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h MessmerRingweg 34460 Gelterkinden079 667 50 [email protected]

Inhaltsverzeichnis1.Geschichte des lösungsorientierten Ansatzes . 41.1.Systemisches Denken . 41.2.Systemische Bewegung an verschiedenen Schulen. 51.3.Lösungsorientierter Ansatz nach Steve de Shazer . 52.Konstruktivismus . 73.Systemisches Denken – Systemische Therapie . 83.1.Zusammenfassung . 83.2.Ein interdisziplinärer Ansatz . 93.3.Wahrnehmung ist subjektiv . 103.4.Ablauf und Prozessgestaltung. 104.Lösungsorientierte Annahmen . 135.Lösungsorientierte Haltung . 156.Menschenbild . 167.Loben, ein wichtiges Element im Lernprozess. 177.1.Unser Gehirn . 177.2.Was beeinflusst das Lernen . 197.2.1. Vigilanz . 197.2.2. Selektive Aufmerksamkeit . 197.2.3. Emotionen . 207.2.4. Motivation . 217.3.Loben unterstützt den Lernprozess . 228.Reframing . 239.Zirkuläres Fragen . 249.1.Zirkularität. 249.2.Zirkuläres Fragen . 2410.Wer, wie, was . Die Theorie hinter den (W-)Fragen . 2610.1.Definition. 2610.2.Fragetechnik. 2610.3.Offene Fragen . 2610.3.1.Definitionsfragen. 2710.3.2.Konkretisierungsfragen/Klärungsfragen . 2710.3.3.Informationsfragen. 2710.3.4.Motivationsfragen . 2710.4.Geschlossene Fragen . 2710.4.1."Entscheidungsfragen/Alternativfragen. 27!"

10.4.2.10.5.11.11.1.Suggestivfragen. 28Ressourcenorientierte Fragen . 28Skalierungsfragen . 29Arten von Skalierungsfragen . 3012.Schema Ablauf Skalierungsfrage . 3113.Schema lösungsorientierter Gesprächsablauf . 3214.Literaturliste lösungsorientiertes Arbeiten . 33#""

1. Geschichte des lösungsorientierten Ansatzes!"# %&'(&%)# *& &%,- %. /"# 0%(" %&'(&(%12&'(&(%3# 2-))&24%!"# %&'()* ,&-'(./0/12/0345(6-7%*' "& (8 " *9:':&%%& (1.1. Systemisches DenkenWegweisend für die Entwicklung des lösungsorientierten Ansatzes sind die systemischenErkenntnisse aus den 50er Jahren. Bis dahin wurden allgemein einzelne Objekte in einemisolierten Rahmen beobachtet. In der Systemik wird davon ausgegangen, dass einzelneObjekte in einer Wechselwirkung zueinander stehen und nicht ausschliesslich ein UrsacheFolge-Modell vorherrscht. Diese Erkenntnisse, welche man erstmals im biologischenZusammenhang gewann, wurden auf den psychosozialen Bereich übertragen. GregoryBateson, John Weakland, Jay Haley, Salvadore Minuchin und Virginia Satir sind nur einigePersönlichkeiten, welche die damalige Psychotherapie revolutioniert haben. In diesemRahmen wurde eine neue Form von Psychotherapie ins Leben gerufen: dieFamilientherapie. Dieses neue, erweiterte, ganzheitliche, systemische Denken basiert aufdem Postulat, dass der Mensch ein beziehungsorientiertes Wesen ist und sein Verhaltenentsprechend primär als interaktives Geschehen, als Aktion und Reaktion gesehen werdenmuss und auch nur so in diesem Sinn verstanden werden kann.Seit den 60er Jahren wurde die systemische Therapie ständig weiterentwickelt und stelltmittlerweile selber ein hochkomplexes System dar. Zu den zentralen Grundannahmen dersystemischen Therapie gehört das Konzept der Kybernetik, der Zirkularität sowie desKonstruktivismus.Die Kybernetik befasst sich mit dem Selbsterhalt eines Systems. Dabei wird angenommen,dass ein System Mechanismen aufweist, mit deren Hilfe es sich selbst erhält. Oftmals nimmtman an dieser Stelle eine häusliche Zentralheizung als Beispiel, welche über denThermostaten eine gleich bleibende Temperatur im Haus gewährleistet. DieserMechanismus wurde auf soziale Systeme übertragen.Für die Begriffserklärung der Zirkularität muss oftmals das Bild eines Mobiles herhalten.Wird ein Element des Mobiles angestossen, hat dies auch Auswirkungen auf die anderenElemente, welche durch ihre Bewegung wiederum auf die anderen Elemente einwirken.Soziale Systeme sind diesem Phänomen ebenfalls unterstellt. Die Verhaltensweisen desEinzelnen sind immer durch die Verhaltensweisen des Anderen bedingt und bedingen diesewiederum gleichzeitig. So kann auch jedes Verhalten als Ursache und als Wirkung definiertwerden. ""

Der Konstruktivismus besagt, dass jedes Individuum seine eigene Wirklichkeit kreiert undes dadurch keine wirkliche Wirklichkeit gibt. Paul Watzlawick, Heinz von Förster und Ernstvon Glaserfeld haben den Begriff des Konstruktivismus massgeblich geprägt. Im Kontexteiner Beratung heisst dies, dass sowohl die Klienten als auch die Therapeuten ihre eigeneSicht der Realität haben und für beide jeweils diese Realität die wirkliche ist.1.2. Systemische Bewegung an verschiedenen SchulenDie systemische Bewegung, welche Ende der 60er und Anfang der 70er Jahre immergrössere Beachtung fand, wurde von drei Orten massgebend beeinflusst. In Palo Alto(Kalifornien) gründeten 1968 John Weakland, Richard Fisch, Paul Watzlawick und Arthur M.Bodin das Brief Therapy Center. 1971 gründeten Mara Selvine-Palazzioli, Luigi Boscolo,Gianfranco Cecchin und Giuliana Prata das Centro per lo Studio della Famiglia in Mailand(Italien). Steve de Shazer gründete mit Insoo Kim Berg und anderen 1978 das Brief FamilyTherapy Center in Milwaukee (Wisconsin). Obwohl alle drei Schulen auf den gleichensystemischen Grundgedanken basieren, entwickelten sich unterschiedliche systemischeSchulen. Geistiger Vater und Vorbild aller Schulen war Milton Erickson, ein Psychiater undPsychotherapeut, welcher die Individualität der Klienten ins Zentrum stellte, woraus sich dieNotwendigkeit ergab, für jeden Klienten den passenden Ansatz und Zugang zu finden.1.3. Lösungsorientierter Ansatz nach Steve de ShazerVor dem Hintergrund des systemischen Denkens orientierte sich das Brief Therapie Centermit Steve de Shazer an der Beobachtung, dass die Problemlösungen von Klienten sich weitmehr gleichen als die Probleme und suchte deshalb nach universellen Basisinformationen,nach „Standardverschreibungen“ beziehungsweise „therapeutischen Dietrichen“. Steve deShazer beschreibt seine Erfahrungen, die er in seinen Therapien sammeln konnte,folgendermassen: „Mit einem relativ kleinen Bund an Dietrichen lässt sich ein weiter Bereichvon Schlössern knacken.“Demzufolge zählt die Lösungsorientierte Arbeit zur Gruppe der systemischen Ansätze mitden Aspekten der Kybernetik, der Zirkularität und des Konstruktivismus. Ausserdem ist esein kurzzeittherapeutischer Ansatz. Kurzeittherapeutisch heisst zum einen, dievorgetragenen Probleme, Konflikte respektive Störungen nicht vertieft zu explorieren,sondern möglichst schnell auf die Ressourcen und Fähigkeiten der Klienten zu fokussierenund alle Möglichkeiten ihrer aktiven Nutzung auszuschöpfen, um so möglichst direkt zu einerProblemlösung zu kommen. Zum anderen kann die Kurzzeittherapie auch deswegen kurzsein, weil sie davon ausgeht und darauf abzielt, dass innerhalb der Beratungbeziehungsweise Therapie nur Anregungen gegeben werden für die eigentlichen%""

Entwicklungs- und Veränderungsprozesse, die sich im Alltag der Klienten vollziehen müssen.Die Therapie findet demnach zwischen den Therapien statt.Wichtigstes Element des lösungsorientierten Arbeitens ist die Lösungsorientierung. Dafürkann nochmals Charles Dickens‘ Metapher mit dem Schloss herangezogen werden, welchede Shazers gerne benutzte. De Shazer war der Überzeugung, dass es nicht wichtig istherauszufinden, wie ein Schloss beschaffen ist, weil dies viel zu komplex ist. Viel wichtigersei es, darüber zu sprechen, wie der Schlüssel oder eben auch der Dietrich beschaffen seinmuss, um das Schloss zu öffnen. Und Dietriche öffnen ja bekanntlich verschiedeneSchlösser. Auch wenn das Problem für die Klientinnen kompliziert ist, muss die Lösungdeswegen nicht ebenso kompliziert sein. Es ist möglich, dass ein einfacher Dietrich ein sehrkomplexes Schloss öffnet. In Beratungs- respektive Therapiegesprächen wird also dieLösung des Problems in den Fokus des Klienten gestellt. Der Fokus wird so weg vomProblem hin zu einer Lösung gelenkt. Es geht nicht darum herauszufinden, wo das Problemherkommt, sondern es geht darum herauszufinden, wie die Lösung aussehen soll. Nach demMotto: von „weg von“ nach „hin zu“. Der Blick richtet sich nach vorne. Aufgabe derTherapeutInnen ist es, die Hoffnungen und Erwartungen zur Lösung der Schwierigkeitenihrer KlientInnen zu wecken und diese zu erhalten.Quelle: Bamberger, Günther G. (2005). Lösungsorientierte Beratung. 3. vollständig überarbeiteteAuflage. Weinheim, Basel: Beltz Verlag"&""

2. Konstruktivismus5/)%*' %)& &(6%')0%('# 0%*/)%*' %)& &(6%)7(8& (%*/)%*' %)'(84%;& -#- ( &'' #(./0002/[email protected]( :B7*&'*' "& ()* ":& ((Paul Watzlavick und andere namhafte Konstruktivisten wie Ernst von Glaserfeld und Heinzvon Förster gehen davon aus, dass jede Person ihre eigene Interpretation ihrer Umgebung insich selber konstruiert. Oder wie es Heinz von Förster formuliert: „Die Umwelt, so wie wir siewahrnehmen, ist unsere Erfindung.“ (Watzlavick 2007: 40).Aktuelle Reize unserer Umgebung werden durch unsere Sinne an das Gehirn weitergeleitet.In unserem Gehirn werden diese Reize unter der Nutzung von früheren Lernerfahrungen mitBedeutung versehen. So werden die neuen „Inputs“ mit einem biographisch geprägtenOrdnungs- und Bedeutungsraster einsortiert, und dieser Raster bestimmt unseren ureigenenBlick auf die „Wirklichkeit“ (vgl. Bamberger 2005: 12). Wir geben allenSinneswahrnehmungen einen emotionalen Inhalt. Dieser wird durch unsere Vergangenheitund unser momentanes Befinden geprägt. Wir haben alle unsere eigene Wahrnehmung unddemzufolge auch unsere eigene Wahrheit. Denn grundsätzlich kann davon ausgegangenwerden, dass das, was wir wahrnehmen, auch als Wahrheit gelten soll. Jeder Menschkonstruiert sich auf Grund seiner Erfahrungen in der Interaktion mit der Umwelt seineWirklichkeit. Darüber hinaus beeinflussen diese Wirklichkeitskonstruktionen wiederum das,was diese Person wahrnimmt, wie sie dies bewertet, welche Verhaltenspläne sie darausentwickelt und demzufolge, wie sie sich auch verhält. Dies bildet einenRückkoppelungskreislauf, der sich selber verstärkt. Dieser Kreislauf funktioniert so, dass erfür das Wohlbefinden und der existentiellen Sicherung im Zusammenleben mit anderen vonNutzen ist. Da auf der Erde rund sechs Milliarden Menschen leben, ergeben sich darausebenso viele Wirklichkeiten, welche je nach Situation ein mehr oder weniger grossesKonfliktpotential enthalten (vgl. Bamberger 2005: 13 f).Konflikte respektive Probleme stellen sich immer in einem gewissen Kontext. Ein Kind,welches in der Klasse gerne den Clown spielt, Witze macht und dabei die Klasse stört, kannals Schauspieler in einem Kindertheater genau von diesem Verhalten profitieren. Andersausgedrückt stellt sich ein Problem dann, wenn zwei Wirklichkeiten aufeinander treffen.Ausgehend von diesem Gedanken kann man die Aussage machen, dass wenn alleMenschen ihre eigene Wahrheit haben, sie demzufolge auch ihre eigenen Probleme haben,respektive konstruieren. Wenn man diesen Gedanken nun noch zu Ende spinnt, dann kannfolgende Aussage gemacht werden: Wenn sich jeder Mensch seine ureigenen Problemekonstruiert, so kann auch nur dieser zur Lösung dieser Probleme etwas beitragen.'""

3. Systemisches Denken – Systemische TherapieIn der systemischen Therapie sind die Persönlichkeit und deren Beziehungen zumUmfeld wichtig. Therapeutinnen und Therapeuten messen denKommunikationsmustern grosse Bedeutung zu.3.1. ZusammenfassungDas systemische Denken beruht auf einer interdisziplinären Beobachtung: Inunterschiedlichen Wissenschaftsbereichen – Biologie, Physik, Soziologie und Psychologie –gelangten Forscherinnen und Forscher in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu derErkenntnis, dass die Elemente eines Systems miteinander im Austausch stehen und dieVeränderung eines Teils immer auch die eines anderen bewirkt. Zudem hat sich gezeigt,dass das Verhalten eines Elements am besten durch die Art der Kommunikation der Teileerklärt werden kann. In der Psychologie wurde daraufhin damit begonnen, den Blick nichtmehr nur auf eine Person und ihre Symptome, sondern auch auf deren Beziehungen –innerhalb der Familie, Schule, Partnerschaft oder des Arbeitsplatzes – zu richten. Daraus istdie Familientherapie entstanden, aus der ihrerseits im Laufe der Zeit andere systemischeTherapieansätze entwickelt worden sind, die für Einzelpersonen geeignet sind.Einige Grundprinzipien dieser Arbeitsweise sind: Eine partnerschaftliche Grundhaltung, wobei Klientinnen und Klienten als Expertenfür ihre Lebensgestaltung betrachtet werden und auch Eigeninitiative zeigen sollen. Die Beratung oder Therapie richtet sich nach dem Anliegen und dem Ziel derKlientinnen und Klienten. Die systemische Haltung ist immer ressourcenorientiert. Das heisst die Stärken undFähigkeiten einer Person sind von grosser Bedeutung für eine Veränderung. Die Autonomie eines Menschen hat einen hohen Stellenwert. So sind immerEntscheidungsfreiräume gegeben, die Klientinnen und Klienten für sich nutzenkönnen. Der systemische Ansatz vertritt eine klientenzentrierte Haltung. Gemeint ist damit einInteresse an Ressourcen, Veränderung und Entwicklung der Klientinnen und Klientensowie ihrer Lebenswelt.In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg entstand in unterschiedlichen Wissenschaftsgebieteneine eindrückliche, fachübergreifend parallele Bewegung: Die Aufmerksamkeit verschob sichvon der Untersuchung der Eigenschaften einzelner, isolierter Objekte – wie beispielsweiseIndividuen, Pflanzen, Atome – hin zur Betrachtung der Wechselbeziehung miteinanderinteragierender Objekte, die gemeinsam eine übergeordnete Einheit – ein System – bilden.(""

Das Verhalten der Elemente solcher Systeme kann besser durch die Spielregeln derKommunikation zwischen ihnen als durch ihre individuellen Eigenschaften erklärt werden.Ein Beispiel:In einer Firma sind zwei Personen in anhaltende Streitigkeiten miteinander verwickelt.Es könnten mit diesen Mitarbeitern einzeln Gespräche stattfinden. Vielleicht würdedanach gefragt werden, welche Eigenschaften denn diese oder die andere Personhat, die zu Querelen führen und wie diese zu verändern wären oder wie besser damitumzugehen wäre. Systemisch betrachtet wären jedoch Gesprächs- und andereKommunikationsmuster – also die Dinge, welche Beziehung ausmachen – vonInteresse und nicht Charakterzüge einzelner Menschen.Weil die Kommunikation innerhalb der Familie für ihr Wohl meistens eine besondereBedeutung hat, entstanden zunächst familientherapeutische Methoden. In den Sitzungenwurde nicht nur – wie in anderen psychotherapeutischen Methoden – über die Familiegesprochen. Mutter, Vater, Bruder und Schwester wurden mit der Therapeutin oder demTherapeuten in einen Raum gesteckt und mussten sich gemeinsam und vor seinen Augenunterhalten. Die Interventionen der Therapeuten richteten sich nicht mehr darauf, Individuenoder ihre Psyche zu verändern, sondern deren Kommunikationsmuster zu beeinflussen. ImLaufe der Zeit befassten sich verschiedene Forschungsgruppen in allen Teilen der Welt mitKommunikation und deren Mustern innerhalb von Systemen. Die „Mailänder Gruppe“bezeichnete ihre Arbeit und ihre Methoden auf Englisch als systemic und begründete so denBegriff systemisch, der im deutschsprachigen Raum in den Fachjargon eingeflossen ist.3.2. Ein interdisziplinärer AnsatzSeit Beginn der 80er Jahre hat sich die systemische Psychotherapie über den Rahmen derFamilientherapie hinaus zu einem Ansatz mit eigenen klinischen Theorien und Praxisformenentwickelt. Systemische Praxis setzt kein bestimmtes Setting – wie die persönlicheTeilnahme am Gespräch – voraus. Ihr Anwendungsbereich reicht von Einzelpersonen überPaare und Mehrpersonenkonstellationen – Familien, Gruppen, Organisationen – bis hin zuSupervision und Teamentwicklung. Systemisch bezeichnet nicht nur einen Therapieansatz,sondern auch ein umfassendes Praxis- und Wissenschaftsprogramm, das sich nicht aufPsychologie eingrenzen lässt, dafür aber eine besondere Relevanz besitzt. Inzwischen istdieser Ansatz in vielen Wissenschaftszweigen – von der Physik über die Soziologie und diePsychologie bis zur Literaturwissenschaft – zu einer wichtigen Grundlage geworden.)""

3.3. Wahrnehmung ist subjektivIn der weiteren Entwicklung fand eine neue entscheidende Erkenntnis Eingang in dieTätigkeit der Berater und Therapeuten: Arbeiten sie mit Familien, in denen ein oder mehrereMitglieder ein verschobenes Weltbild entwickelt haben, stellt sich aus systemischer Sichtzwangsläufig die Frage, wie ein solches Weltbild in der Kommunikation mit der Umweltzustande gekommen ist, wie es aufrechterhalten oder allenfalls verändert werden kann. DieAntworten, die sich aus der Theorie und der Erfahrung in der Praxis ergeben, sind Teil desradikalen Konstruktivismus. Wir Menschen können nie feststellen, wie die Welt wirklichgeordnet ist. Wir können immer nur Modelle von ihr konstruieren, die zu ihr passen. Andiesen Wirklichkeitskonstruktionen orientiert sich unser Verhalten. Dabei können wir immernur feststellen, wo und wann unser Weltbild nicht zur Welt passt. Jemand renntbeispielsweise mit dem Kopf gegen eine Wand, weil er eine Tür „sieht“. Das zu dieserKonstruktion passende Loch in der Wand lässt sich aber nicht finden. Diese Erkenntnissehaben Konsequenzen: Es gibt eine Vielzahl möglicher Weltbilder, die zur Welt passen undmit deren Hilfe wir leben und überleben können. Das bedeutet auch, dass sich die Wahrheitunserer Konstrukte immer nur widerlegen, nicht aber bestätigen lässt. Jeder Mensch lebtdemnach in seiner individuellen, autonomen Welt. Damit sich die Weltbilder mehrererMenschen ähnlich sind oder gleichen, bedarf es der Abstimmung mittels Kommunikation. Wirerstellen so genannte Konventionen oder Übereinkünfte. Eine weitere Folge aus dieserErkenntnis ist: Wer eine systemtheoretisch begründete Position vertritt, darf niemals für sichbeanspruchen, im Besitz der Wahrheit zu sein. Systemische Therapeutinnen undTherapeuten wissen demnach nicht, welche Lösung für eine Klientin oder einen Klientenanzustreben ist. Was in einem sozialen System wahr ist, muss ausgehandelt werden und istdem Wandel unterworfen. Dasselbe gilt für die Werte, die unser Handeln leiten. Wenn jederMensch sein Weltbild selbst konstruiert, so bleibt die Verantwortung für die Werte, denen ersich verpflichtet fühlt, bei ihm selbst.3.4. Ablauf und ProzessgestaltungAus der oben beschriebenen Grundlage der Systemtheorie haben zahlreiche Gruppen einesystemische Therapie entwickelt, deren Handlungsansätze sich mehr oder wenigerunterscheiden. Eine definitive Festschreibung systemischer Therapie dürfte wohl kaumgelingen und würde ihrem Anspruch auf einen flexiblen und entwicklungsfähigen Umgangmit der Komplexität der menschlichen Psyche nicht entsprechen. Dennoch gibt es zahlreicheGemeinsamkeiten, die hier kurz benannt werden sollen. Die systemische Therapie räumt in ihrem Menschenbild der Autonomie desMenschen einen hohen Stellenwert ein. Klientinnen und Klienten sollen eine freie* ""

Entscheidung für oder gegen die Durchführung einer Therapie oder Beratung treffenkönnen. Diese Wahlfreiheit und die von Klientinnen und Klienten geforderte Aktivitätsoll während des gesamten Verlaufs hindurch möglich sein. In der systemischen Therapie wird eine partnerschaftliche Grundhaltungvorausgesetzt, die als Kooperation bezeichnet werden könnte. Die Rolle derTherapeutin oder des Therapeuten besteht im Schaffen von günstigen Bedingungenfür Veränderung. Therapeutinnen und Therapeuten sind Experten im Gestalten desProzesses, Klientin oder Klient sind Experten für ihre Lebensführung undZielsetzungen. Eine weitere Grundhaltung manifestiert sich in der Orientierung an Anliegen undAuftrag der Klientin oder des Klienten und im Verzicht auf normative Zielsetzungenund Pathologisierungen sowie in der konsequenten Lösungs- undRessourcenorientierung. Auch in der ressourcenorientierten Grundhaltung der systemischen Therapieansätzehaben Klientinnen und Klienten genügend Raum, ihre Lebenssituation und Problemedarzustellen. Aus den bisherigen Versuchen der Problembewältigung lassen sichLösungsansätze entwickeln. Der systemische Ansatz geht allerdings davon aus, dasseine detaillierte Analyse von Problemen nicht immer eine notwendige Voraussetzungfür Veränderungen darstellt. Nützlich ist die Entwicklung einer Vorstellung über denangestrebten Zustand, der beschreibt, wie es einmal sein soll. Von besonderem Interesse ist die Gestaltung und der Verlauf zwischenmenschlicherBeziehungen sowie das individuelle innere Erlebens- und Verhaltensmuster. Wichtigsind zudem die Bedeutungen, die der Mensch seinem Erleben und seinenBeziehungen beimisst. Wenn die Welt, in der wir leben, von uns selbst laufend erfunden wird, dann kann esnicht sein, dass eine Therapeutin oder ein Therapeut weiss, was gut für jemanden istund was dafür zu tun ist. So zielt die systemische Therapie nicht auf konkreteHandlungsanweisungen, sondern auf das Schaffen von Bedingungen für dieMöglichkeit von Veränderung – oder in der systemischen Sprache: vonSelbstorganisation. Eine weitere Gemeinsamkeit der unterschiedlichen systemischen Therapieansätze istdie grosse Aufmerksamkeit, die der Qualität und dem Prozess der Therapeut-KlientBeziehung geschenkt wird. Eine zentrale Rolle für die Entwicklung, aber auch für die Lösung menschlicherProbleme wird der Sprache zugeordnet. Von besonderer Bedeutung ist, wieKlientinnen und Klienten mit Hilfe der Sprache Wirklichkeiten erzeugen und**""

aufrechterhalten. Damit können auch die Veränderung von Wirklichkeiten underwünschte Wirklichkeiten gefördert werden.Diese Grundannahmen haben sich in der Beratung und Therapie als sehr hilfreich erwiesen,was die jüngere Psychotherapieforschung belegt. Unbestritten ist, dass die gemeinsameSuche nach Möglichkeiten zur Veränderung und der Unterstützung von den Klientinnen undKlienten gut aufgenommen und als hilfreich eingestuft wird. Das bestätigen auch Berater undTherapeuten, die sich anderen Methoden und Konzepten verpflichtet fühlen. Immer mehrVerhaltenstherapeuten, Gesprächspsychotherapeuten und Psychoanalytiker übernehmendie systemischen Ansätze und Methoden.Quelle: hes denken.pdf*!""

4. Lösungsorientierte AnnahmenAuf der Basis des Konstruktivismus, des Paradigmenwechsels von „Lösungen finden stattProbleme lösen“ und des systemischen Denkens haben Kaspar und Marianne Bäschlin(2006: 20-23) sieben lösungsorientierte Annahmen entwickelt. Diese Annahmenrepräsentieren auf einer sprachlichen Ebene die Haltung des lösungsorientierten Ansatzes.Da sich Haltung immer in Form von Verhalten zeigt, werden die sieben lösungsorientiertenAnnahmen auf der Verhaltenseben beschrieben.Annahme 1: Probleme sind Herausforderungen, die jeder auf seine persönlicheArt zu bewältigen sucht.Die lösungsorientiert Arbeitenden wertschätzen die Anstrengungen derProblemlösungsstrategien der KlientenInnen, in dem sie diese hervorhebenund positiv konnotieren.Annahme 2: Wir gehen davon aus, dass alle Menschen ihrem Leben einenpositiven Sinn geben wollen und dass die nötigen Ressourcendazu vorhanden sind. In eigener Sache sind wir alle kundig undkompetent.Die lösungsorientiert Arbeitenden sehen Lösungsversuche als das was siesind: hilfreiche Strategien, welche dem Wohlbefinden und dem Überlebendienen oder auch dienten. Sie lenken das Augenmerk der Klienten auf dieseFähigkeiten und Ressourcen und wertschätzen diese. Indem die Klientenkundig und kompetent sind, nehmen die lösungsorientiert Arbeitenden einefragende Haltung ein.Annahme 3: Es ist hilfreich und nützlich, dem Gegenüber sorgfältig zuzuhörenund ernst zu nehmen, was er/sie sagt.Die lösungsorientiert Arbeitenden haben die Haltung des „Nichtwissens“. Sievermeiden es, ihre eigenen Gedanken und Strategien den KlientenInnenüberzustülpen. Vielmehr stellen sie Fragen zum Gehörten, um dies in einemneuen Bild erscheinen zu lassen.*#""

Annahme 4: Wenn du dich am Gelingen und an den nächsten kleinen Schrittenorientierst, findest du eher einen Weg.Die lösungsorientiert Arbeitenden fokussieren auf das bereits Gelungene undmachen das, was von den KlientenInnen oft als selbstverständlich angesehenwird, gross und wichtig. Sie helfen den KlientInnen das Ziel, durch dasaufteilen in kleine Schritte, erreichbar zu machen.Annahme 5: Nichts ist immer gleich, Ausnahmen deuten auf Lösungen hin.Die lösungsorientiert Arbeitenden helfen den KlientenInnen, den Blick aufAusnahmen in einem Problem zu legen, um die Ressourcen dahinteraufzudecken. Diese aufgedeckten Ressourcen werden genutzt um daraufaufzubauen. Sie bilden das Saatkorn für eine positive Veränderung desProblems.Annahme 6: Menschen beeinflussen sich gegenseitig. Sie kooperieren undentwickeln sich eher und leichter in einem Umfeld, das ihreStärken und Fähigkeiten unterstützt.Die lösungsorientiert Arbeitenden nutzen die systemische Sicht, indem siedurch zirkuläres Fragen (vgl. Schwing/Fryszer 2009: 209f) den Fokus auf dieStärken und Ressourcen ihrer KlientenInnen legen und diese transparentmachen.Annahme 7: Jede Reaktion ist eine Form von Kooperation, Widerstand auch.Die lösungsorientiert Arbeitenden gehen davon aus, dass jeder Mensch guteGründe für sein Verhalten hat und melden dies auch zurück. Sie nutzen dieEnergie des Widerstandes, indem sie diese zum Anlass nehmen die Zukunftzu gestallten.* ""

5. Lösungsorientierte HaltungAusgehend von den beschriebenen Prämissen Konstruktivismus, soziale Systemik, demParadigmenwechsel, dass die Lösung und nicht das Problem im Zentrum stehen soll undden lösungsorientierten Annahmen von Kaspar und Marianne Bäschlin können nun diewichtigsten Elemente einer lösungsorientierten Haltung abgeleitet werden.Die lösungsorientierte Haltung: nimmt die Probleme, welche die KlientenInnen zu einer Beratung geführt haben,ernst und geht davon aus, dass diese Probleme auch wirklich echte Problemefür die KlientenInnen sind. Sie wertschätzt dies. geht davon aus, dass die Wirklichkeit der KlientenInnen bisweilen Sinngemacht und ihnen bisher geholfen hat in Ihrer Umwelt zu bestehen und auchzu überleben. Sie wertschätzt dies. ist sich dessen bewusst, dass sie durch das vom Klienten Gesagte, ihre eigeneWirklichkeit machen, welches nichts mit der Wirklichkeit des Klienten zu tunhaben muss. geht davon aus, dass die KlientenInnen Experten für ihr Leben und demzufolgeauch für die Lösung ihrer Probleme sind. sieht sich nicht als ExpertenIn für die Probleme der KlientenInnen, sondern vielmehr als Wegbegleiter einer Neukonstruktion der Wirklichkeit. Dadurch nimmtsie eine fragende Haltung ein. stellt die Lösung ins

einer Beratung heisst dies, dass sowohl die Klienten als auch die Therapeuten ihre eigene Sicht der Realität haben und für beide jeweils diese Realität die wirkliche ist. 1.2. Systemische Bewegung an verschiedenen Schulen Die systemische Beweg