Transcription

Eckpunkte für das kinder- und jugendpolitische VorgehenAktuelle Meinungen verschiedener landesweit agierender Parteien zu GenderfragenGenderfragen spielen in der Kinder- und Jugendhilfe eine nicht zu vernachlässigende Rolle. DasGeschlecht und damit verbundene Zuschreibungen beeinflussen (un-)bewusst den Umgang derFachkräfte Sozialer Arbeit mit Mädchen* und Jungen*, haben Auswirkungen auf ihr Aufwachsen undprägen sie in den subjektiven Zukunftsideen. Sollte die geschlechtliche Zuordnung z. B. aufgrundeiner unklaren Geschlechteridentifikation nicht sofort gelingen, dann kommt es nicht selten zuIrritationen.Eckpunkte für das kinder- und jugendpolitische Vorgehen in diesem Bereich werden durchlandesweit agierende Politikerinnen* und Parteien gelegt. Um der genderinteressiertenFachöffentlichkeit vor den anstehenden Landtagswahlen Klarheit über politische Ansätze und Zieleim Bereich der geschlechtergerechten Kinder- und Jugendhilfe zu ermöglichen, hat das KgKJH im Junisechs Parteien gebeten, zehn fachpolitische Fragen zu beantworten. Darin enthalten waren je nder,Mädchen*,Jungen*,Geschlechtervielfalt und Struktur. Geantwortet haben die fünf Parteien Bündnis 90/Die Grünen, CDU,DIE LINKE, FDP und SPD. Keine Reaktion erfolgte durch die AfD. Im Folgenden werden die Antworten,alphabetisch nach den Parteien geordnet, tabellarisch dargestellt.9. September 2015www.geschlechtergerechteJugendhilfe.deSeite 1

1. Krippen und Kitas sind Orte elementarer Bildung für Jungen* und Mädchen*. Als gesellschaftlicheInstitutionen bilden diese Einrichtungen die Geschlechterordnung der Gesellschaft ab.Erzieher*innen leben maßgeblich Rollenbilder vor und prägen Rollenverhalten. Allerdings bleibtfestzuhalten: „Bezogen auf das Geschlecht, erfolgt die Arbeit in der Kita mehrheitlichgeschlechterunreflektiert.“1Welche Ansätze sieht Ihre Partei, eine geschlechtergerechte Pädagogik stärker in derElementarbildung zu verankern und wie soll dabei das Thema „Männer in Kitas“ aufgegriffenwerden?Bündnis90/ Wir setzen uns für eine assistierte Ausbildung ein, die u. a. junge Menschen inDie Grünen geschlechtsuntypischen Berufen sozialpädagogisch begleitet und fördert. Dies betrifftauch junge Männer, die eine Erzieherausbildung durchlaufen. Gleichzeitig wollen wirdie ErzieherInnenausbildung reformieren und weiter entwickeln hin zu einer dualenAusbildung, wodurch diese für beide Geschlechter attraktiver wird. Aber uminsbesondere Männer in die Kitas zu holen, ist der Quereinstieg aus fachfremdenBerufen zu erleichtern. Insbesondere Männer entwickeln oftmals erst im mittlerenAlter, etwa in Folge eigener Elternschaft, ein Interesse für pädagogische Berufe. Dieseberufliche Umorientierung ist zu erleichtern.CDUAuch wenn zwischenzeitlich mehr Männer dieses Berufsfeld für sich entdecken, sindmännliche Pädagogen in Kindertagesstätten nach wie vor deutlich unterrepräsentiert.Wir möchten mehr Männer für den abwechslungsreichen und anspruchsvollenErzieherberuf begeistern, denn die Jungen und Mädchen in den Einrichtungenprofitieren von Fachkräften beiderlei Geschlechts. Aus unserer Sicht ist es wichtig, dassBildung und Erziehung im Elementar- und Primarbereich von Frauen als auch vonMännern gleichberechtigt verantwortet wird. Dazu braucht es eine Aufwertung desImages sozialer Berufe insgesamt, wozu auch die Frage der Entlohnung steht, ohne indie Autonomie der Sozial-/ Tarifpartner eingreifen zu wollen.Einen guten Ansatz bildete das vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauenund Jugend (BMFSFJ) und dem Europäischen Sozialfonds der Europäischen Uniongeförderte Bundesprogramm „Männer in Kitas“ mit bundesweit 16 Modellprojekten.Das Programm endete am 31.12.2013. Die hier von den beteiligten Trägern gemachtenErfahrungen gilt es auszuwerten und zu versuchen, in regelhaftes Handeln umzusetzen.DIE LINKE1Das seit 2013 gesetzlich verbindliche Programm „Bildung elementar“ stellt an diepädagogischen Fachkräfte u.a. auch Anforderungen hinsichtlich geschlechtersensiblerPädagogik. Diese reichen vom Umgang mit den Kindern selbst, über die Gestaltung derEinrichtung und Auswahl der Materialien (z.B. Bücherauswahl) bis hin zurThematisierung geschlechtergerechter pädagogischer Prozesse in Elterngesprächenund Teamsitzungen.Rohrmann, Tim: Gender in Kindertageseinrichtungen. Ein Überblick über den Forschungsstand, DJI 2011www.geschlechtergerechteJugendhilfe.deSeite 2

DIE LINKEDIE LINKE in Sachsen-Anhalt fordert, dass Kindertageseinrichtungen besser in die Lageversetzt werden, den gesetzlichen und programmatischen Aufgaben auch tatsächlichnachkommen zu können. Hier mangelt es allgemein z.B. an verbindlichen Vor- undNachbereitungszeiten und einer realistischen Berechnung der Personalschlüssel. ImHinblick auf eine stärkere Verankerung geschlechtergerechter Pädagogik sind gezielteFachberatung und qualifizierende Bildungsangebote für Erzieherinnen und Erziehernotwendig. Auch sind die Curricula der Fachschulausbildung um die Themen Gender,Vielfalt und Diversität zu ergänzen.Im Hinblick auf die Frage, wie es besser als bisher gelingen kann, mehr Männer für denErzieherberuf zu gewinnen, unterstützt DIE LINKE in Sachsen-Anhalt auch weiterhinbereits existierende Netzwerkstrukturen, wie den Landesarbeitskreis „Männer inKitas“. Auch ist hier eine gezielte Ansprache von Jungen und männlichen Jugendlichennötig, z.B. im Rahmen des Boys Day, um frühzeitiges Interesse für diesen Beruf zuwecken.Von zentraler Bedeutung, nicht nur für die Gewinnung männlicher Fachkräfte, istjedoch eine Steigerung der Attraktivität des Berufsfeldes, insbesondere auch imHinblick auf die erzielbaren Einkommen. DIE LINKE in Sachsen-Anhalt unterstütztdeshalb die Forderungen der streikenden Kita-Fachkräfte für mehr Lohngerechtigkeit.Es scheint uns auch erforderlich, in der Gesellschaft die Akzeptanz männlicherpädagogischer Fachkräfte in KiTas zu erhöhen und Vorurteile ihnen gegenüberabzubauen.DIE LINKE hält es für notwendig, die Ausbildung zur staatlich anerkanntenErzieherin/zum staatlich anerkannten Erzieher zu reformieren. Sie muss insgesamt fürSchulabgängerinnen und Schulabgänger mit einem Realschul- oder höheremSchulabschluss verkürzt werden, d.h. ihnen soll der Einstieg in diesen Beruf ermöglichtwerden, ohne eine vorherige Berufsfachschulausbildung absolvieren zu müssen. Umder Fachschulausbildung den ausschließlichen Status der Weiterbildung zu nehmen,sind jedoch Initiativen auf Bundesebene notwendig. Als Übergangslösungen könnensich Modellprojekte im Land anbieten, die jedoch nach Auffassung der LINKEN inSachsen-Anhalt zwingend mit der staatlichen Anerkennung abschließen müssen.Ungeachtet dieser erforderlichen Reformen bleibt DIE LINKE in Sachsen-Anhalt beiihrer grundsätzlichen Forderung, pädagogische Fachkräfte für KiTas künftig anHochschulen im Rahmen eines Bachelorstudiums auszubilden. Das Ziel soll schrittweiseaber konsequent verfolgt werden.All das sind aus Sicht der LINKEN in Sachsen-Anhalt auch Schritte, insbesondere mehrMänner für diesen Beruf zu te 3

FDPNeben einer fachlichen Aus- und Fortbildung des Personals in Kindergärten undSchulen ist es aus Sicht der Freien Demokraten wichtig, mehr Männer als Erzieher, aberauch als Grund- und Sekundarschullehrer auszubilden. Dabei ist zu diskutieren, ob dasAlter eines Kindes tatsächlich als alleiniger Gradmesser für die Bezahlung derPädagog*innen gelten kann. Sinnvoll scheint eine frühzeitige geschlechtersensibleBerufsorientierung, die Jungen motiviert, in soziale Bereiche zu schauen und derverstärkte Aufruf an Schulen, Jungen zu motivieren, ihre Praktika in diesem Bereich zuabsolvieren.SPDDie SPD Sachsen-Anhalt setzt sich dafür ein, Vorurteile durch gezielte Bildungs- undAufklärungsangebote in allen Lebensbereichen zu bekämpfen, begonnen bei derfrühkindlichen Bildung. Die Lebensformen, in denen Kinder aufwachsen, haben sichverändert: Die Lebens- und Familienkonstellationen der Menschen in Deutschland sindvielfältig geworden. Jedes dritte Kind wird mittlerweile außerhalb von Ehen geboren.Viele Kinder leben bei Eltern, die nicht verheiratet sind, in Patchworkfamilien, beiAlleinerziehenden und immer mehr auch in Regenbogenfamilien. Daher setzen wir unsfür eine altersgerechte Heranführung an die Themen Gleichstellung von Mann undFrau sowie die Akzeptanz jeder Form der sexuellen Identität ein und wollen dasBildungsprogramm „Bildung: elementar – Bildung von Anfang an“ um dieseThemenbereiche ergänzen bzw. sie stärker in den Vordergrund rücken. Dazu soll einneuer Bildungsbereich aufgenommen werden, der die Gleichstellung von Frau undMann sowie das Thema Homosexualität als Normalität aufgreift. Wir greifen damitauch den Landesparteitagsbeschluss aus dem Jahr 2011 auf.Eine Steigerung des Männeranteils in Kindergarten und Grundschule halten wir vordem Hintergrund einer geschlechtersensiblen Erziehung, Bildung und Ausbildung fürsehr wichtig. Daher wollen wir das Berufsfeld der frühkindlichen Erziehung stärker fürMänner öffnen und ihr Berufswahlspektrum auf erzieherisch-pädagogische Berufeerweitern. Wir werden uns deshalb am ESF-Bundesmodellprogramm „Quereinstieg –Männer und Frauen in Kitas“ beteiligen. Mit dem Programm stellt das SPD-geführteBundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend für den Zeitraum vom 1.Juni 2015 bis zum Ende des Schuljahres 2020 insgesamt fast 34 Millionen Euro ausMitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) zur Verfügung. Gefördert werden Modellprojekte, die vergütete Ausbildungen von Erzieherinnen und Erziehern erproben undspeziell auf Berufswechslerinnen und Berufswechsler zugeschnitten sind. Als SPDSachsen-Anhalt unterstützen wir dieses Programm.Im Landesprogramm für ein geschlechtergerechtes Sachsen-Anhalt istHandlungsfeld „Bildung“ das Ziel einer geschlechtergerechten inhaltlichenpersonellen Ausgestaltung der frühkindlichen Bildungsarbeit definiert. BeiErarbeitung wurde deutlich, dass eine mehrgleisige Strategie benötigt wird,Gleichstellung und Genderkompetenz in Kindertagesstätten zu erhöhen.wesentlicher Punkt ist die Selbstreflektion der ErzieherInnen in Bezug aufVorstellungen zu ilfe.deimundderumEinihreSeite 4

SPDDen Männeranteil in KiTas etc. zu erhöhen, kann unter anderem durch die Erhöhungder gesellschaftlichen Wertschätzung dieses Berufes erreicht werden. Erreicht werdensollen diese Ziele durch verschiedene Maßnahmen:- Erstens, der Stärkung der Genderkompetenz beim Fachpersonal durch dieEinbindung von Gendermodulen in die Ausbildung, die Weiterbildung vonErzieherinnen und Erziehern und die Einbindung von Gendermodulen imStudium der Erziehungswissenschaft inklusive Anpassung aller Richtlinien.- Zweitens, die Erhöhung des Männeranteils beim Erziehungspersonal in KiTas,Horten sowie Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen durchÖffentlichkeitsarbeit und gezielte Berufsorientierungsangebote sowieVernetzungs- und Mentoringangebote und der Teilnahme am Modellprojekt„Quereinstieg – Männer und Frauen in die KiTas“.- Drittens, die Erhöhung der gesellschaftlichen Wertschätzung des BerufsErzieherIn durch die finanzielle Aufwertung, indem Möglichkeiten derVollzeitbeschäftigung erhöht werden und eine angemessene Entlohnunggesichert wird, sowie durch die Akademisierung des Seite 5

2. Obwohl es in Deutschland zurzeit 330 Ausbildungsberufe2 gibt, entscheiden sich 51 % derMädchen* und 36 % der Jungen* im Bundesland stark geschlechtertradiert für die jeweils zehnbeliebtesten Ausbildungsberufe der Frauen* und der Männer*3. In der Folge sind weiblicheAuszubildende in den MINT-Berufen sowie im Handwerk unterrepräsentiert, junge Männer fehlen inden Bereichen Erziehung und Pflege. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung stelltdarüber hinaus fest, dass Jugendliche häufig mit unklaren Berufsvorstellungen die Ausbildungbeginnen und einen „Praxisschock“4 erleiden.Welche Ideen verfolgt Ihre Partei für eine Erweiterung des Berufswahlspektrums von Mädchen*und Jungen* bei gleichzeitigem Abbau der Geschlechterstereotypen?Bündnis90/ Wir unterstützen den Boys und Girls Day und wollen dessen Bedeutung ausbauen. ZurDie Grünen konkreten Unterstützung eines erweiterten Berufswahlspektrums werden wir uns füreine assistierte Ausbildung einsetzen, die u.a. Jungen und Mädchen ingeschlechtsuntypischen Berufen begleitet und fördert. Auch im Rahmen derBerufsorientierung an Sekundarschule und Gymnasien ist verstärkt auf die breitePalette von Berufsfeldern jenseits der typischen Mädchen- und Jungenberufeaufmerksam zu machen.CDUGirls’Day und Boys’Day sind zwei seit Jahren bewährte und sich steigender Beliebtheiterfreuende Maßnahmen, geschlechterstereotype Bilder und Hemmschwellenaufzubrechen. Über 90 Prozent der Teilnehmenden finden den Girls’Day bzw. Boys’Daynach eigenen Angaben gut bzw. sehr gut. Auch die Unternehmen sind von denAktionstagen überzeugt. Neben den Jungen und Mädchen ist es notwendig, dieUnternehmen weiter zu sensibilisieren und den eigenen Nutzen und Mehrwert für dieErschließung neuer Personalressourcen zu sehen.Zunehmend befassen sich Unternehmen mit Fragen der Personalentwicklung und desFachkräftemangels. Diese Themen werden für sie zu einer strategischen undexistenziellen Frage. Daher sind wir zuversichtlich, dass sich hier imgeschlechtergerechten Sinn noch einiges tun muss und wird. Dazu zählt aus unsererSicht, gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit.Zudem sollte in den Schulen über eine neue Lern- und Lehrkultur die Akzeptanz derMINT-Fächer nachhaltig gestärkt werden und das Image dieser MINT-Fächer in derÖffentlichkeit, im Elternhaus und an den Schulen deutlich verbessert werden. DieQualität des Bildungssystems ist wichtig, denn damit wird die Basis für diewirtschaftliche, soziale und kulturelle Zukunft unseres Landes geschaffen. Bildung undBerufsorientierung muss in allen Schulformen immanenter Bestandteil des Lehrplanssein. Durch Hospitationen und Praktika sowie einer intensiven Zusammenarbeit mit derBerufsvorbereitung der Arbeitsagentur in den Schulen sollten Schüler(innen) mehrüber den Berufsalltag erfahren.2vgl. http://de.statista.com/themen/57/ausbildung/vgl. http://www.bibb.de/de/pressemitteilung 25451.php#4 vgl. http://doku.iab.de/regional/SAT/2014/regional sat te 6

DIE LINKEWir gehen davon aus, dass sich die Proportionen im Berufswahlverhalten von jungenFrauen und jungen Männern nicht kurzfristig und nicht durch bestimmte „Aktivitäten“allein ändern lassen. Dennoch unterstützt DIE LINKE in Sachsen-Anhalt verschiedeneAnsätze, um Mädchen und junge Frauen für vermeintlich typische „Männerberufe“ zuinteressieren und Jungen und jungen Männern die vermeintlichen „Frauenberufe“näher zu bringen.Eine zentrale Frage sehen wir in der Durchsetzung einer angemessenen Vergütunggerade in verschiedenen Erzieherberufen und Pflegeberufen. Hier sind entscheidendeQuellen für den immer noch herrschenden Einkommensunterschied zwischen Männernund Frauen. Verbunden mit tradierten Familien- und Lebensauffassungen sind dieseUnterschiede nicht selten ein Grund dafür, dass junge Männer oft von Berufen in denBereichen Erziehung und Pflege Abstand nehmen.Der Abbau von Geschlechterstereotypen ist ein langer Prozess, der in derfrühkindlichen Entwicklung, in der häuslichen Umgebung wie in der Kita, einsetzenmuss. Geschieht das nicht, werden nicht selten Rollenbilder ausgeprägt, die später nurschwer zu korrigieren sind. Deshalb legt DIE LINKE in Sachsen-Anhalt Wert darauf, dassin den Bildungskonzeptionen für die Kita diese Fragen verankert sind und dasFachpersonal entsprechend sensibilisiert und befähigt wird, die Ziele auch umzusetzen.Dazu müssen sie mit weiteren „AkteurInnen“ im Leben der Kinder, vor allem mit denEltern, vertrauensvoll zusammenarbeiten.In der schulpolitischen Arbeit unterstützen wir Konzeptionen gerade in den MINTFächern, die die unterschiedlichen Bildungszugänge von Mädchen und Jungen besserberücksichtigen. Das gelingt vor allem dort, wo eine differenzierte Subjektförderungden Lernstil in der Schule prägt. Voraussetzung ist allerdings, dass der MINT-Bereichüberhaupt in der erforderlichen Qualität und Stundenzahl angeboten wird. DIE LINKE inSachsen-Anhalt setzt sich für eine Stabilisierung und Verbesserung derUnterrichtsversorgung ein und fordert u.a. auch eine deutliche Aufwertung dertechnischen Bildung an den Gymnasien. Praktischen Bildungsabschnitten im Bereichder allgemein bildenden Schulen wollen wir mehr Gewicht verleihen.Berufsorientierung und Berufsberatung müssen an den Schulen aller Schulformensystematisch zum Bildungsprofil gehören, auch an Gymnasien.DIE LINKE in Sachsen-Anhalt unterstützt seit Langem Werbekampagnen wie denMädchenzukunftstag, Girls‘ day, und den Jungenzukunftstag, Boys‘ day. Wir tretendafür ein, dass auf kommunaler Ebene im Rahmen regionaler Bildungslandschaftenüber diese Aktionen hinaus längerfristige weitere Formen entwickelt werden, um dieBerufswahl durch praktisches Erleben zu unterstützen. Das sollte in Projekte undProgramme, wie BRAFO, eingebunden werden. Erfolgreich sind diese Projekte dort, woauch die Unternehmen proaktiv um jungen Frauen bzw. junge Männer werben.DIE LINKE in Sachsen-Anhalt vertritt die Auffassung, dass die Gesamtaufgabenstellungnicht bei der erfolgten Berufs- oder Studienwahl enden darf. FamilienfreundlicheAusbildungs-, Studien- und Arbeitsbedingungen sowie die Berücksichtigung derwww.geschlechtergerechteJugendhilfe.deSeite 7

besonderen Interessen und Bedürfnisse von Frauen und Männern in der Ausbildungwie im Erwerbsleben gehören ebenso in den Blick.FDPUm die Rollenbilder aufzubrechen und dafür Sorge zu tragen, dass dieArbeitgeber*innen in Sachsen-Anhalt Auszubildende finden, die die jeweilsgeeignetsten für den Beruf sind, müssen die Rollenbilder zunächst bei denLehrer*innen, aber auch bei den Mitarbeiter*innen in den Arbeitsagenturenaufgebrochen werden. Solange jungen Frauen bei der Berufsberatung immer noch dasFriseurhandwerk eher empfohlen wird als das KfZ-Handwerk, gestaltet sich diesschwierig.Eine frühzeitige Einbindung berufspraktischer Elemente in die Stundenpläne allerSekundarschulen, die soziale wie technische Berufe Jungen wie Mädchenzugänglich machen, wäre ein erster Schritt.Angebote wie der Girls- und Boys-Day sind zu verstetigen.SPDDas Berufswahlverhalten junger Menschen orientiert sich noch immer stark an altenRollenbildern und stereotypen Zuschreibungen der jeweiligen Berufe. Mit diesenZuschreibungen geht auch einher, dass die sogenannten typischen Frauenberufe in derRegel deutlich schlechter bezahlt werden und geringere Aufstiegschancen bieten alsdie klassischen Männerberufe. Um einer geschlechtertradierten Berufswahl zubegegnen, scheint die bisherige Berufsberatung nicht auszureichen. Bei der Vielzahlvon (Berufs-)Wahlmöglichkeiten fühlen sich viele Jugendliche alleingelassen, so dass siesicherheitshalber auf bewährte und in vorherigen Generationen gelebte Musterzurückgreifen. Das trifft auch auf den gymnasialen Bereich zu. Hier müsste mehr, auchinnerhalb des Unterrichtes geschehen; im Sinne einer rechtzeitigen und individuellenBerufsberatung. Eine reine Information über verschiedene Berufsmöglichkeiten reichtnicht aus.Wir wollen jungen Menschen neue vielversprechende Berufs- und Karriereperspektiven eröffnen. Wir werden daher noch stärker für den Girls’ und Boys‘ Day alsbundesweite Kampagne zur Berufsorientierung von Mädchen und Jungen werben, derregional begrenzte Einzelinitiativen bündelt und dadurch eine breitere Aufmerksamkeitgeneriert. Wir wollen Mädchen und junge Frauen bereits in Kita und Grundschulestärker für die sog. MINT-Fächer interessieren und unterstützen daher Initiativen wiedas „Haus der kleinen Forscher“, etc. Dabei kommt nicht zuletzt den Agenturen fürArbeit eine große Verantwortung zu. Mit Blick auf das unterschiedliche Berufswahlverhalten von Mädchen und Jungen gilt es hier die Instrumente zu überprüfen undweiterzuentwickeln. Zu oft sind auch die Berufsinformationszentren und die dortigenBerufsberatungen noch in alten Geschlechterbildern verhaftet. Diese gilt esaufzubrechen, um Mädchen und Jungen gleichermaßen die gesamte Bandbreite derBerufsmöglichkeiten zugänglich zu machen. Außerdem soll die Geschlechterperspektive noch stärker bei Programmen zur Gestaltung des Übergangs zurberuflichen Ausbildung und dem Abbau derZahl der SchulabbrecherInnenberücksichtigt werden.www.geschlechtergerechteJugendhilfe.deSeite 8

3. Frauen* sind in politischen Wahlämtern und Führungspositionen in unserem Bundeslandunterrepräsentiert. So sind z.B. unter den Landtagsabgeordneten Frauen* nur mit 32 % vertretenund in den Kreistagen und Stadträten beträgt ihr Anteil zwischen 16,8 und 29,3 %5. Als Grundangeführt wird nicht selten das fehlende politische Interesse bei Mädchen*. Das Interesse der jungenMenschen zwischen 12 und 25 Jahren an politischen Themen ist angestiegen. Interessant ist, dassdieser Anstieg maßgeblich auf die mittleren und gehobenen Schichten und die jüngeren undweiblichen Jugendlichen zurückzuführen ist. Obwohl das Interesse bei den weiblichen Jugendlichenetwas mehr gestiegen ist als bei den männlichen, gibt es noch einen deutlichenGeschlechtsunterschied: 42 % der Jungen* und jungen Männer* interessieren sich für Politik, abernur 31 % der Mädchen* und jungen Frauen*6.Welche Schritte erwägt Ihre Partei, um das politische Interesse bei Mädchen* nicht nur zu halten,sondern auszubauen und welche Möglichkeiten der politischen Partizipation für Mädchen* undjunge Frauen* können geschaffen werden?Bündnis90/ Wir wollen politische Beteiligungsmöglichkeiten wie Jugendgremien und kommunaleDie Grünen Beteiligungsverpflichtungen ins Leben rufen, die geschlechtersensibel jungenMenschen politische Partizipation ermöglichen. Gleichzeitig sprechen wir uns für dasWahlalter 14 aus, um sowohl das politische Interesse von Jungen und Mädchen zuwecken und zu halten.CDUUnter den Jugendlichen in Deutschland ist das Interesse an Politik europaweit amhöchsten. Wie die Ergebnisse der „EUYOUPART“ –Studie belegen, beschäftigt sich dieMehrzahl der jungen Menschen im Alter zwischen 15 und 25 Jahren regelmäßig mitdem politischen Geschehen. Damit liegen deutsche Jugendliche deutlich über demeuropäischen Durchschnitt von 37 Prozent. Diese Zahl ist ein gutes Zeichen für diepolitische Kultur und die politische Bildung in unserem Land. Zugleich müssen dieAnstrengungen fortgesetzt werden, in Zukunft das Interesse der Jugendlichen anunserem demokratischen Staatswesen wach-zuhalten und noch zu erhöhen. Wie die„EUYOUPART“ –Studie zeigt, beteiligen sich Jugendliche vor allem dann politisch, wennsie eine Chance sehen, dass ihre Anliegen ernst genommen werden. Die JUMitgliederzahlen bestätigen auch für Sachsen-Anhalt, dass sich junge Menschen fürPolitik begeistern lassen. Deswegen wird sich auch die Junge Union Sachsen-Anhalt, diemit über 700 Mitgliedern die größte politische Jugendorganisation des Lande SachsenAnhalts ist, auch in Zukunft für eine stärkere Wahrnehmung der Interessen jungerMenschen einsetzen.Weiterhin unterstützen wir das Programm „Demokratie stärken – Du bist Politik!“ derLandeszentrale für politische Bildung, für das der Landtag von Sachsen-Anhalt miteinem einstimmigen Beschluss 1,9 Millionen Euro für die Jahre 2015/16 zur Verfügung5Vgl. k/Politik und Verwaltung/MJ/MJ/Frauenimpulse/Landesprogramm Druckfassung.pdf6 ownloads/Partizipation Veroeffentlichung 3 2012 FINAL fe.deSeite 9

CDUgestellt hat. Bis zum 31.12.2016 wird das Programm, das zur Stärkung derdemokratischen Teilhabe der Bürgerinnen und Bürger im Land Sachsen-Anhaltbeitragen soll, laufen. Ziele des Programms sind unter anderem die Steigerung derWahlbeteiligung, ein höheres Interesse an Politik und die Stärkung von politischerTeilhabe im Alltag. Die Kampagne richtet sich sowohl an Nichtwählerinnen undNichtwähler als auch an Jung- und Erstwähler.DIE LINKEGleichstellungspolitik ist für DIE LINKE in Sachsen-Anhalt vor allem eine Frage derHerstellung von Geschlechtergerechtigkeit. Diese besteht sowohl in der Anfechtungvon klar fixierten männlichen und weiblichen sozialen Rollen als auch im Eintreten fürdie gleiche Teilhabe von Frauen, Männern in allen gesellschaftlichen Bereichen undihren Schutz vor Diskriminierung und Gewalt.Gleichstellung ist deshalb vielschichtig und für uns im politischen Alltag eineQuerschnittsaufgabe. Das erfordert, dass alle politischen Entscheidungen hinsichtlichihrer Wirkung auf die Gleichstellung der Geschlechter überprüft und entsprechendeMaßnahmen und Konsequenzen ergriffen werden müssen. Das bedeutet auch, für eineangemessene Repräsentanz von Frauen in Entscheidungsgremien der Politik,Wirtschaft, Bildung und Kultur einzutreten.Die LINKE hat in ihrer Satzung festgeschrieben, dass „die politische Willensbildung vonFrauen in der Partei aktiv zu fördern ist. Es ist Ziel der Partei, dass Frauen wederdiskriminiert noch in ihrer politischen Arbeit behindert werden. Bei Wahlen vonVorständen, Kommissionen, Arbeitsgremien und Delegierten sind grundsätzlichmindestens zur Hälfte Frauen zu wählen. Bei der Aufstellung vonWahlbewerberInnen für Parlamente und kommunale Vertretungskörperschaften ist aufeinen mindestens hälftigen Frauenanteil in der Fraktion bzw. Abgeordnetengruppehinzuwirken.“DIE LINKE in Sachsen-Anhalt bekennt sich zur Quotierung in allen Führungsebenen undAufsichtsräten. Eine Mindestquotierung aller politischen Mandate und öffentlichenÄmter von 50 Prozent ist anzustreben. Die Einführung einer 50 Prozent-Quote in derLandesverwaltung ist schrittweise umzusetzen. DIE LINKE in Sachsen-Anhalt strebt einemit Männern und Frauen paritätisch besetzte Landesregierung an.Um eine gleichberechtigte demokratische Teilhabe von Frauen und Männern in derrepräsentativen Demokratie zu garantieren, beabsichtigt DIE LINKE in Sachsen-Anhalt,die Möglichkeit der Verabschiedung eines „Parité Gesetzes“ für Sachsen-Anhalt ähnlichdem französischem Vorbild zur Ermöglichung von Quotenregelungen in Wahlgesetzenund geschlechterparitätischen Besetzungen von KandidatInnenlisten prüfen zu lassen.Jedes Jahr beteiligt sich die Partei bzw. die Landtagsfraktion DIE LINKE ambundesweiten Girls‘ und Boys‘ day und öffnet ihre Türen für interessierte Mädchen undJungen. DIE LINKE in Sachsen-Anhalt gibt ihnen so Gelegenheit, die konkrete Arbeit vonPolitikerInnen und MitarbeiterInnen hautnah kennenzulernen und ihre Fragen zustellen. Wir wollen damit politisches Interesse wecken und darüber informieren, wiewww.geschlechtergerechteJugendhilfe.deSeite 10

DIE LINKEPolitik funktioniert. Das ist eine gute und auch notwendige Tradition, da Politik immernoch ein Feld ist, das hauptsächlich von Männern bestimmt wird. DIE LINKE will genaudas ändern.Ferner will DIE LINKE in Sachsen-Anhalt durch entsprechende Informationsveranstaltungen und Podiumsdiskussionen politisches Interesse wecken und zu mehrpolitischem Engagement aufrufen.Konstitutiver Bestandteil der Jugendverbandsarbeit der LINKEN ist u. a. auch diepolitische Partizipation von Mädchen und jungen Frauen.Der Jugendverband der LINKEN trägt somit dazu bei, die gleichberechtigte politischeund gesellschaftliche Partizipation weiter zu unterstützen und zu fördern sowieMöglichkeiten und Wege für eine jugendpolitische Beteiligung von Mädchen undjungen Frauen zu eröffnen.Gerade auch die Arbeit des Jugendverbandes ist es, die die Partei DIE LINKE immerwieder aufs Neue dazu bringt, sich mit alltäglichen Arbeitsabläufen und derOrganisationsstruktur und -kultur ehrenamtlicher Arbeit auseinanderzusetzen und zuhinterfragen. Die bestmöglichen Partizipationschancen für alle stehen dabei stets imMittelpunkt. Besonders die Interessen von Frauen und die ggf. notwendigenpraktischen Veränderungen, wie z.B. bedürfnisgerechte Terminierung vonSitzungszeiten, Schaffung von Möglichkeiten zur Kinderbetreuung, Anpassung undFlexibilisierung der Arbeitsbedingungen, aber auch eine grundsätzliche Erweiterung derVorstellung politischer Arbeit, spielen dabei eine wichtige Rolle, so dass jede und jederdie Möglichkeit findet, sich so einzubringen, wie sie/ er es möchte.FDPDie geringe Präsenz von Frauen in der Politik ist weniger auf das Interesse bei Mädchenzurückzuführen, sondern auf die nach wie vor unterschiedliche zeitliche Belastung inder Lebensphase, in der Menschen sich für ein politisches Engagement entscheiden.Der Präsenz in einem Wahlamt geht zumeist eine längere Phase kontinuierlichenpolitischen Engagements voraus. Dies mit einer beruflichen Karriere und demFamilienleben in Einklang zu bringen, fällt Männern noch immer leichter als Frauen.Mädchen sollten schon in der Schule motiviert werden, sich aktiv einzubringen. EineMöglichkeit wäre der Versuch der paritätischen Besetzung der Klassensprecher*innen,Schulsprecher*innen etc.SPDAuf Initiative der SPD-Landtagsfraktion wurde bei der Landeszentrale für politischeBildung das Programm „Demokratie stärken – Du bist Politik!“ eingerichtet. Dieses vorerst bis zum 31.12.2016 eingerichtete Programm - soll zur Stärkung derdemokratischen Teilhabe der BürgerInnen im Land Sachsen-Anhalt beitragen. DieSteigerung der Wahlbeteiligung und ein höheres Interesse an Politik sowie die Stärkungvon politischer Teilhabe im Alltag ist Ziel dieser Kampagne, welche sich besonders anJung- und ErstwählerInnen e 11

SPDDen – im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung – unterrepräsentierten Anteil von Frauenim Landtag, wie auch in den kommunalen Vertretungen, sehen wir ebenfalls kritisch.Eine Möglichkeit dies zu ändern wäre eine paritätische Besetzung von KandidierendenListen. Hierfür wäre ein mit der Verfassung des Landes Sachsen- Anhalt konformesParitégesetz notwendig. Innerhalb der SPD Sachsen-Anhalt wird eine solcheMöglichkeit diskutiert.D

Männer öffnen und ihr Berufswahlspektrum auf erzieherisch-pädagogische Berufe erweitern. Wir werden uns deshalb am ESF-Bundesmodellprogramm „Quereinstieg – Männer und Frauen in Kitas“ beteiligen. Mit dem Programm stellt das SPD-geführte Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend für den Zeitraum vom 1.