Transcription

SIMON PETRUS1

INHALTSVERZEICHNISLeben .S. 03Petrus als Bischof von Gemeinden .S. 06PetrusgrabS. 06.Entwicklung des PetrusprimatsGedenken.S. 07.S. 08Schlüssel Petri.IMPRESSUMMedieninhaber und Herausgeber: K.Ö.St.V. Gothia zu Wien im MKVAnschrift: 1040 Wien, Fleischmanngasse 8/1Internet: www.gothiawien.ate-mail: [email protected]: EigenverlagErscheinungsjahr: 20132S. 08

SIMON PETRUSSimon Petrus (gestorben um 67 in Rom) war einer der ersten Männer, die Jesus von Nazareth in seine Nachfolgeberief. Er wurde Sprecher der Apostel, erster Bekenner, aber auch Verleugner Jesu Christi, erster männlicherAugenzeuge des Auferstandenen und ein Leiter der Jerusalemer Urgemeinde.Zudem war er wahrscheinlich erster Bischof von Antiochia sowie Gründer und Haupt der Gemeinde von Rom, woer als Märtyrer hingerichtet worden sein soll.LebenSimon Petrus stammte wie Jesus in Galiläa geboren, das genaue Geburtsdatum ist unbekannt. Sein Vater hießJona.Er gehörte zu den ersten Jüngern, die Jesus in seine Nachfolge berief.Simon hatte einen Bruder namens Andreas, der wohl der Jüngere war, da alle Apostellisten ihn nach ihm nennen.Beide waren Fischer am See Genezareth. Jesus traf sie am Seeufer beim Auswerfen ihrer Fischernetze undforderte sie auf, ihm nachzufolgen. Daraufhin hätten sie die Netze verlassen und seien ihm gefolgt. Bei der Berufungder übrigen Zehn habe Jesus Simon dann den Beinamen „Petrus“ gegeben.Das Wort „Petrus“ bedeutet „Stein“, im griechisch auch „Fels“ im Sinne von Naturstein oder behauener Steinblock.Diesen Ausdruck soll Jesus Simon als Beinamen verliehen haben.Simon war verheiratet; den Namen seiner Frau erfährt man nicht. Er wohnte zusammen mit ihr, ihrer Mutter undseinem Bruder Andreas in einem eigenen Haus in Kafarnaum.Auf dessen Überresten könnten Urchristen eine ihrer ersten Pilgerstätten errichtet haben. Dies vermuten einigeArchäologen, da unter einer byzantinischen achteckigen Kirche aus dem 5. Jahrhundert Mauerreste aus dem 1.Jahrhundert ausgegraben wurden. Der einzige klare Hinweis auf ein Petrushaus, das früh als Hauskirche genutztworden sein könnte, sind allerdings Kalkinschriften, die Jesus mit Hoheitstiteln sowie Petrus nennen und Spurenkultischer Zusammenkünfte zeigen. Sie stammen frühestens aus dem 3. Jahrhundert.Jesus heilte Simons Schwiegermutter, worauf diese den Jüngern diente. Obwohl Jesus Simon wie die übrigenJünger aufforderte, alles zu verlassen, traf Paulus ihn und andere Apostel um das Jahr 39 in Jerusalem mit ihrenEhefrauen an. Da Jesus nichts gegen Ehe bzw. Ehestand äußerte und außerdem die Ehescheidung verbot, kannSimons Frau wie andere Frauen aus Galiläa mit ihm umhergezogen sein.Simon wurde zum „Menschenfischer“ berufen, nachdem Jesus seine Antrittspredigt in der Synagoge von Kafarnaum gehalten und seine Schwiegermutter geheilt hatte. Die Berufung folgt einem unerwartet großen Fischfang,nach dem Simon bekennt: „Herr, gehe von mir fort! Ich bin ein sündiger Mensch.“ Hier wurde er erstmals Petrusgenannt, dann auch bei der Auswahl der Zwölf.Erklärt wird der Beiname erst später bei Matthäus, als Jesus ihm zusagte, er werde seine Kirche auf „diesenFelsen“ bauen.Petrus und sein Bruder kamen aus Bethsaida. Ob hier der Geburts- oder nur ein früherer Wohnort gemeint ist,bleibt offen. Andreas soll als Jünger Johannes des Täufers Jesus zuerst getroffen, ihn als Messias erkannt unddann seinen Bruder Simon zu ihm geführt haben.Nach allen Evangelien war Simon Petrus im Kreis der Jünger eine Führungsfigur. Er steht in allen Apostellisten imNeuen Testament an erster Stelle; auch dort, wo er mit Jakobus dem Älteren und Johannes zusammen genanntwird. Er gehörte demnach zu den drei Aposteln, die Jesus besonders nahestanden. Sie galten als die einzigen derZwölf, denen Gott die Göttlichkeit und künftige Auferstehung seines Sohnes bereits vor dessen Tod offenbarte.Sie begleiteten Jesus zudem in seinen letzten Stunden im Garten Getsemani.ChristusbekennerPetrus beantwortete eine Frage Jesu an seine Jünger, für wen sie ihn hielten, mit dem Glaubensbekenntnis: „Dubist der Messias!“ Dieser Titel erscheint hier das erste und einzige Mal im Munde eines der Jünger, gefolgt vomSchweigegebot Jesu an sie alle, diesen Glauben an ihn nicht öffentlich zu verbreiten. Petrus spricht hier also stellvertretend für alle Erstberufenen.Doch gleich darauf, nachdem Jesus den Jüngern erstmals seinen vorherbestimmten Leidensweg ankündigte,„nahm Petrus ihn beiseite und fing an, ihm zu wehren“. Er hat also versucht, Jesus von diesem Weg ans Kreuz3

abzubringen. Daraufhin hat Jesus ihn schroff zurechtgewiesen: „Weg mit dir, Satan, geh mir aus den Augen! Denndu hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen.“„Satan“ bedeutet im Hebräischen „Gegner“ oder „Widersacher“. Petrus wird hier mit dem Versucher Jesu in derWüste verglichen, der den Sohn Gottes ebenfalls von seinem Leidensweg abhalten wollte.Er wird auch an anderen Stellen des NT in die Nähe des Satans gerückt. In einer anderen Variante antworteteSimon: „Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes!“ Damit wiederholte er hier das Bekenntnis allerJünger zur Gottessohnschaft Jesu, das diese nach Jesu Stillung eines Sturms ablegten.Empfänger der FelsenzusageJesus beantwortete Simons Christusbekenntnis mit einer besonderen Zusage: „Ich aber sage dir: Du bist Petrusund auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen.“Die römisch-katholische Kirche führt den Primatsanspruch des Papsttums über die Gesamtkirche darauf zurück,Christus habe Petrus und dieser den Bischöfen von Rom diesen Vorrang als Leiter, Lehrer und Richter allerChristen gegeben.ChristusverleugnerDem Christusbekenntnis des Petrus und seiner Zurechtweisung folgte Jesu Belehrung der Jünger: „Wer meinJünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Denn wer sein Lebenretten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen und um des Evangeliums willen verliert, wirdes retten.“Diese Einladung zur Kreuzesnachfolge ist Hintergrund für das spätere Versagen des Petrus im Verlauf der PassionJesu, als er, um sein Leben zu retten, nicht sich, sondern Jesus verleugnete.Der Widerspruch zwischen Reden und Handeln zeigte sich bei Petrus schon in Galiläa: Einerseits vertraute er demRuf Jesu in die Nachfolge („Komm her!“), andererseits schwand sein Glaube beim ersten Gegenwind, so dass nurJesus ihn vor dem Versinken im Meer retten konnte.Auch wollte er sich nicht die Füße von Jesus waschen lassen. Diese Handlung war damals ein typischer Sklavendienst: Petrus wehrte sich also dagegen, sich von Jesus als seinem Herrn wie von einem Sklaven bedienen zulassen. Die Fußwaschung war jedoch symbolische Anteilgabe am Heil und mit dem Auftrag Jesu an alle Jüngerverbunden, einander ebenso zu dienen.Jesus kündigte Petrus auf dem Weg zum Ölberg (bzw. beim letzten Abendmahl) an, er werde ihn noch in derselbenNacht dreimal verleugnen. Dies wies er wie alle übrigen Jünger weit von sich: „Und wenn ich mit dir sterbenmüsste - ich werde dich nie verleugnen. Das gleiche sagten auch alle anderen.“Doch kurz darauf schlief er ein, als Jesus in Getsemani den Beistand der Jünger besonders nötig brauchte underbat. Dann soll er mit Waffengewalt Jesu Verhaftung zu verhindern versucht haben: Er wird hier mit jenemnamenlosen Jünger identifiziert, der einem Soldaten der Tempelwache ein Ohr abhieb.Sein Versagen gipfelte in der Verleugnung Jesu, während dieser sich vor dem Hohen Rat als Messias undkommender Menschensohn bekannte und sein Todesurteil empfing. Als das Krähen eines Hahnes im MorgengrauenPetrus an Jesu Vorhersage erinnerte, habe er zu weinen begonnen.Petrus fehlte demnach die Kraft, seinem Glauben gemäß zu handeln, als es darauf angekommen wäre. Erst nachPfingsten trat er als todesmutiger Bekenner vor dem Hohen Rat auf, der die Sendung des Heiligen Geistes alsMissionar und Leiter der Urgemeinde vorbildlich erfüllte.Paulus dagegen berichtet, dass Petrus aus Furcht vor den Judenchristen um Jakobus die Tischgemeinschaft mitHeiden aufgab und vor einigen Juden Gesetzestreue „heuchelte“, statt nach der „Wahrheit des Evangeliums“ zuwandeln.Zeuge des AuferstandenenPetrus war einer der Ersten, dem der auferstandene Jesus begegnete. Als Ausgangspunkt der Osterüberlieferungdes Neuen Testaments gelten frühe Bekenntnissätze der Urchristen: „Der Herr ist wirklich auferstanden und istdem Simon erschienen.“ Den Satz sprachen die in Jerusalem versammelten Jünger, bevor der auferstandeneJesus auch ihnen erscheint.Die Liste der ersten Osterzeugen, die Paulus aus der Jerusalemer Urgemeinde übernahm, bestätigt dies: „.underschien dem Kephas ( Simon Petrus), dann den Zwölf.“4

Nach dem Evangelium nach Johannes sah, erkannte und verkündete Maria Magdalena, nicht Petrus, den Auferstandenen zuerst. Hier entdeckte sie allein zuvor das leere Grab Jesu und berichtete Petrus und dem LieblingsjüngerJesu davon. Darauf liefen diese um die Wette zum Grab, betraten es und entdeckten darin die Leinenbinden unddas aufgewickelte Schweißtuch des Gekreuzigten. Danach seien sie wieder „nach Hause“ gegangen.Laut Johannes erschien der Auferstandene erst am Abend desselben Tages allen versammelten Jüngern.Das später ergänzte Schlusskapitel des Johannes berichtet, Jesus sei Petrus und sechs weiteren Jüngern aus demZwölferkreis nochmals erschienen. Wie er anfangs in Galiläa nach einem wunderbaren Fischzug berufen wurde,so erkennt er auch diesmal durch den übergroßen Fischfang, dass Jesus der Auferstandene ist.So wie er Jesus dreimal verleugnet hatte, so fragt dieser ihn nun dreimal: „Liebst du mich?“, was er jedes Malbejaht. Daraufhin erhielt Petrus dreimal den Befehl: „Weide meine Schafe!“ und den erneuten Ruf „Folge mirnach“.Missionar der UrgemeindeZusammen mit den übrigen elf Jüngern hielt sich Simon Petrus in Jerusalem versteckt, bis sie der Heilige Geistüberkam. Darauf folgt Peteri erste öffentliche Predigt in Jerusalem. Diese legte Jesu Erscheinen als Gottesvorherbestimmte Erfüllung der Geistverheißung in Israels Heilsgeschichte aus und gipfelt in der Aussage: „MitGewissheit erkenne also das ganze Haus Israel: Gott hat ihn zum Herrn und Messias gemacht, diesen Jesus, denihr gekreuzigt habt.“Daraufhin sollen sich am selben Tag 3.000 Menschen zum neuen Glauben bekannt haben. So sei dort die Urgemeinde der Christen entstanden, die Angehörige verschiedener Völker und Sprachen umfasste.Petrus geriet jedoch bald in Konflikt mit den Jerusalemer Behörden und musste sich vor dem Hohen Rat verantworten. Dabei soll er seinen Glauben diesmal nicht verleugnet, sondern freimütig bekannt haben. Er war wohlanfangs ein Vertreter der Israelmission, die der universalen Völkermission vorausgehen sollte.Nach der Hinrichtung des Stephanus und Verfolgung seiner Anhänger in der Urgemeinde missionierten Petrusund andere Apostel auch außerhalb Jerusalems. Dabei kam er auch nach Samaria, um bereits Neugetauften denHeiligen Geist zu spenden. Dies unterstrich seine Autorität über die Urgemeinde hinaus.Von Petrus wurden auch Spontanheilungen und Totenerweckungen analog zu den Heilungswundern Jesu berichtet,etwa in Lydda und Joppe. Dies betonte die Kontinuität zwischen dem Heilwirken Jesu und dem der Urchristen, daszu ihrem Auftrag gehörte.Als Jude, der Christus als Erfüllung jüdischer Verheißungen verkündete, hielt Petrus an den Speise- und Reinheitsgeboten der jüdischen Tora fest. Doch in einem Traum soll er Gottes Auftrag zur Tischgemeinschaft mit demHauptmann Kornelius, einem der „gottesfürchtigen“ Römer, erhalten haben. Somit begann Petrus die urchristlicheHeidenmission.Sie löste Konflikte mit anderen Judenchristen aus, die von Nichtjuden das Einhalten jüdischer Gebote verlangten.Petrus verteidigte die Taufe der Nichtjuden und seine Tischgemeinschaft mit ihnen damit, dass auch sie zuvor denHeiligen Geist empfangen hätten. Dies hätten seine Jerusalemer Kritiker dann anerkannt.Nachdem Pontius Pilatus als Statthalter Judäas abgesetzt worden war (36 n. Chr.), verfolgte der jüdische KönigHerodes Agrippa I. (41–44) die Jerusalemer Urgemeinde und ließ einen ihrer Apostel, Jakobus den Älteren, enthaupten. Dabei verhaftete man auch Petrus und kettete ihn zwischen zwei Bewachern in einer Gefängniszelle an.Doch ein Engel habe ihn auf wunderbare Weise befreit, so dass er seine Mission außerhalb Jerusalems fortsetzenkonnte.Paulus besuchte die Urgemeinde erstmals um 36 und traf dort zunächst nur mit Petrus zusammen. Beim zweitenBesuch (um 48) habe er Petrus, Jakobus den Gerechten und Johannes gemeinsam als „Säulen“ der Urgemeindeangetroffen.Bei diesem Apostelkonzil wurde seine gesetzesfreie Heidenmission anerkannt. Petrus trat dabei als derenFürsprecher auf.Paulus berichtet jedoch von einem Konflikt mit Petrus nach diesem Treffen in Antiochia: Petrus habe dort alsVertreter der Urgemeinde zunächst die Tischgemeinschaft mit den neugetauften Nichtjuden geübt, also ihre Taufeanerkannt. Dann aber hätten Anhänger des Jakobus aus Jerusalem dies kritisiert. Daraufhin sei Petrus vor ihnenzurückgewichen und habe die Tischgemeinschaft mit den Nichtjuden beendet.Dafür habe er, Paulus, ihn öffentlich gerügt und an den beim Apostelkonzil erreichten Konsens erinnert, getauftenHeidenchristen die Einhaltung der Tora ganz zu erlassen.5

LebensendeSimon Petrus starb als Märtyrer, der Legende nach in Rom um das Jahr 67 in Rom. Dem vernehmen nach wurdeer auf eigenem Wunsch mit dem Kopf nach unten gekreuzigt, um nicht Jesu gleich zu erscheinen.Bekannt ist, dass es in Rom dieser Zeit bereits eine frühchristliche Gemeinde gegeben hat.Um 405 fasste Hieronymus alle damals umlaufenden Apostellegenden in seiner Schrift „Über berühmte Männer“zusammen: darunter Romaufenthalt, Bischofsamt und gleichzeitigen Märtyrertod von Petrus und Paulus unterNero, bei Petrus als Kreuzigung mit dem Kopf zur Erde.Er behauptete eine 25-jährige römische Amtszeit des Petrus vom Amtsantritt des Kaisers Claudius (40) bis zumEnde der Kaiserzeit Neros (68). Seine Darstellung stützte die Führungsansprüche des römischen Bischofs.Petrus als Bischof von GemeindenDie Patriarchate von Alexandria, Antiochia und Rom, später auch Jerusalem und Konstantinopel, führen ihreGründung direkt oder indirekt auf den Apostel Petrus zurück und beanspruchten ihn als ersten Bischof ihrerGemeinde.Die Urgemeinde in Jerusalem entstand durch das Wirken des Heiligen Geistes, der Jesu Auferstehung allenJüngern offenbarte, die sie dann gemeinsam den Jerusalemern verkündeten. Petrus hatte dabei die Vorreiterrolle.Wegen seiner Hervorhebung im Zwölferkreis und seines Auftretens als erster Verkünder der Auferstehung Jesuwird er als Gründer und einer der Leiter der Jerusalemer Urgemeinde angesehen.In der Großstadt Antiochia gründeten Anhänger des hingerichteten Urchristen Stephanus eine mehrheitlichheidenchristliche Gemeinde, deren Mitglieder auch Römer als „Christiani“ identifizierten. Dort lehrte Paulus einJahr lang. Der berichtete Konflikt mit Petrus spricht gegen dessen dortiges Führungsamt.Irenäus von Lyon (um 135–202) berichtete, die Apostel hätten die Kirche in der ganzen Welt „gegründet undfestgesetzt“. Um diese Zeit kam die Ansicht auf, dass Petrus auch die Kirche in Rom als Bischof geleitet habe. Siebaut auf der etwas älteren Tradition seines Romaufenthalts auf.Eusebius zitiert in seiner Kirchengeschichte den Clemens von Alexandria (150–215): „Denn sie sagen, dassPetrus und Jakobus und Johannes nach der Himmelfahrt unseres Erlösers, obwohl sie von unserem Herrnbevorzugt waren, nicht nach Ehre strebten, sondern Jakobus den Gerechten zum Bischof von Jerusalem wählten.“Demnach sollen die drei „Säulen“ der Urgemeinde Jakobus den Gerechten schon früh zum alleinigen Leiter derUrgemeinde ernannt haben. Nach Hieronymus soll schon Hegesippus (90–180) davon gewusst haben. DieseAmtsübergabe hätte eine Romreise des Petrus ermöglicht.Doch wie die Nachwahl des Matthias zeigt, sollte der Zwölferkreis anfangs als gemeinsames Leitungsorgan erhaltenbleiben. Nicht Apostel, sondern die Vollversammlung aller Mitglieder der Urgemeinde wählte neue Führungspersonen. Jakobus trat später mit den „Ältesten“ zusammen als Leiter der Urgemeinde auf. Das TestimoniumFlavianum überliefert, dass er im Jahr 62 vom Hohen Rat gesteinigt wurde. Seine Enkel sollen nach ZitatenHegesipps bei Eusebius unter Kaiser Domitian verhaftet und verhört worden sein:Dann hatten sie noch zwei Generationen später eine Führungsrolle im Christentum.Eine Führungsdynastie war den Urchristen der ersten Generation unbekannt und widersprach ihrem Selbstverständnis: Alle Christen waren gemäß Jesu Gebot des gemeinsamen Dienens ohne Rangordnung gleichermaßendie „Heiligen“. Evangelientexte vom Rangstreit der Jünger lehnen ein Führungsprivileg für einzelne der von JesusBerufenen ab und kritisieren den Wunsch danach als Verleugnung der Selbsthingabe Jesu. Zwar hatten die Zeugender Ostererscheinungen Jesu die unumstrittene Autorität als Missionare: Doch nicht sie, sondern Gemeindesynoden trafen Entscheidungen für alle.Das monarchische Bischofsamt entstand nach 100; die damals entstandenen Ignatiusbriefe kennen es noch nicht.Es setzte sich parallel zur Kanonbildung des NT bis 400 allmählich durch und prägte die orthodoxe und späterkatholische Staatskirche. Es reagierte auf das Wachstum des Christentums und übernahm römische Verwaltungsstrukturen.PetrusgrabSeit etwa 200 wird eine bestimmte Stelle auf dem vatikanischen Hügel als Petrusgrab verehrt. Kaiser Konstantinder Große ließ von 315 bis 349 darüber die Petersbasilika bauen, die 1507 abgerissen und durch den Bau desPetersdoms ersetzt wurde. Dabei wurde dessen Altar über dem angenommenen Petrusgrab platziert. Die Restedes Grabmonuments sind heute hinter dem Christusmosaik der Palliennische unter dem Papstaltar verborgen.6

Papst Pius XII. gab die Grotten unter dem Altar des Petersdoms 1940 bis 1949 erstmals für archäologischeGrabungen frei. Sie ergaben, dass dort zwei parallele Grabreihen in West-Ost-Richtung am Hang eines Hügelslagen. Sie wurden beim Baubeginn der ersten Petrusbasilika zugeschüttet – ein Vorgang, den nur der römischeKaiser selbst befehlen konnte - und die Aufschüttung wurde mit Mauern abgestützt: Dieser Aufwand sollte offenbar den Grundriss der Basilika mit einem bestimmten Punkt der Nekropole zur Deckung bringen.Unter ihrem Altar fanden sich Reste eines kleinen Säulenmonuments mit einem Vordach und einer kleinen Nischein der Wand dahinter in einem größeren Grabhof, der auf etwa 160 datiert wurde. Das Grabungsteam gab dieseFunde 1951 als Entdeckung des Petrusgrabes bekannt, stieß damit unter Archäologen aber wegen mangelhafterDokumentation und methodischer Fehler beim Graben auf Ablehnung.Daraufhin erlaubte der Vatikan von 1953 bis 1958 und nochmals 1965 weitere Grabungen, deren Ergebnissebreiter als zuvor dokumentiert und diskutiert wurden.Man fand unter dem Säulenmonument ein schlichtes Erdgrab aus dem späten 1. Jahrhundert ohne Knochen. Nurdicht darum angeordnete Erdgräber von Christen enthielten Knochen von Personen verschiedenen Alters undGeschlechts. Die Anordnung gilt einigen Forschern als Hinweis auf eine Verehrung dieser Stelle als Petrusgrabum 150. Vermutet wird, dass die Nische seit etwa 140 einen runden Gedenkstein - cippus genannt - enthielt, derden Ort des Petrusmartyriums markieren sollte. Eine Archäologin deutete Inschriften in der Mauer hinter demSäulenmonument, darunter die Buchstabenfolge „PETR. EN I“, als Bezeichnung von Petrusreliquien, fand damitaber kaum wissenschaftliche Zustimmung.Entwicklung des PetrusprimatsNach römisch-katholischer Auffassung ist Petrus der Stellvertreter Christi und als erster Bischof von Rom Leiteraller Ortsbischöfe. Er besitze also ein einzigartiges, durch Christus verliehenes Führungsamt über alle übrigenOrtskirchen, das auch ein Richteramt und ein autoritatives Lehramt einschließe. Er habe diese Vollmacht allenseinen Nachfolgern weitergegeben, so dass jeder römische Bischof rechtmäßiger Vorsteher (Papst) der universalen,katholischen Kirche sei.Das Evangelium nach Matthäus beschreibt dies so:„Darum sage ich dir: Du bist Petrus; und auf diesem Felsen will ich meine Gemeinde bauen! Kein Fein wird sievernichten können, nicht einmal der Tod. Dir will ich die Schlüssel zu Gottes neuer Welt geben. Was du hier aufder Erde für verbindlich erklären wirst, das wird auch vor Gott verbindlich sein; und was du für nicht verbindlicherklären wirst, das wird auch vor Gott nicht verbindlich sein.“Kalixt I. erhob als erster römischer Bischof einen gesamtkirchlichen Führungsanspruch in einzelnen Streitfragenwie dem Osterdatum, ohne diesen mit dem Felsenwort zu begründen. Den Petrusprimat vertrat um 400 erstmalsder römische Bischof Damasus I., nachdem kirchliche Bezirksaufsichtsämter (Metropolitanverfassung) entstandenwaren.Die vollständige Primatsidee, die auch die „Schlüsselgewalt“ (das höchste Richteramt im Christentum) und Lehrautorität umfasste, vertrat als erster Leo I. (440-461). Petrus war für ihn nicht nur „princeps apostulorum“(Apostelführer), sondern auch „vicarius“ (Stellvertreter Christi) für die gesamte Kirche. Dies galt für ihn ebensodem „successor Petri“, also allen folgenden römischen Bischöfen, die die Petrusprivilegien nach antikem Erbrechtso erbten, als seien sie mit dem Erblasser identisch. Dieser Anspruch setzte sich auch nach dieser theoretischenEntfaltung nur langsam im mittelalterlichen Christentum durch.Historisch gesehen ist der Petrusprimat aus der Idee der Apostolischen Sukzession hervorgegangen, die nicht mitspezifischen Bibelstellen, sondern mit kirchenhistorischen Gegebenheiten und altkirchlichen Bischofslisten wie dervon Irenäus von Lyon (um 300) begründet wurde.Während das Erste Vatikanische Konzil 1869-1870 den Petrusprimat noch um das Dogma der Unfehlbarkeit desPapstes ergänzte, hat das Zweite Vatikanische Konzil diesen Führungsanspruch zwar bestätigt, aber durch dieIdee der Bischofskollegialität relativiert. So stellte der Codex IurisCanonici 1983 fest: „Wie nach der Weisung des Herrn der heilige Petrus und die übrigen Apostel ein einzigesKollegium bilden, so sind in gleicher Weise der Papst als Nachfolger des Petrus und die Bischöfe als Nachfolger derApostel untereinander verbunden.“7

GedenkenDer Gedenktag von Petrus ist gemeinsam mit Paulus der 29. Juni.Petrus ist einer der wichtigsten katholischen Heiligen und gilt als Schutzpatron der Päpste sowie der Städte Rom,Trier, Regensburg, Worms, Bremen und Posen.Weltweit sind wie der Petersdom im Vatikan zahlreiche Orte (St. Peter) und Kirchen (Peterskirche) nach Petrusbenannt. Des Weiteren wurde nach ihm, der der Namenspatron des damaligen Zaren Peter I. war, die neu gegründete Stadt St. Petersburg benannt.Petrus ist auch Schutzheiliger der Berufe Metzger, Glaser, Schreiner, Schlosser, Schmied, Gießer, Uhrmacher,Töpfer, Maurer, Ziegelbrenner, Steinhauer, Netzweber, Tuchweber, Walker, Fischer, Fischhändler und Schiffer.Außerdem schützt er die Reuigen, Büßenden, Beichtenden, Jungfrauen und Schiffbrüchigen.Katholische Gläubige rufen Petrus als Heiligen an gegen: Besessenheit, Fallsucht, Tollwut, Fieber, Schlangenbiss,Fußleiden und Diebstahl.Allgemein verbreitet ist, Petrus als den Türsteher des Himmels anzunehmen, das bezieht sich auf den biblischenSpruch der „Schlüssel zum Himmelreich“, die auch sein Heiligenattribut bilden: Mit seinen Schlüsseln wird er alsHimmelpförtner vorgestellt, der die anklopfenden Seelen der Verstorbenen abweist oder einlässt.Im Volksglauben wird er auch für das Wetter, insbesondere das Regenwetter verantwortlich gemacht.Schlüssel PetriDas Wappen des Vatikans zeigt unter anderem zwei gekreuzte Schlüssel Petri, einer silbern, der andere golden.Die Schlüsselbärte weisen in der Negativdarstellung ein Kreuz auf. Über den Schlüsseln schwebt die Tiara, diePapstkrone. Die Schlüssel liegen im jeweiligen päpstlichen Wappen zur anderen Seite (Gold nach rechts, Silberlinks).Für die Schlüssel des Wappens gibt es verschiedene Deutungen. Einmal kann der goldene Schlüssel für das Himmelreich („Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben“), der silberne dagegen für das irdische Reichstehen.Des Weiteren ist auch die Deutung möglich, dass der goldene Schlüssel die Bindegewalt und der silberne Schlüsseldie Lösegewalt („Was du auf Erden bindest, soll auch im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden löst, sollauch im Himmel gelöst sein“) repräsentiert. Die Schlüssel werden auch mit Binde- und Löseschlüssel bezeichnet.Oder aber der goldene Schlüssel symbolisiert die päpstliche Lösegewalt (Sündenvergebung) und der silberne denBannstrahl (Exkommunikation).LiteraturBerglar, Peter: Petrus: vom Fischer zum Stellvertreter. München 1991.Cullmann, Oscar: Petrus. Zürich 1985.Dschulnigg, Peter: Petrus im Neuen Testament. Stuttgart 1996.Hengel, Martin: Der unterschätzte Petrus: zwei Studien. Tübingen 2006.Hesemann, Michael: Der erste Papst. Archäologen auf der Spur des historischen Petrus. München 2003.Lang, Wilhelm: Die Petrus-Sage. Reinwaschungen und Legendenbildungen des frühen Judentums und Christentums. Schutterwald, Baden 1998.Pesch, Rudolf: Simon-Petrus. Geschichte und geschichtliche Bedeutung des ersten Jüngers Jesu Christi. Stuttgart1980.Zwierlein, Otto: Petrus in Rom. Die literarischen Zeugnisse. Mit einer kritischen Edition der Martyrien des Petrusund Paulus auf neuer handschriftlicher Grundlage. Berlin, New York 2009.8

Katholische Österreichische [email protected]ßeU1 / Taubstummengasse1, 62, WLB / Mayerhofgassemerreichbar mithscei1040 Wien, Fleischmanngasse 8/1FlAdresseatrnsterivoim Mittelschüler-Kartell-VerbandFaßeer radn stie ptW fgasseCOULEURGothia ist eine nicht-schlagende Korporation und für Mittelschüler und Maturanten offen. Als Verbindung pflegen wir spezifischecouleurstudentische Eigenheiten, die manchmal schwer verständlich sind. Nicht jeder findet Verbindungen sympathisch. Aberjeder bekommt die Möglichkeit, in einer Probezeit uns und unsere Gepflogenheiten kennen zu lernen.NETZWERKGothia bildet ein funktionierendes Netzwerk unterschiedlichster Persönlichkeiten und Berufsgruppen. Mediziner, Juristen undWirtschaftstreibende gehören ebenso zu uns wie Professoren, Techniker oder Kulturwissenschafter. Wir alle profitieren voneinander, fordern und fördern uns gegenseitig. Wir ermuntern jeden Einzelnen zu Leistung und Verantwortung. Gothia ist alsMitglied im Mittelschüler-Kartell-Verband (MKV) Teil eines österreichweiten Zusammenschlusses von nahezu 20.000 Schülernund Schulabsolventen. Dem MKV gehören Personen aus Bereichen des öffentlichen, wirtschaftlichen, religiösen, kulturellen undpolitischen Lebens an; ebenso wie Menschen wie Du und ich.BILDUNGZugang zu Bildung ist eine Investition in die Zukunft. Für Schüler und Maturanten bietet Gothia daher eine Reihe von einschlägigen Veranstaltungen an. Diese reichen von Vorträgen über Diskussionen bis hin zu Exkursionen. Mit diesen Bildungsangebotensoll jedem die Chance geboten werden, über den eigenen Horizont hinauszuwachsen.Soft skills werden durch Aufgabenverteilung innerhalb der Verbindung trainiert: Etwa durch Übernahme von Funktionen oderdurch Planung und Durchführung von Veranstaltungen. Solche Zusatzqualifikationen sind heutzutage überall ein Vorteil. Zusätzlich dazu bietet unser Dachverband, der Mittelschüler-Kartell-Verband (MKV), in seinen Bildungsprogrammen hochkarätigeSeminare und Workshops an.HEIMATUnsere Heimat und die darin lebenden Menschen sind uns wichtig. Als Österreicher in einem vereinten Europa wissen wir um dieWichtigkeit einer selbst mitgestalteten Umwelt. Als Ergänzung zur Globalisierung wollen wir unsere Heimat formen und diesesunser Land positiv in den bestehenden weltweiten Verflechtungen positionieren.WERTEGothia und ihre Mitglieder orientieren sich an katholischen Werten. Denn diese bieten einen Leitfaden für Mitmenschlichkeitund soziales Handeln. Als katholische Laienorganisation regen wir an zum Nachdenken über Gott und die Welt. Im Sinne derÖkumene steht Gothia dem Zusammenleben unterschiedlicher Religionen und Kulturen positiv gegenüber. Abgelehnt werdenhingegen extremistische Ausrichtungen jeglicher Art.FREIZEITGothia bietet einiges: Unterstützung und Rückhalt, Spaß und Unterhaltung, Abwechslung und inhaltliche Themen. Als Anlaufstelle und Ort unserer Veranstaltungen dienen unsere eigenen Räumlichkeiten. Ausgestattet mit allem notwendigen Equipement, steht sie allen Gothen zur Verfügung; auch abseits offizieller Verbindungs-Termine.Mit unserer Bude haben wir einen Ortgeschaffen, der gleichermaßen als Begegnungsstätte, als Erholungsraum und zur Gestaltung der Freizeit dient.9

der übrigen Zehn habe Jesus Simon dann den Beinamen „Petrus“ gegeben. Das Wort „Petrus“ bedeutet „Stein“, im griechisch auch „Fels“ im Sinne von Naturstein oder behauener Steinblock. Diesen Ausdruck soll Jesus Simon als Beinamen verliehen haben. Simon war verhe