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ICC/ESOMARinternationaler Kodexzur Markt-, Meinungs- und Sozialforschung sowie zurDatenanalytik

ICC/ESOMARInternationaler Kodexzur Markt-, Meinungs- und Sozialforschung sowie zurDatenanalytikDie Internationale Handelskammer (International Chamber ofCommerce - ICC) ist die größte weltweit tätigeWirtschaftsorganisation. Das globale Netzwerk der ICCumfasst über 6,5 Millionen Mitglieder in mehr als 130 Ländern.ESOMAR ist die globale Stimme der Daten-, Forschungs-, undErkenntnisgemeinschaft. Sie spricht für mehr als 4900Experten und 500 Unternehmen in mehr als 130 Länder, dieDatenanalytik oder Forschung betreiben oder diesebeauftragen und die alle die Beachtung des ICC/ESOMARInternationalen Kodex zugesichert haben.Übersetzung in Deutsch ESOMAR 2017Copyright ICC/ESOMAR 2016.Alle Rechten vorbehalten. Diese Publikation darf nur mit vorheriger schriftlicherZustimmung von ICC und ESOMAR übersetzt werden.Der ICC / ESOMAR Kodex wurde in englischer Sprache verfasst und die englischeFassung ist der maßgebliche Text.Alle ICC Kodizes und Richtlinien sind verfügbar auf www.iccwbo.orgAlle ESOMAR Kodizes und Richtlinien sind verfügbar auf www.esomar.org

InhaltVorwort3Einleitung4Zweck und dlegende prinzipien6Artikel7Pflichten gegenüber den Inhabernpersonenbezogener Daten7Artikel 1 - Sorgfaltspflichten7Artikel 2 - Kinder, junge Menschen und andereschutzbedürftige Personen7Artikel 3 - Datenminimierung7Artikel 4 - Primärdatenerhebung7Artikel 5 - Nutzung von Sekundärdaten8Article 6 - Datenschutz und Schutz der Privatsphäre 8Pflichten gegenüber Kunden9Artikel 7 - Transparenz9Pflichten gegenüber der allgemeinenÖffentlichkeit10Artikel 8 - Veröffentlichung von Ergebnissen10Pflichten gegenüber dem Berufsstand derMarkt- und Sozialforschung10Artikel 9 - Pflichten gegenüber dem BerufsstandArtikel 10 - Gesetzliche PflichtenArtikel 11 - AnwendungArtikel 12 - Implementierung101011112

VorwortDie Markt-, Meinungs- und Sozialforschung hat während ihrer gesamten Geschichte denHerstellern von Gütern und Dienstleistungen, den Regierungen, Einzelpersonen und derGesellschaft allgemein Informationen und Einsichten über das Verhalten von Menschen, überihre Bedürfnisse und Einstellungen geliefert, um so informierte Entscheidungen zuermöglichen. Dabei standen vor allem die direkte Interaktion mit den Forschungsteilnehmernund ihre Beobachtung im Vordergrund, wobei sehr darauf geachtet wurde, deren Privatsphärezu schützen. Dies war der zentrale Schwerpunkt der erfolgreichen Geschichte derSelbstregulierung unseres Berufsstandes.Die Welt verändert sich und es ist zwingend notwendig, dass wir uns mit ihr ändern.Während der letzten etwa 20 Jahre haben wir eine digitale Revolution erlebt verbunden miteinem dramatischen Anstieg der Möglichkeiten, Informationen zu erheben, zu speichern undzu verarbeiten, mit der Entstehung des globalen Internets, der sozialen Medien und der Mobiltechnologie. Dies verändert radikal die Art und Weise, wie Menschen leben und arbeiten.In der Folge basiert die Forschung immer mehr auf Daten, die bereits in digitaler Formvorhanden sind. Die Rolle des Forschers ändert sich vom Interviewer hin zu einemDatenbetreuer, der sich immer mehr darauf konzentriert, bereits existierende Daten zuorganisieren und zu integrieren. Die Forschung und die Generierung von Einsichtenbeschränken sich nicht mehr nur auf die Erhebung und Analyse von Daten, sondern sieerweitern sich um das Management und die Synthese von Daten, die aus so verschiedenenQuellen stammen können wie Gruppendiskussionen, Befragungen von Stichproben oderÄußerungen in sozialen Medien oder auch ganz andere große Datenbanken.Die vorliegende Überarbeitung des ICC/ESOMAR Kodex trägt den Auswirkungen dieserneuen Technologien auf die Markt- und Sozialforschung Rechnung. Die Berücksichtigungder Datenanalytik im Titel erkennt an, dass die starke Zunahme von Datenbeständen zueiner gänzlich neuen Herangehensweise in unserer Forschungsdisziplin geführt hat, in derdie Forscher große Datenbestände zusammenstellen und analysieren, um Muster in denDaten zu entdecken und den Kunden wichtige neue Erkenntnisse zu liefern. Datenanalytikkann auch für andere Zwecke genutzt werden. Wird sie jedoch für die Markt- undSozialforschung genutzt, dann findet dieser Kodex Anwendung.Dabei hat sich eines nicht geändert, nämlich, dass wir uns weiter auf die Kooperation derÖffentlichkeit verlassen und ihr Vertrauen darauf, dass die Forschung redlich und objektivausgeführt wird und ohne Verletzung der Privatsphäre oder sonstige nachteilige Folgen fürdiejenigen, deren Daten in der Forschung genutzt werden.In der Öffentlichkeit wir es immer wichtiger, dass jeder die Kontrolle darüber behält, wie undfür welche Zwecke seine personenbezogenen Daten verwendet werden. Damit einher gehtdie dringende Notwendigkeit nach einer ethischen und standesrechtlichen Orientierung, wiediese Verantwortung für die Daten wahrgenommen werden kann. Noch nie war es so wichtigwie heute, das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Markt- und Sozialforschung zu erhaltenund weiter zu zeigen, dass wir die ethische, standesrechtliche und soziale Verantwortungernst nehmen, die mit der Verwendung von personenbezogenen Daten verbunden ist.ICC und ESOMAR freuen sich, diese letzte Überarbeitung des Kodex zu präsentieren. Wirglauben, dass dieser weiter hohe Standards ethischen Verhaltens fördern und das Vertrauender Öffentlichkeit in die Markt- und Sozialforschung stärken wird. Wir empfehlen dieweltweite Nutzung dieses Kodex.John Danilovich, Generalsekretär ICCFinn Raben, Generaldirektor ESOMAR3

ICC/ESOMARInternationaler Kodexzur Markt-, Meinungs- und Sozialforschung und DatenanalytikEinleitungESOMAR hat im Jahr 1948 den ersten Kodex der Markt- und Sozialforschungspraxisveröffentlicht. In den folgenden Jahren haben auch mehrere nationale Vereinigungen ihreKodex publiziert.In 1976 haben dann ESOMAR und ICC, die einen verwandten Kodex hatte, der aus demGlobalen Kodex für Marketing und Werbung stammte, vereinbart, einen gemeinsameninternationalen Kodex anzustreben. Der gemeinsame ICC/ESOMAR Kodex wurde imfolgenden Jahr veröffentlicht. Dieser Kodex aus dem Jahr 1977 wurde 1986 aktualisiert,dann 1994 und zuletzt 2007. Mehr als 60 Vereinigungen in über 50 Länder haben ihnangenommen oder unterstützt.Zweck und AnwendungsbereichDieser Kodex ist als umfassender Ordnungsrahmen der Selbstregulierung für alle in derMarkt-, Meinungs- und Sozialforschung sowie in der Datenanalytik Tätigen gedacht. Ersetzt wesentliche Standards für ethisches und professionelles Verhalten zur Aufrechterhaltung des Vertrauens der Öffentlichkeit in die Forschung. Gleichzeitig fordert er aberauch die strikte Einhaltung aller einschlägigen regionalen, nationalen oder lokalen Gesetze, Regulierungen, Branchen- oder Standesregeln, die höhere Standards setzen. Er stelltsicher, dass Forscher und Analytiker, die mit traditionellen oder auch neuen Datenquellenarbeiten, weiter die ethischen, standesrechtlichen und gesetzlichen Verpflichtungen sowohlgegenüber den Forschungsteilnehmern, die ihre Daten zur Verfügung stellen, als auch gegenüber den Kunden und Organisationen, für die sie arbeiten, einhalten. Er soll auch dasRecht der Forscher schützen, Informationen zu suchen, zu erheben und zu teilen, wie es inArtikel 19 des Internationalen Pakts über bürgerliche und politische Rechte festgelegt ist.Der Kodex findet Anwendung auf die gesamte Markt-, Meinungs- und Sozialforschungweltweit. Die Annahme und Beachtung ist für alle ESOMAR-Mitglieder und für dieMitglieder der Organisationen, die ihn angenommen haben, verpflichtend.InterpretationDer Kodex ist sowohl dem Geist, in dem er geschrieben wurde, als auch dem Buch-stabennach anzuwenden. Er sollte in Verbindung mit anderen ICC und ESOMAR Kodices,Richtlinien, Grundsätzen und Interpretationen gelesen werden, die dazu dienen sollen, denKodex bei spezifischen Forschungsmethoden oder Anwendungen anzuwen-den. Dieseund weitere Dokumente sind unter www.iccwbo.org und www.esomar.org verfügbar.In diesem Dokument wird „muss“ bzw. „darf nicht“ verwendet, um verbindliche Anforderungen zu kennzeichen, also ein Prinzip oder eine Vorgehensweise, der Forscherverpflichtet sind zu folgen. Das Wort „soll“ wird dagegen zur Beschreibung einerUmsetzung verwendet und kennzeichnet eine empfohlene Vorgehensweise.4

DefinitionenIn diesem Kodex gelten für die folgenden Begriffe die nachfolgenden Definitionen:Datenanalytik ist der Prozess der Untersuchung von Datenbeständen zur Aufdeckungverborgener Muster, bislang nicht bekannter Korrelationen, Trends, Präferenzen undanderer nützlicher Informationen zu Forschungszwecken.Datenschutzerklärung ist eine veröffentlichte Zusammenfassung über den Umgangeiner Organisation mit dem Schutz personenbezogener Daten, die beschreibt, wie dieOrganisation personenbezogene Daten erhebt, nutzt, zugänglich macht und verwaltet.Einwilligung ist das freiwillig und informiert gegebene Zeichen der Zustimmung einerPerson zur Erhebung und Nutzung ihrer personenbezogenen Daten.Forscher sind Einzelpersonen oder Organisationen, die Forschung betreiben oder dazuberaten, einschließlich solcher, welche in Kundenorganisationen oder beiUnterauftragsnehmern arbeiten.Forschung, die alle Formen der Markt-, Meinungs- und Sozialforschung sowie dieDatenanalytik umfasst, ist das systematische Sammeln und Interpretieren vonInformationen über Personen und Organisationen. Sie nutzt die statistischen undanalytischen Methoden und Techniken der ange wandten Sozial-, Verhaltens- undComputerwissenschaften, um Einsichten zu entwickeln und die Entscheidungen vonHerstellern von Gütern und Dienstleistungen, von Regierungen, gemeinnützigenOrganisationen und der allgemeinen Öffentlichkeit zu unterstützen.Forschungsfremde Tätigkeit ist eine direkt an eine Person gerichtete Aktion, derenpersonen bezogene Daten erhoben oder analysiert wurden, und die mit dem Zielerfolgt, die Einstellungen, Meinungen oder das Verhalten dieser Person zu verändern.Forschungsteilnehmer ist jede Person, deren personenbezogene Daten für dieForschung verwendet werden.Kinder sind Personen, für die eine Erlaubnis der Eltern oder eines verantwortlichenErwachsenen eingeholt werden muss, damit sie an einer Forschung teilnehmen können.Die in nationalen Gesetzen und Bestimmungen der Selbstregulierung festgelegtenAltersbegrenzungen für Kinder weisen große Unterschiede auf. Gibt es keine nationaleDefinition, so gilt, dass Kinder 12 Jahre alt oder jünger sind und junge Menschen von13 bis 17 Jahre alt sind.Kunde ist jede Person oder Organisation, die ein Forschungsprojekt ganz oder zum Teilnachfragt, beauftragt oder bezieht.Passive Datenerhebung bedeutet die Erhebung personenbezogener Daten durchBeobachtung, Messung oder Aufzeichnung des Verhaltens einer Person.Personenbezogene Daten (manchmal auch als personenidentifizierte Informationenoder PII bezeichnet) sind alle Informationen, die sich auf eine lebende natürliche undidentifizierbare Person beziehen, z.B. durch direkt identifizierende Informationen (wieNamen, ein bestimmten Ort, Telefonnummer, Bild, Ton oder Video) oder indirekt durchkörperliche, mentale, wirtschaftliche, kulturelle oder soziale Eigenschaften.Primärdaten sind Daten, die durch einen Forscher über eine oder bei einer Person zumZwecke der Forschung erhoben warden.Schaden ist ein konkreter und materieller Schaden (wie eine gesundheitlicheBeeinträchtigung oder ein finanzieller Verlust), ein immaterieller oder moralischer Schaden5

(wie eine Rufschädigung oder eine Beeinträchtigung des immateriellen Firmenwerts) oderein exzessives Eindringen in das Privatleben einschließlich unaufgeforderter persönlichadressierter Marketingbotschaften.Schutzbedürftige Personen sind Personen, deren Fähigkeit, freiwillige und informierteEntscheidungen zu treffen, eingeschränkt ist. Dies beinhaltet auch Personen mit geistigenoder kommunikativen Behinderungen.Sekundärdaten sind Daten, die für andere Zwecke erhoben wurden, danach jedoch für dieForschung genutzt werden.Grundlegende PrinzipienDieser Kodex basiert auf drei grundlegenden Prinzipien, welche die Markt-, Meinungs- undSozialforschung in ihrer gesamten Geschichte gekennzeichnet haben. Sie liefern denHintergrund für die Interpretation der einzelnen Artikel des Kodex:1. Bei der Erhebung personenbezogener Daten für Forschungszwecke müssen dieForscher klar darüber informieren, welche Arten von Daten sie erheben wollen, den Zweckder Erhebung und an wen die Daten in welcher Form übermittelt werden sollen.2. Forscher müssen sicherstellen, dass die in der Forschung verwendetenpersonenbezogenen Daten sorgfältig vor nicht autorisiertem Zugriff geschützt sind und nichtohne die Zustimmung der Forschungsteilnehmer offen gelegt werden.3. Forscher müssen sich stets ethisch korrekt verhalten und alles vermeiden, was einemForschungsteilnehmer Schaden zufügen oder den Ruf der Markt-, Meinungs- undSozialforschung beeinträchtigen kann.6

ArtikelPflichten gegenüber den BetroffenenArtikel 1 Sorgfaltspflichten(a) Forscher müssen sicherstellen, dass die Forschungsteilnehmer keinen Schaden erleiden,der eine direkte Folge davon ist, dass ihre personenbezogenen Daten in der Forschunggenutzt werden.(b) Forscher müssen besondere Sorgfalt walten lassen, wenn die Art der Forschung sensibelist oder die Umstände, unter denen die Daten erhoben werden, geeignet ist, bei denForschungsteilnehmern Ärgernis zu erregen oder dass sie sich gestört fühlen.(c) Forscher müssen sich bewusst sein, dass Forschung auf dem Vertrauen der Öffentlichkeitin die Integrität der Forschung und die vertrauliche Handhabung der zur Verfügung gestelltenInformationen beruht. Sie müssen daher die Unterscheidung zwischen Forschung undforschungsfremder Tätigkeit sorgfältig beachten. 1)(d) Wenn Forscher auch forschungsfremde Tätigkeiten wie z.B. an Einzelpersonen gerichtetekommerzielle Aktivitäten betreiben, müssen sie diese von der Forschung klar unterscheidenund von ihr trennen.Artikel 2 Kinder, junge Menschen und andere schutzbedürftige Personen(a) Wenn Forscher Daten von Kindern oder von anderen Personen erheben, für die einegesetzliche Betreuungsperson bestellt ist , müssen sie die Zustimmung der Eltern oder desBetreuers einholen.(b) Forscher müssen besondere Sorgfalt walten lassen, wenn sie überlegen, ob sie Kinderoder junge Menschen in die Forschung einbeziehen wollen. Die gestellten Fragen müssen dasAlter und die Reife der Befragten berücksichtigen.(c) Wenn Forscher mit anderen schutzbedürftigen Personen arbeiten, müssen siesicherstellen, dass diese Personen in der Lage sind, informiert zu entscheiden und sie nichtübermäßig zur Teilnahme an der Forschung gedrängt werden.Artikel 3 DatenminimierungForscher müssen die Erhebung und / oder die Verarbeitung von personenbezogenen Datenauf solche Informationen beschränken, die für die Forschung wichtig sind.Article 4 Primärdatenerhebung(a) Bei der Erhebung personenbezogener Daten direkt von einem Forschungsteilnehmer fürForschungszwecke ist folgendes zu beachten:i.Forscher müssen sich sofort identifizieren und die Forschungsteilnehmer müsseneinfach in der Lage sein, die Identität und die redlichen Absichten des Forscherszu überprüfen.1) Da es auch wichtig ist, dass Nicht-Forscher klar zwischen Forschung und kommerziellen Tätigkeiten unterscheiden, wird auf den Artikel 9 des ICC Kodexfür Marketing und Marketingkommunikation verwiesen: „Marketingkommunikation darf nicht ihre wahren kommerziellen Zwecke falsch darstellen. ZumBeispiel darf daher eine Kommunikation, welche den Verkauf eines Produkts fördern soll, nicht als Marktforschung, Verbraucherbefragung, Nutzergenerierter Beitrag, privater Blog oder unabhängige Kritik dargestellt werden.“7

ii.Forscher müssen so bald wie methodisch möglich die Zielsetzung der Forschungklar darlegen.iii.Forscher müssen sicherstellen, dass die Teilnahme freiwillig ist und dieZustimmung auf angemessenen und nicht irreführenden Informationen zurZielsetzung und Art der Forschung beruht.iv.Forscher müssen die Forschungsteilnehmer informieren, wenn sie diese fürweitere Erhebungen noch einmal kontaktieren wollen. Die Forschungsteilnehmermüssen dem Wiederholungskontakt zustimmen. Die einzige Ausnahme ist einweiterer Kontakt zur Qualitätssicherung.v.Forscher müssen das Recht von Personen respektieren, sich einer Bitte zurTeilnahme an einer Forschung zu verweigern(b) Forscher müssen es Forschungsteilnehmern ermöglichen, zu jeder Zeit dieForschungsteilnahme zu beenden sowie die personenbezogenen Daten, die über siegespeichert sind, einzusehen und ggf. zu berichtigen.(c) Passive Datenerhebung soll auf der Zustimmung der Forschungsteilnehmer beruhen undallen Bedingungen in Artikel 4(a) entsprechen.(d) Wenn es bei der passiven Datenerhebung nicht möglich ist, die Zustimmung derForschungsteilnehmer einzuholen, müssen Forscher eine gesetzliche Erlaubnis zurDatenerhebung haben und alle Daten, die zur Identifizierung der Forschungsteilnehmergeeignet sind, so schnell wie möglich löschen oder verbergen.Artikel 5 Nutzung von SekundärdatenBei der Nutzung von Sekundärdaten, die auch personenbezogene Daten enthalten, mussfolgendes sichergestellt werden:(a) Die beabsichtige Nutzung der Daten ist vereinbar mit dem Zweck, für den die Datenursprünglich erhoben wurden.(b) Die Daten wurden nicht unter der Verletzung rechtlicher Beschränkungen, durchTäuschung, oder auf andere, den Forschungsteilnehmern nicht klare, nicht erkennbare oderunerwartete Art und Weise erhoben.(c) Die beabsichtigte Nutzung war bei der Erhebung nicht durch die damals zur Verfügunggestellte Datenschutzerklärung ausgeschlossen worden.(d) Alle Forderungen von Forschungsteilnehmern, ihre Daten nicht für andere Zwecke zunutzen, werden respektiert.(e) Die Nutzung der Daten wird zu keinem Schaden für die Forschungsteilnehmer führen undes sind Maßnahmen getroffen, die vor einem solchen Schaden schützen.Artikel 6 Datenschutz und Schutz der Privatsphäre(a) Wenn Forscher beabsichtigen, Daten für Forschungszwecke zu erheben, welche u.U. auchfür forschungsfremde Zwecke verwendet werden sollen, dann muss dies vor Beginn derDatenerhebung klar kommuniziert und die Zustimmung zur Verwendung für die forschungsfremden Zwecke eingeholt werden.(b) Forscher dürfen personenbezogene Daten von Forschungsteilnehmern nicht an dieKunden übermitteln, es sei denn, die Forschungsteilnehmer haben dazu und zu dem Zweck,zu dem die Daten genutzt werden sollen, zugestimmt.8

(c) Forscher müssen eine für die Forschungsteilnehmer leicht zugängliche und verständlicheDatenschutzerklärung haben.(d) Forscher müssen sicherstellen, dass personenbezogene Daten nicht zurückverfolgtwerden können und dass die Identität der Befragten (z.B. durch Kreuzanalysen, kleineStichproben oder durch eine Kombination mit anderen Daten wie z.B. Kundendaten oder imöffentlichen Raum vorhandene Daten) nicht erschlossen werden kann.(e) Forscher müssen alle vernünftigen Vorkehrungen treffen, um sicherzustellen, dasspersonenbezogene Daten sicher sind. Sie müssen gegen Gefahren wie die des Verlusts, desunberechtigte Zugangs, der Löschung, des Missbrauchs, der Veränderung oder derOffenlegung geschützt werden.(f) Personenbezogene Daten dürfen nicht länger gehalten werden als es für den Zweck, zudem sie erhoben oder genutzt werden, erforderlich ist.(g) Wenn personenbezogene Daten an Unterauftragsnehmer oder andere Dienstleisterübermittelt werden sollen, müssen die Forscher sicherstellen, dass die Datenempfängerzumindest ein gleichwertiges Datenschutzniveau realisieren.(h) Forscher müssen besondere Sorgfalt zum Schutz der personenbezogenen Daten derForschungsteilnehmer walten lassen, wenn die Daten in ein Gebiet mit einer anderenRechtsordnung übertragen werden sollen. Solche Übertragungen dürfen ohne dieZustimmung der Befragten oder einer diese ersetzenden gesetzlichen Erlaubnis nichtvorgenommen werden. Zusätzlich müssen alle vernünftigen Schritte unternommen werden,die sicherstellen, dass angemessene Sicherheitsmaßnahmen angewendet werden und dassden Datenschutzanforderungen dieses Kodexs entsprochen wird.(i) Kommt es zu einem Bruch des Schutzes von personenbezogenen Daten, dann haben dieForscher gegenüber den betroffenen Forschungsteilnehmern eine Fürsorgepflicht. Alle füreinen solchen Fall vorgesehen gesetzlichen Anzeigepflichten müssen beachtet werden.Pflichten gegenüber den KundenArtikel 7 Transparenz(a) Forscher müssen die Forschung entsprechend dem mit dem Kunden vereinbarten Designund Qualitätsniveau und im Einklang mit Artikel 9(a) durchführen.(b) Forscher müssen sicherstellen, dass die Ergebnisse und ihre Interpretation klar undangemessen durch die Daten unterstützt werden.(c) Forscher müssen es dem Kunden auf Anforderung ermöglichen, unabhängige Prüfungender Qualität der Datenerhebung und der Datenaufbereitung durchführen zu lassen.(d) Forscher müssen den Kunden alle technischen Informationen geben, die erforderlich sind,um die Validität der Ergebnisse und aller daraus gezogenen Schlüsse beurteilen zu können.(e) Bei der Berichterstattung der Forschungsergebnisse müssen Forscher klar unterscheidenzwischen Ergebnissen, ihrer Interpretation dieser Ergebnisse und allen daraus abgeleitetenFolgerungen oder Empfehlungen.9

Pflichten gegenüber der allgemeinenÖffentlichkeitArtikel 8 Veröffentlichung von Ergebnissen(a) Wenn Forschungsergebnisse veröffentlicht werden, müssen die Forscher sicherstellen,dass die Öffentlichkeit Zugang zu den erforderlichen Informationen hat, um die Qualität derDaten und die Gültigkeit der daraus gezogenen Schlüsse zu beurteilen.(b) Forscher müssen auf Nachfrage die zusätzlichen technischen Informationen zugänglichmachen, die erforderlich sind um die Qualität aller veröffentlichten Ergebnisse zu beurteilen,es sei denn, sie sind durch Vertrag daran gehindert.(c) Wenn der Kunde plant, die Ergebnisse eines Forschungsprojekts zu veröffentlichen, sollder Forscher sicherstellen, dass der Kunde zur Form und zum Inhalt der Veröffentlichungberaten wird. Sowohl der Kunde als auch der Forscher haben die Pflicht zu gewährleisten,dass veröffentlichte Ergebnisse nicht irreführend sind.(d) Forscher dürfen es nicht zulassen, dass ihr Name oder der Name ihrer Organisation mitder Verbreitung von Folgerungen aus einem Forschungsprojekts verbunden wird, die nichtangemessen durch die Daten unterstützt werden.Pflichten gegenüber dem Berufsstand derMarkt- und SozialforschungArtikel 9 Pflichten gegenüber dem Berufsstand(a) Forscher müssen redlich, wahrhaftig und objektiv sein und sicherstellen, dass ihreForschung im Einklang mit angemessenen wissenschaftlichen Forschungsverfahren, methoden und-techniken durchgeführt wird.(b) Forscher müssen sich immer ethisch korrekt verhalten und müssen alles vermeiden, wasgeeignet ist, den Ruf der Forschung ungerechtfertigt zu beschädigen oder das Vertrauen derÖffentlichkeit in sie zu beeinträchtigen.(c) Forscher müssen in ihrem gesamten beruflichen und geschäftlichen Handeln aufrichtig undredlich sein.(d) Forscher dürfen andere Forscher nicht ungerechtfertigt kritisieren.(e) Forscher dürfen keine falschen oder sonstigen irreführenden Behauptungen über ihreFähigkeiten, Erfahrungen oder Aktivitäten oder die ihrer Organisation machen.(f) Forscher müssen die allgemein akzeptierten Regeln des fairen Wettbewerbs beachten.Artikel 10 Gesetzlichen PflichtenForscher müssen alle internationalen und nationalen Gesetze, lokalen Verhaltenskodizes undberufsständischen Verhaltensregeln beachten.10

Artikel 11 Anwendung(a) Forscher müssen sicherstellen, dass ihre Forschung im Einklang mit diesem Kodexdurchgeführt wird, dass Kunden und andere Beteiligte der Einhaltung dieser Regelnzustimmen und dass der Kodex – soweit angemessen – von allen Organisationen, Firmen undEinzelpersonen in allen Phasen des Forschungsprojekts angewendet wird.(b) Die Korrektur eines Verstoßes gegen diesen Kodex ist zwar wünschenswert, entschuldigtden Verstoß aber nicht.(c) Kooperiert ein ESOMAR-Mitglied bei der Untersuchung einer möglichen Verletzung diesesKodex durch ESOMAR nicht, so wird dies als Verletzung dieses Kodex gewertet. Dies giltauch für die Mitglieder anderer Organe der Selbstregulierung, die den Kodex angenommenhaben.Artikel 12 Implementierung(a) Der Kodex und die darin enthaltenen Regeln sollen national und international durch dieeinschlägigen lokalen, nationalen und internationalen Organisationen der Selbstregulierungangenommen werden und müssen – im Fall der Annahme – von diesen auch umgesetztwerden. Forscher und Kunden sollen sich darüber hinaus auch mit den einschlägigen lokalenRegeln und Entscheidungen der Organisationen der Selbstregulierung vertraut machen.(b) Anfragen zur Interpretation der in diesem Kodex enthaltenen Regeln sind an dasProfessional Standards Committee von ESOMAR oder an die ICC Comission on Marketingand Advertising zu richten.11

Über der Internationale Handelskammer (ICC)Die Internationale Handelskammer (International Chamber of Commerce - ICC) istdie größte weltweit tätige Wirtschaftsorganisation. Das globale Netzwerk der ICCumfasst über 6,5 Millionen Mitglieder in mehr als 130 Ländern.Ziele der ICC sind die Förderung einer verantwortungsvollen, globalen Marktwirtschaft und die Entwicklung von internationalen Standards und Rahmenbedingungen. Die Organisation stützt sich bei ihrer Tätigkeit auf eine ganzeBandbreite von international führenden Streitbeilegungsmechanismen.Zu den Mitgliedern der ICC Deutschland gehören global agierende Konzerne undMittelständler, Industrie und Handelskammern sowie Spitzen- und Fachverbändeund Anwaltskanzleien.Über ESOMARESOMAR ist die globale Stimme der Daten-, Forschungs-, und Erkenntnisgemeinschaft. Sie spricht für mehr als 4900 Experten und 500 Unternehmen in mehrals 130 Länder, die Datenanalytik oder Forschung betreiben oder diese beauftragenund die alle die Beachtung des ICC/ESOMAR Internationalen Kodex zugesicherthaben.Zusammen mit nationalen und internationalen Forschungsverbänden, setzen undfördern wir als globale Vereinigung berufliche Standards und die Selbstregulierungder Branche. Wir bestärken, fördern und verteidigen die Rolle und den Wert derDatenanalytik und der Markt- und Meinungsforschung bei der Durchdringung realerProblem und der Findung effektiver Entscheidungen.

Artikel 7 Pflichten gegenüber den Inhabern personenbezogener Daten 7 Artikel 1 - Sorgfaltspflichten 7 . Die Markt-, Meinungs- und Sozialforschung hat während ihrer gesamten Geschichte den . Finn Raben, G