohngruppe 13Entgelt 14FacharbeiterInnenschutz 14Lohnerhöhung 14Lohnnebenkosten 15Lohnzettel 15Referenzzuschlag 15Überstunden 16Überlassungsmitteilung 16Urlaubsgeld (Urlaubszuschuss) 16Verfall, Verjährung von Ansprüchen 17Weihnachtsgeld (Weihnachtsre muneration) 17Zulagen 17Dienstreise 27Kilometergeld 27Nächtigungsgeld (Nächtigungszulage) 27Aus- und Weiterbildung:Lehrabschluss 29Sozial- und Weiterbildungsfonds (SWF) 29Ende des Arbeitsverhältnisses:Arbeitssuchtag 30Austritt („unberechtigt“) 30Einvernehmliche Lösung 31Entlassung (Fristlose) 32Gewerkschaftliche Soforthilfe 32Kündigung (Frist) 33Verwarnung 333SOZAK ABC-Fibel-Leiharbeiter.indd 302.06.20 08:55

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Liebe Kollegin, lieber Kollege!Im Zuge unserer gewerkschaftlichen Ausbildung in der Sozialakademie haben wir denAuftrag, ein Projekt umzusetzen.Da es uns eine Herzensangelegenheit ist, die KollegInnen der Leiharbeit zu unterstützen,haben wir uns für das Projekt „Handbuch – Leiharbeit kurz und bündig“ entschieden.Oftmals sind Erklärungen, z.B. in einem Kollektivvertrag, sehr juristisch geschrieben unddaher nicht ganz einfach zu verstehen. Deshalb war es uns ein Anliegen, die wichtigstenBegrifflichkeiten aus der Arbeitswelt der Leiharbeit leicht und verständlich zu erklären.Wir hoffen, euch hiermit eine einfache und schnelle Übersicht im Hinblick auf eureArbeitnehmerInnenrechte, aber auch ArbeitnehmerInnenpflichten zu ermöglichen!Projektteam des Lehrgangs der SOZAK 69:Jutta Neulinger (TTI, Stellv. Betriebsratsvorsitzende)Thomas Nimmervoll (GPA-djp, Gewerkschaftssekretär)Johannes Ebner (PRO-GE, Gewerkschaftssekretär)Michaela Weisgram (Göttlicher Heiland Krankenhaus Wien,Stellv. Betriebsratsvorsitzende)5SOZAK ABC-Fibel-Leiharbeiter.indd 502.06.20 08:55

Wer oder was:ArbeitgeberÜberlasser Betrieb, bei dem du deinen Arbeits- bzw. Dienstvertrag unterschriebenhast und von dem du deinen Lohn bekommst.Beschäftiger Betrieb, in dem du tatsächlich arbeitest.ArbeitnehmerInAls überlassene/r ArbeitnehmerIn bist du Teil der Belegschaft. ArbeitnehmerInnen sindalle Personen, die in einem Unternehmen beschäftigt sind, einschließlich der Lehrlinge.FirmeninhaberInnen bzw. FirmeneigentümerInnen sind KEINE ArbeitnehmerInnen.Arbeiterkammer (AK)Sie ist deine gesetzliche Vertretung in Österreich.Du bekommst Beratungen zu: Arbeitsrecht, Steuerrecht, Konsumentenschutz, Beruf und Familie, Bildung, Gesundheit am Arbeitsplatz.www.arbeiterkammer.at6SOZAK ABC-Fibel-Leiharbeiter.indd 602.06.20 08:55

BetriebsratDas ist DEINE persönliche Vertretung im Unternehmen. Es sind gewählte KollegInnen,die im Betrieb für die Rechte der ArbeitnehmerInnen eintreten. Sie haben die Aufgabe,die wirtschaftlichen, sozialen, gesundheitlichen und kulturellen Interessen aller ArbeitnehmerInnen im Unternehmen wahrzunehmen und zu fördern. Er wirkt auch an betrieblichen Entscheidungen mit (z.B. wenn ein Unternehmen Kurzarbeit anmeldet). Er istsehr wichtig, daher schenkst du ihm alle 5 Jahre bei der Wahl deine Stimme.Man unterscheidet zwischen Beschäftigerbetriebsrat (dort, wo du arbeitest) und Überlasserbetriebsrat (dort, wo du dein Dienstverhältnis hast). Beide sind für dich als LeiharbeiterIn zuständig.Info: Möchtest du selbst einen Betriebsrat gründen, frag doch am besten bei deinerGewerkschaft PRO-GE nach. Sie helfen dir bei allen Fragen und unterstützen dich beider Wahl und später als ngEine Betriebsvereinbarung ist eine schriftliche Vereinbarung zwischen Betriebsrat undder Geschäftsführung über verschiedenste Themen. Es gibt Betriebsvereinbarungenüber Arbeitszeitregelungen, Sonderzahlungen, Zulagen, die Übernahme von LeiharbeiterInnen, Überwachung im Betrieb und vieles mehr.Gibt es keinen Betriebsrat, muss die Geschäftsführung mit jeder/jedem MitarbeiterIneine eigene Vereinbarung treffen.GewerkschaftenSie wurden früher von Arbeitern gegründet, um sich gegen die katastrophalen Arbeitsbedingungen in den Unternehmen zu wehren. Seither kämpfen wir Betriebsräte, GewerkschaftsmitarbeiterInnen und – ganz wichtig – alle Gewerkschaftsmitglieder für faireLöhne, mehr Freizeit, bessere Gesundheit, verstärkte Mitbestimmung und vieles mehr.Wir unterstützen dich als Gewerkschaftsmitglied kostenlos bei Fragen rund um deinen Lohn, helfen bei Problemen im Job und vertreten dich, wenn nötig, kostenlosvor Gericht.Zudem hast du als Mitglied zahlreiche andere Vorteile, wie Streikgeld bei einem Streik,Vergünstigungen und einiges mehr.Kurzum, wir kämpfen für dich und deine Familie für ein besseres Leben.7SOZAK ABC-Fibel-Leiharbeiter.indd 702.06.20 08:55

Doch wir brauchen auch dich und deine Familie ganz dringend für unsere Anliegen. Nur,wenn so viele Menschen wie möglich bei unserer Gewerkschaft mit dabei sind, habenwir die Macht, viel zu erreichen.Da die Gewerkschaftsmitgliedschaft freiwillig ist und wir nicht durch Firmen oder denStaat finanziert werden, brauchen wir Mitgliedsbeiträge, um uns zu organisieren.Dieser Beitrag beträgt 1 % von deinem Bruttolohn, den du jährlich bei der Arbeitnehmerveranlagung ( Lohnsteuerausgleich) abschreiben kannst!Wird dein Mitgliedsbeitrag bei der Lohnabrechnung in Abzug gebracht, ist dies steuerlich bereits berücksichtigt.Lohn (brutto)MitgliedsbeitragTatsächlicher Mitgliedsbeitrag(wenn du es bei der Arbeitnehmerveranlagung angibst) 2 000,00 20,00 13,00 2 500,00 25,00 16,25 3 280,00 32,80 18,94Noch mehr Infos findest du unter: www.proge.atKollektivvertragEin Kollektivvertrag ist eine schriftliche Vereinbarung, die zwischen Arbeitgebern, derGewerkschaft und Betriebsräten abgeschlossen wird. Dieser wird jährlich neu verhandelt. Der Kollektivvertrag regelt eine große Zahl von Ansprüchen, die nicht in Gesetzengeregelt sind. Darin sind alle in einem Arbeitsverhältnis wichtigen Rechte und Pflichtenfür Arbeitgeber und ArbeitnehmerInnen geregelt. Das sind vor allem Regelungen in Bezug auf Entlohnung (Mindestgehälter bzw. Mindestlöhne), Sonderzahlungen (Urlaubsund Weihnachtsgeld) und Arbeitszeit.Für dich gelten zwei Kollektivverträge. Der Kollektivvertrag der Arbeitskräfteüberlassung( Überlasser-KV) sowie der Kollektivvertrag des Betriebs, in dem du arbeitest (Beschäftiger-KV). Es gilt das beiterInDas bist DU! ArbeitnehmerInnen, die nicht fix in einem Beschäftigerbetrieb eingestelltsind, aber über eine Zeitarbeits-, Leiharbeits- oder Leasingfirma auf bestimmte Zeit ineinem anderen Betrieb arbeiten.8SOZAK ABC-Fibel-Leiharbeiter.indd 802.06.20 08:55

Beispiel:Die/Der LeiharbeiterIn (M) hat ein Dienstverhältnis bei der Firma A, arbeitet aber bei derFirma K. Die/Der LeiharbeiterIn (M) bekommt den Lohn/das Gehalt von der Firma A. DieFirma A hat mit der Firma K einen atzArbeitsvertragMMitarbeiterInÜberlasser (Arbeitskräfteüberlasser/Leiharbeitsfirma)Das ist auf obenstehender Skizze die Firma A.Der Überlasser („Verleiher“) ist jene Firma, die Arbeitskräfte zur Arbeitsleistung an Drittevertraglich verpflichtet. Sie ist dein Arbeitgeber, das heißt, du bist dort versichert und dubekommst vom Überlasser dein Geld.Zur Aufklärung: Es besteht also ein Vertragsverhältnis zwischen drei Personen (sieheSkizze). Die rechtlichen Grundlagen für diese Dreiecksbeziehung sind im Arbeitskräfteüberlassungsgesetz (AÜG) geregelt.9SOZAK ABC-Fibel-Leiharbeiter.indd 902.06.20 08:55

Rund um die Arbeitszeit:MehrarbeitBei einer Normalarbeitszeit von 38,5 Stunden pro Woche ist die Zeit bis zur 40. StundeMehrarbeit. Diese Zeit muss bezahlt werden, es gebührt aber grundsätzlich kein Mehrarbeits-(Überstunden-)Zuschlag. Jene Stunden, die über 40 Stunden hinausgehen, sindÜberstunden.Manche Kollektivverträge haben jedoch andere Regelungen, in denen ein Mehrarbeitszuschlag vorgesehen ist. Bist du in so einen Betrieb überlassen, gilt dieser Kollektivvertrag auch für dich.PauseWenn deine tägliche Arbeitszeit mehr als 6 Stunden beträgt, muss nach spätestens6 Stunden eine Pause von mindestens 30 Minuten gemacht werden. Wenn es der Betrieb erfordert, kann die Pause auch 2x 15 Minuten oder 3x 10 Minuten betragen. Imvollkontinuierlichen Schichtbetrieb können auch Kurzpausen von je 10 Minuten vereinbart werden, diese fallen dann in die Arbeitszeit.10SOZAK ABC-Fibel-Leiharbeiter.indd 1002.06.20 08:55

ProbezeitDer erste Monat gilt als Probemonat. Während dieser Zeit kann das Dienstverhältnis vonbeiden Seiten ohne Angabe von Gründen und ohne Kündigungsfrist auflöst werden.Kollektivverträge können die Probezeit auch kürzer regeln.Wichtig: Die Probezeit darf 1 Monat aber nicht übersteigen!RuhezeitWenn deine tägliche Arbeitszeit beendet ist, muss eine Ruhezeit von mindestens11 Stunden eingehalten werden.Achtung: Dein Kollektivvertrag kann Ausnahmen schaffen und auch im Gastgewerbesind Ausnahmen möglich!SchichtarbeitWenn du in einen Betrieb mit Wechselschichten überlassen bist, stehen dir für die2. und 3. Schicht meistens Zulagen zu.Wenn du Fragen zum Schichtmodel in deinem Beschäftigerbetrieb hast, erkundigedich beim Betriebsrat vor Ort. Gibt es keinen, dann frag doch bei deiner GewerkschaftPRO-GE nach.Sonntags-/FeiertagsarbeitWenn du sonntags oder feiertags arbeitest, steht dir ein Zuschlag auf deinen Grundlohnzu. Wie hoch dieser ist, hängt vom Kollektivvertrag ab, der in deinem Beschäftigerbetrieb gilt. Berechnungsbasis für die Überstunde ist dein Stundenverdienst.StehzeitDas ist die Zeit, in der du in keine Firma überlassen bist. Während dieser Zeit musst dudich für 38,5 Stunden pro Woche während deiner gewöhnlichen Arbeitszeit für deinenDienstgeber zur Verfügung halten, das heißt, arbeitsbereit sein. Während der Stehzeitmusst du auch bezahlt werden! (Durchschnitt der letzten 13 Wochen)ZeitausgleichDu kannst deine angefallenen Überstunden auch durch Zeitausgleich abgelten lassen.Dies gilt aber nur für die Grundstunden, die Überstundenzuschläge müssen ausbezahltwerden. Ein gewünschter Zeitausgleich muss mit dem Dienstgeber vereinbart werden.Bei Fragen wende dich bitte an deinen Betriebsrat!11SOZAK ABC-Fibel-Leiharbeiter.indd 1102.06.20 08:55

Rund ums Geld:AbfertigungAbfertigung NEUWenn du nach 01.01.2003 bei deinem Überlasser zu arbeiten begonnen hast, hast dubei Beendigung des Dienstverhältnisses Anspruch auf die Abfertigung NEU.Der Überlasser bezahlt 1,53 % deines monatlichen Entgelts in eine Abfertigungskasse.Achtung! Je nach Kündigungsart kann entweder sofort auf das Geld zugegriffen werden oder man hat eine bestimmte Wartepflicht.Einmal pro Jahr wird eine Benachrichtigung von der Abfertigungskasse zugesendet.Dort ist ersichtlich, wie viel Geld in der Kasse liegt und ob man sich das Geld auszahlenlassen kann oder nicht.Abfertigung ALTHast du schon vor dem 01.01.2003 bei deinem Überlasser zu arbeiten begonnen, gebührt dir bei der Beendigung deines Dienstverhältnisses die Abfertigung ALT.Anspruch:nach 10 Dienstjahren – 4 Monatsentgeltenach 15 Dienstjahren – 6 Monatsentgeltenach 20 Dienstjahren – 9 Monatsentgeltenach 25 Dienstjahren – 12 MonatsentgelteAchtung: Wenn du selbst kündigst oder aus deinem Verschulden entlassen wirst, verfällt der Anspruch!Bei einer Kündigung durch den Überlasser oder einer einvernehmlichen Auflösungbleibt der Anspruch auf Abfertigung ALT bestehen.12SOZAK ABC-Fibel-Leiharbeiter.indd 1202.06.20 08:55

Arbeitsvertrag (Dienstvertrag)Der Arbeitsvertrag wird zwischen dir und der Leiharbeitsfirma abgeschlossen. Er regelteure Rechte und Pflichten. Als FacharbeiterIn musst du beispielsweise auch immer alsFacharbeiterIn in eine andere Firma überlassen werden. Ein Einsatz als HilfsarbeiterInist nicht erlaubt.Es gilt der sogenannte Facharbeiterschutz. Näheres beim Punkt „Facharbeiterschutz“.Der Inhalt des Arbeitsvertrages hat deshalb Auswirkungen auf das momentane Arbeitsverhältnis und zum Teil auch auf die Zeit danach.Achtung: Es muss ein schriftlicher Arbeitsvertrag ausgestellt werden. Weiters hast duAnspruch auf einen Dienstzettel, in dem steht, was vereinbart worden ist!Im Kollektivvertrag findest du ein Muster eines Dienstvertrages.Info: Bei einer Überlassung in einen Betrieb musst du IMMER eine Überlassungsmitteilung bekommen. Näheres dazu beim Punkt „Überlassungsmitteilung“.DienstzettelEin Dienstzettel ist die schriftliche Aufzeichnung über die wesentlichen Rechte undPflichten aus dem Arbeitsvertrag. Da es keinen Anspruch auf Ausstellung eines schriftlichen Arbeitsvertrages gibt, ist das Recht auf Ausstellung eines Dienstzettels besonders wichtig.Achtung: Achte immer darauf, dass im Dienstzettel genau das steht, was mündlichmit dem Überlasser vereinbart worden ist! Ist das nicht der Fall (z.B. ein niedrigererLohn, falsche Einstufung), den Arbeitgeber sofort mit eingeschriebenem Brief daraufaufmerksam machen und eine Richtigstellung verlangen. Dein Betriebsrat und die Gewerkschaft helfen dir dabei!Einstufung/LohngruppeDein Lohn richtet sich nach der Einstufung laut Kollektivvertrag der Arbeitskräfteüberlassung. Je nach Qualifikation gibt es verschiedene Lohngruppen mit unterschiedlichhohen Stundenlöhnen (Brutto-Werte). Unter Kollektivvertrag darf NIE bezahlt werden!Bist du in einen Betrieb überlassen, der einen besseren Kollektivvertrag hat, dann mussIMMER der bessere Kollektivvertrag angewendet werden. So kann es sein, dass du injedem Betrieb einen anderen Lohn bekommst.Gibt es keinen Kollektivvertrag, muss dir dasselbe bezahlt werden, wie den Beschäftigten im Betrieb.13SOZAK ABC-Fibel-Leiharbeiter.indd 1302.06.20 08:56

Wichtig: Für ein paar Branchen gibt es sogenannte „Referenzzuschläge“. Das ist dortder Fall, wo die StammmitarbeiterInnen mehr als den kollektivvertraglichen Mindestlohnverdienen (Hochlohnbranchen).Jene Branchen, in denen du Anspruch auf diese Referenzzuschläge hast, sind im Kollektivvertrag der Arbeitskräfteüberlassung kraefteueberlasser-arbEntgeltDas Entgelt umfasst den wöchentlichen oder monatlichen Lohn alle übrigen gewährten finanziellen Leistungen (z.B. Sonderzahlungen, Provisionen,Prämien, Zulagen) sonstige Sachleistungen (z.B. Privatnutzung des Dienstwagens, Gratisparkplätze,Dienstwohnung)Achtung: Aufwandsentschädigungen wie Kilometergeld oder Hotelnächtigungen werden nicht auf das Entgelt angerechnet!FacharbeiterschutzFür deine Einstufung ist das vereinbarte „Einsatzfeld“ und die dafür hauptsächlich benötigte Qualifikation entscheidend. Deine bisherige Ausbildung und Berufstätigkeitsind entscheidend, weil für den Überlasser höherwertige Kenntnisse und Fertigkeiten auch dann wesentlich sind, wenn sie zeitlich nicht überwiegend genützt werden.FacharbeiterInnen müssen schon dann in eine der FacharbeiterInnen-Lohngruppeneingestuft werden, wenn sie auch nur selten oder vorübergehend in ihrem Berufsfeldeingesetzt werden.LohnerhöhungDie jährliche Lohnerhöhung steht in keinem Gesetz. Es gibt also keine gesetzliche Lohnerhöhung. Jedes Jahr verhandelt die Gewerkschaft mit den Arbeitgebern, wie hoch dieLohnerhöhung sein wird. In allen Branchen, in denen es viele Gewerkschaftsmitgliedergibt, gibt es immer die besten Lohnerhöhungen. Denn dort fordern die Betriebsräte gemeinsam mit den Beschäftigten, dass sie eine anständige Lohnerhöhung bekommen.Und wenn viele das fordern, dann führt das zu einem besseren Erfolg.Sei auch du dabei und fordere einen gerechten Lohn für dich und deine KollegInnen!www.proge.at14SOZAK ABC-Fibel-Leiharbeiter.indd 1402.06.20 08:56

LohnnebenkostenÜber sie wird oft und viel diskutiert. Die Arbeitgeber fordern immer eine Senkung derLohnnebenkosten.Aber was sind überhaupt Lohnnebenkosten?Das sind hauptsächlich Sozialversicherungsbeiträge. Sie helfen dir, dass du versichertbist und weiterhin Geld bekommst, wenn du z.B. arbeitslos wirst, länger krank bist odereinen Arbeitsunfall hast. Zudem wird damit deine Pension gesichert.Auch dein Urlaubs- und Weihnachtsgeld zählen dazu, genauso wie der Entgeltanspruch, wenn du im Urlaub, Feiertag oder Krankenstand bist.Eine Senkung der Lohnnebenkosten bedeutet also mit Sicherheit eine Kürzungder Leistungen oder eine Erhöhung deines Beitrags. Auf alle Fälle würde dir weniger Geld am Ende des Monats übrigbleiben.Mehr Infos unter: www.arbeiterkammer.atLohnzettelDamit man weiß, wie sich der eigene Lohn zusammensetzt, gibt es einen Lohnzettel,auf den du monatlich Anspruch hast. Dort muss deine Einstufung, deine Überstunden, dieDiäten und vieles mehr enthalten sein. Oft ist er aber sehr kompliziert und man verstehtnicht alles, was darin beschrieben ist. Aus diesem Grund hat die Gewerkschaft eine Seite geschaffen, in der alle Begriffe erklärt werden (z.B. „50% ÜSt. Zuschlag“, „BMGL“).www.derlohnzettel.atWenn du Fragen zu deinem Lohnzettel hast, informiere dich bei deinem Betriebsrat oder deiner Gewerkschaft. Dort hast du auch die Möglichkeit auf eine Prüfung,wenn du glaubst, dass die Abrechnung nicht stimmt.ReferenzzuschlagIn gewissen Branchen gebührt dir ein eigener Zuschlag pro Stunde. Einen solchen bekommst du, wenn du in einer dieser definierten Hochlohnbranchen arbeitest:Bergwerke und Stahl, NE-Metallindustrie, Metalltechnische Industrie, Fahrzeugindustrie, Gas- und Wärmeversorgungsunternehmungen, Elektro- und Elektronikindustrie,Österreichs E-Wirtschaft, Glasindustrie, Stein- und keramische Industrie, chemischeIndustrie und der Papierindustrie, Bauindustrie und Baugewerbe. Die Höhe des Zuschlags kannst du im Arbeitskräfteüberlassungs-Kollektivvertrag nachlesen.15SOZAK ABC-Fibel-Leiharbeiter.indd 1502.06.20 08:56

ÜberstundenAls Überstunde gilt jene Arbeitszeit, die über 40 Stunden pro Woche liegt. Der Arbeitskräfteüberlassungs-Kollektivvertrag sieht z.B. nur 38,5 Stunden pro Woche vor. Bis zur40. Stunde ist es dann Mehrarbeit, bei der keine Überstundenzuschläge anfallen.Oft gibt es Regelungen in Kollektivverträgen und Betriebsvereinbarungen, dass geleistete Überstunden in einem gewissen Durchrechnungszeitraum wieder aufgebrauchtwerden sollen („Flexizeit“ etc). Nach diesem Zeitraum können Guthaben dann je nachModell als Zeitausgleich verbraucht, mit Überstundenzuschlag ausbezahlt oder wiederin die nächste Periode mitgenommen werden.Bei Fragen sind dein Betriebsrat und die Gewerkschaft an deiner Seite.ÜberlassungsmitteilungDer Überlasser muss dir vor JEDER Beschäftigung in einem anderen Betrieb mitteilen,was die für die Überlassung wesentlichen Umstände sind. Die Mitteilung muss schriftlich sein und Folgendes beinhalten:1. den Beschäftiger,2. den für vergleichbare ArbeitnehmerInnen für vergleichbare Tätigkeiten im Beschäftigerbetrieb anzuwendenden Kollektivvertrag und die Einstufung in denselben,3. die Normalarbeitszeit und deren voraussichtliche Lage im Betrieb des Beschäftigers,4. das für die Dauer der Überlassung gebührende Entgelt und die Aufwandsentschädigungen, wobei Grundgehalt oder -lohn, Zulagen, Zuschläge und Sonderzahlungen jeweils getrennt auszuweisen sind,5. die Art der zu verrichtenden Arbeit,6. die voraussichtliche Dauer der Überlassung,7. den genauen Zeitpunkt des Arbeitsantritts,8. den genauen Ort der Arbeitsaufnahme,9. gegebenenfalls die Tatsache, dass auch Arbeiten außerhalb der Betriebsstätte zuverrichten sind.Urlaubsgeld (Urlaubszuschuss)Das sogenannte Urlaubsgeld wird oft auch als 13. Gehalt bezeichnet. Dieser zusätzlicheLohn ist NUR in Kollektivverträgen geregelt und NICHT im Gesetz.Achtung: Ohne Kollektivvertrag gibt es also keinen Anspruch darauf! Es wird danachberechnet, was du in den letzten 6 Monaten durchschnittlich verdient hast.16SOZAK ABC-Fibel-Leiharbeiter.indd 1602.06.20 08:56

Verfall, Verjährung von AnsprüchenFür die Verjährung und den Verfall aller Ansprüche zwischen Arbeitgeber und ArbeitnehmerIn gelten ausschließlich die gesetzlichen Vorschriften. Auch für die Rückforderungzu Unrecht geleisteter Entgelte gilt die 3-jährige Verjährungsfrist.Abweichend davon müssen Überstundenvergütungen, Sonn- und Feiertagszuschläge, Schmutz-, Erschwernis- und Gefahrenzulagen, Reiseaufwandsentschädigungen und Wegzeitvergütungenbei sonstigem Verfall binnen 6 Monaten nach ihrer Fälligkeit bzw. ihrem Bekanntwerdenschriftlich geltend gemacht werden; dies gilt nicht, soweit sie Teil von Gleichbehandlungsansprüchen im Sinne des Gleichbehandlungsgesetzes (GleichbG) sind.Wirst du dazu gedrängt, bei Beendigung deines Arbeitsverhältnisses auf all deine Ansprüche zu verzichten, kannst du das innerhalb von 5 Arbeitstagen nach Aushändigungund Auszahlung der Endabrechnung widerrufen.Achtung: Hol dir unbedingt Hilfe bei deinem Betriebsrat oder deiner Gewerkschaft! Siekönnen dir beim Schreiben des Widerrufs helfen.Weihnachtsgeld (Weihnachtsremuneration)Dies wird auch als 14. Gehalt bezeichnet und ist wie das Urlaubsgeld von der Gewerkschaftfür die ArbeitnehmerInnen erkämpft worden. Es gibt auch hier KEINEN gesetzlichen Anspruchdarauf. Also gilt auch hier: Gibt es keinen Kollektivvertrag, gibt es kein Weihnachtsgeld.Willst du auch weiterhin ein 13. und 14. Gehalt? Dann werde Mitglied bei der Gewerkschaft PRO-GE und unterstütze sie mit deinem Mitgliedsbeitrag.www.proge.atEs wird danach berechnet, was du in den letzten 6 Monaten durchschnittlich verdient hast.ZulagenFür besondere Belastungen hast du Anspruch auf Zulagen (z.B. Montage-, Schicht-,Überstunden-, Schmutzzulagen). Sie sind im Kollektivvertrag und teilweise auch in Betriebsvereinbarungen geregelt.Ob dir Zulagen zustehen und wie hoch diese sind, ist je nach Kollektivvertrag verschieden geregelt. Gibt es keinen Kollektivvertrag, gibt es oft auch keine Zulagen.Wichtig: Alle Zulagen MÜSSEN am Lohnzettel stehen! Nur so kann kontrolliert werden,ob die Abrechnung auch stimmt.17SOZAK ABC-Fibel-Leiharbeiter.indd 1702.06.20 08:56

Arbeitsverhinderung:ArbeitsunfallEin Arbeitsunfall ist es dann, wenn der Unfall bei einer Arbeitstätigkeit passiert ist unddie Schädigung auf einen Arbeitsunfall hinweist. Dazu zählt auch der Weg von und zurArbeit. Beispiele dafür sind:Der Unfall ist passiert auf dem Weg vom Arbeitsplatz zum Mittagessen oder am Weg zurück. auf dem direkten Weg zur und von der Arbeit. auf dem direkten Weg von zu Hause oder von der Arbeitsstätte zum Arzt und zurück. auf dem direkten Weg zu einem Kindergarten, einer Kindertagesstätte, zur Schuleund zurück in die Arbeit oder nach Hause. bei der Inanspruchnahme von Interessenvertretungen, z.B. AK oder Gewerkschaft. beim Besuch berufsbildender Kurse im direkten beruflichen Zusammenhang, auchwenn sie während der Arbeitszeit besucht werden.18SOZAK ABC-Fibel-Leiharbeiter.indd 1802.06.20 08:56

Wichtig: Wenn ein Arbeitsunfall passiert, ist es wichtig, deinen Überlasser und Beschäftiger so schnell wie möglich darüber zu informieren. Dieser muss sofort protokolliertund an die AUVA ( Arbeitsunfallversicherungsanstalt) versendet werden! Die Wiederherstellung deiner Gesundheit beziehungsweise deine Ansprüche bei Folgeschädensind bei einem Arbeitsunfall besser abgesichert durch die AUVA als durch die „normale“ Kranken- und Unfallversicherung. Informiere im Anschluss auch deinen Betriebsratüber diesen Vorfall.ArztbesuchDringende Arzt- oder Ambulanzbesuche während der Arbeitszeit sind vorher deinemÜberlasser sowie deinem Beschäftiger mitzuteilen.Wichtig: Eine Zeitbestätigung von der Ärztin bzw. dem Arzt ist notwendig und musssofort an deinen Überlasser gesendet (E-Mail, Fax) werden!Verlangt dein Überlasser eine kostenpflichtige ärztliche Bestätigung, dann mussdieser sie bezahlen.KrankenstandDu musst deinem Überlasser sofort melden, wenn du nicht zur Arbeit kommen kannst.Wir empfehlen dir, auch deinen Beschäftiger darüber zu informieren.Wichtig: Eine Arbeitsunfähigkeitsmeldung ist nötig und muss sofort an den Überlassergesendet werden (E-Mail, Fax)!Kur/Gesundheitsvorsorge Aktiv/RehaSobald du eine Einladung oder einen Bescheid der Kuranstalt erhältst, musst du deinenÜberlasser über die Dauer und den Zeitraum der Kur informieren. Wir empfehlen dir, dasauch bei deinen Beschäftiger zu tun.Wichtig: Eine Aufenthaltsbestätigung der Kuranstalt oder der Rehaklinik ist unbedingtnotwendig und muss sofort an den Überlasser gesendet werden (E-Mail, Fax)!MeldepflichtMeldepflicht bedeutet, dass du jede Art der Arbeitsverhinderung, z.B. wegen Krankheit, Pflegefreistellung, Arbeitsunfall, Kur/Reha oder sonstiger Gründe, deinem Überlasser sofort mitteilen musst. Ebenso empfehlen wir dir, deinen Beschäftiger darüberzu informieren.19SOZAK ABC-Fibel-Leiharbeiter.indd 1902.06.20 08:56

Freizeit/Urlaub:SonderfreizeitDu hast Anspruch auf Freistellung von der Arbeit bei Fortzahlung deines Entgelts, auchwenn das Ereignis an einen arbeitsfreien Tag fällt (Achtung, es gibt Ausnahmen!). DieseTage müssen aber im direkten Zusammenhang mit dem Ereignis vereinbart werden.3 Arbeitstage Tod/Beerdigung eines Elternteils, der Ehegattin/des Ehegatten, der Lebensgefährtin/des Lebensgefährten, der eingetragenen Partnerin/des eingetragenen Partners imSinne des Eingetragene Partnerschaftsgesetzes sowie des Kindes.Achtung: bei Stiefkindern/Adoptivkindern nur, wenn es im gemeinsamen Haushalt gelebt hat.1 Arbeitstag Tod/Beerdigung einer Schwester oder eines Bruders, eines Stiefkindes oder Adoptivkindes, der Stiefeltern, Großeltern oder Schwiegereltern bzw. Eltern der Partnerin/des Partners der Eingetragenen Partnerschaft (auch ohne gemeinsamen Haushalt).Achtung: bei sonstigen Familienangehörigen nur, wenn ein gemeinsamer Haushaltbestand.20SOZAK ABC-Fibel-Leiharbeiter.indd 2002.06.20 08:56

Die nachweislich notwendige Zeit Bei Teilnahme an Abordnung zu Begräbnissen, wenn diese im Einvernehmen mitdem Überlasser ist.3 Arbeitstage Bei der eigenen Eheschließung oder Eintragung in Sinne des Eingetragene Partnerschaftsgesetzes.1 Arbeitstag Bei Eheschließung eines Kindes, des Stief- oder Adoptivkindes bzw. des Kindes derPartnerin/des Partners in Sinne des Eingetragene Partnerschaftsgesetzes.1 Arbeitstag Bei Eheschließung eines Bruders oder einer Schwester, wenn diese auf deinen Arbeitsta

Wir unterstützen dich als Gewerkschaftsmitglied kostenlos bei Fragen rund um dei-nen Lohn, helfen bei Problemen im Job und vertreten dich, wenn nötig, kostenlos vor Gericht. Zudem hast du als