Transcription

Fotos digitalisierenund bearbeitenHandreichung 4im Rahmen des Interreg-Projekts „Lichtbild.Kulturschatz Historische CIAAUTONOMADI BOLZANOALTO ADIGEPROVINZIA AUTONOMA DE BULSANSÜDTIROL

„Lichtbild. Kulturschatz Historische Photographie“ist ein Interreg-Projekt der Partner Verein Tiroler Ar chiv für photographische Dokumentation und Kunst(TAP), Stadtgemeinde Bruneck, Amt für Film und Me dien und Abteilung Museen der Autonomen ProvinzBozen – Südtirol.Das Team „Lichtbild“ besteht aus Martin Kofler, Rose marie Bachmann, Helene Ladstätter und Evelyn Müller(TAP), Sonja Hartner und Julia Knapp (StadtgemeindeBruneck), Arpad Langer, Oscar La Rosa und NotburgaSiller (Amt für Film und Medien) sowie Gertrud Gasserund Verena Malfertheiner (Abteilung Museen).Das Team ergänzen Vertreterinnen und Vertreter derassoziierten Partner: Alessandro Campaner vom Südti roler Landesarchiv, Roland Sila und Claudia Sporer-Heisvon den Tiroler Landesmuseen, Bernhard Mertels edervertritt das Tiroler Bildungsforum in Innsbruck. Weite rer assoziierter Partner ist die Europaregion Tirol-Süd tirol-Trentino.Die Mission lautet: Kompetent im Umgang, offen imZugang. Fotografie goes Future. Im Projekt werden Leit linien für eine zielgerichtete Handhabung historischerFotografien im Projektraum Tirol und Südtirol definiert.Die Erarbeitung erfolgt im Rahmen verschiedenerWorkshops; die Ergebnisse werden als Website, Appund in Form von E-Learning präsentiert. Außerdemstellt das Projekt erstmals in Tirol und Südtirol histori sche Fotos als Open Data zur Verfügung.1. Geschichte der Fotografie in Tirol und S üdtirol2. Fotorecht und Creative Commons3. Archivierung und Katalogisierung4. Digitalisierung und Bildbearbeitung5. Digitale [email protected]: Team LichtbildGefördert vom Europäischen Fonds fürregionale Entwicklung und Interreg V-AItalien-Österreich 2014–2020Übersetzungen:Alle Beiträge vom Deutschen ins Italienische: Ex LibrisGenossenschaft, BozenAlle Beiträge vom Deutschen ins Englische: pro textsas, BozenKorrektur, Grafik: Ex Libris Genossenschaft, BozenCover nach Entwurf von Mugele’s Brand Identity,BozenUmschlagabbildung:Studioaufnahme. Sieben Personen vor einem Plakat,circa 1900(Foto: Fotostudio Waldmüller; Bestand FotostudioWaldmüller – Amt für Film und Medien, AutonomeProvinz Bozen – Südtirol)Das Werk wird freigegeben unter der Creative- Commons-Lizenz Namensnennung, Version 4.0 International (CC BY 4.0).Die vollständigen Lizenzbedingungen sind zu findenunter alcode.Eine vereinfachte Darstellung der durch die Lizenzgegebenen Freiheiten ist zu finden deed.de.Lienz–Bruneck–Bozen2019

Inhalt2–3Richard PiockVorwort4–10Clemens Cichocki Photoarchiv – Digitalisierung und ihreHerausforderungen11–15Christian Meingast Farbmanagement, Scan-Software undBildbearbeitung – ein Überblick16–21Konrad Faltner/Arpad Langer Diapositive digitalisieren Einige Lösungsvorschläge für den privatenGebrauch22–23Alessandro Campaner/Notburga Siller Historische Fotografien digitalisierenund bearbeitenZusammenfassung24–25Literatur- und LinktippsInhalt1

Richard PiockVorwortPhotographie ist im Vergleich zu anderenTechniken der Bildwiedergabe wie Druck,Lithographie oder Kupferstich eine junge,moderne Technologie; im Vergleich zumScannen – also dem Überführen analogerPhotographien in digitale Impulse – mutetsie jedoch alt, fast schon antiquiert an. Dererste Scan eines Photos entstand erst rund120 Jahre nach der Erfindung der Photogra phie im Jahre 1957, als Russell Kirsch dasPhoto seines drei Monate alten Sohnes ineiner Auflösung von 176 176 Pixeln erst mals scannte und damit diese Technologiebegründete.Das Digitalisieren durch das berührungs lose Abtasten der analogen, haptischen Pho tographie über lichtempfindliche Sensorenund deren Überführung in eine kalte, ma thematisch-physikalische Zahlenreihe hatzwar viele Vorteile wie die einfache Mobili tät und Aufbewahrung der Bilder, nimmtaber der Photographie eine Ebene derKunst. Das analoge Photo – also das durchein Negativ auf lichtsensibles Papier proji zierte und über einen chemischen Prozesshalt- und sichtbar gemachte Bild – weistzwei Dimensionen künstlerischer Gestal tung auf: Zum einen ist dies jene der Auf 2FOTOS DIGITALISIEREN UND BE ARBEITENnahme, die das Auswählen des Motivs, dieWahl von Blende und Zeit und das Wartenauf das richtige Licht umfasst; zum ande ren ist es jene der Wiedergabe, der Arbeitin der Dunkelkammer. Hier geht es um dieWahl des Papiers, der Fokussierung, derBlende und der Zeit.In der Dunkelkammer entscheidet sich, obein Photo zur Kunst wird oder in die Mittel mäßigkeit versinkt. Ein analoges Photoweist eine gewisse Dreidimensionalität auf:Die Qualität eines Schwarz-Weiß-Glasnega tivs auf Platinpapier des Jahres 1905 oderjene eines Farbnegativs auf Cibachrome,belichtet durch einen Durst Lambda, wirdein Inkjetdruck des Jahres 2019 nie errei chen.Trotzdem, in unserer digitalen Welt ist dasDigitalisieren von Bilddokumenten einMuss: Nur digitale Photos können derartglobal verbreitet und geteilt sowie einfachaufbewahrt werden, wenn auch die Sicher heit der Aufbewahrung noch nicht zur Gän ze geklärt ist. Nur als Digitalisate könnenPhotos verändert, komponiert, verbessert,allerdings auch gefälscht und damit der Si cherheit als Dokument der realen Welt be raubt werden.

Das Scannen, das Digitalisieren analogerPhotos ist Thema dieser Handreichung. AlsZwischenschritt zwischen Aufnahme undWiedergabe entscheidet man im Scanpro zess über die Auflösung und die Anwen dung verschiedener Bearbeitungstechni ken – und letztlich darüber, ob ein analogesPhoto den Betrachter als Kunstwerk faszi niert oder nur als Printdokument in einervon Bildern überschwemmten Welt zurKenntnis genommen wird. Das Digitalisie ren von Negativen oder Positivvorlagenentscheidet maßgeblich über die Qualitätder Wiedergabe. Vielfach wird davon aus gegangen, dass die höchste Auflösung –zum Beispiel 4.000 dpi, maximale Graustu fen, 8 Bit – am besten sei. Auf diese Weisewird ein Maxi-File kreiert, der Speicherüberfordert, obwohl dies überflüssig,sprich „zu viel des Guten“, ist. Das Grund wissen des richtigen Digitalisierens soll die se Handreichung vermitteln – damit beibester Qualität eine Datenflut vermiedenwird.Richtiges Scan nen ermöglichtauch neueDetail erkennt nisse: Abstiegvom Monte Sief,Waffenübung1908 (Gipfel ausschnitt; Originalformat12 9 cm).Dieses Bild istTeil des Daten bestands „Licht bild“ des Inter reg-Projekts.Zum AutorDr. Richard Piock, geboren 1947 inMeran; Studium der Handelswissen schaften an der Hochschule für Welt handel in Wien; 1972–1984 Geschäfts führer der Euroclima Bruneck/Sillian;1984–2013 Generaldirektor der DurstPhototechnik AG; 1994–2000 Landes kommandant des Südtiroler Schützen bundes; 2011 Gründungsmitglied desTiroler Archivs für photographischeDokumentation und Kunst (TAP); Obmann des TAP, des Vereins Velatumund des Vereins Osttiroler Kulturspur –Kulturnetzwerk.Richard Piock · Vorwort(Fotograf: Raimundvon Klebelsberg; S ammlung Klebelsberg,Institut für Geologie,Universität Innsbruck –TAP, CC BY 4.0)3

Clemens CichockiFotoarchiv – Digitalisierung undihre HerausforderungenDieser Beitrag gibt praxisorientierte Anlei tungen für das Digitalisieren von Fotogra fien – ob privat zu Hause oder im Archiv büro. Eine Sensibilisierung für gewisseThemenbereiche, ja für die Faustregeln desDigitalisierens, ist in der Gegenwart für dieZukunft unbedingt vonnöten. Die Möglich keit der Umsetzung der nachfolgenden Hil festellungen ergibt sich selbstverständlichaus den vorhandenen Ressourcen – nichtnur in räumlicher, sondern auch besondersin finanzieller Hinsicht.ArbeitsraumDieser sollte, wenn möglich, in einer neu tralen Farbe (Grau, Schwarz) gestaltet sein.Weiters ist darauf zu achten, dass kein Ta geslicht in den Raum gelangt, da im Tages verlauf unterschiedliche Farbtemperaturenim Raum auftreten können, die eine kor rekte Farbbeurteilung verhindern. Es ist da rauf zu achten, dass die Raumbeleuchtungeine Farbtemperatur von circa 5.500 Kelvinaufweist.ArbeitsplatzHier kommt es darauf an, keine Primärfar ben (wie zum Beispiel bunte Bilder) in un mittelbarer Umgebung zu haben, da dasAuge darauf reagiert und eine Farbbeurtei lung erschwert. Eine graue Tischplatte istvon Vorteil und unterstützt das Auge maß geblich.4FOTOS DIGITALISIEREN UND BE ARBEITENDas zu digitalisierende MediumZuallererst ist – nach Möglichkeit gemein sam mit Konservatoren – der Zustand derArchivalien zu verifizieren, um eventuelleBeschädigungen gering zu halten.Um die Digitalisierungsarbeit effizient zugestalten, ist es von Vorteil, Medien glei chen Materials gesammelt zu bearbeiten.Hier ist eine Unterteilung hilfreich wie: Glasplattennegative SW, größensortiert Glasplattenpositive Farbe (Autochrome) Schwarz-Weiß-Negative aus Acetat oderPolyester, größensortiert Aufsichtsbilder SW, größensortiert Aufsichtsbilder Farbe, größensortiertDen jeweiligen Digitalisaten sind die ent sprechenden Geräte für das Scannen „zu zuordnen“.CopyrightVor der Digitalisierung oder spätestens vorder Veröffentlichung muss das Copyrightabgeklärt werden. Am einfachsten ist es,das Copyright in den Metadaten festzuhal ten.Computer – BetriebssystemWindows oder Mac OS: Beide Systemefunktionieren einwandfrei. Am einfachstenist es, sich für ein System zu entscheiden,welches zur bereits bestehenden Strukturder anderen Geräte passt.

SoftwareAbgesehen vom Betriebssystem sind nochweitere Softwarelösungen notwendig. Dasgängigste Programm zur Bildbearbeitungist derzeit Adobe Photoshop, für einfacheAnpassungen gibt es als Freeware zum Bei spiel Fast Stone Image Viewer.Zum Scannen selbst empfiehlt es sich, eineSoftware zu wählen, die profiliertes Arbei ten ermöglicht. SilverFast ist eine der ge bräuchlichsten Lösungen dafür. Nicht zuvergessen ist, dass auch eine Bilddaten bank wie etwa M-Box, Augias, Adlib oderAjaris benötigt wird. Hier stellt sich die Fra ge, ob man diese Datenbank selbst betrei ben möchte oder ob man sich in einembestehenden Archiv einmietet und somitWartungskosten spart.Digitalkamera oder Scanner?Die Wahl der zu verwendenden Digitalisie rungsgeräte richtet sich vor allem nach derzu bewältigenden Menge an Archivalien so wie deren Größe und Beschaffenheit. Dergrundsätzliche Unterschied bei Scannernbesteht zwischen Durchlicht (Licht durchein Objekt wie z. B. Dia oder Negativ) undAuflicht (Licht von vorne auf ein Objekt wiez. B. Foto oder Druck). Im Desktopbereichenden Scannergeräte bei einer Vorlagen Cruse Scanner CruseNikon Coolscanbzw. PlustecEpson A3-Scanner Epson(Symbolfoto) NikonClemens Cichocki · Fotoarchiv – Digitalisierung und ihre Her ausforderungen5

lität zu achten, damit die Farben auch nachlängerer Zeit nicht verblassen. Hierfür gibtes unterschiedliche Tintentypen: Dye- undPigmenttinte. Wir orientieren uns an derPigmenttinte, da mit entsprechenden, ar chivgerechten Druckpapieren (z. B. Hahne mühle) eine Haltbarkeit von bis zu 100 Jah ren möglich ist.MegaVision MSISystem inkl. RTI MegaVisiongröße von DIN A3, darüber hinaus gibt esauch großformatige Anlagen (z. B. CruseScanner), welche durchaus bis zu 2,50 mVorlagengröße aufnehmen können. Wei ters kann es sinnvoll sein, für Kleinbild- undMittelformat-Filmmaterial eigens dafürausgelegte Scanner zu haben, bzw. solltebei externer Auftragsvergabe der gewählteDienstleister diese besitzen.Bei kleineren Mengen an Digitalisatenreicht auch eine Digitalkamera mit einemMakroobjektiv. Hier gilt zu beachten, dassdie Auflösung der Kamera ausreichend ist.MonitorEs gibt sehr große Unterschiede bei denMonitoren. Im grafischen oder fotografi schen Bereich hat sich die Firma Eizo einenNamen gemacht, da ihre Monitore hervor ragend kalibrierbar sind. Falls beim Moni tor keine Kalibrationsmöglichkeit vorhan den ist, kann man etwa basICColor displaySQUID 3 verwenden.DruckerFalls die Digitalisate auch ausgedruckt wer den sollen, ist auf eine entsprechende Qua 6FOTOS DIGITALISIEREN UND BE ARBEITENKalibrieren und ProfilierenWas heißt das? Alle Wiedergabegeräte, derMonitor oder das Smartphone, zeigenohne ein sogenanntes Farbmanagementein und dasselbe Foto unterschiedlich an.Dabei kann nicht nur die Helligkeit variie ren, sondern auch die Farbwiedergabe.Kleine Unterschiede sind sicherlich zu ver kraften. So sieht beispielsweise der Him mel auf einem Urlaubsfoto auf dem Smart phone ebenso fantastisch aus wie auf demviel helleren Fernseher. Vielleicht nimmtman den Himmel hier einmal heller unddort einmal blauer wahr. Die grundlegendeInformation „Toller Urlaub, grandioses Wet ter“ wird also vielleicht heller oder bläu licher dargestellt. Im Archivbereich geht esallerdings um eine getreue Wiedergabe desOriginals!KalibrationDie Kalibration eines Monitors bezeichnetim Grunde nichts anderes als das Justierender Einstellmöglichkeiten auf einen be stimmten Wert. Dies reicht jedoch nochnicht. Jetzt beginnt die Profilierung.ProfilierungSie bedeutet, dass die Eigenschaften desMonitors gemessen und protokolliert wer den. Hier wird der Ist-Zustand definiert.Dies passiert mittels eines Messgerätes,das am Bildschirm angelegt wird. Diesernun ermittelte Ist-Wert wird mittels derdem Messgerät beigefügten Software dem

Soll-Wert gegenübergestellt und daraus einsogenanntes Profil errechnet und eine Pro fildatei erstellt. Diese Datei erkennt man ander Endung .icc. Sie wird in der Betriebssoft ware hinterlegt und teilt der Grafikkarte mit,wie sie die Darstellung vornehmen soll.All dies wird bei Eingabegeräten wie Kame ra und Scanner sowie bei Ausgabegeräten(Drucker) vorgenommen. Ziel soll es sein,dass das Bild sowohl am Monitor als auchim Ausdruck mit dem Original identisch(„gleich“) ist.Auflösung und DateiformatDie Bildauflösung ist die über das Augewahrgenommene Erkennbarkeit und Zu ordnung der grafischen Elemente Fläche,Linie und Punkt. Je feiner diese Strukturensind, umso höher ist die Bildauflösung.Eingabe-BildauflösungEin digitales Foto setzt sich aus Pixeln zu sammen. Aus der Anzahl der Pixel ergibtsich die Bildauflösung. Wird fotografiertoder gescannt, entsteht die Eingabe-Bild auflösung. Sie errechnet sich aus der Multi plikation der Pixelanzahl von Höhe Breiteeines Fotos. Zum Beispiel: 2.845 Pixel 4.284 Pixel 12,2 Megapixel.Ausgabe-BildauflösungBei Bilddaten für den Druck und die Bereit stellung in Datenbanken werden AusgabeBildauflösungen erstellt. Als Faustregel fürden Druck gilt: Im Offsetdruck muss dasgedruckte Foto in seiner Größe in Millime tern (Höhe und Breite) so skaliert sein, dasses für die geplante Bildgröße 300 Pixel perInch (ppi) aufweist. Gedruckt wird in Dotsper Inch (dpi). In der Praxis sind Auflösun gen in ppi und in dpi fast identisch. Photo shop verwendet für Ausgabe-Auflösungendie Bezeichnung Pixel per Zoll. Ein Zoll istidentisch mit einem Inch. Als Faustregel fürBilddatenbanken gilt: Die Rohdatei kann soumgerechnet und skaliert werden, dass siefür eine maximale Druckgröße mit 300 ppiangelegt ist.Dateiformate sollte es nur zwei geben: Beider Erstellung der Datei sollte das RAWFormat verwendet werden. Dies ist unser„digitales Negativ“, auf das wir immer zu rückgreifen können. Als fertige Datei kommthingegen ein unkomprimiertes TIFF-Formatzu Speicherung. Achtung: Bei JPG-Datei formaten wird bei jedem Öffnen und er neuten Speichern der Datei ein Teil derBildinformation vernichtet – dieses Formatsollte deswegen keinesfalls verwendet wer den!Eine RAW-Datei ist immer eine hersteller spezifische Datei, welche nicht einheitlich istund daher nicht als einziges Datei speicher format geeignet ist.Hier eine Auswahl an Dateinamenserweite rungen: Adobe Inc. Digital Negative: .dng Canon: .tif, .crw, .cr2, .cr3 Contax: .raw Epson: .erf Fujifilm: .raf Hasselblad: .3fr, .fff Kodak: .dcr, .dcs, .kdc (für EasyShare P850,Z990), .raw Leica Camera: .raw, .dng, .rwl Mamiya: .mef, .mfw, .iiq Minolta Raw: .mrw, .mdc Nikon: .nef, .nrw Olympus: .orf, .ori Panasonic: .raw, .rw2 Pentax: .pef, .dng Phase One: .iiq Ricoh: .dng Samsung: .srw, .dng Sigma: .x3f Sinar CaptureShop für Macintosh: .cs1,.cs4, .cs16 Sony: .arw (sowie früher: .srf, .sr2)Clemens Cichocki · Fotoarchiv – Digitalisierung und ihre Her ausforderungen7

Bildgrößeund Auflösung(Screenshot:Clemens Cichocki)Hinter dem folgenden Link verbirgt sicheine umfassende Beschreibung von unter schiedlichsten Auflösungen: hnen/Bildbeschriftung und Verschlag wortung – KeywordingAuf der Basis der inhaltlichen und formalenVorgaben wird eine komplette Beschrif tung der Fotos nach IPTC-Standard vor genommen, dies kann auch in mehrerenSprachen erfolgten. IPTC bedeutet „Inter national Press Telecommunications Coun cil“, ist also der Name einer Organisation;IPTC-IIM-Standard lautet ein Standard zurdirekten Speicherung von Textinforma tionen in Bilddateien. Der internationaleIPTC-Standard sorgt dafür, dass bestimmtetechnische, juristische und inhaltliche Da ten zusammen mit dem jeweiligen Fotogespeichert werden und damit schnell zufinden bzw. abrufbar sind. Dieser Stan dard liegt heutzutage fast jedem Archivzugrunde.8FOTOS DIGITALISIEREN UND BE ARBEITENMetadaten und UrheberrechtDie Pflege von IPTC-Metadaten zur Urheber schaft im Feld „Copyright Notice“ empfiehltsich für Rechteinhaber wie Fotografinnen,Grafiker oder Bild- und Nachrichtenagentu ren, um ihre eigene Urheberschaft belegenzu können.Das Urheberrecht stellt diese Daten durcheine besondere Vorschrift unter Schutz(„Schutz der zur Rechtewahrnehmung er forderlichen Informationen“). Nach dieserVorschrift dürfen „von Rechtsinhabernstammende Informationen für die Rechte wahrnehmung“ nicht entfernt oder verän dert werden. Wenn die Informationen fürdie Rechtewahrnehmung unbefugt ent fernt oder geändert wurden, dürfen sienicht wissentlich unbefugt verbreitet, zurVerbreitung eingeführt, gesendet, öffent lich wiedergegeben oder öffentlich zugäng lich gemacht werden.Fotografen, Grafikerinnen und Agenturennehmen daher häufig entsprechende Ver merke in die Metadaten ihrer Bilder auf.Durch eine spezielle vertragliche Klauselkönnen sie sicherstellen, dass die digitale

Bildbeschriftungund Verschlag wortung(Screenshot:Clemens Cichocki)Weiterverbreitung nur mitsamt den Meta daten erfolgen darf.Wenn hauseigene Thesauri oder Systemati sierungen/Kategorien verwendet werden,sind diese bei der Beschriftung selbstver ständlich zu berücksichtigen.EXIF – Exchangeable Image File FormatDies ist ein Standardformat der Japan Elec tronic and Information Technology Indust ries Association (JEITA) für das Abspeichernvon Metadaten in digitalen Bildern. Dieletzte Version des Standards (2.31, April2010, letzte Revision im Juli 2016) wurdevon einer Kooperation der JEITA mit derebenfalls japanischen Organisation CIPA(Camera & Imaging Products Association,Nachfolgeorganisation der JCIA – Japan Ca mera Industry Association) formuliert.ArchivstrukturBei Digitalisierungsarbeiten ist es wichtig,die Archivstruktur zu respektieren und aufdie Bilddaten zu übertragen.Die produzierten Bilddaten werden mit Da teinamen, die den Inventarnummern ent sprechen, gespeichert. Hilfreich ist es auch,die diversen Arbeitsvorgänge fotografischzu dokumentieren, um später alles nach vollziehen zu können.Beim Digitalisieren ist es effizient, bei derAbspeicherung der produzierten Daten alleVerschlagwortungen gleich in die Datei ein zuschreiben.Clemens Cichocki · Fotoarchiv – Digitalisierung und ihre Her ausforderungen9

Die Scanauf lösung ist gemäß der gewünschtenDruckgrößezu fixieren.VorlagenformatAusgabeformatScan mit einer Auflösung von mindestens24 36 mm13 18 cm/300 dpi1.500 dpi6 7 cm13 18 cm/300 dpi770 dpi9 12 cm13 18 cm/300 dpi450 dpi13 18 cm13 18 cm/300 dpi300 dpi18 24 cm13 18 cm/300 dpi225 dpi20 25 cm13 18 cm/300 dpi195 dpiDigitalisierungsarbeiten selber machenoder extern vergeben?Im Team ist zu eruieren, welche Personal ressourcen intern vorhanden sind und obdie Digitalisierung selbst gemacht werdenkann. Sind alle Geräte vorhanden odermüssen Neuanschaffungen getätigt wer den? Wie groß ist der zu digitalisierendeBestand? Parallel dazu ist angeraten, Ange bote von Dienstleistern einzuholen und zuentscheiden, ob intern oder extern digitali siert wird.Externe Firmen müssen die spezifischenAnforderungen erfüllen können. Augen merk ist vor allem darauf zu legen, dass diezu liefernden Dateien mindestens im Ado be RGB oder in einem größeren Farbraumzu erstellen sind. Die Scanauflösung istauch in Abhängigkeit von der gewünschtenDruckgröße zu definieren. Auch die Pro jektdauer ist klar zu bemessen. Beispielesiehe Tabelle oben.Alle Vorlagen, welche farbig sind, solltenauch in Farbe gescannt werden, alle Vorla gen in Schwarz-Weiß in Graustufen.Stilles/ruhendes Archiv (Masterkopie)und ArbeitsarchivDie Digitalisierung, die ausschließlich imRAW-Format durchgeführt werden sollte,produziert die sogenannte Masterkopie.Diese wird im Regelfall im TIFF-Format10FOTOS DIGITALISIEREN UND BE ARBEITEN esondert an einem sicheren Ort (nicht amggleichen Ort, wo alles andere gespeichertist) gelagert.Das Arbeitsarchiv ist jetzt die Datenbank,in der unsere beschlagworteten und ver wendbar gemachten Daten liegen.Zum AutorClemens Cichocki, geboren 1956 inGraz; 1985 Meisterprüfung für Foto grafen, seit 1986 selbstständiger Be rufsfotograf, zunächst im Bereich Wer bung, Katalog- und Industriefotografie,anschließend Faksimilereproduktionenmittelalterlicher Handschriften fürinternationale Verlage; Initiator undOrganisator der Fotoausstellung„Gesich ter einer Stadt“ im Rahmen desKulturmonates 2003 in St. Petersburg;Mitorganisator der Auftaktveranstal tung „1. Sozial-, Kultur- und Wirt schaftsforum“ (Austausch mit Fachleu ten aus St. Petersburg) in Graz 2004sowie des Sozialtreffens 2006 inSt. Petersburg.

Christian MeingastFarbmanagement, Scan-Softwareund Bildbearbeitung – ein ÜberblickFarbenUm Probleme mit den Farben zu vermei den, sind folgende Dinge zu beachten: Für die Anzeige sind Anwendungen zu be nutzen, die das Farbmanagement grund sätzlich unterstützen, zum Beispiel AdobePhotoshop oder Adobe Lightroom. Für die korrekte Darstellung ist ein Moni tor zu verwenden (zum Beispiel Eizo Color Edge), der speziell für das Farbmanage ment hergestellt wurde; dort sollte dieFarbtemperatur auf 5.000 Kelvin einge stellt sein. Es ist mit den korrekten Farben zu dru cken, zum Beispiel mit Geräten von Epsonoder Canon. Prüfen Sie das Bild unter geeignetem Licht(Leuchtkasten, etwa JUST Normlicht).Was bedeutet Farbmanagement?Das Farbmanagement stellt beim Umgangmit Farben eine einheitliche Umgebung be reit, in der bei jedem einzelnen Produk tionsschritt (Monitor, Multifunktionsfarb gerät, Tintenstrahldrucker, Digitalkamera,Offsetdruck und DDCP – Direct Digital ColorProofing) eine gemeinsame Farbreferenz(Farbprofil) verwendet wird. Ziel ist es,während der gesamten Produktion mit ei nem vereinheitlichten Bild zu arbeiten, in dem die Farben auf den unterschiedlichenGeräten mithilfe des jeweiligen Gerätepro fils angepasst werden.Monitore und Drucker haben spezifischeFarbeigenarten. Es ist unmöglich, eine per fekte Übereinstimmung dieser Eigenartenzu erreichen, man kann jedoch die Farbda ten der einzelnen Geräte über einen ge meinsamen Farbraum (ein von allen Gerä ten unabhängiger Farbraum wie CIE XYz,CIE L*a*b) so konvertieren, dass die ver schiedenen Farben weniger voneinanderabweichen. Dies ist das Grundprinzip desFarbmanagements.Aus diesem Grund fungiert der Lab-Farb raum als Verbindungsfarbraum, um Farb konvertierungen zwischen verschiedenenFarbräumen durchzuführen, wie zum Bei spiel von RGB zu CMYK.Die Farbräume des Digitalkamera-Stan dards Adobe RGB und des Druckfarben standards ISO Coated v2 weisen reprodu zierbare Unterschiede auf. Diese beidenFarbräume können zwar nicht in Überein stimmung gebracht werden, mit dem Farb management lässt sich jedoch eine Annä herung erreichen. Wenn die im Endproduktgedruckten Farben schon während des Fo tografierens, des Designs und der Druck formenherstellung berücksichtigt und alsgemeinsamer Standard definiert werden,können die Daten in allen Produktions schritten reibungslos verarbeitet werden.Adobe RGB umfasst einen größeren Farb raum als sRGB und ist daher, wenn mög lich, immer zu verwenden.Farbmodelle Additives Farbsystem RGB (Rot, Grün,Blau) Subtraktives Farbsystem CMYK (Cyan, Ma genta, Gelb, Schwarz)Christian Meingast · Farbmanagement, Scan-Software und Bildbearbeitung – ein Überblick11

Profil einbettenin Adobe Photo shop(Screenshot: ChristianMeingast)Profil zuweisenin Adobe Photoshop(Screenshot: ChristianMeingast)12FOTOS DIGITALISIEREN UND BE ARBEITEN

Farbeinstellungen in Adobe Photoshop CC vornehmenAus Unkenntnis kümmern sich leider sehrviele Anwender nicht um korrekte Einstel lungen. Profile sind einzustellen. Farbmanagement-Richtlinien sind einzu stellen. Es ist in Photoshop grundsätzlich nichtmöglich, ohne Colormanagement zu ar beiten. Grundsätzlich müssen Profile eingebettetwerden. Das Einbetten von Profilen könnte manals einen „Klebezettel“ an der Datei be zeichnen. Es ist praktisch eine „Anleitung“zur farbkorrekten Verarbeitung.In Adobe Photoshop CC Profil zuweisen Das ursprüngliche Bild bleibt unverän dert. Die beigefügte Quellfarbraum-Überset zung (Quellprofil) wird in Verbindung miteinem Zielprofil zum bestmöglichen Aus gabeergebnis führen. Falls bei der Weitergabe die Profilinforma tion verworfen wird, ist keine korrekte„Übersetzung“ mehr möglich!In Adobe Photoshop CC Profil umwandeln Es erfolgt die Umrechnung von einemQuellfarbraum (etwa RGB) in einen Ziel farbraum (etwa CMYK). Die Pixel des ursprünglichen Bildes wer den farblich optimiert an den entspre chenden Zielfarbraum angepasst. Das Ergebnis ist ein neuer (weil veränder ter) Quellfarbraum. Dieser Vorgang kann nicht mehr verlust frei rückgängig gemacht werden. Durch das Konvertieren erhält man Da tensätze, die exakt dem gewünschtenZielfarbraum entsprechen.IT8-TargetIT8 bezeichnet eine Zusammenfassungmehrerer ANSI-Standards zur Farbkontrol le. Nach diesen Standards werden heuteScanner, Digitalkameras, Monitore undEin IT8-Target,Farbmuster fürdie Kalibrierungvon Scannern,Kameras etc.und das Erstel len von Farb profilen(www.silverfast.com)Christian Meingast · Farbmanagement, Scan-Software und Bildbearbeitung – ein Überblick13

Drucker kalibriert, um Farbverbindlichkeitgewährleisten zu können.LaserSoft Imaging hat eine eigene IT8-Tar get-Produktion, die mit höchster Präzisionfertigt. Auf der ganzen Welt nutzen großeUnternehmen LaserSoft Imaging-Targets, dasie von deren Qualität überzeugt sind. Mitden Reflektiv-Targets erstellen Sie Farbpro file für das Scannen von Aufsichtsvorlagen(10 15 cm und 13 18 cm) wie zum BeispielFotoabzügen. Mit den Durchlicht-Targets(35 mm, 6 7 cm und 4 5 Inch) erstellenSie Farbprofile für das Scannen von Film vor lagen wie beispielsweise Dias.Software in der Praxis für Scan- undBildbearbeitungSilverFast ist einer der Standards im Be reich Scanner- und Archivierungs-Software,auch dank der vollautomatischen IT8-Kalib rierung und der Multi-Exposure-Funktion;es werden derzeit über 340 verschiedeneScanner-Modelle unterstützt. Als Bestand teil der Archive Suite und des verlustfreienRohdatenkonzepts sichert SilverFast Dias,Filmstreifen, Kodachrome-Bilder und Fotosmit allen erfassbaren Bildinformationen alsRohdaten-Bilder. Diese können sogar denInfrarotkanal für die spätere Staub- undKratzerentfernung beinhalten.Adobe Photoshop Elements bietet zahl reiche Möglichkeiten zum Organisieren, Be arbeiten, Gestalten und Teilen der Aufnah men. Schon beim Starten des Programmswerden automatisch Diashows und Colla gen aus Fotos und Videos erstellt. Automa tisierte Bearbeitungsoptionen helfen, dasBeste aus den Aufnahmen zu holen. Außer dem gibt es vielfältige intuitive Möglichkei ten zum Gestalten, Organisieren und Teileneinzigartiger Kreationen.Adobe Photoshop – Bildbearbeitung mitPixelveränderung – ist das führende Pro gramm für kreative Bildbearbeitung. Photo 14FOTOS DIGITALISIEREN UND BE ARBEITENshop wird ständig weiterentwickelt undregel mäßig um neue Funktionen erweitert.Adobe Lightroom bietet eine cloudbasierteKomplettlösung. Es werden keine Ver än de rungen der Originaldaten vorgenommen,daher müssen auch keine zusätzlichen Ko pien der originalen Bilddateien angefertigtwerden. Lightroom umfasst viele Features,die für die Organisation, Bearbeitung, Spei cherung und Weitergabe der Bilder ge braucht werden – auf dem Desktop, Mobil gerät oder im Web.Affinity Photo ist eine professionelle Soft ware zur Fotobearbeitung. Dank der um fangreichen Werkzeugpalette, die speziellauf die Bedürfnisse von Kreativprofis undprofessionellen Fotografen zugeschnittenist, können Bilder schnell und flexibel bear beitet, retuschiert oder zu Montagen mitvielen Ebenen zusammengesetzt werden.Fast Stone Image Viewer ist eine nützli che Freeware zur einfachen Fotobearbei tung für die wichtigsten Bilddateiformate.Einige Photoshop-Scripts und -TricksMagic Scripts: Hier können Sie kostenloseSkripte für Photoshop herunterladen, dieeinige häufige Probleme, die man als Desi gner haben könnte, elegant lösen. Auf derSeite wird in einigen Videos (Englisch) ge zeigt, was die jeweiligen Skripte genau ma chen.http://bereza.cz/ps/#twoFFT-Filter (FFT steht für „fast Fourier trans form“): Adobe Photoshop verfügt von Hausaus über keinen solchen Filter (AffinityPhoto dagegen schon). Ohne diesen Filterist es relativ schwierig, eine „Seidenraster“Oberfläche auf Porträt- und Familienfotosvon gescannten Bildern zu entfernen –hiermit ist es ein Kinderspiel.http://ft.rognemedia.no/

Photoshop Scripting (Englisch): Vom Be ginner zum Profi. Hier können Sie lernen,eigene Aktionen, Skripts, HTML-Panels undPlug-ins für Photoshop zu schreiben.https://www.ps-scripting.com/Der Dialog „Tiefen/Lichter“ in Adobe P

2 FOTOS DIGITALISIEREN UND BEARBEITEN Richard Piock Vorwort Photographie ist im Vergleich zu anderen Techniken der Bildwiedergabe wie Druck, Lithographie oder Kupferstich eine junge, moderne Technologie; im Vergleich zum Scannen – also dem ber