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Die Geschichte Israels in griechisch-römischer Zeit Seit der Eroberung durch die Truppen Alexanders des Großen im Jahre 332 v.Chr. im Anschluss an die Schlacht bei Issos (333 v.Chr.) liegt Palästina bzw. Koilesyrien unter dem Einfluss des Hellenismus. Nach dem Tode Alexanders und dem damit verbundenen Ende seines Weltreiches kommtPalästina zunächst unter ptolemäische Herrschaft (301-200 v.Chr.) und wird dann nach erbitterten Kriegen Teil des Seleukidenreiches (200-64v.Chr.). Palästina ist während dieser Jahrhunderte und noch viele Jahrhunderte darüber hinaus ein ständiger Krisenherd, ein Zankapfel, um den sichdie verschiedenen Herrscher gestritten haben.(Abbildung rechts: Detail aus dem Alexandermosaikaus Pompei [2. Jh v.Chr.], Archäologisches MuseumNeapel)HellenismusDer Makkabäerkrieg und die Herrschaftder Hasmonäer (167-67 v.Chr.)Unter der Vorherrschaft RomsHerodes der Große (37-4 v.Chr.)Herodessöhne und römische Verwaltung(4 v. - 66 n.Chr.)Der erste jüdisch-römische Krieg (66-73v.Chr.)Der Bar-Kochba-Krieg1 Alexander, der Sohn Philipps, König vonMakedonien, der zuerst über Griechenlandherrschte, ist aus dem Lande Kittim ausgezogen und hat Darius, den König der Perser undMeder, geschlagen und wurde König an seinerstatt. 2 Er hat viele Kriege geführt, befestigteStädte erobert und die andern Könige der Erde umgebracht 3 und ist immer weitergezogen bis an die Enden der Erde und hat Beutebei vielen Völkern gemacht, und die Erdemusste still sein vor ihm. (1Makk 1,1-3)Dr. Markus Sasse, RFB 2018

Während dieser Jahrhunderte des permanenten Einflusses der verschiedenen hellenistischen Herrscherschwankt die Geschichte des jüdischen Volkes ständig zwischen Anpassung und Auflehnung. Hierbei zeigtsich, dass die herrschenden Kreise in Jerusalem sich mit der Frage nach dem Umfang der Hellenisierung Judäas beschäftigen müssen. Schließlich hat man kein Interesse daran, sich in dieser politisch und wirtschaftlichErfolg versprechenden Gesamtlage noch weiter zu isolieren. Strittig bleibt jedoch, für welche Bereiche des Lebens man hellenistische Einflüsse zulässt. Den prohellenistischen Juden kann man zugute halten, dass esihnen weniger um eine Angleichung mit Verlust des eigenen Profils geht als vielmehr um eine Öffnung und eineaktuelle Interpretation der eigenen jüdischen Identität. Allerdings betreffen die Reformvorschläge im Wesentlichen die im Exil entwickelten frühjüdi-schen Normen, die in der staats- und tempellosen Zeit das Überleben der Religionsgemeinschaft gesichert haben. Zentral ist die Abschaffung der Toraals Verfassung und die Umwandlung des jüdischen Staates ist ein hellenistisches Gemeinwesen. Dies bedeutet eine erhebliche Schwächung der Rolledes Tempels. Hier geht es um einen Streit über die Bedeutung der frühjüdischen Normen und des Tempels für die Identität des Judentums. Die Einführung typisch hellenistischer Institutionen (wie Gymnasium und Ephebeninstitut) ist eher als Modellversuch oder Hellenisierungsgradmesser zu verstehen. Wie stark es sich hier um einen innenjüdischen Konflikt handelt, zeigt die starke Beteiligung der Priesterschaft in beiden Konfliktparteien. Auch machtpolitische Motive spielen hier eine wichtige Rolle, befindet sich Judäa doch immer noch im Augenmerk rivalisierender Großmächte, derenEinfluss man sich für Machtspiele und Intrigen bedienen könnte. Dennoch bleibt der Grundkonflikt religiöser Natur.Bringmann, K.: Geschichte der Juden im Altertum. Vom babylonischen Exil bis zur arabischen Eroberung, Stuttgart 2005.Cohen, S.J.D.: From the Maccabees to the Mishnah, Louisville, London 22006.Frankemölle, H.: Frühjudentum und Urchristentum. Vorgeschichte – Verlauf – Auswirkungen (4. Jahrhundert v.Chr. bis 4. Jahrhundert n.Chr.) (StTh 4), Stuttgart 2006.Kollmann, B.: Einführung in die neutestamentliche Zeitgeschichte, Darmstadt 32014Kratz, R.G.: Das Judentum im Zeitalter des Zweiten Tempels (FAT 42), Tübingen 2004.Kuhnen, H.-P.: Palästina in griechisch-römischer Zeit (HdA Vorderasien II.2), München 1999.Maier, J.: Zwischen den Testamenten. Geschichte und Religion in der Zeit des zweiten Tempels (NEB.AT Erg.Bd 3), Würzburg 1990.Maier, J.: / Schreiner, J. (Hrg.).: Literatur und Religion des Frühjudentums. Eine Einführung, Würzburg 1973.Meyers, E.M. / Chancey, M.A.: Alexander to Constantine. Archaeology of the Land of the Bible Vol. 3, New Haven, London 2012.Sasse, M.: Geschichte Israels in der Zeit des Zweiten Tempels. Historische Ereignisse, Archäologie, Sozialgeschichte, Religions- und Geistesgeschichte, Neukirchen-Vluyn 2004 / 22009.Sasse, M.: Innerjüdische Ereignisabläufe bis zum Bar Kochba-Aufstand, in: NTAK 1 (2004), 188-194.Schäfer, P.: Geschichte der Juden in der Antike. Die Juden Palästinas von Alexander dem Großen bis zur arabischen Eroberung, Tübingen 22010.Zangenberg, J.: Bis das Pulverfass explodiert. Jüdische Geschichte zwischen Widerstand und Anpassung von 168 v. Chr. bis 135 n. Chr., in: WUB 32 (2004), hemenkapitel-at/nachexilische-geschichte-israels/ (knappe Darstellung der nachexilischen Geschichte; Deutsche /stichwort/46883/ (Marcus Sisismund: Hellenismus, Wissenschaftliches Bibellexikon, Deutsche de/stichwort/11427/ (Frank Ueberschaer: Seleukos / Seleukiden, Wissenschaftliches Bibellexikon, Deutsche Bibelgesellschaft)Dr. Markus Sasse, RFB

Hellenismus Der Begriff des Hellenismus wird meist als Epochenbegriff verwendet undbezeichnet den Zeitabschnitt (336 – 30 v.Chr.) zwischen dem klassischenGriechenland und der römischen Kaiserzeit. Inhaltlich geht es um die Verbreitung der griechischen Lebensweise (Sprache, Kultur, Wirtschaft, Bildung, Politik etc.) im Mittelmeerraum bis in den Mittleren Osten. Dieser Pro-zess beginnt bereits mit der griechischen Kolonisation im 8. Jahrhundertv.Chr. und wird bis in die Spätantike weitergeführt. Wesentliches Merkmalist die Hellenisierung, die Verbreitung der griechischen Sprache und Kultur.Griechisch wurde zur Verkehrs- und Kultursprache. Man sprach die sog.Koine, eine aus dem ionisierten Attischen hervorgegangene gemeinsameSprache. Ein wichtiger Motor des hellenistischen Einflusses ist die Gründung vongriechischen Städten mit hellenistischen Einwohnern, die wie kulturelle Inseln aus den ländlichen Gebieten Palästinas herausragen, aber auch nachinnen isoliert sind. Unmittelbar griechischen Einfluß erlebte die Bevölkerungzuerst wohl nur in der Sprache bei Wirtschaft und Handel. Man blieb untersich. Die Städte waren im Unterschied zu den Poleis der klassischen Zeitkeine autonomen Stadtstaaten. Lediglich ihre inneren Angelegenheiten regelten sie selbst. Ihr äußeres Erscheinungsbild wurde geprägt durch die typischen Merkmale der griechischen Kultur: Theater, Tempel, Gymnasienu.ä., die jedoch nur Griechen zugänglich waren.(Abbildungen: hellenistisches Grab in Maresha, römisches Theater in Beth Schean)

Die typische Staatsform war die dynastische Monarchie. Diese ruhte auf einem komplexen Beamtenapparat und hatte ein ausgeprägtes Hofzeremoniellmit Herrscherkult. Die hellenistischen Staaten waren große Flächenstaaten. Die Stadtstaaten Griechenlands wurden politisch bedeutungslos. Die griechische Kultur verlor durch die Ausbreitung des Hellenismus ihr nationalgriechisches Gepräge und wurde zu einer „kosmopolitischen Menschheitskultur“. Die Kultur der aus verschiedenen Flächenstaaten und autonomen Städten bestehenden hellenistischen Welt war eine Einheit und international. Dies gilt vor allem für die Bildung, Wissenschaft und die Künste, aber auch für die Wirtschaft. Es entstand ein gigantischer Wirtschaftsraum, in dem der von Alexander eingeführte attische Münzfuß für alle münzprägenden Staaten galt. Die einheitliche Reichswährung war seit Alexander das Silber. Die Handelsbeziehungen zwischen den einzelnen Staaten waren stark ausgeprägt. Das Bankwesenexpandierte. Zu einer wirklichen Verschmelzung scheint es allein im religiösen Bereich gekommen zu sein. Dies ist möglich geworden durch die gesteigerte Mobilitätder Bevölkerung am Anfang der hellenistischen Zeit und den durch die Philosophie vermittelten kosmopolitischen Zeitgeist. Griechische Götter, die eigentlich an einen Ort gebunden waren, wanderten mit den griechischen Kolonialisten in die neugegründeten Städte und wurden dort als Ausdruck der Erhaltung der eigenen griechischen Kultur in der Fremde verehrt. Auf dem umgekehrten Weg drangen orientalische Kulte über die Handelswege durchKaufleute, Sklaven und Seeleute nach Westen. Dies hat es jedoch auch schon in früherer Zeit gegeben. Neu war die Dynamik, in der die Identifizierungender Gottheiten mit griechischen Gottheiten zunahm. Die orientalischen Gottheiten wurden gewissermaßen ins Griechische übersetzt, behielten aber ihrekultischen Eigenarten bei. Aus der Philosophie stammende Elemente des kosmopolitischen Zeitgeistes wurden in die orientalischen Kulte eingetragenund bildeten so etwas wie ein über den Kulten stehendes allgemein-religiöses Wirklichkeitsverständnis. Dazu gehörten die Vorstellung eines oberstenGottes, die Erlösungswürdigkeit des Einzelnen, Astrologie und Wunderglaube. Es entstand ein Pluralismus an religiösen Vorstellungen, die unabhängigvoneinander existieren konnten.Gehrke, H.-J.: Geschichte des Hellenismus (OGG 1A), München 42008.Meißner, B.: Hellenismus, Darmstadt 22016.Sasse, M.: Geschichte Israels in der Zeit des Zweiten Tempels. Historische Ereignisse, Archäologie,Sozialgeschichte, Religions- und Geistesgeschichte, Neukirchen-Vluyn 2004 / 22009, 883/ (Marcus Sigismund: Hellenismus, Wissenschaftliches Bibellexikon, Deutsche de/stichwort/11427/ (Frank Ueberschaer: Seleukos / Seleukiden,Wissenschaftliches Bibellexikon, Deutsche Bibelgesellschaft)

Zwischen Hellenismus und Judentum musste es zwangsläufig zu Konflikten kommen - nämlich auf dem Gebiet der Religion: Für einen hellenistischenMenschen war die Frage, wer denn nun der einzige wahre Gott ist, kein Gegenstand seines Denkens. In der hellenistischen Welt, die aus so vielen Völkern bestand, gab es eine unüberschaubar große Anzahl an Göttern, Man identifizierte die Götter der unterworfenen Völker mit den alten griechischenGöttergestalten. Vor allem der oberste Gott der Griechen wurde mit vielen regionalen und lokalen Gottheiten in Verbindung gebracht. So wurde z.B. dersyrische Baal in Zeus Baal umbenannt. Es gab also eine große Anzahl von ZeusGottheiten, die sich ihrer Örtlichkeit entsprechend im Beinamen und in der jeweiligenVerehrung unterschieden. Gleiches geschah auch mit untergeordneten Göttern wie Apollo, Aphrodite usw. Diese riesige Zahl an Gottheiten und Kulten existierte problemlosCohen, S.J.D.: The Beginnings of Jewishness. Boundaries, Varieties, Uncertainities,Berkeley, Los Angeles, London 1999.nebeneinander, ohne dass es zu größeren Unterdrückungen oder Verfolgungen kam.Collins, J.J. / Sterling, G.E. (Hrg.): Hellenism in the Land of Israel, Notre Dame/Indiana 2001.Das Schicksal der Identifikation mit Zeus drohte auch dem jüdischen Gott JHWH. FürFeldman, L.H.: Jew and Gentile in the Ancient World, Princeton 1993.die Juden aber war eine Gleichstellung JHWHs mit Zeus vollkommen unannehmbar, daGruen, E.S.: Heritage and Hellenism. The Reinvention of Jewish Tradition, Berkeley,Los Angeles, London 1998.Jhwh nicht nur der Gott Israels war, sondern Israel sich auch als das von Jhwh auser- Alkier, S. / Witte, M. (Hrg.): Die Griechen und das antike Israel. Interdisziplinäre Studien zur Religions– und Kulturgeschichte des Heiligen Landes (OBO 201), Fribourg,Göttingen 2004.wählte Volk verstand. Eine Hellenisierung JHWHs und seines Tempels wäre das EndeHengel, M.: Judentum und Hellenismus. Studien zu ihrer Begegnung unter besonderer Berücksichtigung Palästinas bis zur Mitte des 2. Jh.s v.Chr. (WUNT 10), Tübingen 31988.der jüdischen Geschichte gewesen. All das, wofür das Volk Israel seit seinen AnfängenLevine, L.I.: Judaism and Hellenism in Antiquity. Conflict or Confluence, Seattle,London 1998.stand und wofür es gekämpft und Kriege geführt hatte, wäre verloren gewesen.Sasse, M.: Geschichte Israels in der Zeit des Zweiten Tempels. Historische Ereignisse, Archäologie, Sozialgeschichte, Religions- und Geistesgeschichte, NeukirchenVluyn 2004 / 22009, 138-165.Der religiöse Aspekt ist jedoch nicht der einzige Aspekt im Verhältnis von Judentum undHellenismus. Mit dem Hellenismus begegnete dem Judentum eine überlegende Fremd-kultur. Die reichen und machtpolitisch wie wirtschaftlich orientierten Schichten sahen in der positiven Übernahme der hellenistischen Lebensweise für ihreZiele nur Vorteile. Dies führte schon früh zu einer starken Assimilation-Bewegung innerhalb der reicheren Schichten. Die unteren Schichten haben anfänglich wohl kaum Notiz davon genommen. Auch lasst sich das Verhältnis zwischen Judentum und Hellenismus nicht einlinig nach den Erfahrungen der Situation unter Antiochos IV. und der Makkabäerzeit als unüberwindbarer Gegensatz beurteilen. Die ersten Erfahrungen mit dem Hellenismus dürften überwiegend positiv gewesen sein. Die entgegenkommende Politik der hellenistischen Herrscher, die Jerusalem und Judäa Vergünstigungen garantierten, ließen den Hellenismus wohl kaum alsBedrohung erscheinen. Zudem war die abgelegene Lage Judäas ein Grund dafür, dass die Bevölkerung erst langsam mit der Kultur des Hellenismus inBerührung kam. Der hellenistische Einfluss auf die begüterten und herrschenden Kreise dürfte jedoch schon früh erheblich gewesen sein. Eine allgemeingültige Beurteilung der hellenistischen Einflüsse dürfte kaum möglich sein. Der Grad der Hellenisierung variiert erheblich je nach der politischen, wirtschaftlichen und sozialen Situation der verschiedenen Territorien.

Der Makkabäerkrieg und die Herrschaft der Hasmonäer Spätestens seit dem gewaltsamen Versuch desAntiochos IV. im Jahre 167 v.Chr., Jerusalem zuzwangshellenisieren, muss der Hellenismus fürdie jüdische Bevölkerung auch als Bedrohungihrer kulturellen und religiösen Identität gewirkthaben. Mit dem Auftreten des Antiochos IV. aufder Jerusalemer Bühne berühren sich Weltgeschichte und Regionalgeschichte. Die hellenistischen Zwangsmaßnahmen, die er in Jerusalemdurchführen lässt, gehören in den Kontext seineszweiten Ägyptenfeldzuges. Nach erfolgreichemFeldzug und Kapitulation der Ptolemäer mussAntiochos wegen des Eingreifen Roms den de-mütigenden Rückzug antreten und alle Eroberungen wieder abtreten. Rom wird, nachdem es dieSituation im Westen in seinem Sinne entschieden hat (Punische Kriege, territoriale Neuordnungen in Spanien und Nordafrika), zum kommenden Machtfaktor im Orient. Das Ziel dieser Anfangsphase ist der Versuch durch geschickteDiplomatie Bündnisse zwischen den hellenistischen Staaten zu verhindern und dadurch die Lage im eigenen Interesse zu destabilisieren. Durch das Freiwerden von Truppenkontingenten aus dembefriedeten Westen kann man jetzt auch mit militärischer Konfrontation drohen. Im Rahmen einer größeren Strafmaßnahme gegen aufständischephönizische Städte lässt Antiochos auf seiner Rückreise nach Syrien in Jerusalem Maßnahmen durchführen, die letztlich die jüdische Lebensweisebeenden wollen: Verbot des Lebens nach der Tora (Beschneidung, Speisegebote, Feste, Umwidmung des Tempels). Er geht hier weit über die vonden prohellenistischen Juden geforderten Veränderungen hinaus. Der Konflikt hört auf, eine innerjüdische Angelegenheit zu sein.(Abbildung rechts: Die Reiche der Seleukiden und Ptolemäer, Bibelwerk Linz, aus dem Materialpool des Katholischen Bibelwerks)

Die von Antiochos angeordneten Zwangsmaßnahmen führen zur Auflehnung gegen die Fremdherrschaft und schließlich zum Bürgerkrieg, den manmeist – geradezu verharmlosend – als Makkabäeraufstand bezeichnet, der die weitere Geschichte bis zur endgültigen Unterwerfung der Juden und deren Vertreibung aus Jerusalem und Judäa im 135 n.Chr. bestimmen wird. Seit 15 Als nun die Abgesandten des Königs Antiochus in die Stadt Modeïn kamen, um siezum Opfern zu zwingen, 16 da liefen ihnen viele vom Volk Israel zu. Auch Mattatias unddieser Zeit gibt es eine Rebellentradition, die sich auf die Makkabäer beruft. seine Söhne kamen herbei. 17 Da sagten die Abgesandten des Königs zu Mattatias: Duder Vornehmste und Angesehenste in dieser Stadt und hast viele Söhne und eineVor allem in den Berglandschaften und den ländlichen Gebieten finden sich in bistgroße Verwandtschaft. 18 Darum tritt du zuerst hin und tu, was der König befohlen hat,Krisenzeiten jüdische Aufständische, die Anschläge auf römische Einrichtun- wie alle Völker getan haben, auch die Männer von Judäa und die, die noch in Jerusalemsind. Dann werden du und deine Söhne zu den Freunden des Königs gezählt werdengen und Überfälle auf römisches Militär organisieren und ausführen. Aller- und Gold und Silber und große Gaben bekommen. 19 Da sagte Mattatias frei heraus:Wenn auch alle Völker dem König gehorsam wären und davon abfielen, Gott so zu die-dings ist hier genau zwischen den Verhältnissen in den unterschiedlichen Re- nen wie ihre Väter, und in das Gebot des Königs einwilligten, 20 so wollen doch ich undgionen zu differenzieren. Der Krieg beginnt mit staatlichen Verfolgungsmaßnahmen gegen Juden, diesich weigern auf ihre jüdische Lebensweise zu verzichten und dem Seleukidenherrscher die Treue zu schwören. Berühmt ist die Legende vom PriesterMattatias aus Modein, dessen Sohn Judas (Beiname Makkabäus Hammer), dem Krieg Name und Symbol geben wird. meine Söhne und Brüder nicht vom Bund unsrer Väter abfallen. 21 Der Gnädige bewahre uns davor, Gesetz und Gebote preiszugeben! 22 Den Befehlen des Königs werdenwir nicht gehorchen und Gott auf keine andere Weise dienen. 23 Kaum hatte er dieseRede beendet, trat ein Jude vor aller Augen hin, um auf dem Götzenaltar in Modeïn zuopfern, wie der König befohlen hatte. 24 Als das Mattatias sah, gab es ihm einen Stichins Herz, er ließ seinem gerechten Zorn freien Lauf, lief hinzu und stach ihn am Altarnieder. 25 Auch tötete er den Mann, den der König Antiochus gesandt hatte, um sie zumOpfern zu zwingen, und riss den Altar nieder. 26 So eiferte er für das Gesetz, wie einstPinhas gegen Simri, den Sohn des Salus, getan hatte. 27 Und Mattatias rief laut durchdie Stadt: Wer für das Gesetz eifern und den Bund halten will, der ziehe mit mir! 28 Soflohen er und seine Söhne ins Gebirge und ließen alles zurück, was sie in der Stadt besaßen. (1Makk 2,15-28)Im Verlauf des Krieges gelingt es JudasMakkabäus (166-160 v.Chr.) den entweihten Tempel in Jerusalem zurückzuerobern und den Kultbetrieb wiederaufnehmen zu lassen (164 v.Chr.). Das jüdische Chanukka-Fest erinnert an den Tag der Wiedereinweihung des Tempels(14.12.164). Entscheidend für die militärischen Erfolge ist die Entscheidung auch am Sabbat zu kämpfen. 163 v.Chr.endet der Krieg durch den sog. Lysiasfrieden. Allerdings gelingt es den Vertretern der prohellenistischen immer wiederZwischenerfolge zu erlangen und schließlich einen zadokidischen Hohepriester einzusetzen, der recht bald gegen dieAnhänger der Makkabäer vorgeht. Dies führt erneut zum Aufflammen des Konflikts, dem schließlich auch Judas zumOpfer fällt. Seinem Bruder und Nachfolger Jonathan (161-142 v.Chr.) gelingt es während einer Phase der Instabilität des Se-leukidenreiches den Kampf zu reorganisieren und aus Judäa einen de facto unabhängigen Staat mit sich selbst alsOberhaupt (Hohepriester) zu machen. Unter dem dritten Makkabäerbruder Simon (142-135 v.Chr.) kommt es schließlich auch zu einer formellen Unab-hängigkeit mit einer neuen Dynastie der sog. Hasmonäer.(Abblidung: Knesset-Menora, Jerusalem)

Inhaltlich kommt es zur Aufwertung der frühjüdischen Normen. Sie sind nun nicht mehr nur Identitätsmerkma- Frühjüdische Normen:le aus der staatenlosen Zeit, über deren Berechtigung und Geltung man diskutieren kann. Während des Mak Monotheismuskabäerkrieges sind Menschen für ihre jüdische Lebensweise gestorben (Märtyrertheologie). BundIn der Zeit nach dem Ende des Makkabäerkrieges kann man von einer kurzzeitigen Normalisierung der Lage Tempel in Jerusalemsprechen. Die jüdische Bevölkerung hat es mit dem Mittel des Bürgerkrieges geschafft, ein de facto unabhängi Bilderlosigkeitges jüdisches Gemeinwesen zu errichten. Diese Periode der Geschichte nennt man die Zeit der Hasmonäer, be Beschneidungnannt nach der herrschenden jüdischen Königsdynastie. In dieser Zeit, die ein Zwischenglied zwischen der se Speisegeboteleukidischen und der römischen Herrschaft darstellt, gelingt es den jüdischen Herrschern ihr Territorium zu si Festkalenderchern und sogar noch auszubauen. Grund dafür ist die ständige innenpolitische Krise des Seleukidenreiches.Erst in dieser Zeit ist Judäa - erstmalig seit der Zerstörung Jerusalems durch die Neubabylonier 587 v.Chr. - zu einem selbständigen Staat geworden. Darüber hinaus ist man nicht mehr nur mit der Sicherung dieses Staates zufrieden, sondern beginnt andere Landesteile Palästinas zu erobern: Johannes Hyrkanos (134-104 v.Chr.) erobert Samarien und zwingt die Bewohner sich Jerusalem zu unterwerfen. Auch gelingt es ihm, weite Teile Idumäaszu erobern. Aristobulos (104-103 v.Chr.) erobert ganz Galiläa und lässt die Bevölkerung zwangsjudaisieren oder vertreiben. Seine größte Ausdehnungszeit erreicht das Hasmonäerreich unter Alexander Jannaios (103-76 v.Chr.), . Die in der Verfolgungszeit gegen die jüdische Bevölkerung eingesetzten frühjüdischen Normen werden jetzt zu den Bedingungen der Judaisierung. Vor allem die selbständigen griechischen Städte sind den jüdischen Herrschern ein Dorn im Auge und werden zu ständigen Objekten ihrer imperialistischen Begierden. Die Hasmonäerherrschaft endet mit der als sehr besonnengeltenden Königin Alexandra Salome (76-67 v.Chr.). Nachihrem Tode kommt es zum offenen Kampf zwischen ihrenBickermann, E.: Der Gott der Makkabäer. Untersuchungen über Sinn und Ursprung der makkabäischen Erhebung,, Berlin 1937.Bringmann, K.: Hellenistische Reform und Religionsverfolgung in Judäa, Göttingen 1983.Söhnen Aristobulos und Hyrkanos, bei dem sich schließlichHengel, M.: Judentum und Hellenismus. Studien zu ihrer Begegnung unter besonderer Berücksichtigung Palästinas bis zur Mitte des 2. Jh.s v.Chr. (WUNT 10), Tübingen 31988.Hyrkanos mit Unterstützung des Idumäers Antipatros (demSasse, M.: Geschichte Israels in der Zeit des Zweiten Tempels. Historische Ereignisse, Archäologie, Sozialgeschichte, Religions- und Geistesgeschichte, Neukirchen-Vluyn 2004 / 22009.Vater von Herodes dem Großen) durchsetzen kann – aller-Schäfer, P.: Geschichte der Juden in der Antike. Die Juden Palästinas von Alexander dem Großen bis zur arabischen Eroberung, Tübingen 22010.dings nicht mehr als weltlicher wort/25406/ (Doris Lambers-Petry: Makkabäer, WissenschaftlichesBibellexikon, Deutsche /stichwort/20641/ (Doris Lambers-Petry: Hasmonäer, Wissenschaftliches Bibellexikon, Deutsche Bibelgesellschaft)

Unter der Vorherrschaft Roms Mit der Eroberung Jerusalems durch Pompeius (63 v.Chr.) ist die kurze Zeit der Unabhängigkeit Judäas beendet. Palästina gehört zur römischen Provinz Syria. Die von den hasmonäischen Herrschern eroberten hellenistischen Städte werden wieder selbständig. Dies führt zu einer erheblichen Reduzierung der jüdischen Territorien auf die Regionen Judäa, Idumäa, Peräa und Galiläa. Der jüdische Staat mit dem Hohenpriester als Staatsoberhaupt wirdzum römischen Protektorat – ist also nicht wie die ausgegliederten Griechenstädte und Samarien Teil der römischen Provinz. Bei Bedarf kommt es aberzum Eingreifen des römischen Statthalters. Offensichtlich ist das wirtschaftlich kaum ergiebige Judäa für Rom nicht von Interesse. So entzieht man demHohenpriester den Königstitel und stärkt das Synhedrion. Als Ethnarch bleibt der Hohepriester der Vorsitzende der Ratsversammlung. Antipatros, der machtpolitisch stärkere Part im Team Hyrkanos-Antipatros,hat faktisch die Rolle eines römischen Militärgouverneurs inne – römischer Statthalter wird er nach dem Sieg Caesars über Pompeius 48 v.Chr. Auf ihnverlässt man sich als einen bewährten einheimischen Statthalter zur Vertretung der römischen Interessen.Eck, W.: Judäa – Syria Palästina. Die Auseinandersetzung einer Provinz mit römischer Politik und Kultur (TSAJ 157), Tübingen2014.Edwards, D. (Hrg.): Religion and Society in Roman Palestine. Old Questions, New Approaches, New York, London 2004.Labahn, M. / Zangenberg, J. (Hrg.): Zwischen den Reichen: Neues Testament und Römische Herrschaft (TANZ 36), Tübingen,Basel 2002.Schefzyk, J. / Zwickel, W. (Hrg.): Judäa und Jerusalem. Leben in römischer Zeit, Stuttgart 2010.

Herodes der Große (37-4 v.Chr.) Seit 40 v.Chr. ist Herodes (der Sohn des Antipatros) formal durch Entscheidung des römischenSenats König von Judäa, kann jedoch erst im Jahre 37 v.Chr. mit Hilfe der Römer sein Amt antreten. Herodes der Große ist ein treuer Vasall des Kaisers Augustus (31v.Chr.-14n.Chr.) undregiert ein Gebiet wie vor ihm allenfalls David und Salomo. Herodes – wie auch seine Söhne – istein hellenistisch orientierter Herrscher, der sich bemüht, die vorhandenen Ansätze der hellenistischen Kultur – vor allem in den Städten – zu fördern. Aber auch darüber hinaus war es seinZiel, seinem Land die hellenistische Kultur zu vermitteln. Hinter der Politik des Herodes steht ein klares Konzept: die pax romana des Augustus angewandt auf Judäa. Um dieses Konzept durchsetzen zu können, reicht eine elitäre Hellenisierung der Kreise um den Priesteradel und den Geldadel nichtaus. Die pax romana ist eine Massenbewegung. Anders als die Hasmonäer sieht Herodes viel stärker die multikulturellen Aspekte seines Herrschaftsbereichs: Neben der behutsamen Einführung hellenistischer Kulturgüter im jüdischen Kontext fördert Herodes die in seinem Land lebenden Nichtjuden. Gleichzeitig zeigt er ein deutliches Interesse an jüdischen Gemeinden in der Diaspora. Auch Herodes überschreitet nicht die seit der Hasmonäerzeit fixierten Grenzen. Selbst in dem mehrheitlich nichtjüdisch bevölkerten Caesarea Maritima gibt es kein Gymnasium. Beim Neubau des Tempels in Jerusalem nimmt Herodes die religiösen Sehnsüchte der Bevölkerung auf: Der riesige Tempelkomplex, der seinen Vorgänger an Größe, Pracht und Bauzeitweit übersteigt, soll demonstrativ die Frömmigkeit des Herodes zum Ausdruck bringen: Der neueTempel als Dank an Gott für die Königswürde. Herodes will damit seine Abhängigkeit von Romreligiös kaschieren und sich als zweiter Salomo in die frühe Geschichte des israelitischen König-tums einordnen. Wird das von der Bevölkerung akzeptiert, ist seine Herrschaft, die bislang nurauf seinem persönlichen Verhältnis zu Augustus beruht, auch religiös legitimiert. Aus einem modernen Blickwinkel erkennt man hier deutlich die Instrumentalisierung der Religion zu machtpolitischen Zwecken. Andererseits kann diese Demonstration durchaus die reale Frömmigkeit des Herodes widerspiegeln. Womöglich sieht sich Herodes alsjüdischer König mit heilsgeschichtlicher Relevanz. Die peinliche Einhaltung der Reinheitsvorschriften v.a. beim Bau der inneren Bezirke lässt sich wohlkaum nur als Ausdruck politischer Paranoia deuten. Die religiöse Legitimation (als Tempelerbauer und somit zweiter Salomo) und die pax romana sinddie zwei Säulen, auf denen seine Herrschaft beruht.(Abbildungen: oben: Roma-Tempel in Caesarea Maritima, unten Tempelmodell im Western-Wall-Tunnel)

„Nach Ausweis der Archäologie ist Herodes mit seinemTempelbau durchaus eine Gratwanderung gelungen. Inder Übernahme der Kaisarionarchitektur den Akzentsowohl auf Herrschaftsdemonstration als auch Romtreue legend, versicherte Herodes zugleich die jüdischen Untertanen seiner Loyalität gegenüber ihren religiösen Maßgaben." (Faßbeck, „Unermeßlicher Aufwand und unübertreffliche Pracht“ 244) Die Neugestaltung des Tempels durch Herodes machte aus einer Stadt mitFaßbeck, G.: „Unermeßlicher Aufwand und unübertreffliche Pracht“ (bell 1,401). Von Nutzenund Frommen des Tempelneubaus unter Herodes dem Großen, in: Alkier, S. / Zangenberg,J. (Hrg.): Zeichen aus Text und Stein. Studien auf dem Weg zu einer Archäologie des Neuen Testaments (TANZ 42), Tübingen, Basel 2003, 222-249.Galor, K.: Zur Ehre Gottes und des Königs – Jerusalem und sein Tempel zur Zeit des Herodes, in: Zangenberg, J.K. (Hrg.): Herodes. König von Judäa, Darmstadt 2016, 61-69.Kollmann, B.: Jerusalem. Geschichte der Heiligen Stadt im Zeitalter Jesu, Darmstadt 2013.Welt und Umwelt der Bibel Nr. 13 (3/1999) „Der Tempel von Jerusalem“Tempel einen Tempel mit Stadt. Durch das künstlich errichtete Plateau mit denzugeschütteten Tälern entstand ein Stadtbild, in dem der Tempel als eine Art antiker Wolkenkratzer über der Stadt thronte. / (Michael Bachmann: Tempel (NT), Wissenschaftliches Bibellexikon der Deutschen iegelgeschichte/d-65469597.html (Ulrich Schwarz: Blut undGottes Herrlichkeit, x.asp (Homepage des Jerusalem Archaeological Park(Davidson Centre) mit virtuellem Modell des antiken Jerusalems)

Auch außerhalb Jerusalems ließ Herodes Bauten im Stil der Zeit errichten. Die Festungen (wie Herodeion, Masada oder Machaerus)dienten nicht der Verteidigung gegen äußere Feinde, sondern alsFluchtburgen gegen Aufstände im Inneren.Baltrusch, E.: Herodes. König im Heiligen Land. Eine Biographie, München 2012.Günther, L.-M.: Herodes der Große (Gestalten der Antike), Darmstadt 2005.Günther, L.-M. (Hrg.): Herodes und Rom, Stuttgart 2007.Günther, L.-M. (Hrg.): Herodes und Jerusalem, Stuttgart 2009.Japp, S.: Die Baupolitik Herodes‘ des Großen. Die Bedeutung der Architektur für die Herrschaftslegitimation eines römischen Klientelkönigs, Rahden/Westfalen 2000.Lichtenberger, A.: Bauen als politisches Handeln. Herod

Die Geschichte Israels in griechisch-römischer Zeit Dr. Markus Sasse, RFB 2018 Seit der Eroberung durch die Truppen Alexanders des Großen im Jahre 332 v.Chr. im Anschluss an die Schlacht bei Issos (333 v.Chr.) liegt Palästi- na bzw. Koilesyrien unter dem Einfluss des Hellenismus. Nach de