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HörtHört GottGott unserunser Beten?Beten?Von der Kompetenz zur Unterrichtsstundevon Anne KlaaßenSeit meiner Mitarbeit bei der Entwicklung des Teilrahmenplans Evangelische Religion versuche ich herauszufinden, worin die Kompetenzorientierung besteht. Das heißt, ich probiere in meinem Unterrichtaus, an welchen Merkmalen sich Kompetenzorientierung zeigen kann, ich dokumentiere Schülerbeiträge,ich »erforsche« meinen Unterricht.Ich möchte im Folgenden an einem Beispiel exemplarisch meine Gedankengänge aufzeigen und anderean meinen Überlegungen und Entscheidungen teilhaben lassen.AnforderungssituationwahrnehmenIm Augenblick unterrichte ich ein4. Schuljahr in Religion. Ich habe dieGruppe im 3. Schuljahr übernommen. Mittlerweile kennen wir unsgut, es herrscht eine offene, vertrauensvolle Atmosphäre, in der dieKinder ihre Fragen stellen. So fragtTobias lange nach unserer Gotteseinheit mit dem Kinderbuch »An derArche um Acht«: »Wie ist das jetzteigentlich mit Gott? Ich meine, wirreden dauernd von ihm, aber wirwissen nicht, ob es ihn gibt odernicht.« Ein anderes Kind nimmtgleich den Faden auf: »Gott gibt esvielleicht nicht. Man merkt ihn nicht.Denn er greift nicht ein.« Wieder einanderes Kind: »Doch. Gott gibt es.Er hört. Manchmal. Manchmal auchnicht. Aber manchmal doch.« Einbittender Blick um Unterstützungund Bestätigung in meine Richtungbegleitet das letzte Statement – undschon sind wir mitten im Theologisieren.quent, mich hier mit meinem Unterrichtsvorhaben Gebet, Beten, Gebetserhörung . . . anzudocken.Hilfreich sind mir folgendeTeilkompetenzen:– kennt einfache Kindergebete,– kann eigene Gebete formulierenund beteiligt sich an der Gestaltung von Ritualen, Andachten undGottesdiensten in der Schule,– kennt unterschiedliche Gebetshaltungen und kann sie deuten,– kennt ausgewählte Psalmworte,kann sie als bildhaften Ausdruckmenschlicher Grunderfahrungendeuten und sie mit eigenemGeschehen und Erfahrungen verknüpfen, Zur Frage nach dem Beten gehörtfür mich auch das eigene Selbstund Weltverständnis wahrzunehmenund vor einem Gegenüber zur Sprache zu bringen. Siehe Kompetenz 1,(Seite 3). Das Gebetsverständnis Jesu, dassich im Vaterunser und in seiner Gebetspraxis ausdrückt, ist für mich eines der zentralen Motive des christlichen Glaubens, über deren Bedeutung Auskunft zu geben ist. SieheKompetenz 3. Dass Gebete einen festen Ort inFeiern und Festen haben und alsindividuelle Ausdrucksformen desGlaubens wahrgenommen werden,möchte ich in meiner Einheit verankert wissen. Siehe Kompetenz 4.– kann darüber Auskunft geben,was Christen mit dem Gebet verbinden,– . Gerade im Umgang mit Gebeten inunterschiedlicher religiöser Praxisund der Frage nach Gott zeigt sich,ob und wie die Schüler/-innen imReligionsunterricht andere religiöseLebenswelten und Deutungsmusterwahrnehmen. Es muss Anliegensein, dass wir dies respektvoll kommunizieren, sei es bei unterschiedlichen Auffassungen innerhalb derReligionsgruppe oder Klasse, sei esim interreligiösen Dialog. SieheKompetenz 5.Doch auch die anderen Kompetenzen liefern Teilaspekte, die ichnicht aus dem Blick verlierenmöchte. Gerade mit Hilfe der Psalmen unddes Vaterunsers lassen sich lebensfördernde und lebensfeindlicheAnsprüche unterscheiden. SieheKompetenz 6.– kann Symbole und Psalmworte inkreativen Gestaltungsformen zumAusdruck bringen,– kann das Vaterunser und Psalm23 mitsprechen,– kennt Gebete und Gebetssituationen von Jesus,Ich versuche wahrzunehmen undzu sortieren, was die Kinder mir anbieten, welche Fragen sie bewegen.Hinter der Frage, ob es Gott gibt,vermute ich weitere Fragen: Wiezeigt sich Gottes Existenz? Wie erfahren wir ihn? Wie erweist er sichheute? Aus diesen Gedanken formuliere ich als Anforderungssituation:»Wie können wir etwas von GottesDasein merken? Zum Beispiel: HörtGott unser Beten?«Kompetenzen bedenkenIch bleibe zunächst bei Kompetenz 2 hängen. Hier heißt es: Schüler/-innen unterscheiden, deutenund gestalten Grundformen religiöser Sprache in biblischen Geschichten, Psalmen, Symbolen, Gebeten,Gebärden. Es erscheint mir konse-8Schönberger Hefte 3/10

Übersichtsplanung: GebetWahrnehmen beschreibenDeuten verstehenGestalten handelnWir betenZwei Kinder beschreiben »ihre«Gebete. Sie kennen weitereGebete, Formen und Anlässe.Sie wählen Gebete begründetaus und schreiben sie in ihrGebetsbüchlein.Benennen vonKindergebeten.Beten eOrte zum Beten.Wer betet, hofftauf Gott, dass erda ist, dass er hilft– wie auch immerGebete auswählen und abschreiben.Gebetsbüchleinherstellen und inAnfangsritualbenutzenVarenka betetZiel: Kinder bedenken, wieGott eingreift. Sie formuliereneigene Lösungsansätze undpositionieren sich begründetzu den Gedanken ihrer Mitschüler/-innen. Sie verstehenim Ansatz, dass Gebetserfahrungen Deutungen auf Gott hinsind.VarenkasGeschichte lesen.Varenkas GebetKennen undbeschreibenVarenkasGeschichteverstehen undweiterschreiben:Von GottesHandeln deutenderzählenDie Schülerprodukte würdigenund sich dazupositionieren.EinschätzungenbegründenPsalm 23Ziel: Kinder gestalten ihrenemotionalen Zugang zu denBildern aus Psalm 23.Sie präsentieren und erläuternihre Gestaltung.Sie nehmen »probeweise«mit der Symbolhandlung dieRolle des Beters ein.Psalm 23 lesen,in Gebetsbüchleinübernehmen, miteigenen WortenwiedergebenBilder des Psalms Psalm abschnittsauf die Beziehung weise mit LegeGott – Mensch hin material gestaltendeuten.Beispiele / Übertragungen finden.Mit anderen biblischen Geschichten verbinden.Arbeitsergebnissepräsentieren undauf RückfragenAuskunft gebenkönnenAllgemeineKompetenzenKommunizieren Teilhaben beurteilenentscheidenMitbeten undMitsingen imAnfangsritual,z. B.Vaterunser,Morgengebet,LiederSymbolhandlungmit Salböl mitvollziehen(probeweise übernehmen).Psalm auswendigmitsprechen.Lob, Dank, Bitte und KlageJesus betet.So entsteht ein ganzes Geflechtvon möglichen Inhalten und Verknüpfungen, die für den Kompetenzerwerb hilfreich sind. Alles hat immer mit allem zu tun. Doch ich gewichte auch hier und entscheide,die Schülerinnen und Schüler imBlick behaltend. Die Übersicht obenmacht mir während der Unterrichtseinheit deutlich, in welchem Feldsich die Kinderfragen bewegen, welche Aspekte berührt werden undwelche nicht, wohin die unterrichtliche Reise geht. Doch zunächst zurAnforderungssituation.Anforderungssituation –Lernsituation –AnwendungssituationKompetenzen werden nicht »gelehrt«oder unterrichtet, sie werden in herausfordernden Situationen erworben.Schönberger Hefte 3/10Ausgangspunkt meines Unterrichtens ist eine Anforderungssituation,die ein »Problem« aus der Lebenswelt der Schülerinnen und Schülerenthält. Diese Anforderungssituation wird als Lernsituation in unterschiedlichen Arrangements aufgegriffen. Nötiges Wissen wird vermittelt, eingeübt und wiederholt undmit anderen Inhalten in Zusammenhang gebracht, Wissen wird vernetzt.Im Reagieren auf eine Anwendungssituation zeigt sich, über welcheKompetenzen die Schülerinnen undSchüler nun verfügen.Ich versuche, mir bewusst zu machen, welchen Weg ich von der Anforderungssituation aus einschlagenkönnte. »Wie können wir etwas vonGottes Dasein merken? Z. B. HörtGott unser Beten?«. Die Situationbzw. die Frage soll als »roter Faden«für die Schülerinnen und Schülermitlaufen.Hier werden die Schüleräußerungen dahingehend interpretiert,dass die Beziehung zwischenMensch und Gott, wie sie sich inGebet und Gottes Zuwendung undSegen äußert, in den Mittelpunktgestellt werden kann. Das Vertrauen, dass Gott da ist für uns Menschen, wird als Prämisse verstanden. Von daher interpretieren Menschen die Erfahrungen und Widerfahrnisse ihres Lebens als GottesWirken.Ob es Gott gibt oder nicht, ob erdas Beten erhört oder nicht, hängtvon der Deutung ab. Gott ist keinWunsch-Erfüllungs-Automat, sondern – so das hier vorgestellte undzu erfahrende Verständnis – Gottwill bei seinen Menschen sein, inAngstsituationen, bei Sorgen, beiden beglückenden Erfahrungen, beiFreude und Dank.9

M1VarenkaVor langer Zeit lebte in den weiten Wäldern Russlands eine Witwe. Sie hieß Varenka. Ihr kleines Hausstand tief in den Bäumen, wo selten jemand hinkam.Es war ganz aus Holz gebaut.Varenka hatte alles, was sie brauchte: einen Tisch,Stühle, Kästen für Brot und Käse und Geschirr. In derEcke hing eine lkone und Varenka sorgte immer fürfrische Waldblumen. Nachts schlief sie, wie alle einfachen Leute in Russland, auf dem warmen Ofen.Varenka lebte zufrieden in ihrem kleinen Haus. Docheines Tages kam eine Gruppe Leute zu ihr. In großer Aufregung riefen sie: »Warenka, wir sind in Eile! Im Westenwütet ein schrecklicher Krieg. Die Soldaten kommen jeden Tag näher. Pack deine Sachen zusammen und fliehemit uns, bevor dir etwas zustößt!«Varenka erschrak. Krieg! Soldaten! Angst ergriff sie.Dennoch sagte sie zu den Leuten: »Wer wird die müdenWanderer stärken, wenn ich mit euch komme? Wernimmt sich der Kinder an, die sich im Wald verirren? Undwer wird sich um die Tiere und Vögel kümmern, wennder Winter kommt mit Schnee und Eis? Nein, ich mussbleiben. Doch ihr, meine Freunde, beeilt euch und ziehtweiter. Gott möge euch beschützen!«Da eilten die Leute weiter und Varenka blieb alleinzurück. Sie stand ganz still und lauschte.»Ja, jetzt höre ich das Donnern der Kanonen«, flüsterte sie, »heute sind sie noch fern, aber schon morgenkönnen sie da sein. Ach, was wird dann aus mir?«Varenka verriegelte die Tür. Dann kniete sie vor derlkone und betete zu Gott: »Bitte, baue eine Mauer ummein Haus, damit die Soldaten mich nicht sehen können!«Es wurde Abend. Die Kanonen verstummten und Friede lag über dem Wald. Die Vögel sangen noch eine Weile, dann steckten sie ihre Köpfe unter die Flügel. Taubengurrten und Nachtigallen sangen.Aber Gott kam nicht und niemand baute eine Mauerum Varenkas Haus.Am nächsten Tag ging Varenka in den Wald, um Reisig zu sammeln. Und wieder hörte sie das Donnern derKanonen in der Ferne.»Ach«, seufzte sie, »heute sind sie schon viel näher.Was wird aus mir und meinem Haus?«Gegen Abend kehrte sie mit viel Reisig zurück. Balddarauf klopfte es an ihre Tür. Ein alter Mann stand draußen mit einer Ziege. Varenka erkannte ihn, es war Pjotr,der Ziegenhirt.»Warum bist du nicht zu Hause mit deinen Ziegen undHühnern, deinen Gänsen und Schafen?«Piotr antwortete: »Meine Hütte ist niedergebrannt,Varenka, und die Soldaten haben mir alles genommenaußer dieser kleinen Ziege, die mit mir entfliehen konnte. Bitte nimm uns in dein Haus. Wir wissen nicht mehrwohin, und bald kommt die Nacht und die Wölfe werdenuns beide fressen.«MaterialseiteNach einer russischen Legendeerzählt und illustriert von Bernadette.Nord-Süd Verlag 1971 (1), 1996 (14)Varenka nahm Pjotr und die Ziege ins Haus. Siemachte es ihm beim Herd gemütlich und gab ihm heißeSuppe. Dann betete sie wieder zu Gott: »Bitte, kommschnell und baue eine Mauer um mein kleines Haus,damit die Soldaten vorbeigehen und Pjotr und mich unddie Ziege nicht sehen werden!«Die Nacht kam. Wieder verstummten die Kanonenund alles war still. Die Blumen falteten ihre Blütenblätter. Die kleinen Tiere in den Bäumen und Höhlenkuschelten sich zusammen und schliefen ein.Aber Gott kam nicht, um eine Mauer um VarenkasHaus zu bauen.Früh am Morgen ging Varenka wieder in den Wald.Sie sammelte den ganzen Tag lang Pilze und Kräuter.Am Nachmittag erblickte sie einen jungen Mann, der ineinem hohlen Baum schlief.»Wach auf.« rief Varenka. »Wach auf. Hier kannst dunicht schlafen! Die Soldaten werden dich finden undfortschleppen. Hörst du nicht die Kanonen donnern?Sie sind schon sehr nah!«Der junge Mann antwortete: »Von dort komme ich, wodie Kanonen donnern. Alles ist zerstört. Dörfer und Felder sind verbrannt. Ich floh in den tiefen Wald und fandschließlich Schutz in diesem hohlen Baum.«»Mein armer Junge«, seufzte Varenka, »komm mit mir,ich werde dir Essen und Obdach geben.«So ging Stjepan mit Varenka nach Hause. Er war einMaler. In einer Hand trug er ein Bild und in der andereneinen Topf mit einer weißen Blume. Und dies war alles,was ihm auf der Welt geblieben war.Nachdem Stjepan, Pjotr und Varenka zu Abend gegessen hatten, beteten sie zusammen und Varenka sagte in ihrem Herzen: »Bitte, lieber Gott, komm schnellund baue eine Mauer um mein Haus. Dann werden unsdie Soldaten nicht finden, weder Stjepan noch Pjotrnoch mich.«Die ganze Nacht hindurch lag Friede über dem Wald.Die einzigen Laute waren der Ruf einer Eule und dasHeulen der Wölfe.Gegen Morgen schaute Varenka aus dem Fenster,aber keine Mauer stand um ihr Haus. Da ergriff Varenkagroße Angst.An diesem Tag schob Varenka viel Holz in den Ofen,um Brot und Kuchen zu backen. Während sie den Teigzubereitete, hörte sie jemanden leise weinen. Sieschaute aus dem Fenster und sah ein kleines Mädchen,das bitterlich weinte. In den Armen hielt es eine Taube.»Mein liebes Kind«, sagte Varenka, »woher kommstdu und was machst du hier im Wald? Hörst du nicht denschrecklichen Lärm der Kanonen? Du solltest zu Hausesein bei deinen Eltern.«»Ach, liebe Großmutter«, schluchzte das Mädchen,»ich bin ganz allein, nur mit meiner Taube. Ich habe Vater und Mutter auf der Flucht verloren. Da bin ich in denSchönberger Hefte 3/10, Seite 10

Wald gerannt. Und bei dir roch es so fein nach frischemBrot; das machte mich hungrig!«»Komm herein, Kind. Wir sind hier eine kleine Familieund du bist nun die Jüngste. Du bleibst jetzt bei uns,bis wir deine Eltern wieder finden.« So kam Bodula inVarenkas kleines Haus. Varenka gab ihr Brot, Kuchenund Tee und die Taube pickte zufrieden die Brotkrumen,die ihr Bodula streute.Den ganzen Tag lang hörten die Freunde das Donnernder Kanonen. Den ganzen Tag lang hatten sie Angst.Schließlich nahm Pjotr seine Balalaika und begann zuspielen. Stjepan, Pjotr, Bodula und Varenka sangen dazu ihre russischen Weisen.Als sich der Tag neigte und der Mond aufging, brachtedie Musik Frieden in ihre Herzen.In dieser Nacht beteten sie wieder alle und Varenkasagte: »Bitte, lieber Gott, heute Nacht musst du kommen und eine Mauer bauen, die so hoch ist, dass keinSoldat mein Haus sieht; dann sind wir gerettet, das Kindmit der Taube, der Maler und seine Blume, der alteMann mit der Ziege und ich. – Aber ich fürchte, es istnun sehr spät geworden; morgen werden die Soldatenhier sein und wir alle sind verloren.«M2Auch in dieser Nacht war es sehr still. Doch in derstillsten Stunde war ein leiser Ton um Varenkas Haus.Varenka öffnete vorsichtig die Läden und sah, dassSchnee fiel. So dicht war der Schnee schon gefallen,dass er bis zum Fenstersims reichte. Varenka schlossleise den Laden, fiel auf die Knie und dankte Gott.Und noch immer schneite es. Es schneite die ganzelange Nacht, dichter und dichter und im Morgengrauenwar Varenkas kleines Haus vom Schnee verdeckt.Am Mittag kamen die Soldaten. Sie zogen mit vielLärm durch den Wald und suchten nach Feinden. In demkleinen Haus saßen alle angstvoll und still beisammen.Jetzt waren die Soldaten ganz nah beim Haus und –sie gingen vorüber! Sie hatten Varenkas kleines Hausnicht gesehen, weil es tief im Schnee versteckt lag.Stjepan, Pjotr, Bodula und Varenka dankten Gott,dass er sie gerettet hatte.Die Soldaten zogen weiter und es gab keinen Kriegmehr in diesem Teil Russlands.Als der Schnee schmolz, traten die Freunde vor daskleine Haus. Die Taube flatterte froh von Baum zuBaum. Die Ziege machte übermütig Sprünge und Stjepan pflanzte seine Blume vor Varenkas Haustür.Der Frühling kam. Bodula fand ihre Eltern wieder undging mit ihnen zurück ins Dorf. Die Ziege hatte ein Zicklein. Aus den Samen der weißen Blume wuchsen neueBlumen. Die Taube flog weit fort, um der Welt zu verkünden, dass der Friede wieder eingezogen war.Und Stjepan, weil er ein Künstler war, malte einige Bilder, um die Geschichte der Mauer zu erzählen, die Gottum Varenkas kleines Haus gebaut hatte.Schönberger Hefte 3/10, Seite 11Materialseite

»Am Ende«, bei der Anwendungssituation soll sich zeigen, inwieweitdie Einzelnen zu einer zwar vorläufigen, aber doch tragfähigen Einschätzung und Deutung kommen:Da, wo Menschen auf Gotthoffen, sich ihm vertrauensvollim Gebet zuwenden, deuten sieihre Widerfahrnisse von Gott herund auf Gott hin. Erfahrungendes Getröstetseins, des Schutzes,des Segens, der Erhörung undBewahrung werden – bei Varenka, aber auch heute in der Lebenswirklichkeit der Kinder – alsErfahrungen mit Gott verstandenund geglaubt.U N TE R R I C H TS V E R L AU F :1. Sequenz:Varenka betet Die Schüler/-innen bekommenden Text der russischen Legende»Varenka« (M1), jedoch ohne Schluss(M2). Sie bearbeiten ihn mit folgendem Arbeitsauftrag: »Lies die Geschichte aufmerksam durch! Unterstreiche jedesmal Varenkas Gebet!«M4Ich bin bei euch»Ich bin bei euch Zur Sicherung wird der Inhaltmündlich wiederholt und die GebeteVarenkas vorgelesen.Kriterien aus dem Deutschunterrichtein wie Überlegungen zur Plausibilität. Allen ist deutlich geworden, dassder Schluss der Geschichte fehlt.In einem Doppelkreis erzählen sichjeweils die zwei Kinder, die sichgegenüber stehen, wie sie sich denAusgang der Geschichte vorstellen.Der Innenkreis rückt weiter und dieSchüler/-innen hören bzw. erzählenihre Geschichte zum zweiten Mal. Nun wird der Schluss der russischen Legende präsentiert (M2).Nach einer kurzen Phase von freienÄußerungen nehmen die Schüler/-innen schriftlich zur NachdenkaufgabeStellung: Erhörte Gott Varenkas Gebet? Wenn ja, wie? Wenn nein, warum nicht? So vorbereitet und angeregtschreiben sie ihren eigenen Abschluss der Geschichte. In der nächsten Stunde liegen alleKindertexte gut lesbar (z. B. als Computer-Abschrift) im Klassenzimmerverteilt aus. Die Schüler/-innen müssen sich nach sorgfältigem Lesen fürdrei Schlussversionen entscheiden,die sie »gut« finden, indem sie aufder Rückseite mit ihrem Namenunterschreiben. (Siehe die Texte ausder Erprobung, hier als M3 aufgenommen.) Im Kreis werden die Einschätzungen offen gelegt und begründet.Die Schüler/-innen bringen ebensoText und Melodie: Wolfgang Longardtal - le Ta - ge,seid nicht bang.i ch bin bei euch al - le tag- und näch - te - lang«.spricht derM3Herr,spricht derHerr. Wieder dienen die Antworten derSchüler/-innen der genauen Wahrnehmung und Beobachtung durchdie Lehrkraft. Sie entscheiden mitüber die Planung des weiterenUnterrichts.2. Sequenz:Denn du bist bei mir – Psalm 23 Der Kanon »Ich bin bei euch alleTage, seid nicht bang . . . « (M4) eröffnet die Stunde. Er wird gesprochen und mehrmals gesungen, biser den Schüler/-innen geläufig ist. Psalm 23 wird als Ganzes präsentiert (M5). Die Schüler/-innen lesenund sprechen ihn. Chorisches Sprechen und Sprechen im Wechsel wirdeingeübt. Eventuell wird der Text inStillarbeit ins Heft übertragen. Der Psalmtext wird in fünf Abschnitte gegliedert. Gruppenweisewählen die Schüler/-innen je einenTextabschnitt und inszenieren ihnmit Hilfe von Legematerial, farbigenTüchern, bunten Gegenständen undNaturmaterialien; eventuell könnenweitere Utensilien von draußen geholt oder »gebastelt« werden. Bei der folgenden Präsentationwird genau verabredet, wer den Textvorliest, wer das »Bild« vorstellt,wer die Fragen der Zuschauer beantwortet und das Wort den Mitschüler/-innen erteilt. So wandert dieGruppe von Tisch zu Tisch, hört zuund befragt die Inszenierungen.Wie denken die Kinder, dass die Geschichte von Varenka (bis M2) weitergeht? – Einige Beispiele:Varenka öffnete vorsichtig die Läden und sah einen alten Mann, der eine Mauer baute. Als er fertig war, wollteVarenka Danke sagen. Aber als der alte Mann sie bemerkte, verschwand er. Und Varenka mit ihrer neuen Familielebte glücklich bis an ihr Lebensende. SimonVarenka öffnete vorsichtig die Läden. Es waren Soldaten mit Kanonen, doch sie guckten direkt auf ihr Hausund sahen sie nicht, als wären sie unsichtbar. Gott sagte: »Du bist rein in deinem Herzen, du bist nicht geflohen,weil dir die Natur lieb ist, ich schütze euch, ihr seid nicht feig, ihr sollt leben.« – »Oh, du bist der mächtigsteKönig,« betete Varenka und freute sich, dass es Gott gab. LucaVarenka öffnete vorsichtig die Läden. Doch in der Nacht baute Gott keine Mauer und am nächsten Tag kamendie Soldaten wieder näher. Doch sie schossen nicht mehr, sondern sprachen miteinander. Varenka traute ihrenAugen nicht. Nun war für immer Frieden. Und Varenka lobte Gott. Jan-Peter12Schönberger Hefte 3/10

M5Der Psalm 23Verschiedene Gebetssituationenein Psalm Davidsins Deutsche übertragenvon Martin LutherBeten mit PsalmenDer Herr ist mein Hirte,mir wird nichts mangeln.Er weidet mich auf einer grünen Aueund führet mich zum frischen Wasser.Er erquicket meine Seele.Er führet mich auf rechter Straßeum seines Namens willen.Und ob ich schon wanderte im finstern Tal,fürchte ich kein Unglück,denn du bist bei mir,dein Stecken und Stab trösten mich.Du bereitest vor mir einen Tischim Angesicht meiner Feinde.Du salbest mein Haupt mit Ölund schenkest mir voll ein.Gutes und Barmherzigkeitwerden mir folgen mein Leben lang,und ich werde bleibenim Hause des Herrn immerdar.Die Schüler/-innen erhalten eineAuswahl an Psalmversen (M6). DerArbeitsauftrag lautet: »Überlegt zuzweit, welche Psalmverse zusammen passen! In welcher Situationsteckt der Beter? Findet jeweils einetreffende Überschrift! Haltet eureErgebnisse auf einem Plakat fest !«Jesus betetDie Schüler/-innen schlagen Bibelstellen (M7) in den Evangelien nach.Der Arbeitsauftrag lautet: »Lest dieBibelstellen nach! Beantwortet: Zuwelchen Tageszeiten betet Jesus?An welchen Orten betet Jesus? Waskönnte Jesus beten? Schreibt miteinander ein Gebet für Jesus auf !«Jesus betetin GethsemaneDie Schüler/-innen hören Musikaus der Matthäus-Passion (Choral:Wenn ich einmal soll scheiden) oderandere getragene Musik oder dieMelodie von »O Haupt voll Blut undWunden« (EG 85) mit der Flöte vorgespielt. Anschließend betrachtensie das Bild von Kees de Kort »Jesusin Gethsemane«. Die Situation desVerrats wird erzählt oder als bekannt vorausgesetzt. Der Arbeitsauftrag der anschließenden Einzelarbeit In der folgenden Gesprächsrundeüberlegen die Schüler/-innen, welcher Satz in Psalm 23 vielleicht derWichtigste sein könnte. Im Hinblickauf den Kanon »Ich bin bei euch alleTage . . . « kann der Blick auf den Vertrauenssatz »Denn du bist bei mir«gelenkt werden. Dieser Satz wird in einer weiterenVariante als »Zuspruch« weitergegeben. Jedes Kind darf seinem Nachbarn ein wenig Salböl auf denHandrücken streichen und den Vertrauenssatz als Versprechen Gottesweitergeben: »Gott ist bei dir.«Damit sind wichtige Dinge »gesetzt«. Nun gilt es, den Schüler/-innen eigene Lernwege und Formender Auseinandersetzung mit Gebet,Gottes Dasein und Zuwendung, mitden eigenen Fragen nach Gott undseinem Wirken zu eröffnen. Im Folgenden werden weitere möglicheStränge aufgezeigt, die je nachKlassensituation genutzt werdenkönnen.Das Salböl wird auf den Handrücken gestrichen und der Vertrauenssatzals Versprechen Gottes weitergegeben: »Gott ist mit dir.«Schönberger Hefte 3/1013

M6PsalmverseO Gott, sei nicht ferne von mir,mein Gott, eile, mir zu helfen.Gott, du bist sehr herrlich;Pracht und Herrlichkeit ist dein Gewand.Errette mich, denn ich versinke im Schlamm.Das Wasser steht mir bis zur Kehle.Sei mir eine feste Burg,dass du mir hilfst.Denn du bist mein FelsUnd meine Feste.Denn du bist bei mir,dein Stecken und Stab trösten mich.Ich lobe meinen Gottvon ganzem Herzen.Aus tiefer Not schrei ich zu dir,mein Gott.Ich habe mich müde geschrien,wer hört mein Weinen?MaterialseiteSchönberger Hefte 3/10, Seite 14

M7Jesus betetJesuslehrt betenMt 14, 23Mk 1, 35Lk 6, 12Mt 6, 5-14 (Vaterunser)Lk 11, 1-4 (Vaterunser)lautet: »Schreibe auf, was Jesus imGarten Gethsemane beten könnte!«Jesus gibt»Gebetsregeln«Die Schüler/innen lesen nach,wann und wo Jesus betet. Sie informieren sich, wie Jesus seine Jüngerbeten lehrt (M7, Vaterunser) Mitder Placemat-Methode oder einemSchreibgespräch setzen sie sich zunächst einzeln mit der Frage auseinander: »Was ist Jesus beim Betenwichtig?« Nach der Sichtung undDiskussion der Einzelarbeit in derVierergruppe formulieren die Kindergemeinsam »Gebets-Tipps«.Gebetswerkstatt –GebetbüchleinDie Schüler/-innen wählen auseiner Auswahl von Gebeten aus undübernehmen ihnen bedeutsameTexte in ihr Gebetbüchlein auf. Sieschreiben eigene Gebete auf. Geeignete Kopiervorlagen finden sich in»Wer wo wie ist Gott? von AnitaMüller-Friese. Schönberger Impulse.Frankfurt, Diesterweg Verlag 2002.Im Folgenden sind Beispielaufgaben aufgeführt, die auf dieAusgangssituation Bezug nehmen.Hier können die Schüler/-innen zeigen, was sie in der Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen Aufgabenstellungen, Geschichten undTexten gelernt haben. Die Anwendungssituationen sollen möglichstoffen sein, um unterschiedlicheDetails einzubringen und die unterschiedlichen Lernwege zu berücksichtigen.Aufgabenbeispiel Psalm 231. Wähle aus den vorhandenenGegenständen mindestens zwei ausund begründe, warum sie besonders gut zum Psalm 23 passen. Dukannst auch mehr auswählen!2. Welchen Teil aus Psalm 23kannst du dir besonders gut merken?Schreibe ihn auf und erkläre, was dirdabei wichtig ist.3. An welche andere Geschichteaus dem Religionsunterricht kannstdu dich erinnern, in der Gott versprochen hat: »Ich bin bei dir«?4. Wo und wann kannst du Psalm23 beten?5. Gestalte ein Bild mit dem Satz»Du bist bei mir.«Benötigt werden:Betende Hände – Albrecht Dürer,Schaf und Hirte (Krippenfiguren),Bibel, Salböl, Krug/Kelch; Papier,Bunt- und Filzstifte, Pastellölkreiden.Aufgabenbeispiel Betende Hände1. Was erzählen die Hände aufdem Bild? Wem könnten sie gehören? Zu welcher Situation würde dieHaltung der Hände passen?2. Schreibe eine Gebetsgeschichtezu dem Bild! Das kann eine Geschichte aus der Bibel sein. Du kannstauch eine Geschichte erfinden.3. Gebetssituationen heute: Beten wir auch so wie die Person aufdem Bild?4. Schreibe ein Gebet auf, das dukennst und begründe deine Wahl!5. Was denkst du übers Beten?Benötigt werden:Kopie von »Betende Hände«(Albrecht Dürer); Hefte der Kinder;Gebetsbüchlein der Kinder.Anne Klaaßen ist Studienleiterin am Religionspädagogischen Institut der EKHN,u. a. für den Bereich Grundschule.Einrichten einer GebetseckeDie Schüler/-innen gestalteneinen Ort im Klassenzimmer oderReligionsraum als Gebetsecke. Siebedenken dabei unterschiedlicheGebetsanlässe. Eine angedeuteteMauer mit Porotonziegelsteinenkönnte mit ihren Hohlräumen als»Klagemauer« dienen. Ein »DankeBuch« könnte bereitgelegt werden.Tischchen, Sitzkissen, Tücher, Kerzen, Papier, Schreib- und Malstifte,CD-Player und meditative Musikusw. ergänzen die Einrichtung. Eswerden Vereinbarungen getroffenund einfache Regeln aufgestellt, umZeiten der Stille zu ermöglichen.Schönberger Hefte 3/10Albrecht Dürer,Hände eines Apostels(genannt:»Betende Hände«)Pinselzeichnungweiß gehöht,um 1508,Wien, Albertina15

Religionsgruppe oder Klasse, sei es im interreligiösen Dialog. Siehe Kompetenz 5. Gerade mit Hilfe der Psalmen und des Vaterunsers lassen sich lebens-fördernde und lebensfeindliche Ansprüche unterscheiden. Siehe Kompetenz 6. Hört Gott unser Beten?Hört Gott unser Beten? von Anne Klaaßen Von der Kompetenz zur Unterrichtsstunde