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Zurich Open Repository andArchiveUniversity of ZurichMain LibraryStrickhofstrasse 39CH-8057 Zurichwww.zora.uzh.chYear: 2017Marathonlaufen schützt nicht vor DiabetesKnechtle, Beat ; Nikolaidis, Pantelis TAbstract: Wir berichten über einen 64-jährigen Marathonläufer mit bisher 990 erfolgreich gefinishtenMarathons, der fälschlicherweise mit Diabetes mellitus Typ 2 diagnostiziert und therapiert wurde. Unterperoraler Therapie mit Metformin kam es zu keiner Reduktion der Blutzuckerwerte. Nach korrekterDiagnose und Therapie mit Insulin ist der Läufer wieder voll im Training, um bald seinen 1000. Marathonzu laufen. Für Sportler mit Diabetes mellitus Typ 1 ist es wichtig, den Blutzucker vor, während undnach Belastung zu messen und die Insulindosis individuell während eines Wettkampfs, wie etwa einemMarathon, zu reduzieren.DOI: https://doi.org/10.1024/1661-8157/a002750Posted at the Zurich Open Repository and Archive, University of ZurichZORA URL: https://doi.org/10.5167/uzh-139057Journal ArticleOriginally published at:Knechtle, Beat; Nikolaidis, Pantelis T (2017). Marathonlaufen schützt nicht vor Diabetes. Praxis,106(16):887-892.DOI: https://doi.org/10.1024/1661-8157/a002750

1Gesundheitszentrum St. Gallen 12Exercise Physiology Laboratory, Nikaia, Griechenland 234Beat Knechtle1 , Pantelis T. Nikolaidis 256Marathonlaufen schützt nicht vor Diabetes78Marathon running does not prevent from diabetes91011121314151617181

1920Im Artikel verwendete Abkürzungen21BMIBody Mass Index22CKCreatin-Kinase23CGMKontinuierliches 1cHämoglobin A1c26I.E.Internationale en-Faktor29LADALatent Autoimmune Diabetes of the Adult303132333435363738394041424344452

46Anamnese und Befunde47Der 64-jährige ehemalige Fluglotse und passionierte Marathonläufer trifft am Vortag48eines Marathons Ende Januar 2017 auf einen Bekannten der Arzt und Läufer ist. Der49Läufer schildert ihm dass er seit Dezember 2016 an einem Diabetes mellitus Typ 250leide. Im Rahmen einer Blutuntersuchung beim Urologen anlässlich eines Checks51wegen der vergrösserten Prostata wurde ein Nüchtern-Blutzucker von 10.4 mmol/l52gemessen. Er habe sich dann ein Blutzuckermessgerät gekauft und bei eigenen53Messungen zu Hause sei ihm aufgefallen, dass vor allem der Nüchtern-Blutzucker54morgens zu hoch sei während die Blutzuckerwerte tagsüber zurückgingen. Er55meldete sich dann bei seinem Hausarzt. Der mass ein HbA1c von 7.2%, stellte56anhand der erhöhten Blutzuckerwerte und dem erhöhten HbA1c-Wert die Diagnose57eines Diabetes mellitus Typ 2 und verordnete Metformin 850 mg 1-0-1. Im Verlauf58trat ein Infekt der oberen Luftwege mit Fieber, Bronchitis, Unwohlsein und sehr59starkem nächtlichen Schwitzen auf. Dieser Infekt wurde mit Amoxycillin und60Clavulansäure behandelt. Nach diesem Infekt stiegen die Blutzuckerwerte noch61weiter an. Anfangs Januar 2017 wurde dann noch eine Pleuritis diagnostiziert.6263Ende Januar 2017 lief er dann den besagten Marathon in 5:35:29 h:min:s, wobei der64Blutzucker unter Therapie vor dem Start bei 15.5 mmol/l und nach dem Zieleinlauf65bei 6.5 mmol/l lag. Anfang Januar 2017 wiegt er 73.5 kg bei einer Körpergrösse von66182 cm (BMI 22.2 kg/m2). Der Gewichtsverlust ging bis Ende Januar 2017 auf 69.567kg (BMI 21.0 kg/m2). In der Familie hatte die Schwester der Mutter einen Diabetes68mellitus Typ 2, hingegen ist kein Fall von einem Diabetes mellitus Typ 1 bekannt6970Differentialdiagnostische Überlegungen71Aufgrund der Laborwerte (erhöhte Blutzuckerwerte, erhöhtes HbA1c) und des Alters72(64 Jahre) muss bei diesem normalgewichtigen Marathonläufer von einem Diabetes73mellitus Typ 2 ausgegangen werden. Aufgrund des Alters ist ein Diabetes mellitus74Typ 1 sehr unwahrscheinlich. Ein anderer spezifischer Diabetes Typ wäre75grundsätzlich auch möglich, aber ebenfalls sehr unwahrscheinlich.7677Weitere Abklärungsschritte und Verlauf78Der besagte Arzt wurde bei dieser Geschichte hellhörig da er unter seinen Patienten79selber einen fast identischen Fall hat. Bei einem ebenfalls normalgewichtigen aber80unsportlichen Patienten im etwa gleichen Alter und mit gleicher Laborkonstellation3

81wurde bei fehlendem Ansprechen auf Metformin im Verlauf die Diagnose eines82insulin-pflichtigen Diabetes mellitus Typ 1 gestellt. Deshalb wies er den Läufer nach83dem Marathon in das nächstgelegene Zentrumsspital zur Abklärung mit Verdacht auf84Diabetes mellitus Typ 1 ein.8586Bei Spitaleintritt wurden ein HbA1c von 9.5% und ein Blutzucker von 16.4 mmol/l87gemessen. Zur weiteren Diagnostik bei einem Patienten mit niedrigem BMI erfolgte88die Bestimmung des C-Peptids und der GAD-Antikörper. Das C-Peptid war mit 0.1389ng/ml niedrig und die GAD-Antikörper mit 97 kU/l erhöht. Anhand dieser90Laborkonstellation wurde die Diagnose eines Diabetes mellitus Typ 1 gestellt.91Aufgrund einer B-Symptomatik mit Nachtschweiss, Müdigkeit und Gewichtsabnahme92erfolgten eine Röntgen-Thorax-Aufnahme und eine Abdomen-Sonographie. Diese93Untersuchungen gaben keinen Hinweis auf eine Malignität oder eine Raumforderung94im Pankreas. Die Therapie mit Metformin wurde abgesetzt und ein Insulin-Schema95mit KHE-Faktoren wurde begonnen. Am Morgen und am Abend wurden je 3 I.E.96Levemir verordnet und morgens, mittags und abends bezogen auf die Mahlzeiten97Novo Rapid in Abhängigkeit der gemessenen Blutzuckerwerte.9899Diagnose100Akute hyperglykäme Entgleisung eines Diabetes mellitus Typ 1 bei101normalgewichtigem Marathonläufer102103Kommentar104Wir beschreiben einen 65-jährigen normalgewichtigen Marathonläufer bei dem vor105kurzem ein Latent Autoimmune Diabetes of the Adult (LADA) mit vorhandener Rest-106Insulinproduktion diagnostiziert wurde. Die vorhandene Rest-Insulinproduktion macht107die Diabeteseinstellung einfacher als bei Typ 1-Diabetikern ohne Restsekretion.108109Der Läufer gehört zu den 25 besten Läufern der Welt bezüglich Anzahl gefinishter110Marathons .html). In dieser Liste sind über 500 Läufer registriert112die 300 und mehr Marathons bisher in ihrem Leben gefinisht haben. Unser Läufer113begann 1980 im Alter von 28 Jahren mit Laufen und absolvierte 1985 mit 33 Jahren114seinen ersten Marathon. Im Januar 2017 hat er 990 Marathons absolviert und plant115im September 2017 beim Jungfrau Marathon an seinem 65. Geburtstag den116tausendsten Marathon zu laufen.4

117Die Tabelle 1 stellt seine bisher gefinishten Marathons, die Tabelle 2 seine bisher118gefinishten Ultramarathons (Läufe über 42.195 km) und die Tabelle 3 seine bisher119gefinishten Mehretappenläufe zusammen. Für das ‚World-Megamarathon-Ranking‘120zählen gefinishte Marathons, Ultramarathons sowie erfolgreich gefinishte Etappen an121Mehretappenläufen. Tabelle 4 stellt nebst den jährlich absolvierten Marathons und122Ultramarathons (Stand Ende 2016) die jährlich gelaufenen Kilometer in Wettkampf123und Training zusammen. Pro Jahr läuft er im Schnitt 4‘278 1‘229 km, entsprechend124rund 356 km pro Monat, rund 82 km pro Woche oder rund 12 km pro Tag. Auffallend125ist auch das zwischen 2003 und 2016 rund 77% der zurückgelegten Laufkilometer126(59‘893 km) reine Wettkampfkilometer (46‘262 (km) sind und nur rund 23% effektive127Trainingskilometer (13‘631 km).128129Da unser Läufer mit fast 65 Jahren aufgrund des Alters eher einen Typ 2 als einen130Typ 1 Diabetes haben sollte liegt trotzdem ein Typ 1-Diabetes vor. Der Diabetes131mellitus Typ 2 ist eine multifaktoriell bedingte Erkrankung wobei Übergewicht an132erster Stelle der Ursachen steht. Übergewicht führt zu einer Zunahme des133Körperfetts das zu einer Insulinresistenz führt. Unser Läufer war bis zu seinem 28.134Lebensjahr übergewichtig mit einem Maximum von 95 kg. Durch Alkoholabstinenz,135gesunde Ernährung und Laufen verringerte sich das Körpergewicht auf 70–75 kg. Mit136einem aktuellen BMI von 22 kg/m2 liegt jetzt weder ein Übergewicht noch eine137Adipositas vor.138139Grundsätzlich ist Marathonlaufen auch sehr protektiv für Diabetes mellitus Typ 2. In140der ‘National Runners' Health Study’ mit 62’284 Männern und 45‘040 Frauen konnte141gezeigt werden dass die Prävalenz für Diabetes mellitus Typ 2 mit der Zahl der142erfolgreich absolvierten Marathons abnimmt, unabhängig von den jährlichen143Laufkilometern. Dies wurde mit den langen Trainingsläufen in der Vorbereitung auf144einen Marathon erklärt [1]. Der beschriebene Läufer hat bisher fast 1‘000 Marathons145in seinem Leben absolviert und über 90% seiner Laufkilometer an Wettkämpfen146zurückgelegt. Somit müsste aufgrund der Erkenntnis von Williams [1] ein Typ 2-147Diabetes höchst unwahrscheinlich sein.148149Beim Diabetes mellitus Typ 1 kommt es aufgrund eines Untergangs der150Langerhans’schen Inselzellen im Pankreas zu einem Insulinmangel. Die höchste151Prävalenz dieser Diabetesform ist bei Kindern im Alter um 11-13 Jahre. Allerdings152kann ein Diabetes mellitus Typ 1 jederzeit im Laufe des Lebens auftreten. Die153Ursache bei dieser Diabetesform soll ein Zusammenwirken von genetischer5

154Prädisposition, äusserlichen Faktoren wie etwa einer Virusinfektion (z.B. Cosackie-155Viren) und immunologischen Gründen. Bei unserem Läufer trat Anfang Januar 2017156noch eine Pleuritis auf, allenfalls hat diese Infektion die Entwicklung des Diabetes157mellitus noch beschleunigt.158159Unser Läufer lässt sich durch die neue Diagnose nicht beirren und trainiert160unbehindert weiter. Mit einem Flash Glukose Messsystem, dem FreeStyle Libre von161Abbot Diabetes Care (www.freestylelibre.de) mit einem Messbereich von 2.2 bis 27.8162mmol/l dokumentiert er den Blutzuckerverlauf im Training. Dieses Gerät misst die163Konzentration des Zuckers in der interstitiellen Flüssigkeit.164165Eine grosse Gefahr beim Sport mit Diabetes mellitus Typ 1 ist die Hypoglykämie. Auf166Empfehlung des betreuenden Diabetologen sollte unser Läufer die Basisrate beim167Sport reduzieren und das Insulin am Morgen und am Mittag weglassen sowie am168Abend halbieren. Unser Läufer liess primär das Insulin beim Sport komplett weg und169fand heraus dass es am besten ist das Basis-Insulin (3 I.E. Levemir) am Morgen und170Abend zu spritzen und kein Insulin zu den Mahlzeiten zu spritzen. Bei längeren171Läufen liess er das Insulin komplett weg. Vor einem Trainingslauf isst unser Läufer172Äpfel, diese wiegt er ab sodass er auf 7 KHE (entspricht 70 g Kohlenhydraten)173kommt. Diese Ernährungsform führt dazu das sein Blutzucker jeweils vor einer174Trainingseinheit auf über 10 mmol/l ansteigt. Die Abbildung 1 zeigt den175Blutzuckerverlauf während längeren Trainingsläufen mit dieser Taktik. Der Blutzucker176liegt zu Beginn bei 11-12 mmol/l und fällt dann relativ rasch auf Werte um 5 mmol/l177während des ganzen Laufs. Bei solchen Trainings führte er jeweils nur Wasser zu.178Der Trend ist bei längeren Läufen um 4:30 h:min (Abbildung 1a) wie auch bei179kürzeren Läufen um 2:30 h:min (Abbildung 1b-1d) gleichermassen nachweisbar. Der180Abfall des Blutzuckers unter Belastung ist typisch bei insulinpflichtigen Läufern181während der Blutzucker bei Nicht-Diabetikern während einer Ausdauerbelastung182konstant gehalten wird [2].183184Unser Läufer hat seine 65 Trainingsläufe aus den Monaten Februar bis April 2017185mit Streckenlänge und Zeit der Einheiten mit Garmin fenix 3 erfasst sowie den186Blutzucker vor und nach dem Training gemessen. Die Laufstrecke variierte von187minimal 3 km bis maximal 42.195 km. Während der kurzen bis mittleren Läufe trinkt188er nur Wasser, bei einem Marathon führt er um 25-30 KHE unter Belastung zu. In189den drei Monaten kam er auf 875.4 km, im Schnitt 291.8 km pro Monat. Die mittlere190Laufstrecke aller 65 Einheiten lag bei 13.4 13.0 km bei einer mittleren Laufzeit von6

1911:41 1:35 h:min. Dabei legte er um 273 Höhenmeter pro Einheit zurück. Zu Beginn192eines Trainings lag der Blutzucker bei 14.4 2.2 mmol/l und fiel um 4.6 2.4 mmol/l auf1935.8 1.5 mmol/l am Ende des Trainings. Die Abbildung 2 zeigt den Zusammenhang194zwischen prozentualer Abnahme des Blutzuckers und der Dauer des Trainings (nur195Läufe bis maximal 1:40 h:min) (Abbildung 2a) sowie der Laufgeschwindigkeit196(Abbildung 2b). Es zeigt sich, dass sowohl bei längen Läufen wie bei hoher197Laufgeschwindigkeit ein Zusammenhang mit der Abnahme des Blutzuckers besteht.198Also je länger die Laufeinheit und je höher die Laufgeschwindigkeit, desto199ausgeprägter ist die relative Reduktion des Blutzuckers während des Laufens.200201Es ist grundsätzlich kein Problem mit Diabetes mellitus Typ 1 Sport zu betreiben und202gar einen Marathon zu laufen [3,4], einen Ironman-Triathlon [5] oder gar einen203Ultratriathlon [6,7] erfolgreich zu beenden. Eine Kontraindikation für eine längere204Ausdauerbelastung wie etwa ein Marathon ist ein schlecht eingestellter Diabetes205mellitus [8]. Wichtig ist bei solchen eher langen Ausdauerbelastungen die richtige206Insulindosis und die richtige Energiezufuhr zu finden [9] sowie ein gutes207Zusammenspiel zwischen Sportler, Betreuer, Arzt und Ernährungsberatung zu208entwickeln [10]. Beim Typ 1-Diabetes ist das Problem die Aufrechterhaltung des209Blutzuckers unter der Belastung da die Regulation der Insulinkonzentration während210und nach Belastung nicht möglich ist [11].211212Hyperglykämische Phasen sind dabei eher kein Problem, während hypoglykämische213Phasen sehr problematisch sein können [4]. Allerdings sollte die Insulindosis214während einer längeren Ausdauerbelastung wie die eines Marathons reduziert215werden [3] und der Läufer im Training viel Erfahrung sammeln mit seinen216Blutzuckerwerten [4]. Allgemein sollten Typ 1-Diabetiker ihre Insulindosis bei einem217Wettkampf reduzieren. Je nach Situation sollte die Insulindosis um 30-50% reduziert218werden [12]. In einer Wettkampfstudie mit Halbmarathonläufern zeigte sich dass die219Läufer ihre Insulindosis am Wettkampftag um 15-20% reduzierten [13]. Die220Empfehlungen zur Insulinreduktion bei Ausdauersport sind sehr individuell zu221gestalten. Sie hängen stark vom Individuum, von der Art der Belastung und vom222Ausmass der Restsekretion ab. Bei Ausdauerbelastungen ist auch auf das223Hypoglykämierisiko am Tag nach der Belastung hinzuweisen [14].224225226Die kontinuierliche Messung des Blutzuckers bei längeren Ausdauerbelastungen ist227empfehlenswert um Hypo- sowie Hyperglykämien zu erkennen [3]. Typ 1-Diabetiker7

228sollten den Blutzucker vor, während sowie nach körperlicher Belastung messen [15].229In einer Feldstudie mit 5 Läufern (4 Läufer mit Diabetes mellitus Typ 1 und 1 Läufer230mit Diabetes mellitus Typ 2) wurden während eines Marathons fortlaufend die231Blutzuckerwerte gemessen. In den total 1470 Ergebnissen (im Mittel 245 Werte pro232Läufer) wurde viele hypo- und hyperglykämische Episoden ohne klinische Symptome233gemessen [16]. Die heute verfügbaren Geräte für ein kontinuierliches Glukose234Monitoring (CGM) machen solche Ausdauerleistungen bei Diabetes mellitus Typ 1235sicherer und sie sind heute Standardausrüstung bei solchen Sportlern. Zudem236verwenden die meisten Ausdauersportler mit langjährigem Diabetes mellitus Typ 1237Insulinpumpen, da damit die Insulinversorgung rascher geändert werden kann.238239Eine Hypoglykämie bei Läufern mit Diabetes mellitus Typ 1 sollte zwingend240vermieden werden. In einem Fallbericht wurde ein 27-jähriger Mann mit Diabetes241mellitus Typ 1 beschrieben, der in der Nacht vor einem Marathon aufgrund einer242nächtlichen Hypoglykämie einen tonisch-klonischen Krampfanfall hatte. Trotz dieses243Ereignisses lief er am Tag darauf einen Marathon bei dem er wegen einer schweren244Hypoglykämie kollabierte und wieder einen Krampfanfall machte. Im Verlauf245entwickelte der starke Myalgien und zeigte eine stark erhöhte CK mit Entwicklung246einer Rhabdomyolyse. Zudem zeigte sich eine gestörte Leberfunktion als Zeichen247einer Leberhypoxie während des Anfalls [17].248249Mit Diabetes mellitus Typ 1 können nicht nur Marathons, sondern sogar lange250Ultratriathlons erfolgreich gefinisht werden [6, 7]. Es wurde ein Fall eines 27-jährigen251Triathleten mit Diabetes mellitus Typ 1 seit dem 6. Lebensjahr beschrieben der einen252doppelten Ironman (7.6 km Schwimmen, 360 km Radfahren und 84.4 km Laufen) in253rund 30 Stunden absolvierte [6]. Während des Rennens wurden fast 50254Blutzuckermessungen gemacht und die Werte schwankten zwischen 5 mmol/l bis 20255mmol/l. Während dem ganzen Rennen wurden nur 18 I.E. Novorapid verabreicht und256während dem Schwimmen wurden höhere Blutzuckerwerte toleriert um eine allfällige257Hypoglykämie mit fataler Konsequenz zu vermeiden. Das Insulin wurde bei258hyperglykämischen Phasen verabreicht, etwa in den Wechselzonen Schwimmen zu259Radfahren und Radfahren zu Laufen. Die Zeit von 30 Stunden für einen doppelten260Ironman darf übrigens als eine Spitzenleistung betrachtet werden [18].261In einem anderen Fall hat ein Triathlet mit Diabetes mellitus Typ 1 erfolgreich einen262Ultraman-Triathlon gefinisht [7]. Dieses Mehretappen-Rennen besteht aus 10 km263Schwimmen und 144.8 km Radfahren am Tag 1, 275.4 km Radfahren am Tag 2 und26484.4. km Laufen am Tag 3 [19]. Der Athlet zeigte am Tag 1 in 73.0% der Messungen8

265eine Hyperglykämie, am Tag 2 noch 3.4% und am Tag 3 15.1%. Hypoglykämische266Phasen traten am Tag 1 keine auf, am Tag 2 waren es 78.6% der Messungen und267am Tag 3 33.6%. In den Nächten zwischen den Etappen waren 86.1%, 83.0% und26884.8% der nächtlichen Messungen mit hyperglykämischen Werten während nur2699.0%, 0.0% und 0.0% der Messungen hypoglykämische Werte zeigten 852862872882892902912922932942952962972982993009

301Key messages302303 Auch ein sehr erfahrener Marathonläufer mit fast 1‘000 erfolgreich gefinishten304Marathons kann einen Diabetes mellitus bekommen305 Sportler können mit Diabetes mellitus Typ 1 Marathons und Ultramarathons sowie306Ultratriathlons erfolgreich finishen307 Bei einem Ausdauerwettkampf muss die Insulindosis angepasst werden was einer308Reduktion um 20-50% der täglichen Insulinmenge 32232332432532632732810

329Zusammenfassung330Wir berichten über einen 64-jährigen Marathonläufer mit bisher 990 erfolgreich331gefinishten Marathons der fälschlicherweise als Diabetes mellitus Typ 2332diagnostiziert und therapiert wurde. Unter peroraler Therapie mit Metformin kam es333zu keiner Reduktion der Blutzuckerwerte. Nach richtiger Diagnose und Therapie mit334Insulin ist der Läufer wieder voll im Training um bald seinen 1000. Marathon zu335laufen. Für Sportler mit Diabetes mellitus Typ 1 ist es wichtig den Blutzucker vor,336während und nach Belastung zu messen und die Insulindosis individuell während337eines Wettkampfs wie etwa einem Marathon zu reduzieren338339Schlüsselwörter340Läufer – Blutzucker – Ausdauerbelastung - 35135235335435535635735811

359Summary360We report the case of a 64-year-old marathon runner with 990 successfully finished361marathons. He was diagnosed and treated as diabetes mellitus type 2. However,362there was no reduction of the blood glucose concentration under therapy with363metformin. After proper diagnosis and therapy with insulin, the runner is back in364training to run his 1000th marathon soon. For athletes with diabetes mellitus type 1, it365is important to measure the blood glucose concentration before, during and after366exercise, and to reduce the dose of insulin individually during a competition such as a367marathon run.368Key words369370Runner - Blood glucose concentration - Endurance performance - 38138238338438538638712

Korrespondenzadresse388389Prof. Dr. med. Beat Knechtle390Facharzt FMH für Allgemeinmedizin391Gesundheitszentrum St. Gallen392Vadianstrasse 263939001 St. Gallen394Telefon 41 (0) 71 226 93 00395Telefax 41 (0) 71 226 93 40240340440540640740840941041141241341441541641713

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469Tabelle 1 Anzahl bisher mehrfach gefinishter au MarathonSchwarzwald MarathonFörster - Braun - HütteElbtunnel MarathonBienwald MarathonUntertage MarathonBärenfels Heiligabend MarathonKoberstädter WaldmarathonTrollinger MarathonZeiler WaldmarathonKevelaer MarathonSchönbuch MarathonMarathon Deutsche WeinstrasseErmstal MarathonFrauenfelderKarlsruhe MarathonMainz MarathonSilbersee MarathonBottwartal MarathonIller MarathonOrt (Land)Interlaken (SUI)Bräunlingen (GER)Hemsbach (GER)Hamburg (GER)Kandel (GER)Sondershausen (GER)Hoppstädten – Weihersbach (GER)Egelsbach (GER)Heilbronn (GER)Zeil (GER)Kevelaer (GER)Leinfelden (GER)Bockenheim (GER)Metzingen (GER)Frauenfeld (SUI)Karlsruhe (GER)Mainz (GER)Bobenheim – Roxheim (GER)Bottwartal (GER)Immenstadt 48515

486Tabelle 2 Anzahl bisher mehrfach gefinishter UltramarathonsAnzahl2316109655NameComrades MarathonSchwäbische Alb MarathonSwiss Alpine Marathon50 km Ultra MarathonWelt Down Syndrom TagBieler Lauftage100 Meilen BerlinOrt (Land)Durban (RSA)Schwäbisch Gmünd (GER)Davos (SUI)Rodgau–Dudenhofen (GER)Fürth (GER)Biel (SUI)Berlin (GER)Distanz (km)9044 - 49749849950050150250350450550650750850916

510Tabelle 3 Anzahl bisher gefinishter MehretappenläufeGesamt km 3301299205195179174162151136124Name (Land)Trans-Europe-Foot-Race 2009Deutschlandlauf 2005 (GER)La Transe Gaule (FRA)Trans Swiss Run 2008 (SUI)Raid Maroni - Oyapock FGATrans Swiss Run 2009 (SUI)Napoleon Ultra USATrans Swiss Run 2010 (SUI)Barbarossa Etappenlauf (GER)Baltic Run (GER)Isarrun (GER)Swiss Jura Marathon (SUI)Moravský Ultra Marathon (MUM) CZEBerlin – Dresden (GER)Sauerländer Höhenflug 2016 (GER)Balaton Szupermarathon HUNSH Dreiländertrail (GER)Mauerweg Tour Berlin (GER)Berlin – Cottbus (GER)Seensteiglauf (GER)Sauerländer Höhenflug 2015 (GER)SH Supertrail 1751851917

Tabelle 4 Zusammenstellung aller Marathons und Ultramarathons seit 1985JahrAnzahl MarathonsAnzahlUltramarathonsGesamte ZahlLaufkilometer imWettkampf (km)Laufkilometer imTraining (km)GesamteLaufkilometer (km)1985 - '9193'0513'5053'25259'89318

Legende für AbbildungAbbildung 1Verlauf des Blutzuckers bei längeren (a) und kürzeren (b-d)Trainingsläufen. Die Werte wurden mit dem FreeStyle Librevon Abbot Diabetes Care gemessen.Abbildung 2Zusammenhang zwischen prozentualer Veränderung desBlutzuckers in Abhängigkeit der Dauer der Trainingseinheit (a)sowie der Laufgeschwindigkeit (b)19

Abbildung 120

21

121 Mehretappenläufen. Tabelle 4 stellt nebst den jährlich absolvierten Marathons und 122 Ultramarathons (Stand Ende 2016) die jährlich gelaufenen Kilometer in Wettkampf 123 und Training zusammen. Pro Jahr läuft er im Schnitt 4‘278 1‘229 km, entsprechend 124 rund 356 km